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Zwölf Schlüsseltrends für Digitalagenturen im KI-Zeitalter
15.09.2025 Die digitale Wirtschaft steht am Beginn einer neuen Phase: Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Tools und Prozesse, sondern ganze Geschäftsmodelle, Kundenbeziehungen und Organisationsstrukturen. Für Digitaldienstleister bedeutet das, sich in einem Spannungsfeld zwischen Effizienzsteigerung, Differenzierung und Verantwortung zu behaupten. iBusiness hat Agenturen befragt und zwölf zentrale Trends identifiziert, die den Markt bis 2026 prägen werden - und zeigt, welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben.
Digitalagenturen stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen die Möglichkeiten von KI nutzen, um Effizienzgewinne zu erzielen - und gleichzeitig ihre eigene Differenzierung stärken. Denn wenn KI viele Standardaufgaben übernimmt, rücken Haltung, Kreativität und Organisation in den Mittelpunkt.
Die aktuellen Einschätzungen und Entwicklungen, die wir von Fachleuten eingeholt haben sind in zwölf Schlüsseltrends zusammengefasst. Diese zeigen, wo sich die Branche bewegt, welche Chancen entstehen - und welche Risiken Agentur-EntscheiderInnen kennen sollten.
Trend 1: Responsible AI und Governance werden Pflichtfächer
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat in Agenturen längst den Schritt vom Experiment zum Alltag gemacht. Doch je stärker KI in Content, Kreation, Analyse und Automatisierung integriert wird, desto deutlicher rückt die Frage nach Verantwortung, Transparenz und Souveränität in den Vordergrund. Datenschutz, Qualität und Nachvollziehbarkeit werden zu unverrückbaren Eckpfeilern einer nachhaltigen KI-Nutzung. So ist für Ingo Körber , Vorstand Smart Commerce SE , die größte Herausforderung im kommenden Jahr "die Verantwortung im Umgang mit KI. KI verändert Content, Daten und Prozesse im E-Commerce rasant - unsere Aufgabe ist es, daraus echten Mehrwert für KundInnen zu schaffen und zugleich Qualität, Transparenz und Sicherheit zu gewährleisten."
"KI ist nach wie vor das Riesenthema", sagt Sven Korhummel , geschäftsführender Gesellschafter von cyperfection . Seine Agentur sieht darin zwar kein Allheilmittel, "aber eine Chance, Prozesse schlanker zu machen, schneller zu Ergebnissen zu kommen, kreativer zu werden und so einen optimalen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Gleichzeitig wissen wir: Datenschutz, Qualität und Transparenz sind nicht verhandelbar." Außerdem lebt cyperfection den Human-Led-AI-Ansatz: "Bei uns behält der Mensch die Kontrolle."
Das bedeutet: Agenturen und Unternehmen müssen AI-Guidelines formulieren, ihre Teams kontinuierlich schulen und rechtssichere, transparente Prozesse implementieren. Hinzu kommt die geopolitische Dimension: "70 Prozent aller KI-Modelle stammen aus den USA", gibt Brian Bray , Creative Director bei ARTUS Interactive , zu denken.
Für ihn sind Datenschutz und europäische Standards unerlässlich - gerade vor dem Hintergrund, dass über 80 Prozent der Agenturen laut BVDW auf KI-Tools setzen. "'Sovereign Clouds' sind ein Anfang", argumentiert Bray. Dem pflichtet Christian Grötsch , Gründer & Vorsitzender des Verwaltungsrates von dotSource , bei: "Cyber-Security und digitale Souveränität sind längst erfolgskritisch und dürfen nicht als IT-Nebenthemen betrachtet werden." Für Grötsch ist "Sicherheit nicht nur technische Pflicht, sondern muss Teamsache werden, die alle angeht."
Europäische Souveränität und Sicherheitsstandards werden damit selbst zu Wettbewerbsfaktoren. Für Agenturen entsteht ein klarer Auftrag: Governance nicht nur als Pflicht, sondern als aktives Leistungsversprechen an Kundinnen und Kunden zu begreifen.
