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Studie Interaktiver Jobmarkt

Die Nadel im Heuhaufen

08.11.2023 Welche Jobprofile sind bei Deutschlands Agenturvorständen besonders gefragt? Welche Stellen sind besonders schwer zu besetzen und wo dreht sich das Jobroulette besonders schnell? Wir haben über 380.000 Stellenanzeigen von Deutschlands Interaktiven aus den vergangenen zwölf Monaten ausgewertet. Das Ergebnis ist ein tiefer Einblick in den deutschen Digitaljobmarkt.

 (Bild: Midjourney/jg)
Bild: Midjourney/jg

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TL;DR
Die Agenturen stellen in weiten Teilen vorsichtiger ein als vor einem Jahr.
Zehn Prozent weniger Stellenanzeigen als vor einem Jahr - aber auch ein Zehntel mehr als vor Corona. Das ergab die aktuelle Auszählung der ausgeschriebenen Positionen der Interaktivbranche auf iBusiness.de/jobs  . Aktuell zählen wir rund 6.800 gleichzeitig ausgeschriebene Stellen. Im Januar 2020 hatten wir 6.200 gezählt. Das geht aus der Auswertung der Stellenanzeigen hervor, die der Crawler der iBusiness Jobbörse auf den Online-Jobseiten von Agenturen, Onlineshops und Dienstleistern der Interaktivbranche gefunden und in unser System eingespeist hat.

Zum Jahresanfang 2023 war die Interaktivbranche wohl noch deutlich optimistischer gewesen - entweder was die digitale Wirtschaftsentwicklung angeht, oder was Einstellungen betrifft. Anfang Dezember 2022 hat unser Jobrobot über 7.800 Stellenangebote gefunden - und damit den bisherigen Highscore vom Oktober 2017 geknackt, als er 7.200 auf iBusiness.de/jobs online gestellt hatte.

Die hohe Zahl von Interaktiv-Stellenangeboten macht das iBusiness-Jobportal zu einer der größten Fach-Stellenbörse der deutschsprachigen Interaktivbranche. Es lässt damit Rückschlüsse zu, wie sich der Stellenmarkt für interaktive Berufe in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt. Denn auch wenn das eine oder andere Dienstleistungsunternehmen, Systemhaus oder Agentur seine Stellenanzeigen bei großen Jobportalen einstellt (die der iBusiness-Robot nicht crawlt): In aller Regel werden internetaffine Unternehmen ihren Stellenbedarf doch zumindest auch auf der eigenen Homepage kommunizieren. Hier werden sie erfasst, sofern das technisch automatisiert möglich ist. Sofern das ausschreibende Unternehmen eine iBusiness-Premium-Mitgliedschaft abgeschlossen hat, werden die gefundenen Stellenausschreibungen anschließend auf iBusiness.de/jobs für den direkten Zugriff bereitgestellt.

Zahl der Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 41/2023
Zahl der Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 41/2023 (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Deutlich zu sehen ist, dass nach einem All-Time-High zum Jahresanfang die Zahl der auf den Webseiten der Unternehmen ausgeschriebenen Stellenanzeigen kontinuierlich fällt. Der Beginn des zweiten Quartals - zwischen Ostern und Erstem Mai - ist offenbar keine gute Zeit für Stellenausschreibungen und mit dem Ende des 3. Quartals - zur Dmexco-Woche im September - geht die Zahl der ausgeschriebenen Positionen deutlich zurück.

Allerdings: Die Zahl der geschalteten Stellenanzeigen bleibt das ganze Jahr über hoch: Lediglich im Oktober 2023 sinkt die Zahl der von unserem Jobrobot gefundenen Interaktiv-Jobanzeigen unter die Marke von 7.000 - wenn auch nur ganz leicht. Das bedeutet: Die Zahl der zu besetzenden Stellen in Deutschlands Digitalagenturen ist zwar aktuell zehn Prozent niedriger als vor einem Jahr - aber branchenweit eben nie wirklich klein. In den vergangenen Jahren ist die Personalnot kontinuerlich gewachsen, die Zahl der ausgeschriebenen Stellen liegt so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

Die aktuelle Oktoberdelle korrespondiert mit dem Gesamtarbeitsmarkt: Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 165.000 Arbeitslose gestiegen, so die Bundesagentur für Arbeit  . Die übliche Herbstbelebung am Gesamt-Arbeitsmarkt fiel damit aus.

