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Unternehmensführung

Verkaufen?! - Wie Agenturchefs den perfekten Exit schaffen

22.10.2025 Viele Inhaber von Agenturen stehen früher oder später vor der Frage: verkaufen oder weitermachen? Wie sie den richtigen Zeitpunkt erkennen - und ihren Exit strategisch und gewinnbringend gestalten.

Vor dem finalen Handschlag steht der Verkaufsprozess. Wohl dem, der überlegt und strukturiert vorgeht. (Bild: Pixabay / Gerd Altmann)
Bild: Pixabay / Gerd Altmann
Vor dem finalen Handschlag steht der Verkaufsprozess. Wohl dem, der überlegt und strukturiert vorgeht.

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TL;DR
Wie Agenturinhaber den Verkauf ihres Unternehmens strategisch planen, professionell vorbereiten und zum optimalen Zeitpunkt erfolgreich umsetzen können.
Der Verkauf einer Agentur gehört zu den einschneidendsten Ereignissen im Unternehmerleben. Kaum ein Gründer steht mehr als einmal vor dieser Entscheidung - und selten sind die Ausgangsbedingungen symmetrisch. Denn auf der Käuferseite agieren routinierte Private-Equity-Gesellschaften und strategische Akquisiteure, die Unternehmen in Serie kaufen. Auf der Verkäuferseite aber Unternehmer, die diesen Schritt zum ersten Mal gehen. Deswegen gilt: Nur wer rechtzeitig plant, klare Ziele definiert und den Prozess als strategisches Projekt versteht, kann den Übergang finanziell, organisatorisch und menschlich erfolgreich gestalten.

Während Käufergruppen Transaktionen in Serie durchführen, fehlt vielen Agenturinhabern die Erfahrung mit Verkaufsprozessen. Sie begegnen Finanzprofis mit eingespielten Bewertungs- und Verhandlungsmechanismen - häufig ohne eigene Vergleichswerte.

Diese Asymmetrie ist riskant: Auf der einen Seite agieren professionelle Teams, die Unternehmensübernahmen als Tagesgeschäft betrachten. Auf der anderen Seite stehen Unternehmer, für die der Verkauf ihrer Firma ein einmaliger, emotionaler Ausnahmefall ist.

Zehn Fragen vor dem Verkauf

  1. Wann möchte ich operativ aussteigen - und wie lange bin ich bereit, zu bleiben?
  2. Soll das Unternehmen vollständig oder nur anteilig verkauft werden?
  3. Welche Käufergruppen passen strategisch und kulturell zu meiner Agentur?
  4. Welche Werte und Strukturen sollen erhalten bleiben?
  5. Wie stabil ist meine Ertragslage über die letzten drei Jahre?
  6. Welche Faktoren könnten den Multiple erhöhen oder senken?
  7. Welche steuerlichen und rechtlichen Fragen müssen vorab geklärt werden?
  8. Habe ich intern genügend Ressourcen, um den Prozess aktiv zu begleiten?
  9. Wie soll die Kommunikation mit Mitarbeitern und Kunden ablaufen?
  10. Welche Rolle spielt der Verkauf in meinem persönlichen Lebensplan?

Die wichtigste Regel lautet deshalb: Verkaufen, wenn man kann - nicht, wenn man muss. Wer frühzeitig über einen Exit nachdenkt und ihn vorbereitet, handelt aus Stärke und kann den Wert seines Unternehmens selbstbewusst gestalten.

Signale, die Sie sehen sollten

Deswegen gilt es zunächst, den richtige Zeitpunkt für einen Verkauf zu erkennen. Der hängt nur selten allein von Alter oder der Lebensphase ab. Neben der klassischen Nachfolgeregelung spielen oft auch andere Motive eine Rolle - etwa der Wunsch nach Veränderung oder ungelöste Konflikte unter Gesellschaftern.

Dazu treten betriebliche Warnsignale, die leicht übersehen werden:

  • sinkende Akquise-Erfolge und "fehlende neue Logos" bei den Kundenreferenzen,
  • zunehmender Preisdruck in Pitches,
  • schwindende Rentabilität und Margen,
  • wiederkehrende Liquiditätsengpässe.

Wer diese Entwicklungen erkennt, sollte frühzeitig strategische Optionen prüfen. Ein Verkauf, der aus einer Position der Stärke heraus erfolgt, eröffnet mehr Handlungsfreiheit - finanziell wie organisatorisch.

Der Verkauf als langfristig geplantes Projekt

Ein Unternehmensverkauf ist ein mehrstufiges, oft mehrjähriges Vorhaben. Zwischen der ersten Überlegung und dem endgültigen Abschluss liegen typischerweise zwei bis drei Jahre intensiver Vorbereitung.

Die wichtigste Phase ist die Konzeptionsarbeit:

  • Ziele definieren: Was soll der Verkauf leisten - Nachfolge, Wachstum, Entlastung?
  • Rolle klären: Bleibe ich operativ an Bord, und wenn ja, wie lange?
  • Rahmenbedingungen festlegen: Welche Werte, Strukturen und Mitarbeiter sollen erhalten bleiben?

Webinar-Tipp: Überlegungen und Ablauf eines Agenturverkaufs

Der Schritt zum Verkauf einer Digitalagentur ist für viele Inhaber eine einmalige Entscheidung. Im iBusiness-Webinar erklären Thomas Lang (ACTUM Digital GmbH) und Joachim Graf (iBusiness.de), wie sich Chancen, Risiken und der Ablauf eines Agenturverkaufs realistisch einschätzen lassen - von der ersten Überlegung bis zur erfolgreichen Übergabe.
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Mit diesen Grundlagen lassen sich die Gespräche mit Interessenten sachlich und souverän führen. Unterstützend wirken Steuerberater, Rechtsanwälte und M&A-Agenturen, die den Prozess professionell strukturieren. Letztere arbeiten in der Regel erfolgsbasiert (zwei bis fünf Prozent des Transaktionswertes) und können den Marktzugang sowie die Verhandlungsführung erheblich erleichtern.

