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Marktanalyse Top-Shopsysteme (II): Das leistet das Spitzensegment

05.12.2018 Anhand der 1.000 größten deutschen Onlineshops hat iBusiness den Markt der Shopsysteme durchleuchtet - und Stärken, Schwächen, Einsatzgebiete und Eignung der Einzelsysteme herausgearbeitet. Im zweiten Teil der umfangreichen Marktanalyse finden Sie die Systeme für die ECommerce-Elite.

 (Bild: HighText Verlag)
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TL;DR
Shopsystem-Ranking unter den deutschen Top-1.000-Shops segmentiert nach Pure Player, Multichannel-Händler und Marken/Hersteller
Wie sind Deutschlands wichtigste Shopsysteme aufgestellt? Um diese Frage zu beantworten, hat iBusiness ausgewertet, welche Software von den 1.000 größten Onlineshops eingesetzt wird. Ermittelt wurden die Top-1.000-Shops in der umfangreichen Studie "ECommerce-Markt Deutschland 2018" von EHI Retail Institut   und Statista  , die die Statistikexperten jedes Jahr vorlegen. In der Untersuchung sind mehr als 100 Datenpunkte zu jedem einzelnen Shop erfasst, darunter auch die eingesetzte ECommerce-Software.

Auf diese Weise lässt sich nicht nur bestimmen, welches die wichtigsten Shopsysteme in Deutschland sind und welche Marktanteile sie haben (siehe iBusiness: Das sind Deutschlands wichtigste Shopsysteme). Eine genauere Analyse offenbart auch, wie die Systeme positioniert sind, was ihr bevorzugter Einsatzzweck ist und wo die Limits liegen. Beispielsweise lassen sich folgende Fragen klären:

  • Wird das Shopsystem von umsatzstarken oder -schwachen Shops eingesetzt?
  • Verliert das System bei hoher Trafficlast an Marktanteil?
  • Stößt das Lizenzmodell bei bestimmten Umsatzregionen an betriebswirtschaftliche Grenzen?
  • Ist das Shopsystem ein flexibler Allrounder oder auf bestimmte Geschäftsszenarien spezialisiert?
  • Setzen viele junge Händler auf das System? Oder sind es erfahrene Händler, die auf das System setzen?

Um einen möglichst einfachen Überblick zu geben, haben wir die wichtigsten Eckdaten im folgenden grafisch aufbereitet. Neben dem Marktanteil ist dies der Durchschnittsrang aller Shops sowie deren Verteilung unter den Top 1.000. Zudem haben wir für jeden Shop berechnet, wie sich die Marktanteile in bestimmten Segmenten der Top-1.000-Shops verhalten. Auf diese Weise lässt sich schnell feststellen, ob das Shopsystem beispielsweise ab einem bestimmten Traffic oder Umsatz über- oder unterproportional verbreitet ist.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista; Grafik: HighText Verlag)
Im ersten Teil dieser Analyse wurden Shopsysteme besprochen, die das mittlere Händlersegment ansprechen (siehe iBusiness Marktanalyse Top-Shopsysteme - Das leistet das mittlere Segment). Dies sind nicht notwendigerweise die Shopsysteme mit den geringsten Marktanteilen (siehe Chart oben), sondern die Systeme, deren Shops im Durchschnitt auf den hinteren Rängen der Top 1.000 zu finden waren. Diese Shopsysteme sind: Salesforce Commerce Cloud  , osCommerce  , Magento  , Shopware    und Plentymarket  . In dieser Analyse wenden wir uns den Shopsystemen zu, die die Spitzengruppe der Händler ansprechen:

  1. Oxid EShop   (Durchschnittsrang 514)
  2. Novomind   iShop (Durchschnittsrang 426)
  3. SAP Commerce Cloud   (Durchschnittsrang 397)
  4. Intershop    (Durchschnittsrang 397)
  5. IBM   Websphere (Durchschnittsrang 237)

Oxid EShop


Ein dickes Minus von elf Installationen muss Oxid eSales für sein Shopsystem verbuchen. 2018 nannten 74 Händler unter den Top 1.000 ein Shopsystem des Freiburger Herstellers ihr eigen. Im Vorjahr waren es noch 85. Damit kommt Oxid auf den dritten Rang im Ranking.

Die Durchschnittsplatzierung von Rang 514 zeigt, dass sich das System insbesondere für mittlere Shops eignet. Die größte Häufung liegt auf den Rängen 300 bis 400 und 500 bis 600. Das System spricht also eher den gehobenen Mittelbau an, ohne die Top-Positionen zu erreichen.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Leistungsfähiges Shopsystem für die gehobene Mitte. Besonders stark ist das Shopsystem in den unteren bis mittleren Umsatzregionen. Nach oben hin fällt es stark ab.
  • Die entscheidende Limitierung scheint beim Traffic zu liegen. Das System ist bei kleineren und mittleren Shops gut vertreten, bricht jedoch bei starker Beanspruchung stark ein.
  • Die Erfahrung der Händler scheint eine geringe Rolle zu spielen. Oxid ist über alle Altersbereiche gut vertreten und wird insbesondere auch häufig von jüngeren Händlern gewählt.
  • Das System ist gut geeignet für alle Arten von Multichannel-Handel und spielt insbesondere bei komplexen Handelskonzepten seine Stärken aus. Pure Player greifen dagegen etwas seltener zu Oxid.
  • Oxid ist ein Allround-System, das insbesondere von Multichannel-Händlern mit mittlerem bis großem Umsatz gewählt wird. Bei starkem Traffic stößt das System an seine Grenzen.