Im Digitalmarkt gingen die Stellenanzeigen überdurchschnittlich zurück im Vergleich zum Vorjahr im Segment Design (minus 28 Prozent), Programmierung (-16%), Content (-15%) und Onlinemarketing (-14%), während mehr Menschen für Office- und Administrationsjobs (plus 6%) gesucht wurden.

Standzeit der Stellenanzeigen steigt wieder

Die durchschnittliche Standdauer einer Stellenanzeige ist ein Indiz dafür, ob eine Stelle besetzt werden konnte. Unser Robot überprüft dabei, wann eine einmal gefundene Stellenanzeige auf der jeweiligen Website nicht mehr auffindbar ist. Dabei wird dann der Durchschnitt ermittelt, wie lange die Stellenanzeigen online waren, die in der aktuellen Woche sichtbar waren. Das ergibt naturgemäß starke Schwankungen.

Standzeit von Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 43/2023
Standzeit von Stellenanzeigen auf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 43/2023 (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Aktuell liegt die Standzeit der ausgelaufenen Stellenanzeigen in den vergangenen zwölf Monaten bei durchschnittlich 128 Tagen. Das bedeutet: Die Stellenanzeige, die Personalverantwortliche der Internetwirtschaft heute abschalten lassen, weil die Stelle endlich besetzt worden ist, ist vor mehr als vier Monaten live gegangen. Dieser Wert ist niedriger als das, was wir vor der Pandemie gemessen haben: In den Jahren vor 2020 lag die Stellenanzeigen-Standzeit stabil bei rund 150 Tagen. In den vergangenen Wochen ist die Schaltdauer von Stellenanzeigen wieder leicht angestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter den Vor-Corona-Werten.

Dass der gleitende Durchschnitt der Standzeit aller Stellenanzeigen das gesamte vergangene Jahr konstant zwischen drei und vier Monaten liegt, kann an der gestiegenen Wechselwilligkeit der Interaktiv-MitarbeiterInnen (und dem hohen Abwerbedruck) liegen. Bessere Gehälter, wachsendes Angebot (und vielleicht der Wunsch nach Veränderung) hat wohl zur Folge, dass Mann und Frau sich vermehrt bei (tatsächlich oder vermeintlich) attraktiveren Arbeitgebern bewerben. Der Personalmarkt scheint sich also wieder schneller zu drehen.

Der Unterschied bei der Nachfrage nach einzelnen Berufsgruppen wächst

Wir werten die Zahl der geschalteten Stellenanzeigen nach den einzelnen Berufen aus. Traditionell werden besonders viele ProgrammiererInnen gesucht: Aktuell haben wir rund 1.400 Programmier-Stellenanzeigen gefunden, aber nur jeweils rund 200 Stellenanzeigen für Mitarbeitende für Content, für SEO/SEA oder für E-Commerce.

Zahl der Stellenanzeigen für Programmierung, Technik, Onlinemarketing, Consulting, Projektleitung, Office/Administration, Content, SEM/SEO, E-Commerce, Design, Vertrieb, Projektleitung und Konzeptionauf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 43/2023 ,,,
Zahl der Stellenanzeigen für Programmierung, Technik, Onlinemarketing, Consulting, Projektleitung, Office/Administration, Content, SEM/SEO, E-Commerce, Design, Vertrieb, Projektleitung und Konzeptionauf iBusiness.de/jobs KW 42/2022 - KW 43/2023 ,,, (Grafik: iBusiness.de/jobs)


Am meisten gefragt sind Mitarbeitende in den Gewerken
  • Programmierung (durchschnittlich 1.578 Stellenanzeigen in den vergangenen zwölf Monaten)
  • Technik (1.143)
  • Design (809)
  • Onlinemarketing (686)
  • Consulting (657) sowie
  • Vertrieb (638)

