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Künstliche Intelligenz

Hype, Hype - vorbei! - Der KI-Jahresrückblick 2026 (vorläufige Ausgabe)

30.01.2026 Die Limitationen der Hype-Technologie KI sind nicht mehr zu kaschieren. Wie es US-Konzerne trotzdem versuchen, wie man damit umgeht und ein wirklich spannendes AI-Tool.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Die Flitterwochenphase der Welt mit Künstlicher Intelligenz ist offenbar endgültig vorüber: 2026 beginnen die Beziehungsprobleme. Die bringen aber auch die Chance mit sich, eine wirkliche Verbindung aufzubauen. Zum Beispiel indem Unternehmen KI als Selbstzweck verabschieden und stattdessen wirklich spannende Anwendungen austesten, wie nun etwa Nvidia   eine vorgestellt hat.

Corona ging, ChatGPT kam - der Historiker mag Einwände gegenüber dieser Interpretation haben, aber zeitlich und gefühlsmäßig haut's hin. Die noch von pandemischen Ausnahmezuständen benommene Menschheit musste sich keine Sorgen machen, was nun ihre Aufmerksamkeit vereinnahmen durfte, pünktlich stand OpenAI   auf der Matte und versorgte uns mit neuen Untergangsszenarien. Das hielt gute drei Jahre lang, etwa so lang, wie die vorangegangene Pandemie. Im Falle der hartnäckigen KI-Hysterie war es aber kein Impfstoff, der die Herrschaft beendete, vielmehr erwirbt sich der mediale Diskurs langsam eine Immunität gegen Blender und Panikmacher.

Denn seit einigen Monaten trudeln in immer kürzeren Intervallen die Belege dafür ein, was die wahren Folgen von KI sein werden. Und es zeichnen sich weder die angedrohten Katastrophen noch die versprochenen Sensationen ab.
  • Da ist zum einen die ausbleibende Job-Apokalypse. Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass KI weniger Jobs als Aufgaben abschafft, die dazugehörigen Jobs wandeln sich, fallen aber nicht zwingend weg. Manchmal ist sogar die gegenteilige Tendenz feststellbar. So hat das Institut für Weltwirtschaft in Kiel   herausgefunden, dass sich Sprachmodelle wie Chatbots oder KI-Assistenten sogar positiv auf die Beschäftigung auswirken, wie die sonst um Panikmache nicht verlegene Bild-Zeitung   berichtet: Unternehmen mit intensiver Nutzung solcher Systeme stellen demnach häufiger ein - sowohl in Produktion als auch im Management. KI beschleunigt hier einen Wandel - ist aber bei weitem keine Singularität, das haben Digitalisierung und Dampfmaschine schon vor Jahrzehnten oder Jahrhunderten getan.
  • Zuverlässig sind indes die Negativschlagzeilen um Bias und Benachteiligungen durch KI, über Urheberrechtsverletzungen oder von Bots preisgegebene Bombenbauanleitungen. Nun befasst sich sogar die EU mit dem Vorwurf der KI-generierten Kinderpornographie, im Mittelpunkt steht kein geringerer als der von Techbros als Menschheitsbeglücker gefeierte Elon Musk, dessen Unternehmens-KI Grok nicht daran gehindert worden sein soll, sexualisierte Inhalte auf Basis von Kindergesichtern auszuspucken, berichtet unter anderem Spiegel Online  .
  • Zum anderen bleibt KI der Welt, die sie so lange in Atem gehalten hat, aber auch die versprochenen Wunder und Segen schuldig: Das Handelsblatt   zitiert eine weltweite Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC   unter rund 4.450 Unternehmenschefs. Danach haben die meisten Firmen mit Künstlicher Intelligenz weder Geld verdient noch gespart. Nur jedem achten Unternehmen wollte das gelingen. In Deutschland waren es sogar noch weniger (jedes fünfzigste). Während Deutschland der Welt in beinahe jeder Kennzahl hinterherhinkt, zeichnet sich aber auch ab: Selbst international konnte die Hälfte der Unternehmen bis jetzt überhaupt keine Vorteile in KI-Nutzung erkennen.
  • Und wenn KI mal links Arbeit spart, macht sie rechts neue: Rund 37 Prozent der zunächst durch KI-Tools eingesparten Zeit gehen laut Software-Anbieter Workday   wieder verloren, weil MitarbeiterInnen sie damit verbringen, fehlerhafte Ausgaben zu korrigieren, umzuschreiben oder zu überprüfen.
  • Die Wahrheit scheint also näher an den Erfahrungen eines KI-Entwicklers zu liegen, der beim Techportal The Decoder   von seinen Erfahrungen berichtet: Demnach hat sich KI als Assistent beim Programmieren durchaus gemacht und bietet Entlastung bei 80 Prozent des Arbeitsvolumens an - doch der Rest bleibt mühsam, so arbeite KI wie ein "schlampiger Junior-Entwickler".

