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SEO: Wer vom Google-Turbo AMP wirklich profitiert - und wer nicht
19.04.2017 Googles Accelerated Mobile Pages (AMP) beschleunigen seit einem guten Jahr mobile Webzugriffe. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen und zu klären, wer vom Datenturbo profitiert - und wer lieber die Finger davon lassen sollte.
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Schaut man sich auf dem Weg zur Arbeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln um, sieht man heute häufiger Personen, deren Blick starr auf ihr Smartphone gerichtet ist, als Zeitungs- oder Buchleser. Google hat früh auf diese Entwicklung reagiert und bereits im April April 2015 das Mobilegeddon-Update veröffentlicht, bei dem es um die Optimierung der Webseite für mobile Endgeräte geht: Je langsamer eine Website sich aufbaut, um so schlechter rankt sie. Das Tool "PageSpeed Insights " belegt, wie viel Wert Google mittlerweile auf die Schnelligkeit einer Webseite legt.
Im Oktober 2015 hat Google dann die ersten technischen Spezifikationen zu dem neuen Projekt "Accelerated Mobile Pages" (AMP) auf Github nachgeschoben. Die wichtigsten Aspekte dabei: Geschwindigkeit und die User Experience auf den mobilen Endgeräten.
Drei wichtige Bestandteile von AMP
Bei einer AMP (Accelerated Mobile Page) handelt es sich um eine Webseite, die mit einem speziellen HTML-Code (Google AMP HTML) programmiert wurde. Auf dieser Webseite werden verschiedene Elemente eliminiert, um dem User bereits während des Ladens der Webseite Content zur Verfügung zu stellen. Bedeutenster Vorteil für Publisher: Eine AMP wird bei einer Google Anfrage ganz oben auf der Google Suchergebnisseite angezeigt.
Für die Suchanfrage "FC Bayern München" sieht das Suchergebnis beispielsweise aus wie in Abbildung 1 oben. Klickt der Nutzer nun den ersten Artikel an, öffnet sich die in Abbildung 2 gezeigte Ansicht.
Das Besondere dabei ist, dass sich die Webseite schrittweise öffnet. Die Webseite lädt zu Beginn nur den Teil, der direkt nach dem Klick sichtbar ist. Dadurch diesen Ladevorgang bleibt die zu ladende Datenmenge zunächst gering und ermöglicht ein deutlich schnelleres Laden. Der Rest der Webseite lädt erst, nachdem die Webseite geöffnet wurde.
Eine weitere Besonderheit sind die Punkte am oberen Rand der Webseite. Sie zeigen dem Nutzer an, dass er mit einer horizontalen Wischbewegung navigieren kann und an welcher Position er sich innerhalb dieses Systems befindet (siehe Abbildung 3). Insbesondere kann sich der Nutzer sehr schnell - nahezu verzögerungsfrei - zwischen den einzelnen Seiten bewegen. Ein Ladevorgang ist unter guten Bedingungen nicht spürbar.
Für AMP gibt es drei wichtige Bestandteile:
- AMP HTML. Bei dem speziellen AMP-HTML-Code handelt es sich in erster Linie um einen HTML-Code, der mit benutzerdefinierten AMP-Eigenschaften erweitert wird.
- AMP JS. Die AMP-JS-Library implementiert die am besten performenden Methoden, stellt die benutzerdefinierten Tags zur Verfügung und ist für das Laden der Ressourcen zuständig. Sie ist somit für das schnelle Bereitstellen der optimierten Webseite verantwortlich.
- Google AMP Cache. Der Google AMP Cache liefert zum einen die Dokumente, die in der Suche dargestellt werden und ruft andererseits AMP-HTML-Webseiten ab, nimmt diese in den Cache auf und optimiert somit automatisch die Performance der Webseite.
