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Wie das Auto der Zukunft Neugeschäft für die Internet-Wirtschaft bringt
01.09.2010 Apps für Autos? Zwischen Smartphone und Navi ist in den Wagen der kommenden Generation viel Platz für Anbieter, die neue Geschäftsfelder erobern wollen. Sechs Trends bestimmen die Zukunft des Automobils. Davon ist einer Basis neuer Geschäftsfelder besonders für Agenturen, Dienstleister und Internet-Unternehmen.
Trend 1: Das Auto sammelt immer mehr Daten
Aus der Oberklasse sickern immer mehr Einbauten in die Massenfertigung erst von Mittelklasse- und schließlich Kleinwagen-Serien ein. Dazu zählt auch eine Vielzahl von Sensoren: Vom Reifenluftdruck über den Zustand der Autoelektrik bis hin zu Umweltdaten wie Luftfeuchtigkeit, Außentemperatur, Fahrbahnbeschaffenheit sorgen immer mehr Sensoren für immer mehr Daten. Bislang wird nur ein kleiner Teil davon außerhalb des Fahrzeugs genutzt. Das wird sich ändern.Trend 2: Das Auto als Kommunikator
Bereits heute gibt es Navigationssysteme, die Daten anderer Fahrzeuge zur Bestimmung der Verkehrsdichte und Stauwarnung (HD Traffic von TomTom ) nutzen. Dazu reicht das Vorhandensein eines Mobilfunkgeräts: Je mehr sich etwa auf einem Autobahnabschnitt drängeln, immer langsamer bewegen, bis sie schließlich ganz stehen, desto eher besteht Staugefahr. Vorteil dieser Stauwarnungen nach dem Prinzip "Car2Car" ist, dass sie schneller reagieren als die Verkehrshinweise (TMC = Traffic Massage Channel). Diese Warnhinweise durchlaufen zuvor erst noch die Stufen Polizei und Rundfunkanstalt.Dieser Trend wird sich nicht nur fortsetzen, sondern noch ausweiten. Zahlreiche von Sensoren erfasste Daten in den Fahrzeugen harren noch ihrer Nutzung: So könnten beispielsweise Wetterdaten wesentlich schneller und lokal genauer anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Dass auf einem ganz bestimmten Streckenabschnitt gerade Glatteis herrscht, ließe sich so weiter verbreiten zum Wohle der Verkehrssicherheit.
Potenzielle Geschäftsmodelle: Sowohl Datendienste auf lokaler Ebene für Wetter als auch Fahrzeugdienste für die Wartung sind etwa denkbar. So könnte ein Anbieter etwa die Daten der Bordelektronik in Angebote umsetzen: Ist der Ölwechsel fällig, könnte der Datendienst Werkstätten in der Umgebung anzeigen, die diesen Service an der gerade gefahrenen Strecke anbieten - mit Zeitpunkt und Preisen.
Wer profitiert: Neben den Mobilfunk-Providern können von dieser Entwicklung all jene Unternehmen profitieren, die in diesem Bereich mit Datenaggregation und -weiterverarbeitung unterwegs sind.
Alles was im Auto oder in der Kommunikation mit dem Fahrzeug das Thema "Sicherheit" berührt, steht vor höheren Hürden. Entweder lassen Hersteller da sonst niemanden neben sich bestehen, oder ein eventueller Drittanbieter muss mit strengen OEM-Zertifizierungen leben. Das dürfte auch für den Bereich 'Fernwartung' gelten, mit dem Autozustände durch die Bordelektronik und entsprechende Analysegeräte auch aus größeren Entfernungen wirklich werden.