Trend 2: Speed-to-Value & strategische Partnerschaften
AgenturkundInnen erwarten längst nicht mehr nur kreative Kampagnen oder technisch saubere Websites. Sie fordern messbare Business-Effekte - und zwar schnell. Das heißt, Agenturen müssen Erwartungen erfüllen, die jedes Jahr höher hängen. Die zentrale Kennzahl lautet: "Time to first success" - und diese wird laut Joachim Bader, Managing Partner bei Forte Central Europe , zum entscheidenden Maßstab: "Deshalb starten wir mit spezifischen Business-Case- und Strategie-Paketen sowie Vibe-Coding. Dank unserer tiefen Industrieexpertise und dem Einsatz eigener AI Agents verkürzen wir den Projektablauf deutlich."Auch Sven Korhummel berichtet, dass seine KundInnen "messbare Wirkung, schnelle und nahtlose Ergebnisse über alle Kanäle" wollen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, setzt die Agentur "noch klarere Ziele zu Projektbeginn, arbeitet in modularen MVP-Phasen und verankert Compliance-Checks als festen Bestandteil des Prozesses. So liefern wir schnell und sicher."
Die Antwort der Agenturen auf die Herausforderung "Schnellen Business Impact" sind modulare Projektansätze, Business-Case-Pakete und KI-gestützte Prozessbeschleunigung. Parallel verschiebt sich die Beziehung der Agenturen zu ihren KundInnen: "Für Digitaldienstleister heißt das, weg vom reinen Projektgeschäft, hin zur strategischen Partnerschaft", prophezeit Johannes Schmidt , Chief Business Builder & Partner bei Exxeta . Wer diesen Wandel nicht vollzieht, läuft Gefahr, in der Wahrnehmung auf die Ebene reiner Lieferanten zurückzufallen.
Trend 3: GEO und KI-getriebene Touchpoints verändern die Customer Journey
Mit der rasanten Verbreitung generativer KI verändert sich die Art und Weise, wie Menschen Informationen finden. Entsprechend ist Oliver Bohl , Geschäftsführer Triplesense Reply und Vorsitzender der Fokusgruppe Digital Commerce im BVDW , überzeugt, dass die Optimierung der eigenen Website und klassisches SEO nicht mehr ausreichen: "Inhalte müssen "zitierfähig" für KI sein, das heißt, sie müssen präzise Antworten liefern, klare Strukturen aufweisen, Quellen angeben und technische Markups enthalten. Generative Engine Optimization (GEO) ergänzt somit SEO, ersetzt es aber nicht. Websites verschwinden nicht, sie wandeln sich: Neben KI-optimierten Schnellantworten entstehen immersive Plattformen mit interaktiven Services, personalisierten Tools und einer emotionalen Markenwelt. Der Ansatz: GEO und Experience-Design konsequent zusammenzudenken - maschinenlesbar und menschzentriert."
Gleichzeitig wandelt sich die Rolle der Unternehmenswebsite im B2B: "Die B2B-Unternehmenswebsite wird künftig weniger Marketing-Touchpoint, sondern stärker Datenquelle", weiß Michael Kirchberger , Geschäftsführer schoene neue kinder . Seiner Einschätzung nach sehen viele Unternehmen KI vor allem noch als Produktivitäts- oder Effizienztool. "Nach unserer Überzeugung entsteht jedoch gerade im B2B-Umfeld eine neue, unsichtbare Infrastruktur - vergleichbar mit der Einführung des Internets oder des Smartphones. KI wird jede digitale Journey prägen und tragen."
Der Trend zu Zero-Click-Suchen (Nutzende greifen immer häufiger auf KI-Systeme wie ChatGPT Search oder Google Gemini zurück) verstärkt den Druck auf Unternehmen, Inhalte so zu gestalten, dass sie von KI-Systemen korrekt verarbeitet und wiedergegeben werden. "Umso wichtiger ist es, diese Entwicklungen im Blick zu behalten und die mittel- und langfristigen Veränderungen bei der eigenen SEO-Strategie zu berücksichtigen", bestätigt das Marketing-Team der Digitalagentur Init und fügt hinzu, dass sich auch die Technologie-Infrastruktur anpasst. Entsprechend wandelt sich die Rolle des CMS von einem Werkzeug zur Verwaltung von Text und Bild in "eine zentrale, intelligente Plattform für die Content-Distribution. Es muss in der Lage sein, Inhalte nicht nur für die eigene Website, sondern auch für Drittsysteme, Sprachassistenten und KI-Agenten optimal bereitzustellen."
