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Learning 2041: Wenn Google und Facebook die Bildung übernehmen
28.09.2016 E-Learning gewinnt endgültig an Einfluss auf die Schul- und und Weiterbildung - ist es im Mainstream angekommen, wird es Google, Facebook und Co. auf den Plan rufen. Die haben jetzt schon exzellente Startpositionen. Die Entwicklung des Wissens in den kommenden 25 Jahren.
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So konnte das adaptive Lernen, seit mehreren Jahren als ewiges Talent dauergehypt - noch immer nicht endgültig den Hochschulbereich erobern. Die Reise in die Unternehmen ist ebenfalls eine beschwerliche. E-Learning legt ein langsames Tempo vor, ist eher Wandel als Disruption. Das hat ein paar Gründe:
- Lernen ist, wo immer es mit Schule und Hochschule zu tun hat, ein regulierter Markt - wer hier Erfolg sucht, muss eine Reihe von formalen Hürden überspringen.
- Doch auch in der privatwirtschaftlichen Ausbeutung stellen sich einem 'ELearning-Big-Bang' eine Reihe hemmender Rahmenbedingungen entgegen: So kann man zwar einen smarten Lernagenten für Business-Anwendungen programmieren. Aber dass dieser Agent Zugriff auf alle relevanten Personaldaten bekommt - da sei der Betriebsrat vor.
- Und schließlich sind da kulturelle und psychologische Barrieren - Lernen ist kein Thema, das ähnliche Euphorie entfacht wie neue Marketingmethoden oder stylische neue Endgeräte.
| Dr. Lutz Goertz, Abteilungsleiter Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH |
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"In Social Media wird sich künftig viel abspielen, wenn es um E-Learning geht: Die Menschen benötigen keine Lern-Management-Systeme, sondern geben sich meist mit Low-Level-Lösungen zufrieden - etwa einer Lerngruppe bei Whatsapp oder Facebook: Man teilt in Messengern einen schönen Sonnenuntergang, warum also nicht ein Tafelbild oder Lerninhalte? Der Fortschritt im E-Learning kommt von den großen Web-Konzernen." |
Sobald etwa eine Behörde massive Sparvorgaben erhält und in einer ELearning-Technologie großes Potenzial zur Kostenersparnis sieht, könnte dies dem E-Learning einen Turbo einbauen: Werden etwa alle Schulbücher aus Kostengründen durch E-Books ersetzt, so ist die Tür offen und das Thema plötzlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen - mit sicherem Beschleunigungseffekt für andere Anwendungen.
E-Learning in den Betrieben
Das größte Wachstum im ELearning-Bereich hat ELearning-Expertin Thea Payome, Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning bei Compliance-Schulungen von Mitarbeitern beobachtet: "Das Thema hat in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland stark an Bedeutung zugelegt. Dabei hat sich der Glaube, es betreffe nur große Unternehmen, als falsch erwiesen: Der Mittelstand ist nun ein großer Treiber der Nachfrage."Besonders spannend beim E-Learning sei in diesem Bereich, wie einfach die Teilnahmenachweise selbst großer Zahlen von Mitarbeitern zu erbringen sind: 500 Mitarbeiter einer zentralen Abschlussprüfung zu unterziehen, benötigt terminliche Koordination, geeignete Räume und Massen an Papier und Stiften. Elektronisch ist es keine Herausforderung.
Als machtvolle Player für das Themengebiet Learning stellen sich immer mehr die GAFA-Konzerne auf (Google , Amazon , Facebook , Apple ) - allen voran die Suchmaschine und das Netzwerk.
