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Das sind die wichtigsten Messen für die Interaktivbranche 2020

09.12.2019 Das Veranstaltungsgeschäft der digitalen Wirtschaft boomt. Wer als Interaktiv-Entscheider einen Kongress besuchen will, kann statistisch gesehen jeden Tag des Jahres gleich mehrere Veranstaltungen aufsuchen. Bei klassischen Messen wird es hingegen langsam schwieriger.

 (Bild: Sebastian Halm)
Bild: Sebastian Halm

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TL;DR
Die Geschäftswelt ändert und digitalisiert sich. Für Unternehmen gibt es längst Alternativen zur klassischen Messe.
Das Veranstaltungsgeschäft in Deutschland ist zweigeteilt. Was die Zahl der Veranstaltungen insgesamt angeht, wächst das Geschäft. Doch selbst in der Digitalwirtschaft ist ein Ende des Wachstums in Sicht: Während hauptsächlich Kongresse und Konferenzen mit Fokus auf die Digitalbranche wie Pilze aus dem Boden schießen, scheint sich bei den Messen eine Konsolidierung einzustellen. Offensichtlich existieren zu viele Messen nebeneinander, die ähnliche Zielgruppen und/oder Themen adressieren. Prominentestes Opfer dieser Marktbereinigung war 2019 die Cebit  . Veranstalter Deutsche Messe   schloss die ehemals größte Computermesse der Welt "angesichts rückläufiger Flächenbuchungen" und stellte auf ein Kongressformat um. Grund: Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre hätte gezeigt, "dass eine Horizontalmesse wie die Cebit in der digitalen Wirtschaft zunehmend auf rückläufige Nachfrage stößt", räumte die Deutsche Messe in einer Erklärung ein. Da die Innovationsschritte durch die Digitalisierung vor allem in den Anwendungsbranchen greifen, sei Digitalisierung bei nahezu allen Branchenfachmessen das beherrschende Thema. Dies beeinflusse die Messepolitik der Unternehmen, die zu den klassischen Kernausstellern der Cebit gehören. Sie nutzen immer häufiger die Branchenmessen der Anwender als Plattform für Geschäftsanbahnung. In ihrer Hochzeit im Jahr 2001 stellten über 8.000 Unternehmen aus und knapp 850.000 zog es nach Hannover. 2018 zählte die Cebit noch 2.800 Aussteller und 120.000 Besucher.

Die CeBit ist nicht die einzige Messe, die jüngst ihr Geschäft aufgegeben hat und nicht mehr stattfindet. Auch die Schweizer Messe für Onlinemarketing SOM   hat ihre Segel gestrichen und findet nur noch als Online-Konferenz statt. Mit ein Grund für die Entscheidung dürfte unter anderem der kontinuierliche Besucherrückgang gewesen sein. So verbuchte die Züricher Fachmesse im Vorjahr 21,2 Prozent weniger Teilnehmer. 2018 nicht mehr als Messe ausgetragen, sondern nur noch als Kongress ausgerichtet und diese Jahr komplett eingestampft wurde die Neocom  . Ebenfalls aufgegeben hat die Dialogmarketing-Messe Co-Reach. Der Veranstalter NürnbergMesse   musste eingestehen, dass weder Besucher noch Aussteller am Ende mit der Messe zufrieden waren. Grund für das Aus: Es sei nicht gelungen, "Experten aller Marketingdisziplinen eine Plattform für den regelmäßigen Austausch zu bieten." Mit der Digitalisierung entwickle und verwandle sich das Dialogmarketing so rasant, dass ein Format wie die Co-Reach nicht in der Lage sei, mit den Entwicklungen mitzuhalten.