Für Agenturen bedeutet das: GEO-Readiness wird zum Hygienefaktor, Experience-Design und technisches Content-Engineering müssen enger zusammenrücken.
Trend 4: Hyperpersonalisierung & Agentic Experiences
Personalisierung erreicht im KI-Zeitalter eine neue Dimension: Inhalte, Produkte und Services reagieren nicht mehr nur segmentbasiert, sondern in Echtzeit auf Kontext, Verhalten und Stimmung der NutzerInnen. "Mithilfe adaptiver Interfaces und generativer UI-Technologien werden künftig nicht nur Inhalte, sondern ganze Oberflächen dynamisch auf die NutzerInnen angepasst. Für Digitalagenturen bedeutet das: Weg von statischen Journeys, hin zu KI-orchestrierten Erlebnissen über alle Kanäle", argumentiert Oliver Bohl."Zugleich übernimmt die KI im Auftrag der NutzerInnen die Recherche und teils auch Kaufprozesse (Agentic Commerce)", heißt es in dem Bohl-Statement. Das gehe weit über klassische Journeys hinaus: "Autonome Agenten treten als eigenständige Player auf." Frank Wolfram, CEO, SYZYGY AG , formuliert es so: "KI avanciert zur Basistechnologie, KI-Agenten zur autonomen Arbeitskraft." Der entscheidende Wettbewerbsvorteil liegt aber nicht in isolierten Tools oder Einzellösungen. "Sondern vielmehr entsteht echte Wertschöpfung für durch ganzheitliche Agenten-Ökosysteme." Wolfram erwartet, dass seine Agentur-KundInnen in 2026 verstärkt auf "die End-to-End-Integration lernfähiger Agenten im Marketing setzen, die ganze Wissensarbeitsprozesse automatisieren". Die Rolle der Agentur dabei: "Als Agentic System Builder begleiten wir sie beim Aufbau dieser KI-nativen Systeme - von der Strategie bis zur Umsetzung und dem Praxisbetrieb."
Damit rücken ganze Agenten-Ökosysteme ins Zentrum: Sie orchestrieren komplexe Wissens- und Transaktionsprozesse, liefern passgenaue Antworten und schaffen neue Kundenerlebnisse. Die Herausforderung besteht darin, Exzellenz, Qualität und Relevanz dauerhaft zu sichern - und diese algorithmisch skalierbar zu machen: "KI-Agenten werden zu Baumeistern neuer und qualitativ hochwertiger Experiences. Sie eröffnen Dialoge und Services, die es bisher nicht gab, und bringen Markenidentität in jeden Kontaktpunkt. Darüber hinaus entwickeln sie diese KI-gestützten Experiences stetig weiter - weil Exzellenz erst dann skaliert, wenn sie dauerhaft gepflegt und verbessert wird", beschreibt Wolfram die Entwicklung.
Agenturen sind gefordert, Hyperpersonalisierung, Technologie-Integration und Markenidentität in Einklang zu bringen - ein Balanceakt zwischen Machbarkeit, Kosten und Human Experience. Die Zukunft digitaler Interaktion liegt nicht in statischen Journeys, sondern in orchestrierten Erlebnissen, die von autonomen Agenten gesteuert werden. Wer als Agentur früh Kompetenzen in Agenten-Design, Integrationsarchitektur und Experience-Kuration aufbaut, positioniert sich als relevanter Partner im nächsten Innovationssprung.