Trend 3: Fahrzeuge "sprechen" mit Ampeln oder Parkplätzen
Datenkommunikation wird zunehmend auch zwischen Fahrzeugen und ihrer Umgebung stattfinden. So betreibt etwa Audi in Kooperation mit Partnern aus Hochschulen und Wirtschaft in Ingolstadt ein Projekt , bei dem Autos via WLAN und UMTS mit intelligenten Ampelsystemen kommunizieren. Städte und Kommunen könnten durch den Wegfall von Kontaktschleifen in der Fahrbahn oder Lichtschranken zur Zählung mehr Geld sparen, als die neue Technik in den Ampeln kostet, heißt es. Vor allem aber soll diese Technik den Verkehrsfluss erhöhen und damit Schadstoffausstoß und Kraftstoffverbrauch senken helfen. In der ersten Projektstufe wurde immerhin eine Ersparnis von rund 17 Prozent erreicht.In der Praxis wird dem Nutzer dann via Bordelektronik eine empfohlene Geschwindigkeit mitgeteilt, um möglichst auf einer "grünen Welle" durch die Stadt zu gleiten.
Potenzielle Geschäftsmodelle: Parkplätze könnten signalisieren: Ich habe noch Platz! Die nächste Tankstelle gibt ihre gerade gesenkten Preise durch oder verweist darauf, dass bei ihr auch Gas nachgetankt werden kann.
Wer profitiert: Sind hier noch Spezialanbieter und vor allem kommunale und städtische Behörden gefragt, lassen sich weitere Dienste auch von anderen Anbietern denken.
Auch hier gilt, Sicherheit geht vor. Zudem ist der Aufbau intelligenter Verkehrsleitsysteme ohne staatliche Unterstützung kaum machbar. Die unterschiedlichen Stellen zu koordinieren und aufeinander abzustimmen, wird "die Mammutaufgabe der kommenden drei Jahre sein", befürchtet Michael Sandrock , Vorsitzender der European TelematicsFactory , dem Kompetenzzentrum für Telematik und mobile IT-Anwendungen in Berlin.
Trend 4: Wagen werden zu Unterhaltungsmobilen
Es mag daran liegen, dass dort schon länger Autos regelmäßig viel Zeit in Verkehrsstaus verbringen - in Asien sind auch Mittelklassewagen länger schon mit DVD-Playern und Bildschirmen für die Fondpassagiere ausgerüstet. Disco-Anlagen im Auto waren gestern, morgen wird Unterhaltung im Auto multimedial sein.Erste Vorboten gibt es bereits: Da integriert BMW Apples iPod oder iPhone so in die Bordelektronik des neuen Mini, dass die Bedienoberfläche der Apple-Geräte auf dem Borddisplay angezeigt und darüber gesteuert werden kann.
Noch einen Schritt weiter geht der Tuner Brabus , der für seine umgebauten Mercedes-Wagen ein System namens "iBusiness" entwickelt hat: Dazu gehören dann neben iPhone gleich mehrere iPads und ein MacMini im Kofferraum. So lassen sich Funktionen aus dem Mercedes-Bordsystem (Heizung, Fußraumbeleuchtung, o.ä.) über Apple-Geräte ebenso steuern wie der Unterhaltungsbereich mit Musik, Film und mobiler Netzanbindung. Untereinander werden die Geräte via Bluetooth verbunden. Die Kosten für die Aufrüstung beginnen bei 8.900 Euro pro Fahrzeug und reichen in Bottrop bis 48.000 Euro.
Potenzielle Geschäftsmodelle: Reichlich und auch für jeden Drittanbieter relativ problemlos, denn hier ist das Thema Sicherheit nur in der Bedienung relevant. Gerade mit der Einbindung von Smartphones in das "Connected Car" der Zukunft wachsen die Felder etwa für Entwickler von einschlägigen Applikationen. Weitere Geräte werden entweder drahtlos oder via Plug-ins eingebunden. Andere Angebote wie etwa E-Call, der Notruf mit automatischer Positionserkennung, werden wiederum normiert. Das schließt aber Drittanbieter nicht grundsätzlich aus.
Der nächste Schritt könnte aus einem Forschungsprojekt hervorgehen: Unter der Leitung der Fraunhofer ESK untersucht ein Konsortium bestehend aus Audi , der BMW Forschung und Technik GmbH , Loewe , SpaceNet und den Forschungsinstituten IRT und Fraunhofer IIS unter dem Titel "Multimedialer Inhalt folgt Person", wie Bild und Ton nicht nur auf dem Fernseher, sondern auch auf mobilen Endgeräten und im Fahrzeug durch Anbindung an den Media-Heimserver genutzt werden können. Die technische Lösung bezieht einen Mediaserver und einen Profilserver - beide mit geschütztem Zugriff - ein. Am Ende sollen etwa zuhause begonnene Inhalte unterwegs fortgesetzt werden können.