| Professor Ricardo Büttner, Director des Institute of Management & Information Systems |
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"Technologie wird in den kommenden Jahrzehnten ein wichtiger Treiber des Learnings sein. Bisher hinderte uns immer die mangelnde Datengrundlage über die einzelnen Menschen daran, maßgeschneiderte Angebote zu erstellen, aber nun werden diese Informationen erhoben: Im digitalen Marketing etwa. Und die wichtigsten Datenreservoire werden soziale Netzwerke sein und Apps, die biografische Informationen erfassen - Jobbörsen etwa." |
Die Macht der großen Player: Kostenlose Lernumgebungen
Google und Facebook bieten kostenlose Lernumgebungen an, in denen Lehrer und Dozenten Lerngruppen einrichten und Lerninhalte ablegen können. Google Classroom beispielsweise bietet Lehrern an Schulen die Möglichkeit, einen papierlosen Unterricht durchzuführen. Genutzt werden die gängigen und vertrauten Tools wie Google Drive, Google Docs und Gmail. Hiermit können Lehrer Aufgaben stellen und Studierende/Schüler ihre Beiträge zur Beurteilung freigeben. Die Umgebung ist werbefrei, die Funktionen sind mobil über eine App erreichbar. "Das ist ein Trend, der Anbieter von Lernmanagement- und Teilnehmerverwaltungssystemen betrifft, Bildungsentscheider sowie Lehrer und Schüler, wahrscheinlich bald auch klassische Weiterbildungsanbieter", sagt Dr. Lutz Goertz, Abteilungsleiter Bildungsforschung am mmb Institut - Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbH .Was aktuell ein Hypethema ist, jedoch eine eingeschränkte Nachhaltigkeit hat, ist die Verheiratung zwischen Video und adaptivem Lernen: Video ist derzeit 'hot' - doch die Form ist für effektives Lernen nicht immer die richtige. Ein Hype, der angekommen ist, um zu bleiben, sind dagegen die Daten und deren Auswertung für zielgenaue Learning-Inhalte: Firmen werden immer mehr daran arbeiten, individuell maßgeschneiderte Lerninhalte in Videoform an den Kunden zu bringen. So glaubt Lutz Goertz: "Die individuelle Bereitstellung passgenauer Lern-Angebote auf Basis persönlicher Profilmerkmale wird ein besonders attraktiver Kundenzugang sein."
Wie präsent das Thema ist, zeigt etwa die Übernahme des Videolecture-Anbieters Lynda.com durch das soziale Netzwerk Linkedin Anfang 2015."Linkedin kann dadurch die über 4.000 Kurse von Lynda.com an seine rund 360 Millionen Mitglieder vertreiben." Doch noch spannender ist an dieser Übernahme der Aspekt, dass ein Learning-Angebot in ein soziales Netzwerk wandert: Linkedin vollzieht hier also etwas, das Facebook noch nicht getan hat, aber insgeheim planen oder vorbereiten mag: das ungeheure Reservoir sozialer Daten für Learningzwecke zu instrumentieren.
MOOCs - und die Jagd nach dem Geschäftsmodell
| ELearning-Expertin Thea Payome, Chefredakteurin und Herausgeberin von Checkpoint Elearning |
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"Das Problem der Massive Open Online Courses liegt in der Monetarisierung: Trotz hoher Anwenderakzeptanz fehlt es an einem Geschäftsmodell. Es gibt viele Intentionen, aus denen heraus MOOCs gemacht werden, viele spannende Konzepte von Start-ups - doch am Ende bleibt unklar, wie exakt man damit Geld verdient." |
Problematisch bleibt jedoch für Thea Payome ein anderer Aspekt der MOOCs: "Trotz hoher Anwenderakzeptanz fehlt es an einem Geschäftsmodell. Es gibt viele Intentionen, aus denen heraus MOOCs gemacht werden, viele spannende Konzepte von Start-ups - doch am Ende bleibt unklar, wie exakt man damit Geld verdient." Damit ist das Potenzial, das in MOOCs liegt, heute noch nicht einmal ansatzweise ausgenutzt - aber immerhin haben ihre kleinen Geschwister, die Webinare, bereits eine weite Verbreitung erfahren: Kein Wunder, ist hier doch durch das implementierte Lead-Marketing ein Revenuestream gegeben, der die Verbreitung befeuert.
Die Lernzukunft: Die elektronische Akte, das gamifizierte Lernen |
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Die Badges sind heute noch nichts oder nicht viel wert und selbst anerkannte Weiterbildungszertifikate aus Online-Angeboten zerschellen oft an Medienhürden: So kommt es 2016 durchaus noch vor, dass sich jemand ein Online-Zertifikat durch die Teilnahme an einem MOOC erwirbt. Doch das lässt sich nicht einfach systemübergreifend exportieren. Also druckt er das Schreiben aus, scannt es wieder ein und lässt es in seiner elektronischen Personalakte deponieren, damit es bei einer Beförderung in die Waagschale geworfen wird.
Ein massiver Hemmschuh sind dabei freilich Datenschutz und eine Institution wie der Betriebsrat, die sich der elektronischen Durchleuchtung der Belegschaft sowie der Leistungsanalyse per Knopfdruck und Punktesammeln widersetzen werden. Und für Lutz Goertz ist ein grenzenloses Primat technischer Machbarkeit hier auch nicht wünschenswert: "Eine reine Leistungsanalyse aufgrund von Badges und über Zertifikaten erworbenen Punkten ist durchaus kritisch zu sehen: Mitarbeiter A hat 100 Punkte, B aber nur 85 - ist deswegen A automatisch besser als B? Vielleicht ist B empathischer, führungsstärker, stressresistenter. Doch es wird zweifellos eine zunehmende Personalisierung der Arbeitnehmer-Daten stattfinden."