Trend 5: Organisation, Talente & Arbeitskultur im KI-Zeitalter
Die inneren Strukturen von Agenturen stehen durch Künstliche Intelligenz vor einem fundamentalen Wandel. Standardaufgaben werden automatisiert - was bleibt, ist der Bedarf nach kreativer, strategischer und organisatorischer Exzellenz. Damit verschiebt sich das Anforderungsprofil an Organisation und Talente grundlegend.Automatisierte Standardleistungen nivellieren Unterschiede zwischen Dienstleistern. Agenturen müssen sich daher über Haltung, Kreativität und Inspiration differenzieren. Oliver Bohl beschreibt es so: "Wenn KI Standardaufgaben automatisiert werden, ist ein klares Agenturprofil entscheidend: Haltung, Kreativität und Inspiration werden zum Differenzierungsmerkmal."
Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, müssen Silos auch auf Agenturseite konsequent aufgebrochen werden und "cross-funktionale Teams geschaffen werden, die Beratung, Technologie, Data und Kreation nahtlos zusammenbringen", berichtet Christian Schmitz , CEO Plan.Net Group . Ebenso wichtig sei es, neue Rollenbilder und Kompetenzen aufzubauen - von KI-SpezialistInnen über DatenstrategInnen bis hin zu IntegrationsexpertInnen. Das bedeutet: Klassische Jobprofile verlieren an Relevanz. Stattdessen entstehen hybride Rollen, die technisches Verständnis, Kreativität und strategisches Denken vereinen.
Besondere Bedeutung erhält dabei künftig das M-shaped-Modell: Mitarbeitende sollten mindestens drei Spezialdisziplinen beherrschen. "Denn künftig geht es darum, KI-Projekte ganzheitlich zu denken - von der Strategie über die Kreation bis hin zu Data und Tech. Gleichzeitig lernen junge Talente, KI-Ergebnisse zu kuratieren und produktiv mit Agenten zu arbeiten. Dabei bleibt "Human-in-the-Loop" essenziell", erklärt Frank Wolfram. Dieser Ansatz fördert interdisziplinäres Denken und befähigt Teams, KI-Projekte ganzheitlich zu steuern - von der Strategie über Kreation bis hin zu Data & Tech.
Die Geschwindigkeit des technologischen Wandels zwingt Organisationen dazu, Lernprozesse neu zu denken. Weiterentwicklung wird nicht mehr als Zusatz, sondern als Kernbestandteil der Arbeitskultur verstanden. Für Anthony Wottrich , Business Director think moto , rücken dabei experimentelle Ansätze wie "Design by playing" in den Vordergrund: "Early-Access-Denken ist für mich daher kein Hype, sondern schlicht und ergreifend Risikomanagement: Man öffnet Projekte früh, testet Hypothesen als "playable concepts", sammelt Daten statt Meinungen und dokumentiert Änderungen wie Patchnotes." Diese Methoden fördern Risikobereitschaft und Transparenz, erlauben Hypothesentests in frühen Phasen und schaffen eine Kultur, in der Fehler als Datenpunkte für Fortschritt gelten.
Die eigentliche Herausforderung für Agenturen liegt also nicht in der Einführung neuer Tools, sondern in der Transformation von Organisation und Arbeitskultur. Nur wer Strukturen aufbricht, Talente interdisziplinär entwickelt und eine kontinuierliche Lernkultur etabliert, kann die Geschwindigkeit und Komplexität des Marktes bewältigen.