Auch die SuisseEmex hat sich neu aufgestellt und wird jetzt als Business Innovation Week   ausgetragen. Ganz aufgegangen scheint das Konzept allerdings nicht. So kamen 4.200 Teilnehmer nach Zürich. Im Vorjahr waren es noch 14.000 Teilnehmer. Gründerin Ewa Ming erklärt, dass man im sich rasant verändernden Event- und Messemarkt mit der Business Innovation Week neue Wege gegangen ist - mit allen Chancen und Risiken: "Klar hätten wir uns mehr Teilnehmende gewünscht. Aber wir sind hier mit einem neuen Eventkonzept, einem neuen Brand an den Start gegangen. Den Proof of Concept haben wir auf jeden Fall erbracht", sagt Ming. Jetzt gehe es darum zu analysieren, die vielen qualifizierten Feedbacks aufzunehmen und das neue Format weiter zu entwickeln. "Wir haben mit der BIW einen Rohdiamanten in der Hand, der jetzt geschliffen wird", so ihre optimistische Überzeugung.

Abgesehen von der CeBIT verschwinden vor allem kleinere, spezialisierte Veranstaltungen
Abgesehen von der CeBIT verschwinden vor allem kleinere, spezialisierte Veranstaltungen (Grafik: Quelle: iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Nicht nur die sinkenden Besucherzahlen sind ein Indiz für die Schwierigkeiten im Messegeschäft, viele Veranstalter klagen über Ausstellerschwund. Der Grund: Die Geschäftswelt ändert und digitalisiert sich. Für Unternehmen gibt es längst Alternativen zur klassischen Messe.

Ein Blick in die Kennzahlen der deutschen Messewirtschaft   des Messebranchenverbands AUMA zeigt: Der Anteil derjenigen Unternehmen, die weniger Messebeteiligungen für 2020 planen, übersteigt diejenigen, die mehr Messen wollen (20 Prozent gegenüber 12 Prozent). Bei den Leitmessen sinkt die Zahl der inländischen Aussteller, während die Besucherzahl stagniert. Aufgefangen wird das Geschäftsmodell der Messen momentan einzig über die internationalen Unternehmen, die in den reichen Absatzmarkt Deutschland drängen: Bei den internationalen Ausstellern vermeldet die AUMA ein Plus von immerhin 4,4 Prozent. Das rettet aber nicht den kleineren Veranstaltungen den Hals: Bei den Regionalmessen wiederum gehen sowohl Besucherzahlen als auch die Zahl der Aussteller zurück. Das einzige, das wächst, ist die von den Messegesellschaften fertiggestellte Hallenfläche.


Vor allem die IAA hatte 2019 mit einem starken Besucher- und Ausstellereinbruch zu kämpfen
Vor allem die IAA hatte 2019 mit einem starken Besucher- und Ausstellereinbruch zu kämpfen (Grafik: Quelle: iBusiness; Grafik: HighText Verlag)

Das Problem, das klassische Messen haben: Sie sind teuer. Nicht unter 120 Euro pro Lead, hat iBusiness im November einmal ausgerechnet, ist ein einzelner Messelead zu haben. Und in Zeiten der Plattformökonomie existieren inzwischen digiale Alternativen. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen ihre Marketingbudgets umshiften - bekommen sie doch über Portale wie Linkedin    oder andere Plattformen B2B-Leads zu Preisen bereits ab 15 Euro.

Unverzichtbar zur Leadgenerierung sind Messen also längst nur noch für die, für die der Online-Vertrieb nicht zur Unternehmens-DNA gehört. Die ursprünglich als Plattform entwickelte Kommunikationsform wird zunehmend durch digitale Plattformen entwertet. Oder durch stärker dialogorientierte Formate.

Dass das Messegeschäft für die Interaktivwirtschaft immer schwieriger wird, zeigen auch folgende Zahlen: Konnte die von iBusiness betrachteten Messen vor drei Jahren bei den Besucherzahlen noch um gute 24 Prozent zulegen, liegt das Besucherwachstum in diesen Jahr bei nur drei Prozent. Da nützt es auch wenig, die DCX aus der Betrachtung auszuklammern (-70 Prozent weniger Besucher), das Wachstum liegt dann trotzdem nur bei knapp sechs Prozent. Eine friedliche Koexistenz sieht anders aus. Während sich fünf Messeveranstalter über kräftige Zuwächse bei den Besuchern freuen konnten, haben zwei Veranstaltungen kräftig Federn gelassen.

