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EBook-Publishing: Wie das E-Book künftig zum Leser kommt

11.10.2011 Wie in Zukunft E-Books vertrieben werden und welche Marketingformen sich herauskristallisieren, wird entscheidend sein für den Erfolg der Verlage. Doch Autoren können auch selbst ihre Bücher an der Leser bringen. Welche Wege es gibt und wohin sie führen.

 (Bild: SXC.hu/brendan gogarty)
Bild: SXC.hu/brendan gogarty
Wie kommt das Buch an den Mann, an die Frau? Überlegungen zum EBook-Publishing (Bild: SXC.hu/brendan gogarty)
Bild: SXC.hu/brendan gogarty
Wie kommt das Buch an den Mann, an die Frau? Überlegungen zum EBook-Publishing
Buchhändler wie Weltbild   oder Hugendubel   versuchen ihre Leser selbst mit eigenen preisgünstigen EReader-Modellen auszustatten, um so den Vertrieb von E-Books voranzutreiben. Doch der Weg in die EBook-Zukunft ist steinig: EU-weit wächst der Markt für E-Books deutlich stärker als hierzulande, 2011 um etwa zwei Drittel auf 275 Millionen Euro. "Die Verbreitung von E-Books hinkt in Deutschland unter anderem wegen der hierzulande schwierigen urheberrechtlichen und steuerlichen Situation hinterher", bestätigt Ralph Haupter vom Präsidium des Bitkom   die aktuellen Daten. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen machten der Dynamik im EBook-Markt und bei E-Readern den Garaus.

Fest steht, dass der entscheidende Impuls für den EBook-Markt von den Lesegeräten und dem Titelangebot der Verlage ausgeht, die seit zwei Jahren mit unterschiedlicher Intensität daran arbeiten, sich besser auf den EBook-Markt vorzubereiten. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels  , der schon im März anlässlich der Präsentation seiner EBook-Studie vom "Durchbruch beim E-Book" sprach, will mit seiner Distributionsplattform libreka   das E-Book an den Händler bringen, nicht aber an den Endkunden.

"Die Kundenansprache der Verlage ist miserabel"

Holger Ehling

"Mit einem Prozent Marktanteil stehen wir an einem Punkt, der zeigt, dass E-Books hierzulande eine komplette Marginalie darstellen", sagt Holger Ehling von Holger Ehling Media  . Die Entwicklung sei zwar positiv, aber wie man in den nächsten fünf bis acht Jahren auf zehn bzw. 15 Prozent Marktanteil kommen will, sei zumindest fraglich. Denn: Außer Amazon   gebe es nur sehr "schwachbrüstige einheimische EBook-Händler" - Thalia  , Hugendubel, Weltbild. "Es fehlt an Marketing und Interesse, den Endkunden direkt anzusprechen". Die Kundenansprache der Verlage sei "miserabel", so Holger Ehling.

Von "stattlichen Steigerungszahlen" bei den E-Books spricht hingegen Steffen Meier vom Verlag Eugen Ulmer   und zugleich Mitglied des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren (AKEP)   des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Doch auch er räumt ein: Das Niveau in Deutschland sei ein anderes als etwa in den USA. Die Kluft liegt für ihn darin begründet, "dass sowohl die Marktdurchdringung der entsprechenden Endgeräte wie auch das Angebot hinterherhinken. Die meisten Verlage fangen jetzt erst an, digitale Strategien aufzubauen."

Die Verlage basteln noch an ihren EBook-Strategien


Das bestätigt die Einschätzung von Kai Weber vom Fach- und Sachbuch Verlag Ernst Reinhardt Verlag  : "Was vor zwei Jahren galt, gilt für uns immer noch: Unser Brot verdienen wir noch mit Print-Produkten."