Trend 6: Neue Geschäftsmodelle: Von T&M zu Value-Based Pricing
Die bisher gängige Praxis, Leistungen im Agenturumfeld auf Basis von Tagessätzen abzurechnen, verliert an Bedeutung. Kunden und Kundinnen fordern zunehmend Preismodelle, die Klarheit, Planbarkeit und eine direkte Kopplung an den Geschäftserfolg bieten. Fixpreise feiern deshalb ein Comeback - ergänzt durch Value-Based Pricing, bei dem die Vergütung an den nachweisbaren Business Impact gebunden ist. "Die Zeit von hyperagilem Time & Material (T&M) mit festen Tagessätzen und vagen Projektumfängen geht zu Ende. Dafür fehlen sowohl die Budgets als auch die Abbildbarkeit im Zusammenspiel mit AI", erklärt Joachim Bader. Stattdessen sind Fixpreise wieder zurück und Value-Based Pricing, also eine erfolgs- bzw. business-impact-abhängige Vergütung, wird immer stärker Teil der Geschäftsmodelle.Damit wandelt sich nicht nur die Finanzlogik, sondern auch die Rolle der Agenturen: Leistungen werden stärker mit der Profitabilität und den P&L-Strukturen der KundInnen verknüpft. Bader: "Wir verknüpfen unsere Leistungen deshalb enger mit der P&L unserer Kunden und transformieren uns bewusst von "Only Human" zu "Agentic + Human Consulting". Auf dieser Basis machen wir den Kundenmehrwert kommerziell mess- und abrechenbar." Die Kombination Agentic und Human Consulting steht also für die bewusste Kombination aus automatisierter Effizienz und menschlicher Beratungsleistung, die gemeinsam messbaren Mehrwert generieren.
Preisgestaltung wird damit zum strategischen Differenzierungsfaktor. Wer sein Modell erfolgreich auf Value-Based Pricing ausrichtet, signalisiert nicht nur Transparenz, sondern auch Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Agenturen müssen sich darauf einstellen, Wirkung nicht nur zu versprechen, sondern vertraglich abzusichern.
Trend 7: Differenzierung im Content-Overkill
Mit KI steigt die Menge an Content exponentiell, während die Aufmerksamkeitsspanne der NutzerInnen gleichbleibt. Das Ergebnis: Überangebot führt zu Ermüdung und zu verschärften Algorithmen, die nur noch wirklich relevante Inhalte durchlassen. Benjamin Wittkamp , Geschäftsführer der Elbkind Reply , zufolge sind in dieser Welt "Creator und Influencer wichtiger denn je, weil sie als vertrauenswürdige Filter wirken. KI-Inhalte entfalten nur dann Wert, wenn sie markenkonform bleiben und echten Mehrwert stiften - so wie es bei klassischem Content schon immer der Anspruch war."
Differenzierung entsteht nicht allein über Volumen, sondern über Qualität, Kreativität und multisensorische Erlebnisse. Ansätze wie "Spherical Brands" setzen auf Markenerlebnisse im Raum, kombiniert mit interaktiven KI-Lösungen. "Damit gelingt Marken-Differenzierung in einem Umfeld KI-generierter Beliebigkeit", weiß Anthony Wottrich.
Auch Michael Kirchberger weist mit Nachdruck darauf hin, dass je stärker KI die Customer Journey bestimmt, desto wichtiger eine konsistente Marken- und Produktidentität wird. "Gerade im B2B ist die Marke oft der entscheidende Differenzierungsfaktor. Unternehmen müssen ihre Identität klar definieren, durch Stories erlebbar machen und über alle Touchpoints hinweg konsistent kommunizieren. Entsprechend beobachten wir aktuell eine deutlich gestiegene Nachfrage nach der Schärfung von Markenidentitäten und nach Storytelling-Frameworks", erläutert er weiter.
In der Content-Flut entscheidet nicht Masse, sondern Differenzierung. Markenidentität wird zum Ankerpunkt in generativen Umgebungen. Wer markenkonforme KI-Content-Strategien, Creator-Kollaborationen und immersive Erlebnisse kombiniert, verschafft sich nachhaltige Sichtbarkeit.
Trend 8: Budgetverschiebung zu Data & AI - Proof of Value gegen Hype
Eine weitere große Herausforderung, vor der Digitalagenturen stehen, ist die deutliche Verschiebung der Investitionen: Während Budgets für klassische Digitalprojekte wie Websites, Portale oder Apps schrumpfen, fließt mehr Kapital in Data & AI. "KI-Projekte entziehen klassischen Digital- und Marketinginitiativen Mittel, weil Unternehmen Effizienzgewinne durch KI realisieren wollen", bringt es Kirchberger auf den Punkt. Die Agentur snk hat deshalb ein Schwesterunternehmen gegründet, das sich ausschließlich mit AI und Prozessautomatisierung befasst. "Wir sind davon überzeugt, dass ohne eine echte Kompetenz und klare Positionierung in diesem Bereich Agenturen zukünftig Wettbewerbsnachteile haben werden", so Kirchberger.
