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Agenturen und Demokratie: So positionieren sich Interaktiv-Dienstleister
07.02.2024 Agenturen sollen grün sein, nachhaltig und divers - aber wie steht es mit dem Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie? iBusiness hat in der Branche gefragt.
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Macht es Agenturen zu Demokraten, eine antidemokratische, in 'Teilen' gesichert rechtsextreme und vom Verfassungsschutz beobachtete Partei abzulehnen? Oder bedeutet das Gegenteil, ein Bekenntnis zur deutschen, freiheitlichen Demokratie, mehr: Wir wollten von den Agenturen wissen:
- Themen wie Demokratie, Antifaschismus, Antisemitismus bewegen aktuell auch viele Unternehmen. Wie positioniert Ihr Euch? (Aktivitäten? Aktionen? Kampagnen? Offizielle Unternehmensposition?)
- Warum?
Im Herzen Schweizer: Neutrale Positionen
Manche Agenturen lehnen jede parteipolitische Verortung ab - zumindest im Namen des Unternehmens. Das schließt aber nicht aus, dass die Angestellten dies in ihrem eigenen Namen tun oder sogar dazu ermutigt werden: "Wir verhalten und bei politischen Themen neutral nach außen, denn wir denken, dass die Politik nichts auf Unternehmenswebseiten zu suchen hat. Bei persönlichen Social-Profilen ist das etwas anders. Hier kann man schon Stellung beziehen und sollte das auch öffentlich tun, um einfach ein Zeichen zu setzen", sagt Silvan Dolezalek, Geschäftsführer CosmoShop GmbH . Ähnlich argumentiert Robert Nabenhauer: "Wir halten uns eher aus politischen Themen raus. Aber dann und wann machen wir einen Post, der sich zu Themen äußert: allgemeiner menschlicher Umgang, Respekt, Achtung, Miteinander - solche Dinge", sagt der Geschäftsführer von Nabenhauer Consulting , weil man die Verantwortung habe, sich "dort ein Stück weit einzubringen". "Wir lehnen ganz generell eine Positionierung zu einer politischen Richtung ab. Vielmehr haben für uns Vielfalt, Transparenz und Toleranz oberste Priorität und sind zentraler Bestandteil unserer Unternehmenswerte", keine Toleranz gibt es für Lutz Hirsch, CEO von Hirschtec , dagegen bei "jeglicher Form der Intoleranz und Diskriminierung, (denn) die westliche Demokratie (ist) für unseren Kulturkreis DIE Basis, damit sich Menschen, Gesellschaften und somit auch unser wirtschaftlicher Handlungsraum kreativ entfalten können."Beide Agenturen haben in der vorangegangenen iBusiness-Analyse zur Haltung gegenüber der AfD übrigens eine Arbeit für die AfD abgelehnt.
Das demokratische Bekenntnis: Mal Leitlinie, mal sitzt es in der DNA, mal ist es etwas Persönliches
"Für uns gilt 'einer für alle, alle für einen'. Wir schauen nicht weg, wenn wir antisemitische oder rassistische Äußerungen hören." Argin Vartanian, Inhaber der Online Marketing Agentur Marketing Natives , findet, dass es "an Dummheit grenzt, Menschen zu diskriminieren, ob Herkunft, Religion, oder was auch immer. Wir sind zu weit gekommen, um jetzt Rückschritte hinzunehmen." Ähnlich sieht es ein Kollege: "Wir haben als Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung, unsere Werte zu vertreten und aktiv zu fördern." Das ist für Dirk Pache, Gründer und Inhaber KONTOR4 GmbH , nicht nur Gebot, sondern auch Unternehmensphilosophie. "Artikel 1 des Grundgesetzes, der die Unantastbarkeit der Menschenwürde betont, steht für uns an oberster Stelle. Wir glauben, dass es unsere Pflicht als Unternehmen ist, eine Gesellschaft zu unterstützen, die Vielfalt, Toleranz und gegenseitigen Respekt fördert.""Wir positionieren uns entschieden für Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und Diversität", sagt Philipp Spreer, Managing Partner & Geschäftsführer bei Elaboratum , denn "unsere Stärke als Gesellschaft liegt in der Diversität und kollaborativen Kraft. Deshalb verurteilen wir sämtliche rechtsextremen Tendenzen."
