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Banken setzen im Überlebenskampf auf Digital

28.06.2017 Sieben von zehn Banken und Sparkassen in Deutschland halten ihr Geschäftsmodell in der aktuellen Form nicht mehr für tragfähig. Die Institute steuern vor allem digital gegen. 70 Prozent investieren strategisch in die Verzahnung der Vertriebskanäle, in konkurrenzfähige digitale Produkte sowie in automatisierte Prozesse, um Kosten einzusparen.

 (Bild: Sam valadi/Flickr)
Bild: Sam valadi/Flickr
Bild: Sam valadi/Flickr unter Creative Commons Lizenz by
Ebenso viele bauen die Qualität der Beratung massiv aus, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen und die eigene Marke zu stärken. Das sind die Ergebnisse des neuen Branchenkompass Banking 2017 von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut.

Kooperationswelle mit Fintechs

82 Prozent der Institute verfolgen mittlerweile eine Digitalisierungsstrategie. Den Rundumschlag im gesamten Unternehmen wagt allerdings nicht jedes Institut. Jedes zweite beginnt mit Teilprojekten. Großbanken treiben die Digitalisierung beispielsweise verstärkt über so genannte Digi-Labs voran.

Die Banken haben zudem die Herausforderung der Fintechs und Neobanken angenommen. Der Kurs lautet bei der Mehrheit Kooperation statt Konfrontation. 61 Prozent der Institute befinden sich in Partnerschaften mit Fintechs oder haben selbst ein Start-up gegründet. Dieser Trend wird sich fortsetzen, so die Studie: Es dominieren die eigene Gründung (34 Prozent) und Kooperation (26 Prozent) mit Fintechs. 13 Prozent der Banken streben eine Übernahme an.

Digitalen Boden gut machen

Das Gewinnen neuer Kunden wollen nur wenige Banken über ein Angebot auf fremden Internetseiten erreichen. Knapp die Hälfte der befragten Institute verfolgt die Strategie, sich in den nächsten drei Jahren auf den weiteren Ausbau der eigenen Plattformen zu konzentrieren, um von dort aus auch bankferne Produkte anzubieten. Fast ein Viertel bestätigt, sich auf Plattformen anderer Anbieter zu konzentrieren, beispielsweise Vergleichsportale.

Mit Technologien wie Blockchain und Beratung durch Roboter beschäftigen sich Banken frühzeitig, um diese Felder nicht an Wettbewerber zu verlieren. Robo-Advisory- und Blockchain-Lösungen gibt es derzeit bei 14 Prozent der befragten Banken. Rund jedes fünfte Institut arbeitet an einer konkreten Anwendung.

55 Prozent der Institute wollen durch mehr Automatisierung in der IT effizienter arbeiten. Für die Mehrheit der Entscheider arbeiten zu viele Menschen im eigenen Haus an Routinetätigkeiten anstatt die Bank mit ihrem Know-how voranzubringen.

62 Prozent der Institute, die ihr Geschäftsmodell verändern, wollen sich auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren. Zugleich plant jedes zweite Institut mit großem Veränderungsbedarf eine Konsolidierung des Produktportfolios. Dabei befinden sie sich auf einer Gratwanderung zwischen zu kostenintensiver Breite und Tiefe der Produktpalette und einem zu kleinen Angebot, das individuelle Lösungen für die Kunden nicht ausreichend unterstützen würde.

Branche blickt optimistischer in die Zukunft

Dass sich die Bankenbranche bewegt, zeigt sich auch am wieder zunehmenden Optimismus. Im Vergleich zur Befragung aus dem Vorjahr hat sich die Stimmung in der Branche aufgehellt. Die meisten Banken erwarten, dass die Branche in Zukunft an Innovationsfähigkeit zulegen wird. "Der Wille zur Veränderung ist in den Instituten spürbar. Es gibt wenig internen Protest und Widerstand gegen die digitalen Bauvorhaben der Banken", sagt Stefan Lamprecht von Sopra Steria Consulting. Künstliche Intelligenz, Robotic Process Automation und Big Data sind für die Mehrheit der Entscheider keine Spielwiese und für die Mitarbeiter keine Jobkiller, sondern Chance auf Effizienzgewinne und neue Angebote für die Kunden.
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