Nicht mehr Herr des eigenen Inhalts
Die Google-Besucher merken von AMP nicht viel. Außer, dass gesuchten Webseiten extrem performant laden und durch die horizontale Navigation schnell zu überfliegen sind. Findet der Nutzer im ersten Suchergebnis nicht die gewünschte Information, kann er mit einer einfachen Wischbewegung einfach zum nächsten Suchergebnis wechseln. Er muss dazu nicht auf die Google-Suchergebnisseite zurückkehren. Kurz: Nutzer lieben AMP.| Google Analytics und AMP |
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Bild: 3844328/ Pixabay
Um Google Analytics auf AMP-Seiten zu nutzen, muss zunächst der Nutzer über die Datenerhebung informieren und ein Opt-Out angeboten werden. Verlinkung auf die entsprechende Google-Seite (Datenschutzerklärung & Nutzungsbestimmungen) genügt.
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Aber es gibt auch Nachteile:
- Übergänge und Animationen sind aufgrund der Limitierung im CSS auf ausgewählten Layout-Optionen noch nicht verfügbar.
- Das Tracking wird erschwert, da kein JavaScript von Drittanbietern verwendet werden darf.
- Der größter Kritikpunkt ist jedoch, dass die Inhalte in einem fremden System veröffentlicht werden müssen. AMP zwingt den Webseitenbetreiber dazu, externe JavaScript Dateien nachzuladen, auf die er selbst keinen Einfluss hat.
Content-Publisher profitieren - und bald Händler?
Derzeit wird AMP hauptsächlich von News-Portalen verwendet, zum Beispiel Spiegel , Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit .Aber es gibt auch Beispiele jenseits von Content-Angeboten. Der Marktplatz Ebay spielt etwa in Zusammenarbeit mit Google mittlerweile circa acht Millionen Seiten in diesem neuen Format aus. Allerdings mit Einschränkungen: Die Kunden können zwar durch das Sortiment stöbern, allerdings kaum interagieren. Produkte können beispielsweise nicht einmal in den Warenkorb gelegt werden.
Um diese eingeschränkten Funktionalitäten auszubauen, wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, um AMP auch für Shopseiten nutzbar zu machen. Hierfür sollen Buttons, wie zum Beispiel "Zum Warenkorb hinzufügen" oder "Sofort Kaufen" integriert werden. Hierbei ist es besonders interessant zu sehen, wohin die Reise mit Google AMP geht und welche Branchen als nächstes davon profitieren können.
Bisher ist die beschleunigte Ansicht, die man über die mobile Suche aufrufen kann, sehr auf News-Seiten zugeschnitten - mit der Einschränkung, dass das Angebot nicht immer zum Geschäftsmodell der Publisher passt. Derzeit lohnt sich AMP insbesondere für Anbieter, die auf ihren Webseiten viel Content produzieren, den Traffic auf mobilen Endgeräten erhöhen und Inhalte für mobile Endgeräte bereitstellen wollen.
Die Zusammenarbeit von Google und Ebay lässt aber vermuten, dass das Konzept erweitert wird. Daran dürfte schließlich auch Google selbst ein gesteigertes Interesse haben. Denn der Konzern arbeitet auf mehreren Fronten selbst daran, seine ECommerce-Aktivitäten auszubauen. Mit erweiterter Funktionalität (Payment, Logistik) könnte Google Shopping in Zukunft gar die Rolle eines übergreifenden Marktplatzes einnehmen.
Wie AMP auf den Rankingfaktor einzahlt
Bisher ist nicht bekannt, dass AMP direkt als Rankingfaktor zählt. Allerdings wird mit Hilfe von AMP die Ladezeit auf den Webseiten deutlich verringert, was indirekt aufs Ranking einzahlt. Aus SEO-Sicht ist daher die Verringerung der Ladezeiten ist also Grund genug, um AMP auf entsprechenden Webseiten zu nutzen.Andererseits nicht übersehen werden, dass AMP auch die Gestaltung einer Webseite stark beschränkt. Dies kann auch unter SEO-Gesichtspunkten negativ wirken.
Unterm Strich gilt es daher sorgfältig abzuwägen, ob die individuellen Vor- oder Nachteile überwiegen. Viele Anbieter dürften sich derzeit noch dafür entscheiden, abzuwarten. Denn schließlich liegt der Geschäftszweck nicht immer in der Gewinnung mobiler Kunden um jeden Preis.
iBusiness-Autor Andreas Koziol ist SEO-Consultant bei der Netzeffekt GmbH , die zur Jung von Matt -Gruppe gehört.