Für manche ist die Frage nach der Unterstützung der Demokratie nicht vorbeizudenken an der entschiedenen Ablehnung der AfD: "Wir distanzieren uns in LinkedIN Posts et cetera ganz klar gegen AfD und Rechtsextreme", sagt Managing Partner Harald Müller von Oplayo GmbH und lässt keinen Zweifel an seiner Überzeugung: "Wir finden die AfD ist eine echte Gefahr für die Demokratie."
"In unserer Firmenphilosophie verankern wir klar unsere Haltung gegen jede Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass", denn, so der Geschäftsführer der SEO-Küche Internet Marketing GmbH , Oliver Lindner, "die Grundlage unseres Handelns bildet die Überzeugung, dass Merkmale wie Herkunft, Geschlecht oder Alter keine Rolle in der Bewertung eines Menschen spielen sollten. Diese Überzeugung ist für uns so fundamental, dass die Frage nach dem 'Warum' unserer Ansicht nach nicht gestellt werden muss."
Wortwahl - die Agentur für Unternehmens- und Onlinekommunikation steht "klar für Vielfalt und demokratische Werte", sagt Gesellschafter Murtaza Akbar. Neben der professionellen Unterstützung dieser Werte hat er auch persönliche Gründe für seine Haltung: "Ich bin gebürtiger Frankfurter mit pakistanisch-indischen Wurzeln und decke gemäß der sieben Dimensionen, die die Charta der Vielfalt definiert hat, allein vier dieser Dimensionen ab. Das ist eher (noch) eine Ausnahme für eine Führungskraft in der Kommunikationsbranche." Und "mit den Worten von Mark Uwe Kling: 'Nationalismus ist keine Alternative, sondern eine Katastrophe'", sagt es Osman Zöllner, Inhaber von Osman Zöllner Marketing Strategen . Bei cyperfection sind die Kernwerte "Neugier, Empathie und Mut. Neugier beinhaltet Pluralismus, Empathie der Grundglaube an die Gleichheit aller Menschen und Mut, für unsere Werte einzustehen und diese gegen eine polternd laute Minderheit zu verteidigen." Deshalb nimmt die Agentur von David Link, Geschäftsführer, cyperfection gmbh , "auch an lokalen Demonstrationen für Demokratie und gegen Nazis und Hass teil."
Manchmal wird die Kürze der Stellungnahme nur noch von der Unmissverständlichkeit übertroffen: "Meine Position gegen rechts ist klar, dafür nutze ich auch meine beruflichen Social Media Accounts. Kampagnen gibt es keine von uns", sagt Frank Doerr, Geschäftsführer von Spinpool Online-Marketing . Die knackige Begründung: "Nie wieder Faschismus."
"Mir liegt besonders am Herzen, zu unterstreichen, dass unser Team für Vielfalt und Integration steht und sich strikt gegen jede Form von Hass, Extremismus, Ausgrenzung und Diskriminierung stellt", sagt Marco Pfotenhauer, CEO/OWNER ROOTS 48 GmbH : "Diese Einstellung ist mehr als nur ein Lippenbekenntnis; sie ist ein integraler Bestandteil unserer DNA. Unser Team besteht aus Menschen verschiedenster Hintergründe."
Als Unternehmen Flagge zeigen: Wenn Agenturen sich aktiv engagieren
Einige Agenturen erwähnen explizit das eigene Engagement: Sie gehen als Firma mit den Angestellten zu Demos oder arbeiten unentgeltlich in Initiativen gegen Rechts und für demokratische Jugenderziehung mit. So begleitet DIA'LO:K "mit 'Good Communication' schon seit vielen Jahren pro bono eine tolle Initiative junger Menschen, die den 12- bis 18-jährigen Teilnehmenden demokratische Werte vermitteln", sagt Martina Schaba, die die Medienarbeit für DIA'LO:K verantwortet: "Wir kommunizieren nicht parteipolitisch. Es macht mehr Sinn, die Wurzeln zu bekämpfen, denn die nächsten Parteien mit gleicher und ähnlicher Gesinnung sind ja bereits am Start. Daher fokussieren wir die Haltung: gegen Rechtsextremismus und für Demokratie!"
"Es ist gut, Flagge zu zeigen und auf die Straße zu gehen, viele PIO Mitarbeitende waren in Berlin und Leipzig friedlich auf der Straße unterwegs, oft - so wie ich - auch mit ihren Kindern." Damit reagiert Benedict Rehbein, Geschäftsführer der pioneer communications GmbH , nach eigener Aussage auf "Druck von innen: Wir und unsere Mitarbeitenden wünschen sich, dass wir uns erst intern, dann auch extern stärker positionieren. Außerdem ist es notwendig, dass wir schon heute konkrete Konzepte entwickeln, wie wir mit Parteien wie der AfD umgehen."
