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Dmexco 2025: Malen mit Zahlen und KI allüberall
19.09.2025 Die Dmexco 2025 zeigt eine Branche im Wandel: KI prägt die Agenturen, Datenschutz und Standards gewinnen an Bedeutung. Sorgen bereitet die KI als Verkäufer, für Verwirrung sorgen die Ausstellerzahlen.
2025 - ein Gang über die Messe im schnellen Schritt
KI an jeder Ecke fasst die Eindrücke der meisten Besucher wohl ganz gut zusammen. Der Tenor: Im KI-Zeitalter stehen Digitalagenturen vor einem tiefgreifenden Wandel. KI ist zwar längst Alltag, doch Transparenz, Datenschutz und europäische Standards werden zu unverzichtbaren Grundlagen. KundInnen erwarten schnelle, messbare Ergebnisse - Agenturen reagieren mit modularen Projekten und entwickeln sich von reinen Dienstleistern zu strategischen Partnern. Parallel verändert sich die Customer Journey: Inhalte müssen KI-gerecht strukturiert sein, während Websites immer stärker als Daten- und Serviceplattformen fungieren.Die Personalisierung erreicht eine neue Stufe: KI-orchestrierte Erlebnisse und autonome Agenten schaffen hyperindividuelle Interaktionen. Dadurch verschiebt sich auch die Arbeitswelt: Standardaufgaben verschwinden, während Kreativität, Haltung und interdisziplinäre Kompetenzen wichtiger werden. Neue Geschäftsmodelle setzen zunehmend auf erfolgsabhängige Vergütung. In einer Content-Flut wird Markenidentität zum entscheidenden Differenzierungsfaktor, während Budgets verstärkt in Data- und AI-Initiativen fließen.
Droht das KI-verursachte Werbeaus?
Technologisch dominieren Low-Code, Automatisierung und Integration, wodurch ganze Wertschöpfungsketten neu vernetzt werden. Dies bringt zwar deutliche Effizienzgewinne, erhöht aber auch den Konsolidierungsdruck, insbesondere für mittelgroße Agenturen. KI wird zugleich zum Transformationsmotor jenseits reiner Effizienz - sie eröffnet neue Formate, Kampagnen und Geschäftsmodelle. Schließlich bleibt Social Media ein zentrales Feld: Kurz- und Langformate müssen sinnvoll kombiniert werden, während KI-Algorithmen Inhalte immer stärker personalisieren (eine ausführliche Trendanalyse von iBusiness finden Sie hier).
Ralf Scharnhorst , langjähriger Media-Experte in verschiedenen Rollen und Chef der Beratung m42m GmbH, hat von der Dmexco einen visionären Aspekt mitgenommen: "Es zeigt sich, dass der Advertiser bald sagt: 'Liebe AI ich will 500 Produkte verkaufen und die MetaAI sucht die 500 User raus, die am wahrscheinlichsten kaufen. Das hieße, es gibt keine Werbung mehr, sondern der AI-Agent sucht gezielt KandidatInnen heraus, denen man die Ware verkaufen kann."
Mathematik mit der Dmexco: Die vergebliche Suche nach dem Rechenweg
Schauen wir mal zurück: Die Dmexco 2024 präsentierte sich im vergangenen Jahr nach außen optimistisch: 680 Aussteller bedeuteten laut offiziellen Angaben ein leichtes Wachstum gegenüber 2023 (650 Aussteller). Doch die vom Verband der deutschen Messewirtschaft, der AUMA , zertifizierten Zahlen liegen traditionell niedriger, da die Koelnmesse auch Submarken mitzählt. Ein Blick auf die Entwicklung seit 2009 zeigt: Nach einem Höhepunkt von über 1.000 Ausstellern in den Jahren 2016 und 2017 ist die Zahl stark zurückgegangen, erreichte im Pandemiejahr 2020 mit 260 Ausstellern einen Tiefstand und steigt seither wieder langsam an.Ähnlich zeigt sich die Entwicklung bei den Besucherzahlen. Offiziell kommuniziert die Messe seit Jahren konstant 40.000 "Teilnehmende" (nicht Besucher). In der Realität klaffen diese Angaben jedoch immer weiter auseinander. Während bis 2018 die Zahlen noch übereinstimmten, sind die zertifizierten Besucherzahlen seit 2019 rückläufig. 2023 zählte die FKM nur noch knapp 28.000 Besucher - rund 43 Prozent weniger als offiziell angegeben. Für die Messe in 2024 deuteten Daten aus der Dmexco-App sogar nur auf etwa 22.000 reale Teilnehmende hin. Damit setzt sich der Abwärtstrend fort, obwohl die Außendarstellung Stabilität suggeriert. 2023 etwa erklärte die Dmexco die Differenz mit ihrer Web- und App-Community, die sie (anders als die AUMA) mitzählen würde. Eine Anfrage der Redaktion aus dem vergangenen Jahr, was die Messe denn 2024 an die AUMA melden würde, blieb damals bis Redaktionsschluss unbeantwortet, für 2025 haben wir erneut angefragt, bislang ohne Antwort.
Bis dahin zeichnen die Zahlen der Dmexco das Bild einer Messe, die sich nach dem Coronaknick brav erholt hat und nun wieder an das prä-pandemische Besucher-Niveau anschließt. Die Ausstellerzahlen steigen sogar an und haben sich seit dem Corona-Abklingen verdreifacht - laut offiziellen Angaben.
Ralf Scharnhorst hat nach seinem Empfinden in Köln eine Messe mit 25 Jahren Tradition erlebt, die "die Bestandaufnahme einer Branche liefert, die nicht mehr so aufregend ist, wie sie es einst war." Oder mit anderen Worten: "Die Dmexco ist eine ganz normale Messe geworden."
