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Marktanalyse: Die wichtigsten Shopsysteme der Top-1.000 im Detail

23.10.2020 Anhand der 1.000 größten deutschen Onlineshops hat iBusiness den Markt der Shopsysteme durchleuchtet - und Stärken, Schwächen, Einsatzgebiete und Eignung der Einzelsysteme herausgearbeitet.

 (Bild: mohamed_hassan / pixabay.com)
Bild: mohamed_hassan / Pixabay

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TL;DR
Shopsystem-Ranking unter den deutschen Top-1.000-Shops segmentiert nach Rängen, Umsatz, Traffic und Shopalter
Für welchen Onlineshop ist welches Shopsystem das richtige? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Schließlich reklamieren fast alle Hersteller ähnliche Features für sich und zumindest auf dem Papier unterscheiden sich die Systeme kaum voneinander.

Und trotzdem gibt es enorme Unterschiede, wie ein genauer Blick in die umfangreiche Studie "E-Commerce-Markt Deutschland 2020" zeigt, die das EHI Retail Institut   jährlich gemeinsam mit Statista   herausgibt. In der Untersuchung werden die wichtigsten Daten der 1.000 größten Onlinehändler in Deutschland erhoben. Neben Umsatz, Sortiment und Ausrichtung sind das 180 weitere Datenpunkte - darunter auch das verwendete Shopsystem, der Traffic oder das Datum des Shoplaunchs.

Diese Studie erlaubt zunächst einen genauen Blick in die Marktverhältnisse (siehe iBusiness: Top Ten - Das sind die erfolgreichsten Shopsysteme 2020).

(Grafik: Quelle: EHI, Statista; Grafik: HighText Verlag)


Aber aus den erhobenen Daten lassen sich noch weitere Schlüsse ziehen. Deswegen betrachten wir in dieser Marktanalyse die wichtigsten Shopsysteme aus den Top-10 noch einmal detaillierter und zerlegen den Markt in verschiedene Segmente (Umsatz, Traffic, Reifegrad). Auf diese Weise ergibt sich ein aussagekräftiges Bild, welche Marktsegmente von den verschiedenen Systemen angesprochen werden.

Diese Shopsysteme haben wir ausgewählt:

  • IBM Websphere (Durchschnittsrang 356)
  • Intershop (Durchschnittsrang 452)
  • SAP Commerce Cloud (Durchschnittsrang 371)
  • Salesforce Commerce Cloud (Durchschnittsrang 519)
  • Magento (Durchschnittsrang 582)
  • Oxid eShop (Durchschnittsrang 586)
  • Shopware (Durchschnittsrang 617)

IBM Websphere


Kein anderes Shopsystem ist so klar auf die Spitze fokussiert wie IBM Websphere  . Mit dieser Ausrichtung kann der US-Gigant relativ souverän seine Position 6 im Ranking verteidigen. Souverän deswegen, weil ein echter Angreifer fehlt. Die Shopsysteme, die sich in Schlagdistanz befinden, haben selbst mit sinkenden Installationen zu kämpfen. Aufstrebende Systeme sind noch relativ weit entfernt. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass am IBM-System der Zahn der Zeit nagt: Seit 2018 stagniert die Zahl der Installationen, während der Durchschnittsrang der IBM-Shops von 237 auf 356 gefallen ist. Ein genauerer Blick in die Statistik zeigt, dass IBM vor allem als Legacy-Anwendung in älteren Shops überdauert.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • IBM ist vor allem in der Top-Liga interessant: 30 Prozent seiner Installationen hat IBM an die Top-100-Shops verkauft. Allerdings ist das Spitzen-Image inzwischen angekratzt: Bei den Onlineshops mit mehr als 60 Millionen Euro Jahresumsatz haben Shopware und SAP einen größeren Marktanteil als IBM. Salesforce konnte gleichziehen. Früher war das anders. IBM war in der Top-Umsatzregion unangefochtener Marktführer.
  • Traffic: IBM-Systeme sind extrem leistungsfähig. Sie scheinen sich zu lohnen, wenn Performance eine entscheidende Rolle spielt. Allerdings werden viele ähnlich Traffic-starke Shops mit anderen Systemen bereitgestellt: Salesforce, SAP Commerce Cloud und Magento haben in der Gruppe der Top-Shops zum Teil deutlich höhere Marktanteile. Auch das war früher anders.
  • Bei vielen Shops, die auf IBM setzen, konnte das genaue Alter nicht ermittelt werden. Daher stimmen die Marktanteile in den Altersgruppen nicht mit den gesamten Marktanteilen überein. Trotzdem wird deutlich, dass der Schwerpunkt bei reiferen Händlern liegt.

