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Himmel hilf: "New Economy" ist wieder da

21.03.2007 Der fundamentale Denkfehler der Blasenzeit 1.0, der Gedanke, dass das Internet die Art des Wirtschaftens prinzipiell verändern würde - die sogenannte "New Economy" ist wieder da. Natürlich heißt sie anders - aber ausgerechnet eine Wirtschaftszeitung versucht sie auch in Deutschland wieder populär zu machen.

Wikinomics   haben die US-Trendforscher des Beraters New Paradigm  , Don Tapscott und Anthony Williams ihr Buch genannt ('Wikinomics - How Mass Collaboration Changes Everything'). Und das Wirtschaftsmagazin für den coolen Manager, Brand Eins, hat ein Interview   mit Tapscott geführt. Und Wikinomics mit der Erklärung "neuer Kapitalismus mit einer Prise sozialistischer Teilhabe" geedelt.

Himmel hilf, wenn eine Wirtschaftszeitung Produktion und Aneignung von Waren zusammenwirft und aus dem ganzen einen pseudopolitischen Brei kocht. Wenn man das Interview (und das Buch) genauer liest, dann kommt nämlich heraus, dass die Trendforscher eben nicht einen "neuen Kapitalismus mit sozialistischer Teilhabe", sondern den alten Kapitalismus mit einer anderen Form von Arbeitsteilung meinen. Wobei 'Wikinomics' einfach nur ein Buzzword ist, wie es Amerikaner in Präsentationen gerne verwenden - und die sie im übrigen viel weniger ernst nehmen, als wir Deutschen.

  • Der Begriff 'New Economy' war falsch, weil er implizierte, dass das Internet eine neue Arten des wirtschaftens mit neuen Gesetzen schaffe - dabei gab es nur eine 'New Economy' - und die startete 1917 in Rußland und endete 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer.

  • Der Begriff 'Wikinomics' als 'sozialistische Teilhabe' zu verstehen, ist genau so falsch, schließlich ist Kapitalismus nie etwas anderes gewesen, als die private Aneignung gesellschaftlich geschaffener Werte. Im übrigen bleibt Ausbeutung 2.0 auch dann Ausbeutung, wenn der Auszubeutende sich freiwillig ausbeuten lässt.

    Wovor ich nur Sorge habe: Wenn jetzt die Ersten kommen, die versuchen, Web 2.0 einen neuen wirtschaftsideologischen Überbau zu verpassen - dann ist (wie bei allen Ideologien) das Abschalten des Gehirns nicht mehr weit. Und dann ist einer neuen Blase Tür und Tor geöffnet.
Neuer Kommentar  Kommentare:
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Von: Ossi Urchs ,  F.F.T. MedienAgentur ,  Verbindungen
Am: 22.03.2007

Zu: Himmel hilf:

Lieber Joachim Graf,
das hast Du wirklich schön gesagt und gedacht. NUr mit den "Wikinomics" (was für ein wunderbares "Buzz-Word" Buzz = Summen, der Geräuschpegel, der um ein Thema entsteht) könnte man doch in der Tat etwas anfangen: freiwillige geleistete gesellschaftliche Arbeit OHNE Bezhalung. Ganz in der von Dir zitierten Tradition (nannte man damals i der UdSSR "Subotnik"). Entkleidet man das Ganze der Ideologien, fällt auf, dass dabei ein Wissender etwas zurück an die Gemeinschaft gibt, der er die Erlangung seines Wissens wenigstens zu Teilen zu verdanken hat. Nach Open Source nun also "Open Knowledge". Wie sich der Wisswnsarbeiter in diesem Zusammenhang dann "reproduziert", also seinen Lebensunterhalt verdienen kann, wäre Gegenstand der Wikinomics - anzuwenden auf beliebige "Open X" Zusammenhänge.Und für die Lösung der Frage bekommt der Ökonom dann auch einen Preis.

Ossi Urchs
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