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Studie: Community-Betreiber kennen ihre Nutzer nicht
15.02.2008 Fast 50 Prozent der Online-Angebote in Social Networks werden von Mitgliedern gar nicht nachgefragt. Was Internet-Nutzer in Online-Communities wirklich wollen, zeigt eine aktuelle Studie.
Zusatzfunktionen wie Widgets, Minigames oder RSS-Feeds interessieren dagegen nur die wenigsten. "Blogs und Newsfeeds sind Inhalte, die man fast überall bekommt. Was austauschbar wirkt, bleibt unter der Wahrnehmungsschwelle", erklärt Jens Böcker , Studienleiter und Professor an der FH Bonn-Rhein-Sieg dem Nachrichten-Magazin Spiegel-Online. Zusatzfunktionen dienten allenfalls als Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz, da die Kernfunktionen bei den meisten Communities gleich seien.
Vor allem schätzen die Portalbetreiber das Kommunikationsverhalten ihrer Mitglieder zum Teil völlig falsch ein, belegt die Studie. Die meisten Nutzer (70 Prozent) kommunizieren online fast nur mit Bekannten. "Die Wichtigkeit von neuen Online-Bekanntschaften wird generell überschätzt", stellt Böcker klar. Gerade einmal 32 Prozent der Befragten nutzen Communities, um dort neue Bekanntschaften zu schließen. Aktuelle Freunde zu finden (70 Prozent) und alte Freunde wieder zu finden (73 Prozent) sind der Hauptgrund, warum sich Nutzer in Communities aufhalten.
Laut Böcker halten sich die meisten Nutzer in Netzwerken über "das aktuelle Geschehen im Freundeskreis" auf dem Laufenden. Dies erkläre auch den Erfolg von Facebook . Der dort installierte Activity-Feed informiert die Nutzer in Echtzeit, was die Mitglieder der Freundesliste online treiben. Ähnliche Feeds gibt es auch bei Xing oder MySpace, allerdings ohne die Echtzeit-Aktualisierung.
Auch beim Eigenmarketing zeigen die Betreiber nur wenig Verständnis für ihre Nutzer. Obwohl viele Portalbetreiber fast 40 Prozent ihres Gesamtetats in eigene Werbung investierten, sei der Erfolg nur mäßig. Dies liege meist daran, dass die falschen Maßnahmen ergriffen würden. Fast zwei Drittel (67 Prozent) der befragten Community-Betreiber setzten Print-Flyer in der Werbung ein, die an der Zielgruppe vorbeigehen. Auch der Erfolg von EMail-Newslettern, von 88 Prozent der Betreiber eingesetzt, sei bescheiden, so die Studie. Den größten Werbeerfolg hat laut Studie Mundpropaganda. Prämiengestütztes Empfehlungsmarketing werde von vielen Portalbetreibern aber mit nur wenig Erfolg eingesetzt. "Nutzer empfehlen eine Seite nur weiter, wenn sie mit ihr überdurchschnittlich zufrieden sind", sagt Böcker.
Die FH hatte 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer befragt und 14 große Netzwerke inhaltlich analysiert.