Novomind iShop -


Das Hamburger Unternehmen Novomind ist mit zwölf Installationen der kleinste Anbieter - kann aber aber mit einer erstaunlich hochklassigen Installationsbasis überzeugen. Dies offenbart sich weniger am Durchschnittsrang von 426 oder der Top-Position von 43 der besten Shops, sondern vor allem an der geringen Streuung der Shops. Die Shops sind sehr eng um die Ränge 200 bis 300 angesiedelt. Auch wenn die statistische Basis recht gering ist, fällt auf, dass sich eher umsatzstarke Händler für den Shop entscheiden.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Novomind ist in mittleren und hohen Umsatzregionen gut vertreten und verkraftet dabei auch starken Traffic.
  • Novomind ist ein vergleichsweise junges Shopsystem. Insofern wundert es wenig, dass es bei Neustartern gut vertreten ist. Auffällig ist aber, dass auch einige Händler mit großer Erfahrung zu Novomind gewechselt haben.
  • Novomind iShop wird vor allem von Händlern mit komplexen Geschäftsmodellen eingesetzt.

SAP Commerce Cloud


SAP Commerce Cloud, früher unter dem Namen Hybris vermarktet, ist der Highflyer der vergangenen Jahre. Mit 48 Installationen hat das System zuletzt unter den Top 1.000 geringfügig eingebüßt. Mit einer Durchschnittsposition von 397 konnte das System aber seine Ausrichtung auf das Top-Segment behaupten. Mehr noch als der Durchschnittsrang zeigt die Häufung, dass SAP ein System für die ECommerce-Elite ist. In den Rängen 1 bis 200 sind die Walldorfer besonders gut vertreten.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Das Shopsystem von SAP lässt sich mit mittleren Umsätzen wirtschaftlich betreiben, attraktiv ist es aber vor allem für Shops mit hohem Umsatzvolumen.
  • Mühelos kann SAP auch mit hohem Traffic umgehen. Überall wo Leistung gefordert ist, wird das System überproportional häufig eingesetzt.
  • Weniger entscheidend ist das Alter eines Shops. Mit SAP lassen sich ebenso gut neue Geschäfte starten wie bestehende weiterführen. Auffällig ist der hohe Anteil gereifter Shops: Offensichtlich wechseln viele Händler im Lauf der Jahre zu dem System.
  • Überraschend klarer Fokus bei den Geschäftsmodellen: Pure Player greifen selten zu SAP. Je komplexer das Geschäftsmodell, desto häufiger kommt der Shop dagegen zum Einsatz. SAP kann mit nahtloser Integration in die Unternehmenssoftware und den hochqualifizierten IT-Dienstleistern punkten.

Intershop


Intershop war schon immer als Enterprise-Shopsystem positioniert. Daran hat sich bis heute nichts geändert - außer, dass die Marktanteile kontinuierlich gesunken sind. Die durchschnittliche Position des Jenaer Herstellers liegt auf Position 397 und damit gleichauf mit dem wesentlich jüngeren SAP. Nach Marktanteilen kann Intershop mit seinen 18 Installationen SAP allerdings nicht mehr das Wasser reichen.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Intershop muss man sich leisten können: Die meisten Shops bringen zwischen 30 und 100 Millionen Euro Jahresumsatz mit.
  • Dabei empfiehlt sich das System vor allem, wenn hoher Traffic gefragt ist: Die Musik spielt aber bei einer Million Visits monatlich.
  • Wenig überraschend ist Intershop bei älteren Systemen stärker vertreten.
  • Nach Handelskanälen betrachtet, lassen sich keine klaren Präferenzen ableiten. Intershop lohnt sich, wenn hoher Traffic bewältigt werden muss und hohe Umsätze zur Verfügung stehen.

IBM Websphere


Kein anderes Shopsystem ist so klar auf die Spitze fokussiert wie IBM Webspehre. Zwar kommt der US-Gigant nach Marktanteilen nur auf Rang 7 in den Shopsystem-Top-Ten - aber die 21 IBM-Installationen haben es in sich: Mehr als 40 Prozent davon liegen auf den Spitzenplätzen des Rankings (1 - 100), der Durchschnittsrang eines IBM-Shops liegt auf Position 237. Aber: Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt auch, dass sich ein IBM-System nur in wenigen Fällen zu rechnen scheint.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • IBM ist vor allem in der Top-Liga interessant: Kein anderes Shopsystem hat seinen größten Marktanteil in der höchsten Umsatzregion.
  • Traffic: IBM-Systeme sind extrem leistungsfähig. Sie scheinen sich aber zugleich auch nur zu lohnen, wenn die Performance eine entscheidende Rolle spielt.
  • Shopbetreiber, die auf IBM setzen, sind in der Regel eher alt. Dies spricht dafür, dass nur wenige Händler wechseln. Zum einen hat sich das System offenbar bewährt, zum anderen werden offenbar die hohen Investitionen geschützt.
  • IBM wird fast ausschließlich gewählt, wenn komplexe Geschäftsmodelle abgewickelt werden. Die nahtlose Integration und die hohe Qualifikation der Dienstleister scheinen den Ausschlag für das System zu geben. Einfache Pure Player setzen IBM so gut wie gar nicht ein.
Thema: Marktanalyse Top-Shopsysteme (II): Das leistet das Spitzensegment

Kommentar von Dominik Grollmann

Landkarte der Shopsysteme

Am Ende lässt sich mit jedem Shopsystem ein funktionierender Onlineshop erstellen - doch die Unterschiede sind gewaltig.

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Dominik Grolllmann, iBusiness Analyst (Dominik Grollmann)
Bild: Dominik Grollmann
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