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Möbel-Industrie in der Procurement-Krise
25.05.2010 Unterschiedliche Professionalisierungsgrade im
Einkauf führen zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Möbelindustrie, so eine Studie.
Viele Möbelhersteller reagieren nicht auf die aktuellen Entwicklungen in ihren Absatz- und Einkaufsmärkten. So gaben 40 Prozent der Befragten an, der Umsatz ihrer Unternehmen sei seit der Wirtschafts- und Finanzkrise gesunken. Auch bezeichnet ein Viertel steigende Kosten in den Bereichen Rohstoffe, Energie und Logistik für die nächsten Jahre als Herausforderung für die eigene Einkaufsabteilung. 22 Prozent sind der Meinung, dass sie ihre Verkaufspreise stabil halten und ihre Nische verteidigen müssen.
"Die Rechnung ist einfach: Bei steigenden Kosten und einem Absatzrückgang die Verkaufspreise stabil zu halten bedeutet, am Ende viel weniger Geld im Topf zu haben", sagt Gerd Kerkhoff , CEO der auf Einkauf- und Beschaffung spezialisierten Unternehmensberatung. "Möbelhersteller, die nicht unverzüglich auf solche Megatrends reagieren, werden an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen und weiter hinter den Champions in der Branche zurückfallen."
Tatsächlich sehen 96 Prozent der Einkaufsverantwortlichen Änderungsbedarf für den Einkauf. Aber nur 14 Prozent sprechen sich für grundlegende Änderungen aus, 82 Prozent sind der Ansicht, kleine Änderungen würden genügen. Erstaunlich: Bei den Einkaufsleitern größerer Unternehmen mit einem Umsatz von über 50 Mio. Euro wollen 29Prozent grundlegende Änderungen, bei den kleinen Unternehmen nur achtProzent. Insgesamt haben nur 42 Prozent der Befragten Pläne in der Schublade, um auf Kostensteigerung, Absatzrückgang und Herausforderungen wie individuelle Verbraucherwünsche und Oligopolbildung unter Lieferanten zu reagieren. "Der Mittelstand ignoriert sehenden Auges grundlegende Marktänderungen", sagt Kerkhoff.
Häufig ist dies auch der immer noch schlechten Stellung von Einkaufsabteilungen in den Unternehmen geschuldet. Trotz einer hohen Materialquote gerade in der Möbelindustrie kommt es bei 41 Prozent der Unternehmen noch immer vor, dass die Beschaffungsabteilung nicht in alle Entscheidungen zum Einkauf von Waren und Dienstleistungen miteinbezogen wird. Auch heute noch kaufen andere Abteilungen autark Waren für ihr Unternehmen ein. Die Einkaufsabteilung hat somit keine Möglichkeit,Konditionen anzupassen oder eine Einkaufsstrategie zu entwerfen.
58 Prozent der Einkaufsleiter beklagen Zeitprobleme, um sich abseits des Tagesgeschäfts mit übergeordneten Fragestellungen wie Einkaufsstrategie und Lieferantenmanagement zu beschäftigen. 19 Prozent haben angegeben, dass ihre Zeit dazu "überhaupt nicht" ausreiche. Ein Drittel nennt das Budget, das zur Aufwendung von zusätzlichen Aufgaben bereit gestellt wird, zu gering.
"Dies ist jedoch nur die eine Seite der Medaille", sagt Professor Wolfgang Stölzle von der Universität St. Gallen. "Auf der anderen Seite haben nämlich die langfristig denkenden Unternehmen bereits begonnen, offensiv ihre Einkaufsprozesse umzustellen."
34 Prozent der Befragten erwarten steigende Budgets für ihren Bereich. 57 Prozent haben nicht nur Pläne in der Schublade, sondern sind bereits mitten in der Umsetzung der Maßnahmen. Auch hier eröffnet sich ein Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen. Während bei großen Unternehmen fast zwei Drittel schon Maßnahmen ergriffen haben, sind es bei den kleinen Unternehmen nur knapp die Hälfte. Stölzle: "Für die Möbelhersteller wird es in den nächsten Monaten darum gehen, neben anderen operativen Bereichen auch die Einkaufsabteilung neu zu strukturieren und ihre Einkaufsstrategie zu überdenken. Viele der Befragten sind schon mitten drin - wer nicht reagiert, sondern aussitzt, wird langfristig aus dem Wettbewerb gedrängt."
Die im April 2010 durchgeführte repräsentative Untersuchung schließt über 104 Unternehmen in der Möbel produzierenden Industrie mit einer Mitarbeiterzahl von mindestens 250 Personen und einer Umsatzgröße von mindestens 10 Mio. Euro ein. 80 Prozent der Befragtenwaren Einkaufsleiter, 20 Prozent Geschäftsführer oder leitende Angestellte.