Das Ganze ist freilich ein Anwendungsumfeld, das sowohl in den Kinderschuhen steckt als auch seine Grenzen kennt: So wird niemand Buchhaltung oder Rechnungsprüfung mit virtuellen Mitteln lehren oder lernen, aber Lutz Goertz sieht dennoch die Anwendungsfelder wachsen: "In der Physik ließen sich Atome in Simulationen auseinandernehmen und zusammensetzen oder man stellt IT-Prozesse sinnbildlich dar - etwa als eine Kette von Prozessen, die der Nutzer wie ein Modell betrachten und erkunden kann:"
Der Weg, den neue Technologien ins Learning nehmen, ist unterschiedlich lang: Spricht man von einem Learning im militärischen Umfeld, so stehen neue virtuelle Simulationstechniken bereits heute groß im Kurs, um etwa Soldaten auf das Schlachtfeld vorzubereiten oder Piloten das Steuern eines Düsenjägers beizubringen. Die Wirtschaft ist dann häufig die nächste Station, die neue Learning-Lösungen erreichen, oft folgt der schulische Betrieb zuletzt.
Doch lässt sich so etwas freilich nicht pauschalisieren: Hochschulumfelder mit ihrer größeren Nähe zur Forschung können hier Vorreiter bei der Adaption neuer Anwendungen sein. Auch finden zumindest Smartphones und Tablets auf einem eher informellen Weg allmählich Eingang ins Schulische: "Formen des Lernens in Gruppen setzen sich mehr und mehr durch und lösen Frontalunterricht ab, was durch die Schüler sogar sehr begrüßt wird", sagt Lutz Goertz. "Die Schüler in den Gruppen arbeiten nicht zwingend mit digitalen Medien, aber recherchieren eigenständig bestimmte Themen oder arbeiten an Projekten - und dabei ist es dann üblich, dass das Smartphone hinzugezogen werden darf, um etwas nachzusehen - oder es gibt Kommunikation über Messenger in den einzelnen Gruppen." Die Schullandschaft gestaltet sich in der Adaption elektronischer Mittel sehr unterschiedlich: Von einzelnen fortschrittlichen Leuchttürmen bis zur Steinzeit sei quasi alles vertreten.
| Die Einflussanalyse ist eine wissenschaftliche Methode der Zukunftsforschung. Dabei werden in einem ersten Schritt potenzielle Einflussfaktoren gesammelt. Für sie wird in einem zweiten Schritt in einer Kreuzmatrix gegenseitig überprüft, ob die einzelnen Faktoren einen schwachen, starken oder keinen Einfluss aufeinander ausüben. Ein entsprechender Wert von 0-3 wird eingetragen. Die Werte aller Zeilen und Spalten werden aufaddiert. Nun kann sowohl festgestellt werden, wie hoch für den jeweiligen potenziellen Einflussfaktor der kumulierte aktive Einfluss (beeinflusst) und wie hoch der kumulierte passive Einfluss (wird beeinflusst) ist. Hohe Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren kritische Faktoren (vernetzt), hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme aktive Faktoren (Hebel). Niedrige Aktivsumme und hohe Passivsumme identifizieren hingegen passive Faktoren (Indikatoren). Generell niedrige Werte entlarven träge Faktoren (Puffer). Lesebeispiel: Der Netzausbau erhält eine hohe Aktiv- und niedrige Passivsumme. Er beeinflusst die Industrieentwicklung also stark und wird selbst von wenigen anderen Faktoren beeinflusst. Er ist also ein starker Hebel für die Industrie; gibt es hier große Änderungen, beeinflusst dies das E-Learning stark. Umgekehrt hat Produktivität eine niedrige Aktiv- und hohe Passivsumme. Da sich Produktivität von vielen anderen Faktoren beeinflussen lässt, selbst aber wenig beeinflusst, ist ihr Einfluss auf die Industrie gering. |
Auf Basis der Matrix haben wie die acht Faktoren ermittelt, die den Fortschritt am stärksten beeinflussen - sie gehören zu den vernetzten und den Hebel-Faktoren. Für diese Trendindikatoren haben wir allgemeine Thesen formuliert und daraufhin untersucht, auf welche Art und Weise sie das Learning in den nächsten 25 Jahren beeinflussen werden:
1. Staatliche Regulierung
Thesen:- Bildung- und Lernen ist ein hochregulierter Markt, was die Fortschritte in diesen Feldern stark ausbremst - kaum ein anderes Umfeld der digitalen Wirtschaft verfügt über eine derart regulierte und obendrein noch in sechzehn Bundesländer fragmentierte Landschaft.
