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Marktanalyse Top-Shopsysteme (I): Das leistet das mittlere Segment

30.11.2018 Anhand der 1.000 größten deutschen Onlineshops hat iBusiness den Markt der Shopsysteme durchleuchtet - und Stärken, Schwächen, Einsatzgebiete und Eignung der Einzelsysteme herausgearbeitet. Im ersten Teil der umfangreichen Marktanalyse finden Sie die Systeme für mittelgroße Shops.

 (Bild: HighText Verlag)
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TL;DR
Shopsystem-Ranking unter den deutschen Top-1.000-Shops segmentiert nach Pure Player, Multichannel-Händler und Marken/Hersteller
Gerade in der Oberliga sind Shopsysteme schwer zu vergleichen. In den seltensten Fällen genügt ein reiner Feature-Vergleich. Meist sind komplexe Fragen zu klären: Mit welchem Aufwand lassen sich bestimmte Funktionen realisieren? Passt die Dienstleisterlandschaft zum eigenen Unternehmen? Wie werden sich die Gesamtkosten in verschiedenen Geschäftsszenarien entwickeln? Welcher Wartungs- und Pflegeaufwand entsteht? Welche Last kann das System tragen?

Ohne ausführliche Beratung, systematische Evaluation und genaue Marktstudien sind kaum belastbare Aussagen zu treffen - zu komplex sind die zu berücksichtigenden Faktoren.

Nichts ist so wertvoll wie Praxiserfahrung

Einen wertvollen Einblick in den Markt bietet die umfangreiche Studie "E-Commerce-Markt Deutschland 2018", die das EHI Retail Institut   jährlich gemeinsam mit Statista   erhebt. In der Untersuchung werden die wichtigsten Daten der 1.000 größten Onlinehändler in Deutschland erhoben. Neben Umsatz, Sortiment und Ausrichtung sind das 180 weitere Datenpunkte - darunter auch das verwendete Shopsystem, die Handelskanäle, der Traffic oder das Datum des Shoplaunchs.

Auf Basis dieser Studie hat iBusiness die wichtigsten Shopsysteme Deutschlands ermittelt (siehe iBusiness: Das sind Deutschlands wichtigste Shopsysteme).

Die Shopsysteme wurden mit den Browser-Addons Wappalyzer und Builtwith bedient bzw. von iBusiness nachqualifiziert. Der Großteil Shopsysteme konnte so eindeutig zugeordnet werden. Viele Händler setzen aber auch Eigenentwicklungen ein oder haben bestehende Shopsysteme so sehr verändert, dass das Ursprungssystem nicht mehr offensichtlich ist. Dieser Anteil ist als 'Nicht erkennbar' ausgewiesen.
Die Shopsysteme wurden mit den Browser-Addons Wappalyzer und Builtwith bedient bzw. von iBusiness nachqualifiziert. Der Großteil Shopsysteme konnte so eindeutig zugeordnet werden. Viele Händler setzen aber auch Eigenentwicklungen ein oder haben bestehende Shopsysteme so sehr verändert, dass das Ursprungssystem nicht mehr offensichtlich ist. Dieser Anteil ist als 'Nicht erkennbar' ausgewiesen. (Grafik: Quelle: EHI, Statista; Grafik: HighText Verlag)


Aber die erhobenen Daten sind noch weit aufschlussreicher. Deswegen betrachten wir in dieser Marktanalyse die Top-10-Shopsysteme noch einmal detaillierter und zerlegen den Markt in verschiedene Segmente (Umsatz, Traffic, Reifegrad, Handelskonzept). Auf diese Weise ergibt sich ein aussagekräftiges Bild, welche Marktsegmente von den verschiedenen Systemen angesprochen werden.

Im ersten Teil der Analyse finden Sie fünf Shopsysteme, die das mittlere Marktsegment adressieren. Dazu sind die Systeme nicht nach Marktanteil gerankt, sondern nach der mittleren Position, die die Shops im Top-1000-Ranking erreichen. Nach dieser Sortierung sprechen folgende System das mittlere Segment an:

  • Salesforce Commerce Cloud (Durchschnittsrang 516)
  • osCommerce (Durchschnittsrang 528)
  • Magento (Durchschnittsrang 591)
  • Shopware (Durchschnittsrang 593)
  • Plentymarket (Durchschnittsrang 619)

Salesforce Commerce - Spitze in der Mitte


Mit 39 Installationen ist die Salesforce Commerce Cloud - bis 2017 unter dem Namen Demandware vermarktet - unter den Top-1000-Shops am fünfthäufigsten vertreten. Das System hatte zuletzt einen ungewöhnlich guten Lauf: Mit einem Plus von sieben Installationen gegenüber dem Vorjahr konnte Salesforce das zweitstärkste Wachstum erzielen. Rein geschäftlich hat Salesforce mit der Neuerwerbung also eine glückliche Hand bewiesen.