Auch Benjamin Wittkamp berichtet, dass beim Thema KI viele Unternehmen ins Stocken geraten. So führe die massive Tool-Flut und Unsicherheit über konkrete Anwendungsfälle aktuell in vielen Organisationen zu Stillstand. "Gefragt sind Proof-of-Value-Projekte, die in kurzer Zeit zeigen, welchen Effekt KI auf Effizienz, Qualität und Kreativität hat. Wer bereit ist, Implementierungen laufend neu zu bewerten, verwandelt Unsicherheit in Fortschritt - und macht KI zum echten Wachstumstreiber statt zum Buzzword", ist Wittkamp überzeugt.
Budgetverschiebungen sind Fakt - die entscheidende Frage ist, welche Agenturen sich als glaubwürdige Partner für Data-&-AI-Initiativen etablieren. Wer Proof-of-Value liefert, schafft Vertrauen, reduziert Risiko und sichert sich langfristige Mandate.
Trend 9: Tech-Enablement - Low-Code, Automation & Integration
Die technische Basis der Digitalen Transformation liegt in beschleunigten Entwicklungszyklen und tiefer Integration. Low-Code-Tools in Kombination mit Enterprise-CMS- und Shopsoftware ermöglichen Einsparungen. Laut Marco Zingler , Managing Partner der Kölner Agentur denkwerk , lassen sich so die Projektkosten bis zu 40 Prozent reduzieren und "Launch von MVP's in Wochen statt Monaten sind erreichbar."
Parallel gewinnen branchenspezifische AI-Tools an Bedeutung, die weit über generische Bild- oder Textgeneratoren hinausgehen. "AI-Tools - maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der konkreten Industrien - werden in den kommenden 12 Monaten den Markt aufmischen", merkt Zingler an. Die Agentur wird dazu auf der DMEXCO 2025 ihr neuentwickeltes AI-Tool BEA vorstellen.
Der Trend geht klar weg von isolierten Lösungen hin zu tief integrierten, strategischen KI-Systemen. "Ende des KI-Theaters" bedeutet: Es reicht nicht, einzelne Tools einzusetzen, entscheidend ist, ganze Wertschöpfungsketten mit KI neu zu vernetzen: "Der Shift geht unaufhaltsam weg von isolierten Tools hin zu tief integrierten, strategischen KI-Systemen, die nicht nur Symptome behandeln oder Wissen verwalten, sondern den Kern der Wertschöpfung vernetzen, optimieren oder sogar neu definieren", erklärt Robin de Bruijn , Director Business & Transformation Strategy bei denkwerk. Agenturen werden so zu Systemarchitekten, die Automatisierung, Plattformintegration und Innovationskraft miteinander verbinden.
Technologiekompetenz wird neu definiert: Nicht die Anzahl eingesetzter Tools zählt, sondern die Fähigkeit, sie effizient in bestehende Systeme zu integrieren. Agenturen, die Low-Code, Automatisierung und Integration beherrschen, können Geschwindigkeit, Kosten und Qualität gleichzeitig optimieren.
Trend 10: Effizienzgewinne & Konsolidierungsdruck
KI wird Herstellungsprozesse in Digitalagenturen fundamental verändern und deutlich günstiger machen - 15 bis 30 Prozent in den kommenden zwei Jahren, so die Schätzung von Dr. Alexander Trommen , CEO Appsfactory GmbH : "Die größte Herausforderung für alle Agenturen wird also sein, um mindestens 30 Prozent in den nächsten 2 Jahren zu wachsen." Dieser Produktivitätsschub ist Chance und Risiko zugleich: Agenturen, die ihr Geschäft entsprechend skalieren, können die Effizienzgewinne in Wachstum übersetzen. Wer aber nicht mindestens im gleichen Maß wächst, steht unter massivem Margendruck.