Grundsätzlich gilt beim Thema Digitalisierung: Die Verlage, die sich bereits frühzeitig auf den digitalen Wandel einstellen und hierbei auf etablierte und integrierte Lösungen setzen, sind meist im Vorteil, so die Einschätzung von Andreas Nentwig vom Multichannel-Publisher Interred   . Gerade die Digitalisierung schaffe neue Vermarktungsformen und Vertriebskanäle - "man muss sie nur zu nutzen wissen."
Doch genau hier liegt das Problem: Wie können Verleger in Zukunft E-Books an die Leser bringen? Sieben Essentials, die diese Zukunftsfrage beantworten:

1. Welche Marketingformen bei EBook-Publishing zum Tragen kommen


Handelsmarketing werde in EBook-Zeiten auch weiterhin betrieben. Etwa durch die Teilnahme an der Kooperation Forum Independent  , erklärt Kai Weber. Daneben trete jedoch zunehmend die Ansprache von Endkunden. Diese müssen Publisher vor allem auf elektronischen Kanälen betreiben. Denn "sie lassen uns stärker auf unsere Zielgruppen fokussieren. Zudem sind hier die Streuverluste geringer als bei klassischer Anzeigenwerbung", singt Weber das Hohelied des Onlinemarketings. Auch der Ernst Reinhardt Verlag stimmt mit ein: " Facebook  , Twitter   und E-Mail sind die Mittel der Wahl."

Jens Klingelhöfer (Bild: Bookwire)
Bild: Bookwire
Jens Klingelhöfer

Als eine Art Zwischenhändler tritt der digitale Distributor Bookwire   auf, der es vor allem kleinen und mittelständischen Verlagen erlaubt, in alle Vertriebskanäle zu distribuieren. "Sonst müssten Verlage mit extrem vielen Shops einzelne Verträge abschließen, was für sie gar nicht machbar ist", sagt Geschäftsführer Jens Klingelhöfer von Bookwire  . Mit dem einen einzigen Vertrag kommt ein EBook-affiner Verlag so in alle Kanäle hinein und macht die entsprechenden EBook-Titel sichtbar.

Sein digitales Vertriebsangebot hat Bookwire erst vor wenigen Tagen mit der Apple-Partnerschaft ausgebaut. Ab sofort fungiert Bookwire als ein von Apple zertifizierter Zulieferer   für den iBookstore. Das kommt den mehr als 140 deutschen Verlagspartnern im internationalen Geschäft zugute, denn alle Titel der Bookwire-Kunden sind nun auch über den iBookstore   in 26 europäischen Ländern verfügbar.

Ein Geschäft mit Zukunft in der EBook-Zukunft, davon ist Holger Ehling überzeugt. Der Grund: Die Bedeutung der Zwischenhändler wird zunehmen - in dem Maße, in dem die Verlage ihre kaufende Zielgruppe nicht kennen. Denn per Außendienst kennen Verlage ihre Abnehmer von heute - die Buchhändler. Die Abnehmer von morgen - die Endkunden - kennen sie nicht. Zudem täten Verlage wenig dafür, um den Kontakt zu verbessern. Verlage seien es gewohnt, mit endkundenorientierten Dienstleistern zusammenarbeiten, zumal die wenigsten einen eigenen Vertrieb haben. Also wählen sie den Weg der Zwischenhändler, wohlgemerkt nur der Unter- und Mittelbau, nicht die großen Verlagsgruppenkonzerne, die auch eigenständig in den Social-Media-Kanälen aktiv seien.

