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Wie internationale Shops auf den deutschen ECommerce-Markt drängen
23.05.2013 Der deutsche E-Commerce ist jetzt schon gesättigt. Der Preiskampf tobt. Und die Situation könnte für manchen noch enger werden, wenn mehr ausländische Shops versuchen, den deutschen Markt zu erobern. Doch wer seine Hausaufgaben macht, kann seinen Platz behaupten.
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Deutschland ist für ausländische Shops - erst einmal - nicht sonderlich attraktiv
Der deutsche Markt ist ein Problemmarkt. Betrachtet man ihn nüchtern, lädt er ausländische Shops nicht gerade zum Expandieren ein. Aus drei Gründen:- Die Preise sind zu niedrig. Wie es auch im stationären Einzelhandel oft bemängelt wird, sind die Preise im deutschen E-Commerce im internationalen Vergleich auf einem sehr niedrigen Niveau. Da können ausländische Mitbewerber kaum mithalten, geschweige denn sie unterbieten. Zumindest lohnt sich der Markteintritt bei den niedrigen deutschen Margen oftmals für sie nicht.
- Das Angebot ist groß, weil sich auf dem deutschen Markt besonders viele Onlineshops und Marktplätze tummeln, verglichen mit der Anzahl der Kunden und dem Pro-Kopf-Umsatz.
- Online-Marketingkosten wie beispielsweise der CPC sind vergleichsweise hoch. Zugleich ist die Konversionsrate verglichen mit anderen europäischen Ländern niedrig, weil die Warenkorbgrößen der Deutschen klein sind.
Kein Wunder also, dass deutsche Onlineshops zurzeit den deutschen Markt beherrschen. Mit einer Ausnahme: Die unangefochtene Nummer 1 Amazon verdient mit einem Umsatz von 3,43 Milliarden Euro so viel wie die Plätze 2 bis 6 - alles deutsche Shops - zusammen. Abgesehen davon liest sich das iBusiness-Onlineshop-Ranking wie ein ECommerce-Märchen. Sowohl in den Top 10, also auch in den Top 75 befinden sich zu rund 80 Prozent deutsche Händler. Entsprechend sind unter den größten Shops auf dem deutschen Markt rund 20 Prozent Ausländer.
Die Zahl der ausländischen Unternehmen dürfte schrumpfen, je kleiner die Shops werden. Denn vor allem für kleine Händler lohnt es sich kaum, nach Deutschland zu expandieren. Dies hat auch Henning Heesen beobachtet. "Vor allem bei den kleineren internationalen Onlinehändlern ist Deutschland aufgrund der geringen Marge sehr unbeliebt."
Doch das deutsche ECommerce-Märchen hat keine Happy-End-Garantie: Denn für zwei Arten von Shops wird sich in Zukunft doch die Eröffnung eines Onlineshops auf dem deutschen Markt lohnen:
- Nischenshops:
Mit Produkten für eine bestimmte, begrenzte Zielgruppe kann die Expansion auf dem deutschen Markt erfolgreich sein. Zum Beispiel der australische Online-Schuhhändler Shoes Of Prey versucht seit kurzem sein Glück hierzulande. Weil Frauen dort für einen bezahlbaren Preis ihre eigenen Schuhe gestalten und anfertigen lassen können, unterscheidet er sich von den Zalandos und Mirapodos des Web.
Gefährlich werden dürften solche Nischenshops dem deutschen E-Commerce in seiner Gesamtheit allerdings nicht, denn sie gehen die Bereiche an, an denen sich noch kein Deutscher versucht hat. Vermutlich gibt es davon aber nicht mehr sonderlich viele.
- Große Onlinehändler:
Für weltweit expandierende Shops ist Deutschland ebenfalls attraktiv, weil sie ihren Marktanteil weltweit flächendeckend ausbauen möchten. Sie haben genug Marketingbudget, um den Shop hierzulande bekannt zu machen und sich über kostenintensiven Verdrängungswettbewerb Marktanteile zu erkaufen. Ein Beispiel ist der französische Shoppingclub Vente-Privee.com , der seit 2009 in Deutschland aktiv ist und in Düsseldorf ein eigenes Büro eröffnet hat. "Das spezialisierte Einkäuferteam spricht so direkt in Deutschland ansässige Marken an und profitiert von der Nähe zur Branche", erzählt ein Sprecher des Unternehmens. Deutschland sei mit mehr als einer Million Mitgliedern nach Frankreich der zweitwichtigste Markt. In den nächsten vier Jahren plant Vente-Privee.com, im Heimatmarkt Frankreich 50 Prozent des Umsatzes zu generieren und die weiteren 50 Prozent in den übrigen europäischen Märkten zu erwirtschaften.
