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"Erpressung": Harte Bandagen beim Kampf um Interaktivmessen
25.08.2008 In den letzten Monaten haben zwei Leitmessen aus der Interaktivbranche den Wechsel ihre Messestandorts bekannt gegeben. Treiber waren in beiden Fällen die Branchenverbände. Die von der Abwanderung betroffenen Standorte wollen weitermachen. Was ein Verband wohl nicht akzeptieren will, wie man am Standort klagt. Die Rede ist von Erpressung.
Nach einer der FAZ vorliegenden E-Mail von BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters an die Stadtverwaltung Leipzig, sollte die Messe Leipzig, Veranstalter der Games Convention "auf der Abschlusspressekonferenz zur Games Convention den Verzicht auf weitere Messen" erklären. Es gäbe "in der Branche massive Bedenken, den Deutschen Computerspielepreis nach Leipzig zu vergeben, bevor die Standortdiskussion im Interesse aller Beteiligten zu einem Ende gekommen ist", wird Wolters zitiert. Davon haben sich allerdings die Messe Leipzig und auch die Stadt Leipzig, die mit 50 Prozent an der Messegesellschaft beteiligt ist, nicht abschrecken lassen und den Termin für die Games Convention 2009 verkündet.
Gegenüber iBusiness weist Wolters jedwede Verbindung zwischen der Vergabe des Preises und dem Verzicht auf die Games Convention zurück. Es könne gar keine Rede davon sein, dass die Vergabe des Preises an Leipzig nur unter der Bedingung erfolgen werden, wenn die Games Convention eingestellt würde. Gegenüber iBusiness spricht Wolters sogar von einer Kampagne gegen den Verband und seine Person und verweist auf den Vorwurf des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung , der in der Leipziger Volkszeitung von einem "unsäglichen erpresserischen Versuch" sprach.
Dass sich der BIU als Leitverband der Spielebranche den Zorn der Leipziger zugezogen hat, ist nachzuvollziehen. Wie iBusiness berichtete, hatte sich der BIU vor wenige Monaten von der Computerspiele-Messe Games Convention in Leipzig zurückgezogen. Unter dem neuen Namen GAMESCom wird der Verband gemeinsam mit der Kölnmesse eine Konkurrenzveranstaltung zur Games Convention auf die Beine stellen.
Denn mit der Abkehr des Verbandes vom Messestandort Leipzig, wird es trotz zurückliegender Erfolge für die Games Convention im nächsten Jahr schwieriger, ihren Anspruch als Leitmesse in der Branche zu verteidigen. So hat beispielsweise Marktführer und BIU-Mitglied Electronic Arts seinen Sitz in Köln. Und die Kölner werden sicherlich nicht auf beiden Messen ausstellen. Vergleichbar ist die Situation auch bei der DMEX.
Für Riesenwirbel hatte der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) gesorgt, als er seinen Rückzug für 2009 von der Online-Marketing-Düsseldorf bekannt gab. Eine Konkurrenzveranstaltung ist bereits gegründet, ebenso wie ein neuer Messestandort gefunden ist: Die DMEX soll in Köln stattfinden - organisiert vom ehemaligen OMD-Verantwortlichen Frank Schneider . Dort werden vor allem die großen Vermarkter aus dem Online Vermarkter Kreis (OVK) den Ton angeben. Die Onlinemarketing-Düsseldorf wird auf die Onlinevermarkter wohl ab 2009 verzichten müssen. Denn diese werden wohl nur in Köln und nicht in Düsseldorf ausstellen, wenn sie ihrem eigenen Verband nicht in den Rücken fallen wollen.
Eine Strategie zur Abwerbung von Branchenveranstaltung nach Köln hat Messeveranstalter Kölnmesse allerdings eigenen Aussagen zufolge nicht. Es sei jedoch ein kluger Schachzug, "einzelnen Branchen, die über den Messeplatz ihrer Leitveranstaltungen nachdenken, die Vorteile des Standorts Köln zu präsentieren, die durch die Modernisierung und den teilweisen Neubau des Geländes deutlich gewachsen sind", erklärt Guido Gudat , Geschäftsbereichsleiter Unternehmenskommunikation & PR der Kölnmesse gegenüber iBusiness.
"Die Strategie der Koelnmesse ist es nicht, Standortwechsel von Veranstaltungen herbeizuführen", verteidigt er sich. Schließlich müssen sich auch Messeveranstalter dem Wettbewerb stellen. Sich dazu der Rückendeckung der Branchenverbände zu versichern, ist für viele potenzielle Aussteller sicherlich ein gewichtiges Kriterium. Hinzu kommt, dass die Branchenverbände immer mehr erkennen, dass sie die eigene Verbandsmarke durch eine Kongress- und Messeveranstaltung profitabel monetarisieren können. Schließlich sind Seminare und Kongresse eine Cash-Cow, die jeder Verband melken möchte.