Mit einer Durchschnittsplatzierung auf Rang 516 positioniert sich das System für mittlere Shops, wobei die größte Häufung bei den Rängen 300 bis 400 liegt und einen Fokus auf die gehobene Liga verrät. Unterstrichen wird dies durch durch die sehr gute Platzierung des besten Salesforce-Shops, der es auf Rang 38 bringt.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Leistungsfähiges Shopsystem für die gehobene Mitte; genügt Oberklasse-Ansprüchen.
  • Das System ist gut geeignet für einfache Multichannel-Konzepte und Anbieter mit geringer Digitalerfahrung. Pure Player und komplexe Handelsszenarien (Katalog) finden sich deutlich seltener.
  • Die typischen Salesforce-Kunden bringen eher großen Traffic mit und suchen entsprechend ein leistungsstarkes System.
  • Ab einer gewissen Umsatzregion sinkt die Beliebtheit wieder. Da die Technik hält, was sie verspricht, scheinen betriebswirtschaftliche Gründe ausschlaggebend zu sein.
  • Für kleinere Onlinehändler ist das System wenig geeignet.

osCommerce - Veteran, aber kein altes Eisen

Hartnäckig verteidigt osCommerce seine durchaus respektable Position. Mit 29 Installationen reicht es für Rang sechs der beliebtesten Systeme der Top-1000-Shops. Bemerkenswert ist dabei, dass osCommerce trotz seines reifen Alters (selbst die jüngste Version 3.0 wurde bereits 2011 vorgestellt) zuletzt keine Marktanteile verloren hat. Das haben in diesem Vergleich nur wenige Systeme geschafft.

Durchschnittlich erreicht ein osCommerce-Shop Position 528 im Top-1.000-Ranking. Knapp dahinter, auf den Rängen 600 bis 700, befindet sich auch die größte Häufung. Der bestplatzierte Shop findet sich auf Position 51. osCommerce adressiert damit eine hochwertige Zielgruppe - auch wenn der Schwerpunkt etwas auf den hinteren Rängen liegt.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)



Stärken und Schwächen:

  • osCommerce eignet sich insbesondere für Online-Pure-Player und einfache Crosschannel-Geschäftsmodelle.
  • Der Schwerpunkt liegt auf kleineren Shops - wobei der Umsatz weiter als der Traffic reicht.
  • Limitierender Faktor scheint der Traffic zu sein. Beim Umsatz und den Geschäftsmodellen finden sich Ausreißer nach oben. Die Marktanteile sinken linear zu steigendem Traffic und laufen gegen null.
  • Das durchschnittlich eher hohe Alter der Shops lässt zwei Aussagen zu: osCommerce-Nutzer wechseln selten. Andererseits gibt es attraktive Alternativen für ambitionierte Neugründer.
  • Der hohe Anteil an Pure Playern und älteren Shops lässt darauf schließen, dass eine hohe digitale Reife des Unternehmens von Vorteil ist.

Magento - Marktführer mit enormer Bandbreite

Kein anderes Shopsystem ist so häufig unter den Top-1.000-Shops anzutreffen wie Magento. Mit 139 Installationen führt es mit deutlichem Abstand vor allen anderen Systemen - daran ändert auch der minimale Rückgang um drei Installationen gegenüber dem Vorjahr nichts.

Der Durchschnittsrang eines Magento-Shops liegt auf Position 591, was auf eine leicht hecklastige Gewichtsverteilung hinweist. Tatsächlich zeigt die Verteilung der Installationen über die Ränge jedoch eine ungewöhnliche Homogenität. Der beste Shop erreicht Rang 25 und bis zum hintersten Rang zeigen sich kaum Einbrüche. Von der Oberliga bis zum Einsteiger-Shop - Magento kann's!

