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Das Ende der KI, wie wir sie kennen
09.01.2024 Wenn man sich die aktuelle KI-Wasserstandsmeldungen allein in den ersten Tagen dieses Jahres liest, sieht man, wie wichtig Qualitätskontrolle künftig sein wird.
Mit dem Thema "Künstliche Intelligenz" wird sich das genauso verhalten - und das Jahr 2024 wird der Kipppunkt werden. 2024 werden wir über KI-Anwendungen sprechen, nicht länger über KI-Technik. Wer Ende dieses Jahres seine Software anpreist mit "die kann auch KI" wird vermutlich von der Mehrheit genau so komisch angesehen, wie die Vertriebsleute, die versuchen, ihre Software mit dem Alleinstellungsmerkmal "internetfähig" zu verkaufen. Oder mit Computergrafik.
Die Diskussion über KI dieses Jahr wird also nicht von glänzenden Verkäuferaugen bestimmt, sondern von dem Nutzen, den (Mustererkennungs-)Algorithmen für Unternehmen tatsächlich haben. Egal, ob diese "künstlich" (nein) oder "intelligent" (auch nein) sind. In diesem Zusammenhang sind zwei Forschungsergebnisse spannend, die diese Woche veröffentlicht worden sind:
- Nicht intelligent: Eine aktuelle Studie der DHBW Stuttgart am Studienzentrum Dienstleistungsmanagement hat die Fähigkeit der Künstlichen Intelligenz (KI) zur Erkennung diskriminierender Inhalte in Bildern und Werbeanzeigen untersucht. Dabei wurde der KI Werbeanzeigen vorgelegt, die der Deutsche Werberat in der jüngeren Vergangenheit als diskriminierend gerügt hatte. Diese Sexualisierung und Stereotypen hat die KI erkannt . An die Grenzen stieß die KI jedoch bei der Identifizierung komplexerer Formen der Diskriminierung, wie der Objektivierung, der Respektlosigkeit sowie des Machtmissbrauchs. Trainierte Muster also ja, Ableitungen davon also nein - Mustererkennungsalgorithmen sind eben nicht intelligent.
- Nicht künstlich: KI-basierende Sprachmodelle enthalten implementierte Moral- und Wertevorstellungen, allerdings in der Regel nicht transparent. Das haben Forschende der Universität Mannheim und des Leibniz-Instituts für Sozialwissenschaften in einer neuen Studie anhand einer Reihe von offen verfügbaren LLMs aufgezeigt. Die Studie zeigt, dass man psychometrische Tests, die seit Jahrzehnten erfolgreich bei Menschen angewendet werden, auch auf KI-Modelle übertragen kann. Die Forschenden konnten beispielsweise bestätigen, dass manche Modelle genderspezifische Vorurteile reproduzieren, was bei KI-basierten Bewerbungsverfahren zur Verfestigung von Rollenvorurteilen führen könne. Weil KI eine gesellschaftliche Relevanz über die Kontexte bekommt, in denen sie eingesetzt werden, müssen die von Menschen eingebauten potenzielle Verzerrungen in der KI jetzt ausgemerzt werden.
KI wird wohl nicht deswegen gefährlich, weil sie sich vom Menschen emanzipiert - sondern weil sie menschliche Fehler viel schneller und effektiver wiederholt. 2024 wird auch das Jahr, in der wir über KI-Kontrolle sprechen müssen. Allerdings anders, als die Terminator-Träumer uns weissmachen wollen.
Ihr
Joachim Graf
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