2. Welche Formate und Standards sich bei E-Books durchsetzen werden


Mittelgroße Fachverlage hätten zwar prinzipiell die Ressourcen, in den EBook-Markt einzusteigen. Sie zögern allerdings, weil für sie viele Fragen im EBook-Bereich noch nicht endgültig entschieden sind. So sammelt beispielsweise der Ernst Reinhardt Verlag   seit etwa fünf Jahren Erfahrung mit dem Verkauf von PDF-EBooks und Einzelartikeln seiner Fachzeitschriften. Seit einem dreiviertel Jahr experimentiert er zudem mit EPubs. "Ein sehr sinnvolles Format, da es mobile Geräte in idealer Weise bedient, und zugleich auch auf PCs nutzbar ist", hat Kai Weber gelernt. Doch der Teufel liegt im Detail. Fraglich bleibt für Weber beispielsweise das Kapitel der Seitenpaginierung - Wissenschaftler legen Wert auf die Zitierfähigkeit eines Buches. Oder wie intern die Workflows organisiert werden, sodass mit geringem Zusatzaufwand EPubs erzeugt werden können. Nicht zuletzt fragt sich der Verlag, welche Verkaufsplattformen akzeptable Konditionen und das passende Umfeld bieten.

Keine Fragen indes gibt es über die Bedeutung des E-Books. "Ein E-Book ist für uns ebenso wertvoll wie ein gedrucktes Buch", sagt Weber - und deshalb habe es denselben Preis zu haben. Eine Frage, die im digital erfolgreicheren US-Markt prinzipiell anders beantwortet wird.

Das Format der Stunde ist für Max Dombrowski von der LVD Gesellschaft für Datenverarbeitung mbH   dabei eindeutig das EPub-Fomat. Mit wenig Aufwand kann das bei Amazon vom Autor selbst eingestellt werden. Um in den iBookstore zu gelangen, so Dombrowski, sei nur eine ISBN und ein Vertriebspartner erforderlich.

Es gibt viele "Standards" im Markt, die sich alle untereinander nicht verstehen, weiß Ralf Biesemeier von Readbox  , einem Dienstleister und Technologieanbieter für die Verlage. Auch "EPub" sei nicht gleich "EPub". Es gebe Shops, die ein Adobe DRM einsetzen, dass nicht von allen Lesegeräten und -software "gelesen" werden kann. Ein bei thalia.de gekauftes Buch sei etwa nicht in der iBook-App auf dem iPad lesbar. Ein für Apple hergestelltes EPub kann im Zweifel aber auch nicht überall gelesen werden, "denn Apple hat dem eigentlich offenen Standard 'EPub' viele eigene Features verpasst, die dann aber eben auch nur iOS-Geräte verstehen", klagt Biesemeier. Amazon spiele mit seinem AZW-Format ebenfalls ein eigenes Spiel.

Florian Schuhart (Bild: Random House)
Bild: Random House
Florian Schuhart

Alle Spiele gleichzeitig zu spielen, ist schwierig. Das Ziel der Verlagsgruppe Random House   beispielsweise sei es, alle Neuerscheinungen gleichzeitig auch als E-Book für möglichst viele Plattformen und Endgeräte herauszugeben, erzählt Florian Schuhart . Ältere Titel erscheinen sukzessive ebenfalls als E-Book: "Wir bieten E-Books in den Formaten PDF und EPub an. Der Preis für unsere E-Books liegt zwischen 10 und 20 Prozent unter dem der günstigsten lieferbaren gedruckten Ausgabe", sagt Schuhart, der zugleich Wert auf die branchenpolitisch korrekte Position legt: Dass die Verlagsgruppe die Preisbindung von E-Books unterstützt. Beim Thema Digital Rights Management (DRM) setzt sich Random House nach Auskunft von Schuhart für "stärkere Interoperabilität ein, um die Bedienung zu vereinfachen und eine Nutzung von E-Books auf beliebigen Endgeräten zu ermöglichen."
Weniger die technische Seite als vielmehr die Erzähl- und Erscheinungsform hat Holger Ehling im Visier. Er kritisiert vorab, dass Verlage wenig bemüht sind, EBook-Erzeugnisse zu entwickeln. Gemeint seien "eigene Formate, die auf das E-Book zugeschnitten sind", etwa die "gute alte Shortstory, die in den USA zurzeit eine regelrechte Renaissance erlebt." Denkbar seien auch journalistische Formate, etwa Reportagen als E-Book, die hierzulande noch überhaupt keine Rolle spielen. Auch für ein Sachbuch wäre das E-Book ein erfolgversprechendes Format, meint Ehling.