Werden die ersten Interessenten adressiert, sollte man wissen, mit wem er spricht. Grundsätzlich lassen sich zwei Käufergruppen unterscheiden: Strategen und Finanzinvestoren.

  • Strategen - meist andere Agenturen oder Kommunikationsgruppen - denken langfristig. Sie suchen Synergien, Portfolioerweiterungen oder neue Kundensegmente. Neben den Kennzahlen zählen hier kulturelle Passung, Teamkompetenz und Integrationsfähigkeit. Strategen zahlen deshalb häufig höhere Preise, weil sie in Potenzialen und Menschen investieren.

  • Finanzinvestoren, typischerweise Private-Equity-Gesellschaften, verfolgen renditeorientierte Ziele. Ihr Horizont liegt bei drei bis sieben Jahren bis zum Wiederverkauf. Sie konzentrieren sich auf Effizienz, Wertsteigerung und Kostensynergien - weniger auf Kultur oder Markenidentität.

Zwischen beiden Extremen existieren Buy-&-Build-Modelle, bei denen Private Equity strategische Käufer mit Kapital ausstattet, um gezielt Unternehmen derselben Branche zu akquirieren. Für Verkäufer heißt das: Je besser man die Logik des Käufers versteht, desto gezielter kann man verhandeln.

Knackpunkt: Welchen Wert hat die Agentur?

Die Bewertung einer Agentur erfolgt meist über das EBITDA-Multiple-Verfahren.
Dabei wird der durchschnittliche operative Gewinn der letzten drei bis fünf Jahre (bereinigt um Sondereffekte) mit einem marktüblichen Faktor multipliziert. Für Agenturen mittlerer Größe liegt dieser in der Regel zwischen 3 und 6.

Das Multiple hängt dabei von mehreren Faktoren ab:

  • Größe und Ertragsstabilität des Unternehmens,
  • Wachstumsperspektive und Innovationskraft,
  • Kundenstruktur und Vertragslaufzeiten,
  • Anteil wiederkehrender Umsätze aus Retainer-Verträgen.
Wer die Bewertungslogik versteht, kann gezielt reagieren und das Unternehmen attraktiv machen. Es gilt: je besser die Planung, desto höher der erzielbare Preis. Wer seine Profitabilität rechtzeitig stärkt - etwa durch Effizienzmaßnahmen oder Investitionen in margenstarke Services - verbessert seine Verhandlungsposition erheblich.

Kurzfristige Strohfeuer helfen dabei allerdings wenig, denn die Verhandlungsphase nimmt durchaus einige Zeit in Anspruch. Dieser Ablauf dauert im Durchschnitt zwölf bis achtzehn Monate. Zeitdruck ist dabei der größte Gegner: Wer die Vorbereitung strukturiert angeht, kann den Prozess kontrollieren - statt von ihm kontrolliert zu werden.

Ein typischer Verkaufsprozess folgt klaren Schritten:

  1. Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) - Schutz sensibler Daten.
  2. Bereitstellung eines Datenraums mit Kennzahlen und Dokumenten.
  3. Indikatives Angebot (Non-Binding Offer) - erste Kaufpreisindikation.
  4. Letter of Intent (LOI) - Absichtserklärung über Eckpunkte der Transaktion.
  5. Due Diligence - Prüfung von Finanzen, Steuern, Recht und Markt.
  6. Term Sheet - verbindliche Rahmenvereinbarung.
  7. Signing und Closing - Vertragsabschluss und Auszahlung.
Mit der Vertragsunterzeichnung ist der Prozess rechtlich abgeschlossen, aber menschlich noch lange nicht. Viele Käufer wünschen, dass Gründer oder Geschäftsführer für ein bis drei Jahre im Unternehmen bleiben, um Kontinuität und Wissenstransfer zu sichern.

Die interne Kommunikation sollte wohlüberlegt erfolgen. Zunächst gilt es, die eigene Rolle zu klären, dann Mitarbeiter und Kunden einzubinden. Nach außen liegt der Fokus auf den Vorteilen des Zusammenschlusses: erweiterte Leistungsfähigkeit, größere Stabilität, zusätzliche Ressourcen. Eine offene und wertschätzende Kommunikation schafft Vertrauen - und verhindert Unsicherheit im Team.

Strategischer Abschluss mit Perspektive

Ein geplanter Unternehmensverkauf ist kein Rückzug, sondern Ausdruck von Weitsicht. Er erlaubt es, Verantwortung zu übergeben, wirtschaftliche Ergebnisse zu sichern und das eigene Lebenswerk in neue Hände zu legen.

Die langfristigen Vorteile liegen auf der Hand:

  • Trennung von Unternehmens- und Lebensgeschichte
  • Finanzielle Realisierung des aufgebauten Werts
  • Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Kunden
  • Entlastung von persönlichem Risiko und Haftung
Wer den Verkauf als strategisches Projekt begreift, klare Ziele setzt und sich frühzeitig begleiten lässt, kann ihn nicht nur erfolgreich abschließen, sondern als bewussten Übergang in einen neuen Lebensabschnitt gestalten.
Thema: Verkaufen?! - Wie Agenturchefs den perfekten Exit schaffen

Kommentar von Dominik Grollmann

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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