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Studie: "Das Web 2.0 ist nicht sozial"
05.02.2008 Das Internet beeinflusst das tägliche Leben der Deutschen erheblich. Welchen Stellenwert es in welchen Lebensbereichen hat, hat eine aktuelle Studie ermittelt.
Die Ergebnisse der Studie in Thesen:
- Internet ist gleich Information
Die wichtigste Eigenschaft des Internets ist, dass es den Zugang zu Wissen eröffnet. Informationsbeschaffung und Kommunikation über das Netz sind für viele Teilnehmer Bestandteil des täglichen Lebens.
- Menschen verhalten sich online anders als in der realen Welt
Im Internet sind sie kontaktfreudiger, geben aber weniger über sich preis. Wenn ihnen etwas an der Interaktion nicht gefällt, ziehen sie sich schnell zurück.
- Aus den Augen, aus dem Sinn
Der Abschied von Online-Bekanntschaften fällt leicht: Ist der Kontakt zu jemandem abgeflaut, gerät diese Person schnell in Vergessenheit.
- Blickkontakt schafft Vertrauen
Treffen sich Menschen von Angesicht zu Angesicht, sind sie offener und führen tiefgründigere Gespräche. Im Netz wird Small-Talk gemacht.
- Das Web ist nicht "social"
Bekannte und Freunde sind nicht das, was den Menschen fehlen würde, wenn es das Internet nicht gäbe. Sie hätten weniger Informationen und weniger Spaß.
- Zwei Welten, zwei Freundeskreise
Kaum jemand lernt Bekannte aus dem Internet im wirklichen Leben kennen. Auch die Mitglieder von sozialen Netzwerken machen aus Online-Kontakten selten Offline-Freundschaften.
- Das Leben im Netz erfordert neue Qualitäten
Für Jugendliche und junge Erwachsene ist der Unterschied zwischen der On- und der Offline-Welt am größten.
Informations- statt Spaßgesellschaft
Für mehr als dreiviertel der Befragten hat die Tatsache, dass sie aus dem Internet schnell Informationen ziehen können, eine hohe Bedeutung für ihre Lebensqualität. Fast ebenso wichtig ist die Kommunikation über das Netz. Dementsprechend stark sind diese Aktivitäten in den Alltag integriert: Mehr als dreiviertel der Befragten nutzen das Internet täglich für diese Zwecke. Das wird sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern, denn die Bedeutung von Information und Kommunikation nimmt weiter zu.
Das Fehlen von Unterhaltung aus dem Internet wie Videos, Musik und IPTV oder das Verschwinden von sozialen Netzwerken würde die Lebensqualität der Teilnehmer der Studie wenig beeinflussen, obwohl sich knapp ein Drittel von ihnen täglich damit beschäftigt. Der internationale Vergleich zeigt jedoch, dass die Deutschen nicht zu den begeisterten IPTV-Zuschauern gehören und soziale Netzwerke hier nicht so beliebt sind wie anderswo. Die deutschen Teilnehmer scheinen den Nutzwert des Internets in den Vordergrund zu stellen und Entspannung und Unterhaltung weniger Gewicht beizumessen. Dementsprechend ist Online-Gaming für die Mehrheit zweitrangig, 30 Prozent der Befragten spielen überhaupt nicht im Netz. Dieses Ergebnis überrascht angesichts der Tatsache, dass die Hälfte der Teilnehmer unter 25 Jahre
alt ist. Möglicherweise ist die Abdeckung mit Breitband-Anschlüssen und deren Qualität jedoch noch nicht hoch genug, um die Masse für Online-Spiele zu begeistern.
Auch in Zukunft wird sich nach Meinung der Teilnehmer wenig daran ändern. Gaming ist demnach etwas für Fans: Diese spielen täglich oder mehrmals in der Woche, für alle anderen ist es nicht so wichtig.
Digitale Geschäfte
Auch der Einkauf über Online-Plattformen sowie Online-Banking tragen laut Studie zurzeit nicht wesentlich zur Lebensqualität bei. Anscheinend können virtuelle Kaufhäuser das Einkaufserlebnis in der realen Welt nicht komplett ersetzen und es ist unwahrscheinlich, dass das jemals geschehen wird, denn viele Produkte will der Kunde vor dem Kauf sehen, anziehen, seine Qualität prüfen oder die Farbe vergleichen. Weiteres Studienergebnis: Der Einkauf im Internet ist für Senioren fast genauso wichtig wie für junge Erwachsene. Das gleiche gilt für Online-Banking: Es ist laut den Ergebnissen dieser Studie längst keine Domäne der jungen Generation mehr.