3. Umdenken bei Marketing- und Vertriebsstrategie


Steffen Meier (Bild: Verlag Eugen Ulmer)
Bild: Verlag Eugen Ulmer
Steffen Meier

Aus Verlagssicht stellt sich die Frage, welche Distributoren beliefert werden. Im Fachbuchverlag eignen sich textlastige Werke gut für den E-Reader, andere Werke, die bildbetonter sind, eignen sich wieder besser für das Tablet, meint Steffen Meier.

Zudem sei klar, dass digitale Direktvertriebsstrategien notwendig werden. "Der Direktvertrieb wird eine immer wichtigere Rolle einnehmen - umschichten wird notwendig", sagt Meier deutlich. Der Handel könne digitale Güter nicht verkaufen, das berge eine Chance für Verlage, so Meier. Zeitschriften hätten hingegen schon immer eine Endkundenbeziehung etwa durch Abos gehabt, "dies müssen Buchverlage erst noch lernen."
Die Optimierung und Automatisierung von zuvor in (Buch-)Verlagen getrennt denkenden Bereichen wie Lektorat, Herstellung, Vertrieb, Design und Marketing wird zudem immer wichtiger. Spätestens mit der Konzeption oder dem Erwerb eines (Buch-)Rechts beginnt dann die komplette verlagsinterne Wertschöpfungskette.

Prinzipiell geht es vor allem darum "verortet" zu sein, sonst sei man im Web nicht existent, fordert David Eicher Geschäftsführer der Webguerillas   und zugleich Dozent an der Akademie des deutschen Buchhandels  . "Die Verschlagwortung des Angebotes in den unterschiedlichen Sharing-Plattformen ist eine Grundvoraussetzung, hinzu kommt die Vernetzung mit Social Media-Kanälen", betont Eicher, der zudem rät, das E-Book nicht nur inhaltlich zu präsentieren, sondern auch über Backlinks zu einem besseren Google   Ranking zu kommen.

Dieser Standard-Marketingmix gehört zum erfolgreichen E-Publishing
  • Online Monitoring
  • Relevante Umfelder und Ansprechpartner bestimmen (Grundelement jeder Kampagne)
  • Keywordanalyse ist wichtig für die Moderatorenplanung und die Werbetexte
  • Empfehlungsmarketingprogramm, das die Multitplikatoren vorab informiert.
  • klassisches Marketinginstrumentarium: SEO, SEM, Performance und Display

Die Preisbindung sei zwar ein "wichtiges Gut" hierzulande, meint Holger Ehling. Besonders wenn man sich vor Augen führe, wie schnell kleinere Marktteilnehmer aus dem Markt gedrängt werden können. Etwa in Großbritannien, wo sich seit 2006 die Zahl der Buchhändler halbiert habe. Wie lange aber EBook-Leser "relativ teure Produkte bei relativ geringer Flexibilität" noch akzeptieren - nur zehn Prozent günstiger im Vergleich zum gedruckten Buch - das sei allerdings sehr zweifelhaft, so Ehling.

Wozu sich weiter bemühen, für einen Kanal, der nicht mehr so ist wie früher, fasst Steffen Meier die Situation der Verlage zusammen. Es sei eine Frage des Change Managements, das sich großen Veränderungen stellen und eine Antwort darauf finden muss, was mit einem digitalen Produkt E-Book alles erreicht werden kann.

4. Die neue Form des Handelsmarketings


Handelsmarketing ist auch bei den E-Books "enorm wichtig", denn die "starken Marken sind auch im digitalen Buchhandel die Händler, hier zurzeit insbesondere Apple und Amazon", sagt Ralf Biesemeier. Durch die Verbindung von Shop und E-Reader (z.B. iPad/iBookstore oder Kindle/Kindle Shop) würden die Nutzer eng an den Händler gebunden. Durch die "fehlende Interoperabilität und Kompatibilität der Formate wird zusätzlich eine Hürde geschaffen, den Händler zu wechseln und woanders nach EBooks zu suchen", klagt Biesemeier.