Wer profitiert: Dritthersteller von Unterhaltungselektronik ebenso wie die Entwickler von Apps für Smartphones. Die Zubehörindustrie wird von Halterungen und einfachen Steckverbindungen profitieren. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt.
Trend 5: Mehr Assistenzsysteme helfen dem Fahrer.
Immer mehr Sensoren liefern immer mehr Daten. Aus etlichen dieser Daten generiert die Automobilindustrie Assistenzsysteme, die dem Fahrer helfen sollen. Der Fahrspur-Assistent ist bereits auf dem Markt, der dem Chauffeur durch Signale zu verstehen gibt, dass er gerade eine Fahrspur zu verlassen beginnt. Die automatische Kollisionsvermeidung bremst selbstständig vor Hindernissen oder Fußgängern und hat ebenfalls bereits Markt- und Serienreife erreicht.Das nächste große Ding in diesem Bereich wird die Lichtführung betreffen, prognostiziert Arnulf Thiemel , beim ADAC für Fahrzeugtechnik zuständig: "Schon heute können intelligente Systeme das Fahrlicht steuern. Dazu werden Geodaten (etwa via Google) mit einer variablen Lichtführung gekoppelt, die die gerade gefahrene Strecke optimal für den Fahrer ausleuchtet. So wird beispielsweise bei einer Autobahn-Abfahrt automatisch vom weitreichenden auf das breiter streuende Licht umgeschaltet. Aktuelle Sensorik erlaubt außerdem, außerorts ständig mit Fernlicht unterwegs zu sein. Das Fahrzeug steuert die Scheinwerfer dabei so, dass der Gegenverkehr nicht geblendet wird."
Potenzielle Geschäftsmodelle: In diesem Bereich gilt wieder das Stichwort "Sicherheit", das die Potenziale anderer Anbieter erheblich erschwert.
Wer profitiert: Hersteller und die mit ihnen verbundenen Zulieferer lassen sich dieses Feld nicht entgehen. Strenge OEM-Lizenzierung erschwert den Zugang für weitere Anbieter.
Trend 6: Bedienung wird einfacher
Während im PC-Bereich Touchscreen-Bildschirme und Gestensteuerung in den Massenmarkt eindringen, wird einfache Bedienung und die Steuerung der verschiedenen Systeme in Fahrzeugen einen anderen Weg gehen. Übereinstimmend lautete die Einschätzung der von iBusiness befragten Experten: Sprachsteuerung wird das Mittel der Wahl sein.Bei BMW haben sie dazu etwa bereits ein Bediensystem mit One-Shot-Dialogen entwickelt. Bestimmte Schlüsselbegriffe steuern jeweils enstprechende Befehle. Der Fahrer muss die Hände nicht mehr vom Lenkrad nehmen. Im neuen Mini der Marke hat das System "Mission Control" überdies 1.700 Sätze gespeichert, mit deren Hilfe das System mit dem Fahrer kommunizieren kann, d.h. das Auto "spricht" mit dem Fahrzeuglenker. Allerdings antwortet das System (noch) nicht auf Fragen, sondern die passenden Sätze werden aus dem Fahrzeugzustand generiert. So fordert der Begleiter vor dem Losfahren das Anlegen der Sicherheitsgurte ein oder regt an, innerhalb der nächsten 20 Kilometer zu tanken.
Potenzielle Geschäftsmodelle: Für Spezialisten, die auf diesem Feld bereits unterwegs sind, sollten sich Potenziale eröffnen.
Wer profitiert: Auch hier wird das Feld Sicherheit berührt, womit zumindest eine strenge Lizenzierung notwendig wird. Im Umkehrschluss werden hier Hersteller und die mit ihnen eng verbundenen Zulieferer das Hauptgeschäft unter sich ausmachen.