Intershop


Intershop    scheint zurück auf der Erfolgsspur. Das Unternehmen galt viele Jahre lang als Krisenkandidat. 2020 konnte es dann wieder profitabel ins Geschäftsjahr starten und in den ersten drei Quartalen auch bleiben. Dies drückt sich auch in der Zahl der Installationen unter den Top-1.000-Shops aus: Erstmals konnte das Unternehmen wieder zulegen (+ 2). Noch deutlicher zeigt sich dies jedoch bei der Verteilung der Händler: 2018 war die Software vorwiegend bei Händlern in der vorderen Hälfte des Rankings verbreitet (durchschnittliche Shop-Positionierung: 397). Inzwischen hat sich deutlich ein zweiter Installationsschwerpunkt in der hinteren Hälfte des Feldes herausgebildet (Durchschnittsrang 2020: 452). Daran lässt sich eine gelungene Umpositionierung ablesen.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Die Zeiten, als sich Intershop nur an die Creme de la Creme richtete, sind vorbei. Eine beträchtliche Anzahl von Systemen wird bei kleineren Händlern installiert.
  • Nicht nur nach Umsatz, auch nach Anforderungen gibt sich das System flexibel: Die Händler verteilen sich sehr gleichmäßig über alle Traffic-Regionen, wobei ein Schwerpunkt bei gehobenen Anforderungen auszumachen ist. Dies spricht für die Leistungsfähigkeit.
  • Auch die Altersstruktur der Händler hat sich gegenüber den Vorjahren deutlich verjüngt. Wobei auffällt, dass Intershop offenbar insbesondere bei Händlern mit einiger Erfahrung eingesetzt wird. Einsteiger sind nicht dabei.
    Nach Handelskanälen betrachtet, lassen sich keine klaren Präferenzen ableiten. Intershop lohnt sich, wenn hoher Traffic bewältigt werden muss und hohe Umsätze zur Verfügung stehen.

SAP Commerce Cloud


Die SAP Commerce Cloud  , früher unter dem Namen Hybris vermarktet, ist der Highflyer der vergangenen Jahre. Mit 46 Installationen musste das System allerdings zuletzt unter den To-1.000 geringfügig einbüßen. Mit einer Durchschnittsposition von 371 konnte das SAP seine Ausrichtung auf das Top-Segment gegenüber den Vorjahren noch etwas schärfen. Die Verteilung der Installationsbasis weist aber zugleich auch auf eine Flexibilität. Auch auf den hinteren Rängen kann man mit SAP glücklich werden - insbesondere wenn man ehrgeizige Zukunftspläne verfolgt.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Das Shopsystem von SAP wird von Händlern der oberen Umsatzregion bevorzugt eingesetzt. Trotzdem reicht die Spannweite bis in die hinteren Ränge.
  • Mühelos kann SAP mit hohem Traffic umgehen. Überall wo Leistung gefordert ist, wird das System überproportional häufig eingesetzt. Für kleinere Händler, die eine schlanke Anwendung suchen, kommt SAP dagegen selten in Frage.
  • Weniger entscheidend scheint das Alter eines Shops zu sein. Mit SAP lassen sich ebenso gut neue Geschäfte starten wie bestehende weiterführen. Auffällig ist der hohe Anteil gereifter Shops: Offensichtlich wechseln viele Händler im Lauf der Jahre zu dem System.

Salesforce Commerce Cloud


Mit 62 Installationen hat die Salesforce Commerce Cloud   in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Zum Vergleich: 2018 kam die Software gerade einmal auf 39 Systeme unter den Top-1.000. Bemerkenswert ist dabei, dass die Salesforce trotzdem im oberen Mittelfeld besonders stark vertreten ist. Hier sind neue Kunden oft schwer zu gewinnen, weil die meisten Händler bereits über eine solide Infrastruktur verfügen und wenig wechselbereit sind. Die breite Streuung der Installationsbasis über alle Ränge zeigt zudem, dass die Software einerseits für Top-Shops leistungsstark genug ist, zugleich aber auch für ambitionierte, kleinere Anbieter wirtschaftlich zu betreiben ist.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Leistungsfähiges Shopsystem für die gehobene Mitte, das auch Oberklasse-Ansprüchen genügt.
  • Insbesondere junge Shops und ambitionierte Neueinsteiger greifen gerne zum Salesforce System.
  • Die typischen Salesforce-Kunden benötigen ein leistungsstarkes System. Der Marktanteil von Salesforce ist bei Shops mit mehr als 1,5 Millionen Visits monatlich beeindruckend. Salesforce ist hier unangefochtener Marktführer.
  • Der Umsatz des Shops scheint dagegen einen geringeren Einfluss auf die Kaufentscheidung zu haben, als die Performance.
  • Für Onlinehändler mit geringem technischen Anspruch scheint das System wenig geeignet.