Für die Verlage und Autoren (Self-Publishing mit E-Books ist sowohl bei Amazon als auch bei Apple möglich) kommt es also darauf an, beim Händler "vorne in den Regalen" zu stehen - das sei genauso wie im stationären Handel, analysiert Biesemeier. "Visibilität ist alles, damit die potenziellen Käufer auf den/die Titel aufmerksam werden." Es sei notwendig, mit den Händlern zu arbeiten, "dass die Titel etwa auf die Startseite des Shops in die Werbung kommen oder in einem Banner oder einem Newsletter beworben werden."

Zwar sei das Prinzip nicht so anders, doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: "Die Verfügbarkeit und das Marketing der Titel sind im Internet auch für das Gros der kleineren und mittelständischen Verlage möglich und finanzierbar", betont Biesemeier. In der realen Welt landet der Großteil der in Deutschland erscheinenden Bücher überhaupt nicht in den Regalen der großen Filialisten. Das ist im Internet komplett anders, denn der Händler muss nicht mit begrenzten Regal- und Shopflächen kalkulieren.

Für die Buchverlage bedeutet das, an immer mehr Stellen präsent sein zu müssen. Ihre Not bestehe vor allem darin, "Lösungen zu finden, die mit geringen Ressourcen machbar sind", so David Eicher. Denn die Marketingabteilungen in den kleineren Verlagen bestünden aus ein bis zwei Mitarbeitern. Der Durchschnittsverlag ist mit Printformaten groß geworden, somit könne es sein, dass Leute über Maßnahmen entscheiden, zu denen sie keine wirkliche Affinität haben" etwa zum Bereich Social Media. Denn "über Social-Media-Aktivitäten sollte nur jemand sprechen, der auch selbst in diversen Social-Media-Kanälen aktiv ist - sonst geht es nicht", warnt Eicher.

Der Geschäftsführer von Webguerillas rät daher "den Ablauf des EBook-Publishing zu standardisieren und eine Infrastruktur aufzubauen, die einmal funktioniert und an die jeweils neuen Produkte angepasst wird - wie eine reine Monitoring-Software, laufende Suchmaschinenprogramme, verschiedene Social-Media-Accounts."

Auch Jens Klingelhöfer betreibt als Zwischenhändler nichts anderes als Handelsmarketing. Er sorgt am Point of Sale für die Sichtbarkeit - bei Amazon, in Newslettern, in Social-Media-Kanälen. "Je gebündelter und professioneller aufbereitet, desto mehr Chancen hat das E-Book zu erscheinen", sagt Klingelhöfer.

Werner-Christian Guggemos (Bild: Ciando)
Bild: Ciando
Werner-Christian Guggemos

Für die Distribution via Internet müssen Katalogdaten standardisiert über Schnittstellen vom Verlag zum Buchhandel übermittelt werden, erklärt Gechäftsführer Dr. Werner-Christian Guggemos vom EBook-Portal Ciando   seinen Weg, E-Books standardisiert an den Endverbraucher zu bringen. Ihm stellen die Verlage zudem erweiterte Katalogdaten wie hoch aufgelöste Coverabbildungen zur Verfügung. Die Durchführung von SEO- und SEM-Maßnahmen verlaufe dann in aller Regel über den Buchhandel selbst. "Verlage haben aufgrund der vergleichsweise geringen Marktgeltung ihrer Online-Auftritte kaum Chancen, in diesem Bereich erfolgreich tätig zu werden", meint Guggemos zu den Aussichten der Verlage im EBook-Publishing.

5. Markenaufbau: Die Verlagslinie und der Autor sind die Marke


Letztlich gelte es eine "neue Hülle für etwas zu finden, das es schon lange gibt", bringt es Klingelhöfer auf den Punkt. Es gelte, den Wert des Verlages und sein bisheriges Image ins Digitale hinüber zu retten. Und zugleich von Chancen zu profitieren, die es bisher nicht gab. Dazu gehöre es etwa mit neuen Formaten und Erscheinungsweisen zu arbeiten.