- Weniger regulierte Märkte sind etwa der berufliche und der Nachmittagsmarkt (Nachhilfe), die jedoch individuelle Entschleuniger besitzen (Arbeit - Betriebsrat).
2. Mobiles Internet
Thesen:- Für den Konsum von Online-Inhalten sind funktionierende mobile Datenverbindungen wichtig, sie sind jedoch nicht auschlaggebend für den Erfolg von Learning-Anwendungen, da eine Reihe anderer Faktoren von grundsätzlicher Bedeutung sind.
3. Technologie
- Technologie ist ein Treiber von digitalem Learning.
- Für gewöhnlich werden neue Technologien zunächst in anderen Umfeldern auf ihre Verwertbarkeit analysiert und instrumentiert, die Ausbeutung für Lernanwendungen folgt in der Wertschöpfungskette erst später.
Aber auch Anwendungen aus dem Bereich von Augmented und virtueller Realität finden im Learning eben jene sinnvollen Anwendungen, die die Hersteller in Marketing, bei Wearables und sonstigen Mainstream-Szenarien vergeblich herbeiwünschen. Allerdings wächst eine Generation heran, für die technologische Geräte und Lösungen reine Verstärkungen ihres organischen Selbst, also ganz natürliche Selbstextensionen sind - junge Menschen akzeptieren Technologie in stärkerem Maße, sodass viele Lösungen und Anwendungen, die heute noch auf den großen Erfolg warten, in 25 Jahren durchaus den Weg in den Learning-Mainstream gefunden haben - mit der jungen Generation als Treiber.
4. Semantic Web
- Das Semantic Web, also das maschinenlesbare, vertaggte und markierte Web, ist die Voraussetzung für komplexe Agentenlösungen.
- Im Semantic Web können Anbieter von Lernanwendungen ihre Inhalte für Bots und Agenten als Lernanwendungen markieren und sie somit von minderwertigen oder kommerziellen Inhalten trennen.
5. Online-Wissensportale
- Suchmaschinen, Wikis aber auch Appstores, Social Media und Lexika wie Online-Wörterbücher sind nebenbei auch frei verfügbare Lernportale, deren Anbieter große Reichweiten und Marktmacht besitzen.
- Über diese Portale haben vor allem große Internetkonzerne wie Google und Facebook großen Einfluss auf den Learningmarkt.
- Hinzu kommen noch explizite Lernangebote, oftmals kostenlos, die von Internetkonzernen bereitgestellt werden: Ein Beispiel ist Google Classroom.
6. Kosten und Ersparnis
- Kosten sind ein wesentlicher Faktor im Learning: Sowohl innerbetrieblich als auch im öffentlichen Bereich von der Grund- bis zur Hochschule sind Kosten ein relevanter Faktor.
- Der Kostenersparnis durch günstige oder sogar kostenlose Lernmittel und -Umgebungen steht auf Anbieterseite die Suche nach einem Geschäftsmodell gegenüber: Kostenlose Inhalte - selbst wenn sie von einem Webgiganten wie Google kommen - müssen gegenfinanziert werden.
7. Hochschulbildung
- Die Hochschulbildung zeigt kein einheitliches Bild, wenn es um Aufgeschlossenheit und Adaption von neuen Technologien zum Lernen geht.
- Es zeigen sich hier je nach Fach starke Unterschiede, die Hochschulen agieren aber zum Teil sogar als Motoren des Fortschritts - durch ihre große Nähe zur Forschung vor allem in technischen Studiengängen.
8. Lerncontent
- Formen und Inhalte sind wesentliche Faktoren für funktionierende Lernumgebungen.
- Auch hier besitzen große Player - allen voran Google - entscheidende Assets.
