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Digitalisierung in Banken: Entscheider haben Angst vor Regulierung
18.08.2017 Warum Banken Schwierigkeiten mit der Digitalisierung haben? Die meisten Bank-Entscheider sind der Überzeugung: Das liegt vor allem daran, dass die Politik den Banken nicht alles erlaubt, was sie tun wollen. Erst auf dem zweiten Platz rangiert das Thema 'Veränderungsbedarf beim aktuellen Geschäftsmodell'.
Die Mehrheit der Banken und Sparkassen in Deutschland will das eigene Geschäftsmodell in den kommenden zwei Jahren auf den Prüfstand stellen. Eine Branche tüftelt an einer neuen Zukunft. Die ist für die Masse digital, effizient und compliant - auch wenn nur wenige Institute den kompletten strategischen Neustart planen.
Viele Entscheider im Bankensektor drängen deshalb darauf, die Belastung für die Branche bei der Erfüllung der Masse an Regulierungsvorschriften zu mildern. Luft für Vereinfachungen sehen sie vor allem in einer stärkeren Konvergenz der unterschiedlichen Regelwerke. Inhaltliche Doppelungen und Widersprüche sollen beseitigt sowie Meldefristen und -frequenz besser aufeinander abgestimmt werden. Zudem werden Banken künftig granulare Mikrodaten melden und keine aggregierten Daten. Langfristig kann sich dadurch der Aufwand verringern, die Anforderungen der unterschiedlichen Regularien wie AnaCredit, BCBS 239 und Basel IV zu erfüllen. Ad-hoc-Berichte könnten auf der Grundlage integrierter Finanzarchitekturen beispielsweise deutlich schneller und mit weniger Aufwand erstellt werden.
Zusätzliche Entlastung verspricht sich die Branche davon, Regulierungsaufgaben künftig stärker über zentrale Stellen laufen zu lassen und Abläufe zu standardisieren. In Österreich betreibt beispielsweise das Joint Venture AuRep (Austrian Reporting Services GmbH) für mehrere Institute aus verschiedenen Bankengruppen eine gemeinsame Meldewesenplattform. Ein weiterer Trend ist, regulatorische Datenanforderungen für die Eurozone über Ländergrenzen hinweg zu harmonisieren. Die Bankenaufseher sehen perspektivisch in diesem Prozess einen Paradigmenwechsel hin zu einem "European Reporting Framework".
Wie schnell eine Entlastung durch eine Vereinheitlichung der Prozesse für einzelne Institute spürbar wird, ist von Bank zu Bank verschieden. Zunächst müssen Datenhaushalte sowie Risikomanagement- und Meldewesen-IT-Systeme angepasst werden.
Eine stärke Konvergenz und ein standardisiertes Meldewesen könnten mittelfristig auch den stark überlasteten IT-Abteilungen der Banken helfen. In zwei Dritteln der Institute herrscht Projektstau. Wichtige Zukunftsvorhaben wie die Digitalisierung müssen warten, weil die IT-Abteilungen fast vollständig von Regulierungsthemen blockiert sind.