Doch hier liegt aus Klingelhöfers Sicht das Problem: Der Printmarkt in Deutschland sei eher konservativ geprägt, die Verlage sind es nicht gewohnt, innovativ zu sein, "sie machen seit 500 Jahren das Gleiche", liest er den Verlagsoberen die Leviten. Die Buchpreisbindung halte die Verlage zudem an der Leine - ohne Chance preisaggressiv im Markt vorzugehen.

Alle Experten sind sich einig: Die Linie des Verlages und die Persönlichkeit des Autors sind die eigentliche Marke, die es aufzubauen gilt beim EBook-Publishing. Die Frage, wie man einen Autor als Experten für bestimmte Inhalte positionieren kann oder wie ein Verlag für bestimmte Inhalte stehen kann, bildet den Kern der zukünftigen Aufgabe. Dazu zählen "in hohem Maße visuelle Elemente, denn das E-Book muss auch emotional wahrnehmbar sein", erklärt David Eicher, der in diesem Zusammenhang Bilder oder Ikonographien erwähnt.

So dienen nach Eichers Ansicht auch "Autoreninterviews, die Live als Ergänzung hinzukommen", ebenso zum Aufbau der Marke, wie Live-Lesungen und die Interaktion der Leser, die etwa mitbestimmen können, wie die entsprechende Buchreihe weitergeht. Der Nutzer hat nicht nur die Konsumentenrolle inne, er nimmt auch eine tragende Rolle in der Weiterentwicklung des Gesamtangebots ein", unterstreicht Eicher.

Für die allermeisten Verlage, insbesondere aus der Belletristik, "spielen SEO und SEM gar nicht die ganz große Rolle", sagt Ralf Biesemeier von Readbox. Die Marke des Verlags sei für den Endkunden in diesem Bereich nicht so wichtig - wichtiger ist eher noch der Autor, aber auch das "nur in einigen wenigen Fällen - dort wo der Autor als Marke funktioniert wie z.B. bei einem Dan Brown oder Ken Follet oder in Deutschland Charlotte Roche ." Bei Fachverlagen hingegen sehe das ein wenig anders aus, dort spielt die Marke des Verlags eine größere Rolle (weil diese für die Inhalte steht, wie C.H. Beck   für juristische Bücher oder Gabler   für Wirtschaftsthemen).

Das schöne an der Vermarktung digitaler Produkte im Internet ist, so Biesemeier, "dass der Nutzer direkt handeln kann." Er kann auf einen Link klicken und sich sofort dafür entscheiden, das Produkt zu kaufen. Das gelte es sich beim Markenaufbau zunutze zu machen, um neue Käuferschichten zu gewinnen und - noch wichtiger - zu halten und für weitere Produkte aus dem Verlagsprogramm zu interessieren, meint der Readbox-Mann.

6. Welche Bedeutung Self-Publishing erlangen wird


Für den Autor oder Verlag gilt: Möglichst alles tun, um eine große Reichweite im EBook-Marktsegment zu erzielen und möglichst viele Nutzer mit den eigenen Inhalten konfrontieren zu können. In diesem Fall gilt die Devise: "Viel hilft viel", unterstreicht Ralf Biesemeier. Zumal die Zielgruppen in den einzelnen Shops teilweise sehr verschieden sind (etwa im direkten Vergleich Apple vs. Amazon). "Die Schnittmenge derer, die ich über beide Plattformen erreiche, ist sehr gering", weiß Biesemeier, der überzeugt ist, dass Autor wie Verlag passende Partner brauchen, die sie beraten und unterstützen. Denn die Geschichten über "Kindle-Millionäre" seien vielleicht "nicht unwahr, aber für die meisten Autoren doch wahrscheinlich eher unerreichbar."