"2005 haben wir 'Die braune Falle' gestaltet, eine Ausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz, um SchülerInnen hinter die Fassade des Rechtsextremismus schauen zu lassen. Das von unserem Gründer mitbegründete Magazin curt ist Mitglied der Allianz gegen Rechtsextremismus", erklärt Holger Wiesenfahrt, Managing Partner, Bloom GmbH . Denn "die Mehrheit der Gesellschaft steht für die richtige Sache. Das muss lauter, sichtbarer und vor allem verstetigt werden."
"Bei uns kommen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und eben auch mit teilweise sehr unterschiedlichen Ansichten zusammen. Ohne einen respektvollen und toleranten Umgang, könnten und wollten wir als Team gar nicht funktionieren", sagt Jan-Michael Frey, UX Design und Geschäftsführer bei der Freyhauer GmbH .
Vor einem Jahr hat seine Agentur zusammen mit fünf InitiatorInnen die Aktion #HessenStehtAuf ins Leben gerufen, sagt Andreas Liehr, Geschäftsführer der huth+wenzel GmbH . Denn "nicht erst seit der correctiv-Recherche ist klar, dass wir ein Problem in Deutschland haben. Unpolitisch gibt's nicht mehr."
Wirtschaft als ein Motor des Demokratie-Bekenntnisses
Was bei einigen Dienstleistern schon anklang, sprechen viele auch explizit aus: Die AfD schadet Deutschland als einem Wirtschaftsstandort von internationaler Bedeutung, nahezu jede ihrer politischen Forderungen ist einer gesunden Ökonomie abträglich. Prominenteste Mahner vor dieser Gefahr sind unter anderem Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie , ebenso deutsche Autobauer wie VW und Porsche oder der Ex-Chef von Siemens , Joe Kaeser.
- "Wir glauben an eine nachhaltige, menschenfreundliche, zukunftsgerichtete und diverse Gesellschaft und Wirtschaft", sagt Kristina Bonitz, CEO bei diffferent GmbH . Die Firma gibt Angestellten zwei Arbeitstage pro Jahr frei, um sich sozial und politisch zu engagieren. Denn "demokratische Grundwerte (sind) die Säulen, auf denen auch unsere Arbeit ruht."
- "In unserer Agentur arbeiten Menschen mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Von den Mitarbeitenden haben über die Hälfte einen Hintergrund mit Migrationsgeschichte", sagt Professorin Julia Kühne, Geschäftsführerin der Gold & Wirtschaftswunder GbR . Das bringe handfeste Vorteile: "Wir merken, dass wir zu deutlich besseren Ergebnissen kommen, wenn verschiedene Perspektiven eingebracht werden."
- "Für uns ist es selbstverständlich, dass wir uns in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte positionieren. Wir sind überzeugt, dass sich dotSource nur im Umfeld und Einklang mit einer starken demokratischen Zivilgesellschaft erfolgreich entfalten und entwickeln kann", sagt Digital Business Analyst Agnieszka Herrmann von dotSource SE .
- THE DIGITALE GmbH "verfolgt aktiv das Ziel, eine inklusive und diverse Unternehmenskultur zu fördern und diskriminierende Praktiken jeglicher Art abzulehnen." Denn CEO/Managing Partner Dominique Korschinekzeigt sich fest davon überzeugt, "dass unterschiedliche Perspektiven zu besseren Entscheidungen, innovativeren Ideen und mehr Fortschritt führen, im Kleinen in unseren Teams, wie auch im großen gesellschaftlichen Kontext."
- Acceleration Partners sei ein globales Unternehmen mit Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen sozialen, kulturellen, ethnischen und religiösen Hintergründen, sagt Florian Jetzlsperger, Senior Director, German Market Lead: "Wir betrachten Vielfalt als entscheidend, um sowohl ein erfolgreiches Unternehmen als auch gute Bürger zu sein."
- "Gegen jede Form des Antisemitismus, Rechtsradikalismus, Fremdenfeindlichkeit und für Freiheit und Demokratie" sieht Stephan Probst, Geschäftsführer der DRIVE GmbH & Co.KG , seine Agentur aufgestellt, die Kinderheime in Haiti und andere humanitäre Aktionen unterstützt. Denn "wir haben als Kommunikatoren Aufgaben: Wir wollen die Verständigung zwischen Menschen, Unternehmen, Organisationen und Kulturen fördern und stärken." Sein Team habe "viele Sprachen und Wurzeln in vielen Ländern und Kulturen, was für uns ein wichtiges Kriterium ist."