Zukunftsabschätzung: Vier Szenarien für die Learning-Zukunft |
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Szenario 1: Dauerhafte Digitalresistenz
Wahrscheinlichkeit:Szenario 2: Die GAFA-Herrschaft
Wahrscheinlichkeit:Hinzu kommt, dass die großen Vier ohnehin schon auf jedem Handy vertreten sind oder im Falle von Android sogar das Betriebssystem dafür stellen - sie werden also kein Problem damit haben, in Sachen Marketing und Reichweite ihre Mitbewerber auszustechen. Obendrauf kommt noch die Tatsache, dass vielen Menschen basale Lösungen reichen: Sie benötigen kein Learn-Management-System, ihnen reicht ein bisschen Online-Speicher und eine Messenger-App für die Kommunikation in der Lerngruppe. In der Folge erobern sich Google und die anderen nach und nach den Learningmarkt - nur untereinander gibt es noch Verteilungskämpfe.
Szenario 3: Nische
Wahrscheinlichkeit:Szenario 4: Langsame Transformation
Wahrscheinlichkeit:| Deutschland in 25 Jahren |
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Dieser Beitrag ist Teil einer Serie, mit der iBusiness Szenarien für die Entwicklung Deutschlands in den kommenden 25 Jahren (und dem Weg dorthin) entwickelt. Sie werden auf der Zukunftskonferenz 'Zukunftthing 2041' am 10. November 2016 (im Vorfeld der 25-Jahre-Geburtstagsparty von iBusiness) mit interessierten Branchenexperten diskutiert und vertieft. |
Das bedeutet auch einen Machtverlust der Institutionen, die sich einem regionalen wie internationalen Wettbewerb stellen werden - indem das E-Learning die Institutionen öffnet, nimmt es ihnen auch die hermetische Selbstbehauptungskraft: "Es wird Onlineplattformen geben, die Lehrinstitutionen bewerten, alle Kurse listen und mir daraus den Weg zu einem Abschluss individuell zusammenstellen", sagt Ricardo Büttner: "Eine Art Jameda für Bildung." Zu Ende gedacht würde ein solches Szenario auch Professoren unter Druck setzen: Angenommen, der Student hat die freie Auswahl unter sämtlichen 'Grundlagen der Mathematik I'-Vorlesungen, die es zwischen Los Angeles und Peking gibt. Werden diese alle gleichermaßen anerkannt, so muss ein schlechter Didakt, dessen Kurse keiner belegt, künftig seine Existenz stärker rechtfertigen: Er kann nicht mehr als der Professor überdauern, der seit Jahrzehnten als Schreck seiner Studenten unbehelligt narkotisierende Vorlesungen hält, weil sowieso keiner an ihm vorbei kommt.
Die GAFA-Konzerne werden die Bildung massiv beeinflussen: Google und Co. besitzen alles was man für einen Lehrbetrieb benötigt: Plattformen, soziale Netze, Dokumentenmanagement, Anwendungen - Bildung und auch Forschung werden mit jedem Nutzer schleichend privatisiert, der eine kostenlose Lernumgebung der großen Webkonzerne nutzt.
Damit benötigt die Zukunft des Lernens nicht wirklich weniger Staat und weniger Regulierung im Zuge ihrer Liberalisierung, sondern viel mehr als je zuvor - sonst besteht die Gefahr, dass Adwords die Bildung finanziert und das Eigeninteresse der großen Konzerne sie diktiert und formt.
In der Privatwirtschaft setzen sich langsam digitale Personalakten durch, in die online abgelegte Weiterbildungen Eingang finden und bei Beförderungen und Beurteilungen zurate gezogen werden - Scorings und automatische Einschätzungen sind technisch zunehmend machbar, stoßen aber auf Widerstand in den Betriebsräten und scheitern oftmals auch an den fehlenden Brücken zwischen Systemen.
Die Gesellschaft erlaubt mit der Mainstream-Bewegung des E-Learnings immer mehr Menschen den Zugang zu Bildung, weil elektronisches Lernen finanzielle, räumlich-zeitliche und Hürden des Zugriffs aus dem Weg räumt, die bisher Menschen von (Weiter)Bildung abgehalten haben. Doch auch wenn die Gesellschaft insgesamt betrachtet schlauer wird, wird es keine übermäßige Anhebung der kollektiven Intelligenz geben, wie man sie aus den Positiv-Utopien eines 'Star Trek' kennt: Die Herrschaft neuer Lernformen ändert nicht, dass Bildung und Wissen zu einem großen Teil auch Charakterfragen sind (Offenheit, Ehrgeiz, Neugier etc) - mehr Zugang zu Wissen allein macht den Menschen nicht automatisch gut. Damit sind auch in der Zukunft sinnstiftende Vorbilder vonnöten - im Grunde gewinnen sie an Bedeutung in der komplexen, vernetzten Welt.