Max Dombrowski sieht im Self-Publishing eine große Gefahr für die Verlage und Buchhändler. Für einen einigermaßen medieninteressierten Autor sei ein Verlag leicht verzichtbar und als Indie-Autor könne man gutes Geld verdienen, so sein Mantra. Beispiele aus den USA gebe es genügend. Lektorat, Layout, Grafikdesign und EBook-Umwandlung übernehmen falls nötig Dienstleister. Der Vertrieb läuft über Apple und Amazon. Das Marketing übernimmt der Autor selbst über die entsprechenden Social-Media-Kanäle, so Dombrowski.

David Eicher (Bild: webguerillas GmbH)
Bild: webguerillas GmbH
David Eicher

Self-Publishing lässt sich nicht in der Breite durchsetzen, meint hingegen David Eicher von den Webguerillas. Der Erfolg hänge von vielen Punkten ab, etwa auch vom Budget, "Selbst zu publizieren heißt nicht, dass es massenhaft verkauft, wird", ist Eicher überzeugt.

Self-Publishing sei ein "massives Thema" so die Einschätzung von Steffen Meier, der zugleich weiß, das es in der Branche "noch sehr marginal gesehen wird." In Zukunft müssten sich die Verlage stärker in Richtung Autoren positionieren und die Stärke des Verlages als Dienstleister für Autoren in den Vordergrund stellen, rät er. Denn warum sollte ein Autor die Leistungen eines Verlages in Anspruch nehmen, wenn er das auch selber kann. "Der Verlag muss dem Autor einen klaren Mehrwert bieten können, als Rechteverwalter des Autors."
"Self-Publisher sind den Verlagen einen Schritt voraus", glaubt hingegen Holger Ehling. Viele der Self-Publisher seien als Sachbuchautoren durchaus erfolgreich. Sie wissen, wie sie die einzelnen Schritte des EBook-Publishings für relativ wenig Geld selber machen können. Dem gegenüber fordern Verlage heute nicht selten von ihren Autoren, dass sie sich zusätzlich an aufwändigen Marketingaktionen beteiligen. So entstehe bei den Autoren ein "Frustrationspotenzial, das die Verlage gar nicht realisieren." E-Books bieten in dieser Lage dem Autor einen Ausweg. "Eine Gefahr", betont Ehling, "die die Verlage nicht sehen, so dass die Autoren der zweiten und dritten Reihe verloren gehen."

7. Wie die Entwicklung des EBook-Publishings verlaufen wird


Die weitere Entwicklung hängt stark von den Endgeräten ab, legt sich David Eicher fest. Es gehe darum digitale Produkte, deren Akzeptanz noch immer nicht sehr stark sei, "insgesamt konsumierbar" zu machen.

Digital Publishing wird für alle Verlage immer wichtiger, glaubt auch Florian Schuhart von Random House. Menschen werden auf einer Vielzahl von Geräten und Plattformen lesen, und neben dem E-Book entstehen weitere digitale Angebotsformen wie etwa Enhanced Books oder Apps, so Schuhart. "Neben unserem EBook-Angebot entwickeln wir deshalb eine wachsende Anzahl von eigenständigen Apps zu verschiedenen Themen", sagt Schuhart.

Bereits 2011, so die Prognose von Hans Huck , vom Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein, würden die Verlage im Schnitt 6,6 Prozent Umsatz mit E-Books erzielen. Bis 2015 könnte dieser Anteil auf 16,2 Prozent steigen. Eine sicher zu optimistische Prognose für einen Geschäftsbereich, der sich erst noch finden muss.
Thema: EBook-Publishing: Wie das E-Book künftig zum Leser kommt

Kommentar von Markus Howest

Langfristig auf Wachstumskurs

Auch wenn der EBook-Markt in Deutschland erst langsam in Fahrt kommt, wird der Markt langfristig deutlich wachsen. Hinsichtlich der Vertriebskanäle führt kein Weg an den Zwischenhändlern vorbei.

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Markus Howest (Edelfedern.de)
Bild: Edelfedern.de
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