Magento


Kein anderes Shopsystem ist so häufig unter den Top-1.000-Shops anzutreffen wie Magento   . Mit 150 Installationen führt es mit deutlichem Abstand vor allen anderen Systemen und konnte gegenüber den Vorjahren kräftig zulegen. Obwohl sich die Marktanteile in den Shoprängen 1 - 300 seit 2018 deutlich verringert haben, konnte sich der Durchschnittsrang eines Magento-Shops von Position 591 auf Position 582 verbessern. Die hecklastige Gewichtsverteilung der Vergangenheit ist nun also weniger ausgeprägt, obwohl die Luft ganz vorn dünner geworden ist. Trotzdem beweisen Magento-Shops eine erstaunliche Bandbreite.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Bei Neueinsteigern und jungen Onlineshops bis 5 Jahre ist Magento mit einem Marktanteil von 25 Prozent beliebt wie kein zweiter Anbieter.
  • Ebenso signifikant ist der Einbruch, den Magento bei Onlineshops erleidet, die mehr als 1,5 Millionen Visits monatlich verzeichnen. Bei diesen Shops kommt der Marktführer nur auf einen Marktanteil von 4,3 Prozent.
  • Dazu passt, dass ab einer bestimmten Umsatzgröße und einem bestimmten Reifegrad (Alter) die Installationsbasis stark nachlässt.
  • Magento ist für Einsteiger ein äußerst attraktives System, mit dem ein Händler sehr weit kommen kann. Ab einer bestimmten Größe scheinen Performance oder Geschäftsmodell jedoch ganz offensichtlich nicht mehr zu genügen.

Oxid eShop


Ein dickes Minus von zehn Installationen muss Oxid eSales    für sein Shopsystem verbuchen - nicht zum ersten Mal. 2017 konnten die Freiburger noch 85 Top-1.000-Händler mit ihrer Software beliefern. 2020 sind es noch 67. Verloren gingen die Marktanteile vor allem bei Shops mit Spitzenpositionen, wie die Entwicklung des Durchschnittsrangs von 514 (2018) auf 586 (2020) zeigt. Während der Buckel der Oxid-Installationsbasis 2018 zwischen den Rängen 301 und 600 lag, ist er nun auf den Bereich zwischen 601 und 700 gerutscht. Von der ehemaligen Frontlastigkeit ist in der Verteilung nicht mehr viel zu sehen.

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Nach wie vor spricht Oxid Shopbetreiber mit niedrigen bis mittleren Umsätzen an. In der Spitzengruppe sinkt der Marktanteil dagegen stark.
  • Die entscheidende Limitierung scheint beim Traffic zu liegen. Das System ist bei kleineren und mittleren Shops gut vertreten, bricht jedoch bei starker Beanspruchung stark ein.
  • Die Erfahrung der Händler scheint eine geringe Rolle zu spielen. Oxid ist über alle Altersbereiche gut vertreten und wird von jüngeren Händlern und Neueinsteigern ebenso häufig gewählt, wie von erfahren Händlern, die bereits mehr als 10 Jahre im Geschäft sind.
  • Oxid ist ein Allround-System, das insbesondere von Händlern der gehobenen Mitte gewählt wird. Bei starkem Traffic stößt das System an seine Grenzen.

Shopware


Besonders stark konnte in den vergangenen Jahren der nordrhein-westfälische Anbieter Shopware    zulegen. 2017 konnten die Schöppinger 64 Installationen unter den Top-1.000-Shops zählen, 2020 sind es 122. Nach Marktanteilen konnte sich Shopware dadurch hinter Magento auf den zweiten Platz schieben und dem Marktführer bereits ordentlich auf die Pelle rücken. Dabei kann das System vor allem auf den hinteren Rängen wachsen. Entsprechend hoch ist der Durchschnittsrang eines Shopware-Shops, der zudem in den vergangenen Jahren zulegte. Von 593 (2018) auf 617 (2020).

(Grafik: Quelle: EHI, Statista, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Nach Umsatz betrachtet ist Shopware ein Allrounder: Zwar liegt ein Schwerpunkt auf den hinteren Umsatzrängen, aber selbst an der Spitze kann Shopware mit einem Marktanteil von 5,1 Prozent problemlos mitspielen. Das ist hinter SAP der zweithöchste Marktanteil in dieser Gruppe.
  • Limitierungen scheinen dagegen im Traffic aufzutreten. Mit einem Marktanteil von 1,9 Prozent in der Spitzengruppe muss Shopware Konkurrenten wie Magento, Salesforce, SAP oder IBM ziehen lassen. Entweder sprechen betriebswirtschaftliche oder technische Restriktionen gegen den Einsatz in der Top-Liga.
  • Bei kleinen Shops bis 0,3 Millionen Visits kann Shopware dagegen besonders punkten und seinen Rivalen Magento sogar bereits überholen.
  • Aufschlussreich: Shopware kam 2004 auf den Markt - und viele Onlineshops sind ebenso alt. Überhaupt scheint die Erfahrung der Händler kein Ausschlusskriterium für Shopware zu sein. Die Marktanteile sind über alle Altersgruppen gleichmäßig verteilt. Mit einer Ausnahme: Neueinsteiger und ganz junge Shops greifen deutlich seltener zu Shopware als etwa zu Magento.
Thema: Marktanalyse: Die wichtigsten Shopsysteme der Top-1.000 im Detail

Kommentar von Dominik Grollmann

Der Marktführer taugt nur bestimmten Händler

Die Top-Shops im EHI-Ranking sind spitzer ausgerichtet als gedacht. Das trifft gerade auf den Marktführer zu.

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Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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