- Engagement in einer gemeinnützigen Stiftung, Schulungen zum Umgang mit Hate Speech, Fake News und Verschwörungserzählungen, eine interne Wissensdatenbank zum Thema, Unterstützung der Initiative 'Love HR - Hate Racism' - darauf setzt comspace GmbH . Dort stellt Andreas Kämmer, Geschäftsführer Public Affairs & Networks, fest, dass "ein Infragestellen demokratischer Grundwerte zugenommen hat."
- "Viele von uns haben am Wochenende demonstriert. Es ist wichtig, dass sich die großen Unternehmen Deutschlands wie Evonik, Porsche, Trumpf, Siemens endlich öffentlich für Demokratie und gegen Rassismus und auch ausdrücklich gegen die AfD positioniert haben." Johannes Milla, Kreativdirektor und CEO, Milla & Partner GmbH ,verweist auf die prominenten Warnungen vor der faschistischen Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland und hat eine Anregung: "Wie wäre es, wenn die Werbe- und Digitalbranche alle Werbespendings stoppt: Auf allen SoMe-Kanälen, die Hass und Rassismus ungefiltert verbreiten? Das wäre wirksam."
Diversität und Demokratie sind in vielen Agenturen aufgrund der Mitarbeiterschaft nicht separat denkbar: "Bei uns gibt es zum Thema Diversity & Inclusion eine interne Arbeitsgruppe, die aus dem Team heraus entstanden ist", sagt Laura Krauel, PR- und Marketing-Managerin bei der Projecter GmbH . Anderes würde das Team auch nicht tolerieren: "Unsere Positionierung gegen Rechts ist daher für Unternehmensangehörige, KundInnen und GeschäftspartnerInnen kein Geheimnis und wird von allen wahrgenommen und akzeptiert." Bei team neusta arbeiten "1.400 Mitarbeitende aus rund 30 unterschiedlichen Nationen und bringen diverse kulturelle Hintergründe und Werte mit", sagt Carsten Meyer-Heder, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter beim team neusta GmbH . "Viele unserer Mitarbeitenden waren auf Demonstrationen dabei." Denn "wir erleben, dass sich die gesellschaftlichen Diskussionen auch im Unternehmen fortsetzen. Es ist wichtig, sich sachlich und ideologiefrei mit verschiedenen Meinungen auseinanderzusetzen. Natürlich nur, wenn diese sich im Rahmen des Grundgesetzes und des gegenseitigen Respekts bewegen."
"Gegen die AFD. Gegen Nazis!" lautet die Antwort von Patrick Lambertus, Geschäftsführer von PIXELHAUS , eine Frage nach dem 'Warum' "stellt sich für uns nicht! Ein jeder sollte für unsere Demokratie einstehen und diese verteidigen!" Für Jörg Atai-Nölke, Solution Advisor Digital Commerce, Unic GmbH , gilt das besonders in einer Zeit, "in der die digitale Transformation unsere Gesellschaft und Arbeitswelt zunehmend prägt, bekräftigen wir das Engagement für Menschlichkeit und Diversität", sagt er und glaubt, "dass nachhaltiger Erfolg nur möglich ist, wenn die Menschen in unserem Unternehmen wertgeschätzt und in Entscheidungen einbezogen werden."
"Wir leben eine Unternehmenskultur, deren Basis Akzeptanz, Inklusion und Diversität ist. Wir engagieren uns für die Werte der demokratischen Gesellschaft und lassen keinen Raum für Intoleranz", sagt Manuel Strotmann, CEO & Founder best it GmbH , und sieht darin die Voraussetzung für "ein Arbeitsklima, in dem unsere Mitarbeitenden sich wohlfühlen und kreativ verwirklichen können." Und die Business Unicorns "positionieren sich klar und unmissverständlich für Demokratie, gegen Hetze und für Vielfalt. Diese Haltung ist ein wichtiger Bestandteil unserer Firmenphilosophie und in unserem Culture Deck schriftlich verankert", erklärt Max Messing Geschäftsführer, Business Unicorns : "Wir glauben fest daran, dass ein gesellschaftliches Engagement über den reinen Geschäftsbetrieb hinausgeht und sehen es als unsere Verantwortung an, einen Beitrag für eine tolerante und offene Gesellschaft zu leisten."
