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Studie über Daten und Nutzungsverhalten: Deutsche Internet-Nutzer sind schizophren
18.11.2014 Am liebsten wollen deutsche Internetnutzer alles umsonst: 76 Prozent der Deutschen greifen ausschließlich oder vor allem auf Angebote zurück, für die nicht bezahlt werden muss. 75 Prozent der Befragten sind sich der Tatsache bewusst, dass sie für diese kostenlosen Online-Angebote mit ihren persönlichen Daten bezahlen müssen. Das lehnen aber 80 Prozent der Deutschen ab, 86 Prozent fordert sogar ein Verbot von Datenhandel durch die Politik. Auf ihre eigenen Daten aufzupassen - das lehnen 75 Prozent der Befragten allerdings ab. So die Erkenntnisse der neuen Studie 'Daten - Ware und Währung' des Meinungsforschungsinstitut Dimap
Lediglich 16 Prozent haben ein gewisses Verständnis für das Geschäftsmodell. Sie begründen dies vor allem damit, dass die Online-Anbieter schließlich auch Geld verdienen müssten. Knapp jeder dritte Konsument zeigt sich hingegen resigniert und gibt an, daran lasse sich so oder so nichts ändern.
Jeder Dritte würde für Datenschutz zahlen
Immerhin jeder dritte Internetnutzer wäre nach den Ergebnissen der Studie bereit, für den Schutz der eigenen Daten zu bezahlen (41 Euro pro Jahr im Durchschnitt) - unabhängig davon, ob er das Vorgehen, Nutzerdaten zu Geld zu machen, ablehnt oder dafür Verständnis hat. Für eine solche Zahlung wären Personen mit Hochschulabschluss eher bereit (41 Prozent) als Personen mit einem Hauptschulabschluss (27 Prozent).Die Ablehnung jährlicher Zahlungen wird am häufigsten mit Misstrauen begründet: 59 Prozent bezweifeln, dass dies tatsächlich zu höherer Datensicherheit führt. 40 Prozent von ihnen meinen, dass alles im Internet kostenlos sein sollte, auch die Sicherheit der Nutzerdaten. Bei der Frage, ob die Nutzer an den Umsätzen, die mit ihren Daten erzielt werden, beteiligt werden sollten, ist die Haltung fast unentschieden. 48 Prozent sind dafür und 46 Prozent sind dagegen. Allerdings glauben auch nur 19 Prozent, dass eine Umsatzbeteiligung überhaupt umsetzbar wäre.
Nutzer nehmen Politik und Wirtschaft in die Pflicht
Angesichts der Problematik, dass persönliche Daten häufig als Ware gehandelt werden, sehen die Nutzer vor allem die Politik und die Unternehmen in der Pflicht. Fast alle (97 Prozent) fordern, dass der Missbrauch persönlicher Daten stärker verfolgt und bestraft wird. 95 Prozent verlangen zudem, dass sich ausländische Internetfirmen an deutsche Datenschutzregeln halten müssen. Und 86 Prozent der Befragten fordern, dass Datengeschäfte gesetzlich verboten werden sollen.Als Mittel zum Schutz der persönlichen Nutzerdaten sehen die Deutschen jedoch nicht nur Sanktionen: 72 Prozent sind der Meinung, dass Internetangebote, die sich an strenge Datenschutzregeln halten, von der Politik besonders gefördert werden sollten.
Doch auch die Unternehmen werden von den Internetnutzern in die Pflicht genommen. 96 Prozent der Befragten fordern, dass diese transparenter über den Verbleib der persönlichen Daten informieren sollten. Fast genauso viele sind der Meinung, Unternehmen sollten sich selbst zur Einhaltung strenger Datenschutzregeln verpflichten.
AGB sind ein Problemfeld
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) stellen ein Problemfeld dar. So sind sie den Nutzern (knapp 75 Prozent) oft zu lang und zu kompliziert, um überhaupt nachvoll-zogen werden zu können. Sie werden meist gar nicht erst gelesen oder bestenfalls nur flüchtig überflogen. Fast zwei Drittel der Befragten geben kann, dass die Einhaltung der AGB nicht überprüfbar ist.Die Deutschen sehen ihren Einfluss auf die Sicherheit ihrer Daten im Netz sehr nüchtern. Nur acht Prozent sagen, jeder einzelne habe viel Einfluss darauf, weitere 13 Prozent glauben, man habe etwas Einfluss. Eine deutliche Mehrheit von knapp 80 Prozent geht jedoch davon aus, dass der einzelne wenig (38 Prozent) oder sogar gar nichts beeinflussen kann (40 Prozent).
Dimap hat in der zweiten Oktoberhälfte 2014 insgesamt 1002 Internetnutzer in Deutschland ab 14 Jahren befragt.