  • Mit einem Besucherrückgang von 70 Prozent gehört die Digital Content Expo  , die zusammen mit der IFRA World Publishing Expo ausgetragen wird, in diesem Jahr zu den ganz großen Verlierern. Konnten die Berliner Veranstalter die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren recht konstant bei 5.000 halten, kamen 2019 nur noch 1.500 Interessierte. Ein Indiz, dass es um die Zukunft der DCX nicht gut steht, zeigt zudem der Einbruch bei den Ausstellerzahlen: Weniger als die Hälfte (-59 Prozent) der Aussteller nutzten die Expo.
  • Deutlich an Strahlkraft verloren hat die als Publikumsmagnet geltende Internationale Automobil-Ausstellung IAA. Die Zahl der Besucher der als "eine der größten und international am bedeutendsten Automobilfachmessen weltweit" ist 2019 von 810.000 auf 560.000 und damit um 30,9 Prozent eingebrochen. Auch bei den Ausstellern ist es für die IAA bergab gegangen. Knapp 17 Prozent weniger Unternehmen stellten aus, darunter eine Vielzahl an Top-Marken der Branchen (siehe Analyse Wie Plattformökonomie die klassische Messe zum Auslaufmodell macht). Dennoch zeigten sich die Veranstalter optimistisch und betonen, die weiterhin wichtigste Mobilitätsmesse zu sein. Bernhard Mattes , Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erklärte jedoch, dass die Transformation der gesamten Branche auch die IAA verändert. "Wir gehen noch intensiver in Richtung interaktive Formate, die den Dialog fördern und echte Erlebnisse stärken. Und wir werden noch stärker digital präsent sein." Das neue IAA-Konzept werde derzeit - in enger Abstimmung mit den VDA-Mitgliedsunternehmen - erstellt. Mattes: "Beschränken wir uns heute primär auf das Messegelände, wollen wir morgen neue Mobilität noch stärker zum Bürger in die Stadt selbst tragen." Damit verknüpft sei auch die Standortfrage.

  • Mit einem Plus von 37 Prozent an Besuchern gehört die Didacta   zu den großen Gewinnern in 2019. Mit rund 100.000 Teilnehmer und 915 ausstellenden Unternehmen war die Bildungsmesse so groß wie nie zuvor. Zu den beherrschenden Themen der Messe gehörte in diesem Jahr die Transformation des Bildungssystems, insbesondere die Digitalisierung und ihre Herausforderungen für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Bildungswirtschaft. Die nächste Didacta findet vom 24. bis 28. März 2020 in Stuttgart statt. Die nächste Didacta in Köln findet turnusgemäß im Jahr 2022 statt.
  • Kräftig zulegen konnte bei der Teilnehmerzahl (plus 33 Prozent) ebenfalls die Viscom Düsseldorf  , die im diesen Jahr erstmals im neuen Messeverbund aus Viscom, PromoTex Expo   und PSI   ausgerichtet wurde. Bei der Ausstellerzahl jedoch musste die Messe Federn lassen. Während im Vorjahr 231 Unternehmen die Ausstellungsfläche der Viscom nutzten, kamen in diesem Jahr nur 185 Aussteller. Insgesamt stellten auf allen drei Veranstaltungen 1.084 Unternehmen aus. Der Zusammenschluss hegt den Verdacht, "europaweit größter Veranstaltungsverbund zum Thema Werben und Verkaufen zu sein." Viscom, PSI und PromoTex Expo finden im kommenden Jahr vom 7. bis 9. Januar 2020 in Düsseldorf statt.
  • 52.000 Besucher kamen am 7. und 8. Mai 2019 zu den Online Marketing Rockstars (OMR)   nach Hamburg. Damit ist es der OMR um Gründer Philipp Westermeyer erneut gelungen, innerhalb eines Jahres um 30 Prozent zu wachsen und der Dmexco immer mehr den Rang der wichtigsten Branchenveranstaltung abzulaufen. Auch bei der Zahl der Aussteller (500) wuchs die Kongress-Messe um gut 30 Prozentpunkte. Im kommenden Jahr wird das OMR-Festival am 12. und 13. Mai erneut in der Hamburg Messe stattfinden.
Thema: Das sind die wichtigsten Messen für die Interaktivbranche 2020

Kommentar von Susan Rönisch

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Susan Rönisch (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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