Weitere große und bekannte Händler mit Erfahrungen im internationalen E-Commerce, die vor Kurzem in den deutschen Markt eingestiegen sind, sind Asos.com und Marks & Spencer . Mit ihrem Marketingbudget könnten solch große Händler vor allem kleineren Shops, die dem marketingtechnisch weniger entgegenzusetzen haben, so manchen Kunden streitig machen.
Die ausländische Konkurrenz kommt vor allem aus den Nachbarländern
Onlinehändler haben eine starke Vorliebe für geografische Nähe, weiß Henning Heesen aus Erfahrung: In weit entfernte Länder expandieren die meisten kleineren und mittelgroßen Onlineshops nicht so gern. "Als erstes werden normalerweise aus dem Bauch heraus die Nachbarländer in Erwägung gezogen." Zum Beispiel die Niederländer würden am liebsten in den anderen Beneluxstaaten und Deutschland Shops eröffnen. "Und die Spanier orientieren sich zuerst nach Frankreich."Deshalb sind - vor allem von kleineren Shops - am ehesten Expansionen aus unseren direkten Nachbarländern zu erwarten; Onlinehändler, die die zukünftige Konkurrenz kennenlernen möchten, müssen also vor allem einen Blick über die Deutschlandgrenzen werfen - die kennen Sie vielleicht sogar bereits, weil sie im Gegenzug ebenfalls in die Nachbarländer expandiert haben. Weitaus gefährlicher dürften aber größere Unternehmen sein, die aus ganz Europa oder sogar dem Rest der Welt nach Deutschland kommen.
Expansionen werden Teil der Crosschannel-Strategie
Bei einer internationalen Expansion geht es nicht immer nur um den E-Commerce. Mit internationalen Erweiterungen verfolgen Handelsunternehmen zunehmend auch Crosschannel-Strategien. Zum Beispiel ist ein Onlineshop eine kostengünstige Möglichkeit, um einen ausländischen Markt zu testen und dann eventuell auch stationär zu expandieren. Auch Henning Heesen beobachtete diese Crosschannel-Expansion: "Online- und Offlineshop können sich gegenseitig beflügeln. Oder aber ein ausländischer Flagshipstore dient dazu, die Kunden in den Onlineshop zu locken - und ist eher als Marketingmaßnahme anzusehen, die auch mal negative Zahlen schreiben darf."Ein Beispiel für Crosschannel-Expansion ist Bershka : Die spanische Modekette, die zum Zara-Konzern Inditex gehört, eröffnete vor eineinhalb Jahren fast gleichzeitig den deutschen Onlineshop und die erste deutsche Filiale in Berlin. Erst später folgen weitere Geschäfte in Köln und Frankfurt. Andere Shops des Konzerns wie Stradivarius und Oysho sind hierzulande vorerst nur online vertreten.
Viele ausländische Händler sparen sich die Expansionsbemühungen und bieten ihren Kunden lediglich den Versand ins Ausland an. Auch damit können sie in Konkurrenz zum deutschen E-Commerce treten. Immerhin haben laut einer Studie von Ebay 60 Prozent der deutschen Internetnutzer bereits online Waren im Ausland gekauft. Dabei schätzen sie die Möglichkeit, Produkte zu erwerben, die in Deutschland entweder nicht erhältlich sind (85 Prozent), oder nur zu einem höheren Preis (77 Prozent) gekauft werden können. Die USA und Großbritannien sind am beliebtesten: Jeweils mehr als ein Drittel der Internetnutzer hat hier in den letzten zwölf Monaten eingekauft (37 Prozent in Großbritannien; 36 Prozent in den USA).
Der deutsche E-Commerce ist in Europa gut aufgestellt
Auch wenn einige deutsche Onlinehändler angesichts der expandierenden Ausländer ihre Strategie zuspitzen sollten, muss sich der deutsche E-Commerce allgemein nicht zu große Sorgen machen. Denn deutsche Händler haben nicht nur in Deutschland einen hohen Marktanteil. Auch in Europa sind sie zufriedenstellend vertreten. 19 Prozent aus den Top 100 der europäischen Onlineshops 2012 kommen aus Deutschland. Sie erwirtschafteten insgesamt 12,5 Milliarden Euro - auch wenn das noch nicht ganz so viel ist, wie der Platzhirsch Amazon in Europa einnahm. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz zwei hinter Großbritannien (22 platzierte Shops, 22 Milliarden Euro Umsatz) und vor Frankreich (18 platzierte Shops, 12 Milliarden Euro Umsatz). Und immerhin ist nach Amazon der zweitgrößte Onlinehändler im europäischen Vergleich ein Deutscher: Otto .| Die größten Online-Marktplätze | ||
|---|---|---|
| Amazon | 300.000 Händler | USA |
| Ebay | 175.000 gewerbl. Anbieter, 56.000 Powerseller | USA |
| Yatego | 10.200 Händler (2011) | Deutschland |
| Rakuten | 6.550 Händler | Japan |
| Meinpaket | Keine Angabe | Deutschland |
| Hitmeister | 4.000 Händler | Deutschland |
| Hood | >1 Mio. reg. Mitglieder | Deutschland |
| Gimahhot | 320.000 Produkte | Deutschland |
| Auvito | Keine Angabe | Deutschland |
54 Prozent erwirtschaften die großen deutschen ECommerce-Unternehmen im Schnitt in Deutschland - verglichen mit dem europäischen ECommerce-Umsatz. Dies variiert zum Teil stark: Otto etwa erwirtschaftete 2011 knapp 30 Prozent hierzulande, während bei Notebooksbilliger.de fast der gesamte Umsatz (98 Prozent) aus Deutschland kam.