In fast allen Gewerken haben wir im Vergleich zum Oktober des Vorjahrs weniger ausgeschriebene Stellen gezählt, am niedrigsten war der Rückgang bei Consulting-Mitarbeitenden (-2%) und Sales (-4%). Lediglich Administration-Jobs wurden öfter ausgeschrieben als noch im vergangenen Jahr. Überdurchschnittlich weniger gesucht werden aktuell Designerinnen und Designer. Hier ist der Rückgang mit 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr besonders hoch. Die Zahl der Design-Stellenausschreibungen ist seit drei Monaten konstant unter dem Jahresdurchschnitt. Das können bereits die ersten Auswirkungen von KI-Bildalgorithmen sein. Oder es handelt sich um die Auswirkungen von Sparmaßnahmen der Unternehmen, die weniger Frontend-Launchs und -Relaunchs ausschreiben.

Die Standzeit von Programmierungs-Stellenanzeigen ist mit durchschnittlich 6,2 Monaten am längsten. Auch SpezialistInnen im E-Commerce und SEM/SEO werden mühsamer gefunden. Hier beträgt die durchschnittliche Dauer vom Schalten einer Stellenanzeige auf der eigenen Website bis zum Abschalten über fünf Monate. Hier scheint es so zu sein, dass die entsprechenden Stellenanzeigen von vielen Agenturleitungen standardmäßig ohne Unterbrechung geschaltet sind: Man braucht solche Leute ja sowieso immer. Das gilt mit Einschränkungen auch für Mitarbeitende im Onlinemarketing sowie Projektleitungen.

Händeringend gesucht: Design-, Onlinemarketing- und Programmier-Profis

Wir haben die durchschnittliche Standzeit von interaktiven Stellenanzeigen der einzelnen Gewerke auf der horizontalen Achse abgetragen und vertikal die durchschnittliche Zahl von Stellenanzeigen eingetragen. Als Ergebnis bilden sich vier Quadranten, aus denen die aktuelle Nachfrage nach Interaktiv-Expertinnen und -Experten hervorgeht:

Zahl und Standzeit von Stellenanzeigen nach Berufsgruppe in der Interaktiv-Branche
Zahl und Standzeit von Stellenanzeigen nach Berufsgruppe in der Interaktiv-Branche (Grafik: iBusiness.de/jobs)

  1. Schnell besetzt, wenig Nachfrage (blau): In Sachen Konzept, Training, Administration und Content sind weniger als 300 Stellen gleichzeitig ausgeschrieben. Durchschnittlich sind Stellenanzeigen drei Monate oder weniger online, bis die Stelle besetzt ist. Nur Administrations-Mitarbeitende werden von mehr Unternehmen gesucht, Content-Profis sind schwieriger zu finden. Generell gilt aber, dass diese Gewerke eher leichter zu besetzen sind.
  2. Gesuchte SpezialistInnen (magenta): Projektleitungen, SEM/SEO- sowie ECommerce-Profis werden ebenfalls nicht so viel gesucht - die Stellenbesetzung dauert aber vier bis sechs Monate - mindestens.
  3. Großer Markt für Jobhopper (orange): Vertriebler, Consultants und TechnikerInnen werden von vielen Agenturen, ECommerce- und Dienstleistungsunternehmen gesucht, die Stellen sind aber durchschnittlich binnen drei Monaten zu besetzen. Offenbar ist die Fluktuation hier recht hoch.
  4. Hoher Bedarf, kaum zu finden (grün): Auch wenn der Bedarf bei Designerinnen und Designern zurückgeht: Sie werden immer noch von vielen Unternehmen gesucht - ebenso wie Onlinemarketer. Ausreißer nach oben sind ProgrammiererInnen: Dem enorm hohen Bedarf steht ein hoher Nadel-im-Heuhaufen-Faktor gegenüber: In diesem Feld der Expertise wird wohl wenig oft gewechselt, weswegen Abwerbungen schwieriger sind als in anderen Berufen.
Thema: Die Nadel im Heuhaufen

Kommentar von Joachim Graf

Weniger Design

Sie suchen Mitarbeitende mit Programmierkenntnissen und finden keine? Sie sind mit diesem Problem nicht allein. Ganz und gar nicht. Oh, nein.

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 (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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