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Insolvenz von Wirecard verunsichert Händler und Fintechs
25.06.2020 Händlerkunden, die über Wirecard ihren gesamten Zahlungsverkehr abwickeln, haben ein massives Problem, wenn das Unternehmen seine Dienstleistungen nicht mehr erbringen kann. Erste Kunden suchen offenbar bereits nach Alternativen.
Der Auslöser für den Skandal: In der Jahresbilanz der Wirecard AG fehlen 1,9 Milliarden Euro, Wirtschaftsprüfer verweigerten deshalb das Testat. Der Konzern geht davon aus, dass das Geld, das bei zwei philippinischen Banken liegen sollte, gar nicht existiert. Die Behörden ermitteln, sie werfen dem vergangene Woche zurückgetretenen Wirecard-Chef Markus Braun vor, mit weiteren mutmaßlichen Tätern die Bilanzsumme und das Umsatzvolumen von Wirecard durch vorgetäuschte Einnahmen aufgebläht zu haben.
Erste Kunden wenden sich ab
Wirecard bietet digitale Finanztechnologien und -dienstleistungen weltweit an, zu den Kunden zählen auch zahlreiche namhafte Firmen und Onlinehändler in Deutschland. Das Vertrauen ging jedoch rapide verloren, der Reputationsschaden ist immens. Die ersten Geschäftspartner wandten sich in den vergangenen Tagen von dem Unternehmen ab, darunter der asiatische Uber-Konkurrent Grab und der französische Telekomkonzern Orange . Auch Aldi Süd in Deutschland prüfe die weitere Zusammenarbeit. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" wollen viele Händler zu anderen Zahlungsdienstleistern wechseln oder loten dies zumindest aus. Auch Fintechs, die mit Wirecard zusammenarbeiten, machten sich große Sorgen. Von dieser Lage profitieren könnten Wettbewerber wie Computop . Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte Co-Chef Ralf Gladis : "Wirecard-Kunden fragen bei uns an und wollen wissen, ob wir gegebenenfalls Dienstleistungen übernehmen können." Auch ein anderer Zahlungsdienstleister berichtete von ersten Gesprächen mit Wirecard-Kunden.Who-is-Who auf der Kundenliste
Händlerkunden, die über Wirecard ihren gesamten Zahlungsverkehr abwickeln, haben ein massives Problem, wenn das Unternehmen seine Dienstleistungen nicht mehr erbringen kann. Dazu gehört das Bereitstellen von Kartenterminals, das Einbinden verschiedener Bezahlarten in den Checkout von Onlineshops, den technischen Transfer des Geldes vom Kunden zum Händler sowie die Garantie von Zahlungen. Sehr große Händler arbeiten aber oft mit mehreren Zahlungsdienstleistern zusammen.Erst im Juni hatte Wirecard gemeldet, dass es künftig die Zahlungen auf den europäischen E-Commerce Websites von Wildberries dem größten Online-Einzelhändler Russlands abwickelt, der nach Europa expandiert. Mit dem Software-Dienstleister Wirecube gewann der Konzern Anfang des Jahres Billa (Rewe Gruppe) als Neukunden, den größten Lebensmitteleinzelhändler Österreichs. Dem Freistaat Bayern half das Unternehmen in der Corona-Krise, Anträge auf das Corona-Soforthilfe-Programm zu digitalisieren und Auszahlungen zu beschleunigen.
Im März 2020 meldete das Unternehmen eine Erweiterung des E-Commerce-Angebotes für WeChat Pay, um europäischen Händlern den schnellen Zugang zum chinesischen Markt zu ermöglichen. Auch mit Bezahldienstleister Klarna und Softwareriese SAP arbeitet das Unternehmen zusammen. Signal Iduna setzt auf die Expertise von Wirecard bei der Digitalisierung seiner Versicherungsdienstleistungen. Auch zahlreiche kleinere Firmen, wie der Ratskeller in München, nutzen Services von Wirecard für kontaktloses Bezahlen.
Das aktuelle Ranking 2020 der Payment-Service-Provider im deutschsprachigen E-Commerce ist online verfügbar.