Diejenigen ausländischen Shops, vor denen sich der deutsche Onlinehandel am meisten fürchten muss, dürften in den Top 50 des Europa-Rankings zu finden sein. Schließlich handelt es sich laut Henning Heesen in erster Linie um die großen ausländischen Händler, die den Sprung nach Deutschland wagen. Und für diejenigen, die den Schritt wagen und einiges richtig machen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass sie sich angesichts des finanzkräftigen Marketings hierzulande etablieren können. Weil vor allem kleinere ECommerce-Händler nicht über ein solches Budget verfügen und deshalb zum Beispiel beim Google-Adwords-Ranking Abstriche machen müssen, könnte sie die zusätzliche Konkurrenz besonders hart treffen.
Deutsche Händler gehen auf die Jagd nach ausländischen Kunden
Auf der anderen Seite ist es aber bei Weitem nicht so, dass nur Deutschland internationale Konkurrenz bekommt. Denn umgekehrt wird es ähnlich aussehen: Die großen deutschen Onlinehändler werden immer mehr ausländische Märkte - vorerst in Europa - erobern und könnten es damit nationalen kleinen Shops schwer machen. Gleiches wird sich zwischen allen - vorerst den europäischen - Shops abspielen. Dies zieht zwei grundsätzliche Trends mit sich:- Die großen Onlinehändler jedes Landes werden sich mehr und mehr in die anderen Länder ausbreiten. Dadurch werden alle nationalen Onlinemärkte internationaler und irgendwann gibt es jeden größeren Shop in jedem Land. Auf lange Sicht ist es deshalb denkbar, dass es in Europa nur noch "den europäischen E-Commerce" geben wird. Und noch später vielleicht sogar nur noch "den globalen E-Commerce".
- Die großen Onlinehändler werden immer größer und werden die kleinen mehr und mehr verdrängen, solange diese sich nicht in einer Nische ansiedeln.
Wer sein Geschäft über Deutschland hinaus erweitern will, findet in viele Märkten Europas und der Welt noch eine Menge Potenzial - und etwas weniger Preiskampf. Wo es sich lohnt, zu expandieren, lesen Sie in der folgenden Checkliste. Weitere Informationen lesen Sie auch im iBusiness Dossier Internationaler E-Commerce
Vier Szenarien zur Internationalisierung des E-Commerce
Der E-Commerce wird europaweit einheitlich
Die großen finanzstarken Onlineshops aus allen Ländern expandieren europaweit, sodass alle Europäer das gleiche Online-Warenangebot zu Verfügung haben. Das macht es kleineren Onlinehändlern schwer, sichtbar zu bleiben und sie verlieren ihre Kunden mehr und mehr an die Großen.
Amazon übernimmt alles
Amazon kann aufgrund des guten Service, der Internationalität und des breiten Warenangebots weitere Marktanteile gewinnen. Darunter leiden nicht nur die großen europäischen Onlinehändler, die ihre Kunden an Amazon abtreten müssen, sondern auch die kleinen lokalen.
Eine große europäische Elite entsteht
Die großen europäischen Onlinehändler wie Otto, Home Retail Group oder Cdiscount expandieren europaweit und nehmen den Großteil des europäischen ECommerce-Umsatzes für sich ein. Daneben gibt es aber zahlreiche kleinere Shops, die die Bedürfnisse der lokalen Märkte bedienen. Es kommt zu einer Schere zwischen sehr großen und kleinen Händlern.
Marktplätze werden das Zentrum des E-Commerce
Ein Großteil des E-Commerce verlagert sich auf Onlinemarktplätze, weil sie den Händlern einfachen Zugang zu vielen ausländischen Märkten und die entsprechende Infrastruktur inklusive rechtlicher Dinge bieten. Vor allem die kleinen Händler nehmen den Service in Anspruch. Die großen Shops verlieren dadurch Marktanteile.