Es deutet sich also eine Einpendelung der bisher wild Richtung Hype ausschlagenden Kompassnadel an auf einen geerdeten und mühsamen Kurs Richtung hart erarbeiteter Produktivität. Agenturen und Berater sollten darauf eingehen und einen kontrastreichen Prospekt vor ihren KundInnen entfalten, der alle Graustufen der KI-Nutzung aufzeigt - Mut zum Verzicht auf Prestigeprojekte durchaus erwünscht.

Zumal den KI-Konzernen angesichts der Normalisierung von KI nichts anderes einfällt, als nochmal auf die Panik-Tube zu drücken - es ist der übliche "Unser Produkt ist so gut, es ist gefährlich"-Bullshit aus der Panikmarketing-Mottenkiste, überstilisiert hysterische Ausrufe nach dem Muster der Potenzpillen-Werbung: "Urologen hassen diesen Mann!". Hört eigentlich noch jemand hin, wenn Anthropic  -Chef Dario Amodei im Manager Magazin   nochmal die Apokalypse ausmalt? Oder wenn Sam "Vertraut mir, Bros!" Altman aufzeigt, wie wichtig Security-Lösungen im Zeitalter der KI werden? Kann man ohne Augenrollen seinem scheinheiligen Vorschlag zuhören, eine KI-Sicherheits-Infrastruktur sei eine großartige Startup-Idee   - selbst wenn man nicht weiß, dass Altman an mehreren ebensolcher Startups als Investor beteiligt ist?

Immer mehr zeigt sich (was iBusiness bereits aufgezeigt hat), dass KI-Konzerne am Schluss vor allem ein Ziel verfolgen: Uns Lösungen für die Probleme zu verkaufen, die sie selbst verursacht haben.

Aussichtsreicher ist es da, den Panikzug ohne aufzuspringen Richtung Horizont hinfortdampfen zu lassen und stattdessen die wirklich spannenden Anwendungen im Blick zu halten, die sonst im Grundrauschen untergehen.
So hat Nvidia   mit Personaplex unlängst eine Sprach-KI vorgestellt, die Gespräche viel flüssiger führen soll als klassische Sprachassistenten. Der entscheidende Unterschied: Das System hört zu und spricht gleichzeitig. Es wartet also nicht, bis eine Person vollständig ausgesprochen hat, sondern reagiert bereits während des Zuhörens.
Dadurch entstehen Dialoge, die sich eher wie ein echtes Gespräch anfühlen. Unterbrechungen, kurze Überlappungen oder schnelle Redewechsel sind möglich - genau wie im Austausch zwischen zwei Menschen.

Personaplex ist nicht mehr nur ein Forschungsprojekt, sondern für den kommerziellen Einsatz freigegeben. Denkbare Anwendungsfelder sind unter anderem sprachbasierter Kundenservice, digitale Assistenten, Voicebots oder interaktive Beratungslösungen.
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