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Vorbild USA: Politik entdeckt das Social Web
04.01.2008 Der amerikanische Vorwahlkampf 2008 dürfte einer der härtesten in den letzten Jahrzehnten werden. Einer der wichtigsten für das deutsche Online-Politikmarketing wird er in jedem Fall. Denn er exerziert vor, wie in den kommenden Jahren in Deutschland Parteien im Internet auftreten werden. Mit der 'Candidate Facetime' existiert jetzt sogar ein Messinstrument für den Online-Erfolg.
Das ermittelt zum einen den Traffic der Kandidaten-Websites , zum anderen misst der Marktforscher Web-2.0-Affinität, Blognähe und Social-Web-Stickyness der Kandidaten. Mit seiner patentrechtlich geschützten Methode 'Candidate Facetime' misst der Marktforscher, wie viel Zeit die potentiellen Wähler und Unterstützer mit Aussagen der Kandidaten konfrontiert worden sind. Ron Paul holt seine hohe Facetime vor allem darüber, dass er seine Unterstützergruppen exzellent und sehr ausführlich über das soziale Netwerk Meetup.com vernetzt (Wikipedia-Eintrag ).
Die US-amerikanischen Wahlkampfmethoden hatten schon immer direkte Auswirkungen auf die bundesdeutschen Wahlkämpfe. So haben die letzten US-Präsidentschaftswahlkämpfe, in denen zum ersten Mal in der amerikanischen Geschichte von den Parteien Weblogs und Suchmaschinenanzeigen auf breiter Front eingesetzt worden waren, in der Folge auch die ersten deutschen Wahlkämpfe dieses Jahrzehnts beeinflusst. SPD, CDU, FDP und Grüne setzten zum Teil ganz massiv auf das Internet als Aktivierungsinstrument. Das wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren wiederholen. In den USA sind Blogs - vor allem etablierte Blogs wie Techcrunch inzwischen ein Kommunikationskanal von vielen im Wahlkampf.
Das Jahr 2007 brachte bereits eine andere Neuerung im Wahlkampf: Onlinevideo. Bei den Youtubes-Debates konnten US-Bürger Präsidentschaftskandidaten in einer Fernsehdebatte direkt per Internet-Videoclip befragen. Die acht Bewerber der Demokraten und einige Monate später der Republikaner mussten sich dabei jeweils knapp 40 Videos stellen, die aus mehreren tausend Frageclips ausgesucht worden waren. Der Fernsehsender CNN hatte die Auswahl getroffen und die Diskussion near-live übertragen.
Eine ausgewählte Videofrage: "Bist Du Scheisskommunist?"
Die Videodebatte - die im wesentlich nicht viel anderes war, als eine ins Internet verlagerte TV-Debatte mit Zuschauerfragen - ist nicht das einzige Element der Youtubisierung der amerikanischen Politik. Mit Citizen Tube beispielsweise erweitert der Videoanbieter längst sein politisches Angebot um einen Dauerbrenner. Das der Gewinner der Veranstaltung nicht die Kandidaten, sondern das Format war, das meinen nicht nur einflussreiche Beobachter des Washingtoner Politik-Establishments, sondern auch die Veranstalter selbst. "Die Fragen, nicht die Antworten", seien die Helden der Debatte gewesen, so Veranstalter CNN in der Nachbereitung .
Youtube ist in diesem Wahlkampf zum Must-have geworden. Wie es das Blog im letzten Wahlkampf war. Und der Auftritt auf MTV im vorletzten. In der traditionellen unpolitischen US-amerikanischen Öffentlichkeit findet schlicht derjenige nicht mehr statt, der nicht auf einem Videoportal präsent ist.
Wer in Deutschland besonders hohen Beratungsbedarf hat in Sachen Internet, zeigt dieses Video:
Das lässt keine Fragen mehr offen.
