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Google mischt Markt für Behavioral Targeting auf
12.03.2009 Noch vor kurzem leugnete ein hochrangiger Google-Manager vor Fachleuten, dass der Konzern mit Targeting der dritten Generation Geld verdienen will. Seit gestern weiß die Fachwelt: Behavioral Targeting wird bei Google ab sofort groß geschrieben. Andere Dienstleister müssen nun die Kunden von den Assets ihrer Produkte überzeugen. Sicher ist, die Diskussion über eine Marktverschiebung beginnt gerade erst.
Wie reagieren andere Anbieter auf Googles Vorstoß ins Bevioral targeting? In der Hamburger Zentrale vonetracker ist man über Googles Schritt nicht überrascht - wohl aber über den Zeitpunkt. Geschäftsführer Christian Bennefeld sieht Googles Ankündigung sehr kritisch. "Für Werbungtreibende, die sich nun noch an Googles kostenlosem Programm beteiligen sehe ich zwei Gefahren", so Bennefeld gegenüber iBusiness. "Wenn ich als Anbieter von Golfausrüstungen einen Nutzer für Golfschläger interessieren kann, wird der - so ich an Googles Programm teilnehme - auf einer dritten Website zielgerichtet mit Werbung für meinen Mitbewerber angesprochen", so Bennefeld. Denn das Problem an Googles neuem Programm (siehe Liste unten) liege daran, dass die Daten über den Nutzer eben nicht mehr beim Websitebetreiber liegen und ihm gehören - sondern bei Google.
Vor den Verlockungen von Googles kostenlosen Tools warnen die Mitbewerber seit langem. Erst vor kurzem hatten aktuelle Studien gezeigt, dass selbst große Konzerne in Deutschland und Österreich Google Analytics erstaunlich häufig einsetzen. Von einigen Firmen ist allerdings bekannt, dass sie das Tool bewusst nicht einsetzen. So kommuniziert etwa T-Systems , dass der Einsatz von der eigenen Konzernsicherheit untersagt worden sei.
Neben der Gefahr Google und einem Mitbewerber die Daten über eigene Bestands- oder potenzielle Kunden zu liefern, bieten die Services von Google zumindest theoretisch Einblicke in Kennzahlen der Unternehmen, die wiederum einen Einfluss auf Mindestgebote bei Klickzahlen haben könnten.
Aber nicht jeder Business-Kunde lässt sich davon abschrecken. Besonders den Publishern sagt die Webanalyse-Szene nach, dass sie lieber das kostenlose Tool nutzen, als Geld auszugeben. Grund hierfür sind die großen Mengen an Page Impressions, die bei den Publishern anfallen. So setzt etwa der Süddeutsche Verlag - Herausgeber der sonst auf Datenschutzthemen so bedachten Süddeutschen Zeitung auf Google Analytics.
Auch wenn Google offiziell betont Google weist "keine sensiblen Interessenkategorien, etwa Kategorien, die auf Rasse, Religion, sexueller Orientierung, Gesundheit oder Finanzen basieren" zuzueisen, dürften Datenschützer hellhörig werden. Bisher hat sich Google etwa immer für Opt-Out-Lösungen bei den Nutzern eingesetzt - und nicht für Opt-In. Jedenfalls war aus mehreren Agenturen zu hören, man werde sehr genau beobachten, wie die Betaversion des Programms arbeite.
Und so sehen Googles Szenarien aus:
- Ein Nutzer ruft zunächst die Webseite eines Werbungtreibenden auf. In einem großen Onlineshop schaut er sich etwa die Angebote an Netbooks an. Zu einem späteren Zeitpunkt kann der Onlinehändler mit einer Anzeige auf YouTube oder dem Google Content-Netzwerk den Kunden mit einer Anzeige bewerben.
- Google identifiziert thematische Interessen beim Nutzer. Wenn ein Nutzer etwa Webseiten besucht, auf denen Anzeigen des Programms AdSense geschaltet werden, wird ihm eine Nummer via Cookie zugeordnet. Der Aufruf mehrerer Webseiten eines ähnlichen Oberthemas führt dazu, dass dem Nutzer häufiger Anzeigen ausgeliefert werden, die zu seinem Interessensgebiet - etwa Fußball - gehören.