Die Einschränkung der Wahrnehmung (Buchstaben haben keinen Klang, den entsprechenden Gesichtsausdrcuk kann man sich nur vorstellen), die Zeitverzögerung in der Interaktion und die dementsprechend schwierigere Kommunikation wirkt sich auf die Qualität der Online-Beziehungen aus: Die Befragten verlieren schnell das Interesse an ihrem Gegenüber, wenn ihnen etwas nicht
passt, eine zweite Chance ist eher die Ausnahme.
In der realen Welt geben sie Bekanntschaften mehr Zeit sich zu entwickeln. Andersartigkeit scheint dort so lange toleriert zu werden, bis zweifelsfrei klar ist, dass es keine gemeinsame Basis gibt. Der Abschied im Netz tut aber anscheinend auch weniger weh: Viele vergessen den Kontakt, sobald er nicht mehr aktuell ist. Bekanntschaften im wirklichen Leben klingen länger nach. Allerdings ist es nicht so, dass Online-Beziehungen generell nach dem Muster 'Ex-und-Hopp' gestrickt sind, betonen die Studienautoren. Überraschenderweise werde der Kontakt online wie offline in einer ähnlichen Geschwindigkeit aufgebaut und die Menschen drückten sich gleich direkt oder zurückhaltend aus. Im Internet scheine die Hemmschwelle Kontakt aufzunehmen jedoch niedriger zu sein, die Mehrheit gehe aktiv auf andere zu.
Ist die Beziehung etabliert, sind viele Menschen im Netz zurückhaltender: Sie geben weniger über sich preis, als sie vielleicht einem neuen Bekannten auf einer Party erzählen würden, und führen kaum tiefgründige Gespräche. Eventuell liegt das daran, dass sie noch nicht entschieden haben, ob sie den Online-Freund auch in der realen Welt in ihren Bekanntenkreis aufnehmen würden. Dazu müssten sie ihn treffen. Das tun nur wenige: Fast 70 Prozent bekommen ihre Freunde aus dem Netz nie oder selten zu Gesicht. Lediglich vier Prozent lernen ihre Internet-Bekanntschaften immer oder fast immer im wirklichen Leben kennen. Davon sind ein Drittel junge Erwachsene im Alter zwischen 19 und 25 Jahren und 17 Prozent Jugendliche. Die ältere Generation ist deutlich zurückhaltender. Es sind aber nicht die Fans von sozialen Netzwerken, die auf den persönlichen Kontakt setzen. Im Gegenteil, zwischen den Vorlieben im Internet und der Kennenlern-Quote gibt es kaum einen Zusammenhang. Lediglich Gamer scheinen sich etwas häufiger mit Online-Bekanntschaften zu verabreden als andere.
Im Bezug auf soziale Beziehungen scheinen also zwei Welten zu existieren: die eine ist online, die andere offline und es gibt nur wenige Freunde, mit denen man in beiden lebt. Dieses Ergebnis wird von der Tatsache untermauert, dass lediglich 20 Prozent der Teilnehmer der Meinung sind, dass sie ohne das Internet weniger Freunde hätten, 30 Prozent hätten weniger Bekannte. Das Netz scheint demnach weniger als Social und vielmehr als Infotainment-Web zu fungieren. Denn mehr als 70 Prozent der Teilnehmer hätten weniger Spaß und für 60 Prozent wäre das Leben ohne das www langweiliger. Aber fast alle würden weniger wissen, wenn es das Internet nicht gäbe.
Abgesehen davon spielt das Netz auch bei der Job- und Wohnungssuche eine Rolle. Ohne fänden es viele schwieriger, eine neue Arbeitsstelle oder ein neues Heim zu finden. Das Ergebnis belegt, dass der Anschluss an das Internet nicht mehr ausschließlich die Freizeit verschönert, sondern dazu beiträgt, grundlegende Bedürfnisse abzudecken. Einige Teilnehmer nutzen es auch, um sich selbst zu verwirklichen. Das Netz bietet offensichtlich viel Freiraum für individuelle Aktivitäten und Gleichgesinnte sind aufgrund der großen Auswahl schnell gefunden. Dementsprechend viele gaben an, dass sie sich in ihrer Internet-Community anerkannt fühlen.
Für die Studie befragte Rapidshare 427 überwiegend männliche Teilnehmer, von denen die Hälfte zwischen 13 und 25 Jahre alt ist.
