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Logistikbranche in der digitalen Transformations-Zwickmühle
02.11.2016 Die Logistikbranche steckt in der Zwickmühle: zwischen dem Druck der Digitalisierung und der Angst, die Datenhoheit zu verlieren, so die aktuelle Studie von Roland Berger. 95 Prozent der befragten Logistiker sind überzeugt, dass die Digitalisierung die Branche verändern wird. Aber der Verlust von wichtigen Daten wird als grösstes mögliches Risiko wahrgenommen. Künftig wird es nur noch vier Gruppen von Marktteilnehmern im Logistik-Markt geben.
Wenn es um die Umsetzung von Massnahmen geht, fehlt es nach Ansicht der Befragten intern in erster Linie an fachlichem Know-how im Digitalbereich (69%) und an der Unterstützung seitens der Geschäftsführung oder der Mitarbeiter (54%). Trotz aller Befürchtungen ist die Branche aber optimistisch: Nur etwa ein Drittel der Befragten glaubt, dass ihr Geschäftsmodell komplett vom Markt verschwinden wird. Darin liegt nach Ansicht der Experten von Roland
Berger aber eine Gefahr, denn in anderen Branchen zeigt sich bereits heute, dass dies durchaus passieren kann.
Vier Geschäftsmodelle prägen die Zukunft
Denn die Branche leidet unter dem starken Kostendruck ihrer Auftraggeber. Hinzu kommt, dass 70-80 Prozent des Geschäftsvolumens der Spediteure Standardgeschäft ist. Hier liegen die Bruttomargen bei etwa 20 Prozent, worin aus Sicht der Auftraggeber ein Kostensenkungspotenzial liegt. Logistikunternehmen müssen daher selbst die Digitalisierung vorantreiben, sonst gefährden sie ihre Zukunftsfähigkeit, so die Autoren. Einige digitale Geschäftsmodelle in der Logistik existieren bereits, und weitere werden folgen. Nach Ansicht der Roland Berger-Experten wird es künftig voraussichtlich vier Gruppen von Marktteilnehmern geben:
1. Buchungs- und Optimierungsplattformen
Siewerden das traditionelle Geschäftsmodell von Transportunternehmen stark verändern. Mit Online-Plattformen können einfache Transporte künftig viel effizienter und kostengünstiger abgewickelt werden. Durch die direkte Vernetzung der Verlader mit den Frachtführern werden die Abwicklung und die Transportkapazität optimiert; die Frachtkosten sinken. Um gemeinsam als neutraler Plattformanbieter agieren zu können, sollten Logistikunternehmen daher Kooperationsmodelle prüfen.2. Frachtführer und Terminalbetreiber
Sie werden weiterhin entscheidender Teil der Wertschöpfungskette sein. Sie werden zukünftig Grössenvorteile und neueste Technologien nutzen müssen, um Auslastung und Kosten zu optimieren. Sie sollten zudem spezielle Frachtpakete schnüren, um nicht nur von den Aufträgen der Buchungsplattformen abhängig zu sein. So können vor allem Firmen mit einfachen Logistikketten, z.B. im Shuttle-Verkehr, die Buchungsgebühren der Plattformen einsparen. Denkbar ist auch der Aufbau einer eigenen Online-Plattform in Kooperation mit anderen Frachtführern und Terminalbetreibern.3. Supply Chain-Spezialisten
Sie werden auch weiterhin komplexe Lieferprozesse, die ein industriespezifisches Know-how erfordern, abwickeln. Um die immer komplexeren Lieferketten effizienter und transparenter zu gestalten, müssen auch solche spezialisierten Nischenanbieter ihre Prozesse stärker automatisieren. Eine grosse Herausforderung: Denn sie müssen einerseits innovativ sein und Technologiesprünge mitgehen, andererseits müssen sie preislichwettbewerbsfähig bleiben. Kooperationen mit digitalen Service Providern könnten hier sinnvoll sein.
Noch sei unklar, wer die verschiedenen Rollen künftig einnehmen wird. Die Entscheidung, als Frachtführer, Terminalbetreiber oder Supply Chain-Spezialist zu fungieren, hängt vor allem vom heutigen Geschäftsmodell und der Marktpositionierung ab. Um die Chancen des digitalen Wandels für sich zu nutzen, sollten Logistikfirmen daher schnell einen digitalen Fahrplan entwickeln. Dabei sollten sie im ersten Schritt ihren potenziellen Umsatz- und Gewinnverlust durch neue digitale Geschäftsmodelle ermitteln. Entsprechend sollten dann die künftige strategische Ausrichtung festgelegt und die passenden Massnahmen definiert werden. Darüber hinaus muss im Sinne einer digitalen Transformation ein Umdenken sowohl beim Management von IT-Projekten als auch in den Unternehmen selbst stattfinden. Besonders wichtig ist dabei, die Positionierung gegenüber den Online-Plattformen klar zu definieren und gegebenenfalls Kooperationspartner für den Aufbau einer Plattform zu suchen.
Zudem sollte vor dem Hintergrund eines potenziellen Margenverlusts ein unternehmensweites Performance-Programm in die Wege geleitet und ein solider Businessplan entwickelt werden. Finanzierungspartner sollten ebenfalls frühzeitig in den Prozess einbezogen werden.
In ihrer Studie '2016 logistics study on digital business models' befragten die Roland Berger-Experten 300 Logistikunternehmen und -dienstleister in 19 Ländern.

