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iBusiness Executive Briefing vom 7.5.2024

Wer wird die erste Miss AI?

07.05.2024 Texte und Bilder mit KI zu generieren, ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber welche konkreten KI-Anwendungen breiten sich derzeit noch im Massenmarkt aus? Nun, KI-Influencerinnen etwa und vielleicht eine KI zum Anstecken.

Sie vielleicht? (Bild: Bing Image Creator)
Bild: Bing Image Creator
Sie vielleicht?
Noch ist nicht klar, in welche Richtung sich KI entwickeln wird - außer für Über-Investor Warren Buffett natürlich, der die Technologie gerne mit der Entwicklung der Atombombe vergleicht   - aber der Boom hält an. Aus allen Richtungen beginnen neue Entwicklungen Fuß zu fassen: neue Hardware, neue Anwendungen im Bereich Medien, Werbung und Entertainment, neue Tools zur Verbesserung der bestehenden Infrastruktur im Internet.

KI-Influencer etwa sind immer häufiger auf Plattformen wie Instagram und TikTok zu sehen. Wären die künstlichen Gestalten reiner Hype, hätte der längst schon abflauen sollen - man denke nur an NFT's. Vor drei Jahren scheinbar kurz vor dem Durchbruch in den Mainstream, sind sie jetzt ein reines Nerd-Thema. KI-Influencerinnen dagegen - zum weit überwiegenden Teil sind es weibliche Avatare, die Erfolg haben - werden immer häufiger von großen Marken gebucht. Erfolgsgarant ist dabei die richtige Mischung aus Künstlichkeit und Fotorealismus. Absolutes No Go ist der creepy-Faktor: Die nur scheinbar perfekte Imitation eines Menschen weckt Fluchtreflexe, statt Anteilnahme und Verehrung.

Lil Miquela und Aitana Lopez etwa stellen ihre Künstlichkeit deutlich vor meistens realen Hintergründen aus und haben damit schon Werbedeals mit Dior  , Calvin Klein  , BMW   und Pandora   gelandet. Miquela folgen 3,5 Millionen Menschen auf TikTok   und 2,6 Millionen auf Instagram, 313.000 sind es bei Aitana Lopez auf Instagram  , mit der ihre Agentur The Clueless   angeblich regelmäßig 3000 Euro monatlich verdient. In China gab es bereits Versuche mit virtuellen Influencerinnen während eines Livestreams aufd Tmall. Shiseido hat so zusammen mit einem menschlichen Moderator Produkte online verkauft. Auf der Website virtualhumans.org   stehen bereits Dutzende von KI-Schöpfungen zur Auswahl. Da kann es natürlich nicht fehlen, dass bereits der erste "Miss AI"-Wettbewerb ausgerufen wird. Noch diesen Mai soll die Verleihung stattfinden  . Veranstalter ist die Creator-Plattform Fanvue  .

Noch stärker vermischen KI-Anbieter wie Mootion AI   reale und virtuelle Welten. CGI-Effekte sind in Action-Filmen schon lange Standard, jetzt könnten auch Stunts auf dem Computer generiert und in den nächsten Blockbuster integriert werden. Mit von der Partie ist auch Open AI mit der Video-KI Sora  . Deren Chefs Sam Altman und Brad Lightcap touren Bloomberg zufolge   intensiv von Studio zu Studio in Hollywood, um dort ihre Software vorzustellen. Die Streiks von DrehbuchautorInnen und SchauspielerInnen im vergangenen Jahr kamen also wirklich keine Sekunde zu früh.

Warten müssen dafür noch alle, die sich das neueste Gadget aus den USA ans Revers heften wollen. Ja, es geht um den AI Pin der Firma Humane   aus San Francisco. Eigentlich sollte er längst auch in Deutschland zu haben sein, die Auslieferung verzögert sich allerdings noch. Vielleicht auch wegen der schlechten Testberichte, die sich seit dem US-Start im vergangenen November mittlerweile stapeln. Auf der Website von Humane steht jedenfalls immer noch kein Startdatum für andere Länder als die USA.

Um was geht es bei dem AI Pin? Das Ding ist ein kleiner Computer, den man sich per Magnet an die Brust kleben kann, um dann mit ihm zu sprechen. Es kann auf keinen Fall mehr als ein Smartphone, hat aber den Vorteil, dass man nicht gezwungen ist, auf den Bildschirm zu schauen. Texte werden per Laser auf die Handfläche projiziert. Und da beginnen schon die Probleme: Je nach Lichteinfall ist das mal mehr, mal weniger gut zu lesen. Wer lesen will, was den TesterInnen sonst noch alles nicht gefallen hat und wofür der AI Pin, Verbesserungen vorausgesetzt, in Zukunft vielleicht doch gut sein könnte, der kann das hier   und hier   tun.

Was passiert derweil im E-Commerce, dem Bereich, der ganz direkt von KI-Fortschritten profitieren würde? Nicht viel. Die Investmentbank Morgan Stanley   hat laut einem Bericht des Wall Street Journal   untersucht, wie viel teurer eine KI-gestützte Suche, also eine mit ganzen Sätzen und präzisen Details zu dem Wunschprodukt, die Online Shops käme. Fünf Mal, lautete das ernüchternde Ergebnis. Für Etsy   würde das zum Beispiel bedeuten, dass die Warenwerte in den Einkaufskörben im Schnitt um 13 Prozent höher liegen müssten. Das Großprojekt KI liegt für den E-Commerce also zumindest fürs Erste, und das heißt zu den jetzigen Preisen, auf Eis.

 (Bild: Gehl)
Bild: Gehl


Christian Gehl, iBusiness-Analyst

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