Besonders betroffen sind, so Trommen, "mittelgroße Agenturen zwischen 3 und 8 Millionen Euro Umsatz". Für sie sei es schwieriger, in Trainings, Tools und Prozesse zu investieren, um Schritt zu halten. Viele werden daher Kooperationen suchen oder sich größeren Agenturen anschließen müssen, um Wettbewerbsfähigkeit und Know-how zu sichern.
KI senkt die Kosten, aber sie verschärft auch den Wettbewerb. Agenturen müssen jetzt entscheiden: wachsen, spezialisieren oder sich zusammenschließen. Die Konsolidierung der Branche wird sich beschleunigen.
Trend 11: KI als Transformationsmotor - jenseits der Effizienz
Der Großteil der Unternehmen nutzt KI aktuell vor allem, um schneller Texte, Bilder oder Layouts zu produzieren - ein Ansatz, der KI zum "besseren Kopierer" degradiert, ärgert sich Brian Bray. "Natürlich soll KI uns lästige Arbeit abnehmen, aber die eigentliche Chance liegt jenseits mittelmäßiger Kopien": KI kann Formate, Kampagnen und Geschäftsmodelle ermöglichen, die ohne sie gar nicht denkbar wären.So mahnt auch Christian Schmitz, dass Künstliche Intelligenz nicht als reines Instrument zur Kostensenkung verstanden werden sollte. "Wer sie nur oberflächlich als "Tool" nutzt, läuft Gefahr, irrelevant zu werden", warnt er. KI müsse in den Kern der Wertschöpfung integriert werden, nicht nur an der Oberfläche wirken. So wird aus dem Buzzword ein echter Transformationsmotor. "Dazu gehört, KI strategisch einzusetzen, etwa um Kompetenzen im Team aufzubauen, Arbeitsprozesse völlig neu zu denken und klare Governance-Modelle und Qualitätsstandards zu definieren. Wer es schafft, KI in den Kern der Wertschöpfung zu integrieren, kann Kunden echten Mehrwert liefern und sich vom Wettbewerb differenzieren", so der Plan.net-Chef weiter.
Die Differenzierung entsteht nicht durch Effizienz, sondern durch Innovation. Wer KI als kreatives Werkzeug für neue Formate und Erlebnisse versteht, erschließt sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.
Zusatztrend 12: Social Media im Spannungsfeld von Long- und Short-Form
Studien wie die von tridenstechnology.com prognostizieren, dass die weltweite Zahl der Social-Media-Nutzer bis 2026 voraussichtlich etwa knapp sechs Milliarden erreichen wird. Das eröffnet Unternehmen neue Chancen, zumal die Generation Z zunehmend Social Media statt traditioneller Medien nutzt.Parallel differenziert sich die Social-Media-Welt stärker aus. Während Plattformen wie TikTok oder Instagram Reels mit Short-Form-Content die kurze Aufmerksamkeitsspanne bedienen, gewinnt Long-Form-Content auf YouTube, LinkedIn und in Podcasts zunehmend an Bedeutung - insbesondere im Bereich Edutainment und Thought Leadership. "Die optimale Balance zwischen Long- und Short-Form-Inhalten ist dabei von entscheidender Bedeutung", berichtet Sebastian Iffert , Geschäftsführer Lobeco .
Hinzu kommt: KI-gestützte Algorithmen personalisieren Inhalte stärker, wodurch Relevanz und Bindung zunehmen. Marken müssen nicht nur den richtigen Mix zwischen Long- und Short-Form finden und ihre Content-Strategien darauf ausrichten, wichtig bleibt auch die Balance von Paid und Organic, so Iffert weiter: "Die Kombination von organischen und bezahlten Inhalten maximiert Sichtbarkeit und Kundenbindung, indem sie Glaubwürdigkeit und Reichweite vereint."
Social Media bleibt Kernarena für Markenkommunikation. Die Herausforderung liegt darin, Inhalte je nach Plattform und Zielgruppe optimal zu orchestrieren - von tiefen Wissensformaten bis zu snackable Clips. Wer beides meistert, kann Reichweite und Relevanz gleichzeitig sichern.