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Bei Onlineshops mit mittleren Umsätzen (bis 30 Millionen Euro) und mittlerem Traffic (bis 1 Millionen Visits pro Monat) ist Magento beliebt wie kein zweites System.
  • Zugleich ist das System auch in der Oberliga komplett konkurrenzfähig. Ein Marktanteil von 2,9 Prozent in der Top-Umsatzregion (größer 100 Millionen Euro) wird nur von vier Systemen erreicht oder übertroffen.
  • Gleiches gilt für den Traffic: Nur drei Systeme (IBM, SAP, Salesforce) haben einen größeren Marktanteil als Magento in der Top-Region (mehr als 3 Millionen Visits pro Monat).
  • Dabei ist Magento für Einsteiger ein äußerst attraktives System, wie der Marktanteil bei Shops bis zu einem Alter von fünf Jahren zeigt. Über die Jahre betrachtet sinken die Marktanteile zwar - allerdings kann dies dem Umstand geschuldet sein, dass erfahrene Händler prozentual häufiger auf Eigenentwicklungen setzen.
  • Flexibel bleibt Magento auch bei den Geschäftsmodellen. Pure Player überwiegen, aber selbst bei komplexen Konzepten zeigt Magento keinerlei Schwäche.

Shopware - Der Wachstumsgewinner


Der Gewinner des Jahres kommt aus dem nordrhein-westfälischen Schöppingen: Kein anderes System konnte unter den Top-1.000-Shops so viele Punkte gutmachen wie Shopware. Die Basis wuchs um 24 auf 88 Installationen. Nach Marktanteilen konnte sich Shopware dadurch hinter Magento auf den zweiten Platz vorschieben.

Durchschnittlich positionieren sich Shopware-Systeme auf Rang 593 - ebenfalls ganz nah bei Magento. Der umsatzstärkste Shopware-Shop liegt auf Position 40. Und auch sonst zeigt sich das System flexibel.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Nach Umsatz betrachtet ist Shopware ein Allrounder: Zwar liegt ein Schwerpunkt auf den hinteren Umsatzrängen, aber selbst an der Spitze kann Shopware mit einem Marktanteil von 2,9 Prozent problemlos mitspielen.
  • Limitierungen scheinen dagegen im Traffic aufzutreten. Ab 1 Million Visits ist der Marktanteil nur noch durchschnittlich, darüber wird Shopware gar nicht mehr gewählt. Entweder sprechen betriebswirtschaftliche oder technische Restriktionen gegen den Einsatz in der Top-Liga.
  • Shopware kam 2004 auf den Markt - und viele Onlineshops sind ebenso alt. Bei keinem anderen Shopsystem scheint der Wechselwille weniger ausgeprägt als bei Shopware. Das System scheint für jeden digitalen Reifegrad passend.
  • Nach Handelskanälen betrachtet, zeigt sich, dass Shopware von reinen Pure Playern etwas seltener als im Durchschnitt gewählt wird. Crosschannel-Händler jeder Couleur wählen das System dagegen gerne.

Plentymarkets - der Größte für Kleine

Das Shopsystem von Plentymarkets gehört mit 16 Installationen zu den Nischenanbietern unter den Top 1000. Der überwiegende Teil der Shops befindet sich auf den Rängen von 500 aufwärts. Der beste Shop befindet sich auf Rang 156 im Ranking - eher ein Ausreißer, wie die Durchschnittsposition von 619 zeigt.

Allerdings beweist Plentymarkets eine überraschende Stabilität. Da auf den hinteren Rängen des Top-1000-Rankings die Fluktuation naturgemäß am höchsten ist. Insofern ist es ein nicht zu unterschätzender Erfolg, sich in dieser Region stabil zu behaupten.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Plentymarket richtet sich an die kleinen Shops im Ranking. Bei Umsatz und Traffic werden die Marktanteile schon im mittleren Segment homöopathisch.
  • Bis es einen Plentymarkets-Händler ins Top-1000-Ranking spült, sind mindestens sechs Jahre vergangen. Neueinsteiger mit Ambitionen scheinen nicht auf das System zu setzen.
  • Achtbar ist der Erfolg, sich zum Multichannel-System zu entwickeln. Ein Vergleich mit den entsprechenden Marktanteilen des Vorjahrs zeigt, dass die Strategie des Herstellers gegriffen hat.
  • Unterm Strich adressiert Plentymarkets ganz deutlich eher kleine Händler.
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