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Trendwende: Deutscher Onlinehandel wächst wieder
08.07.2024 Die positiven Signale des Jahresanfangs bestätigen sich: Der deutsche Onlinehandel ist im zweiten Quartal 2024 zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder gewachsen. Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender BEVH-Hauptgeschäftsführer: "Wir sehen die Anfänge einer Normalisierung am Markt"
"Wir sehen die Anfänge einer Normalisierung am Markt", freut sich Martin Groß-Albenhausen , stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BEVH . Um das Ende der Konsumkrise auszurufen sei es aber noch zu zu früh, "da bereits die nächsten Unsicherheitsfaktoren warteten. Ob in Deutschland, Europa insgesamt oder den USA: Überall sehen wir politische Destabilisierung und geopolitische Konflikte, die eine Rückkehr zum Wachstum ausbremsen können. Dazu kommen nun Berichte über zahlreiche Insolvenzen, die die Menschen eher zum Sparen treiben.". Hintergrund der Erholung sei, dass die Einkommen die Teuerung der vergangenen Jahre - seit 2019 etwa 20 Prozent - nicht nur überkompensiert hätten, sondern nun auf eine deutlich geringere Inflationsquote träfen.
Aussichten für Onlineshops nach wie vor schwierig
An den Aussichten vieler Unternehmen werde sich auch nach Rückkehr der Kundschaft nach seiner Ansicht wenig ändern: "Die massiven Umsatzeinbrüche der vergangenen zwei Jahre sind längst nicht eingeholt, gleichzeitig melden unsere Händler weiterhin deutlich steigende Kosten für Beschaffung, Compliance, Personal und Energie. Der aktuelle Umsatztrend müsste anhalten und noch stärker ausfallen, um die Unternehmen zu tragen", beschreibt Groß-Albenhausen.Eine Stichprobe unter BEVH-Mitgliedsunternehmen bestätigten den aktuellen Markttrend. Die teilnehmenden B2C-Onlinehändler konnten seit dem Jahreswechsel im Mittel um mehr als 1,5 Prozent wachsen. Die Meinung, dass die deutsche und europäische Gesetzgebung die Unternehmen zurückhält, teilt fast jede/r Zweite. 42 Prozent sehen mögliches Wachstum durch geplante Regulierungsmaßnahmen gefährdet. Mehr Regulierung erwarten die Handelsunternehmen bei Temu & Co: Während gerade einmal 13 Prozent der befragten Unternehmen einen direkten negativen Einfluss asiatischer Plattformen auf ihr Geschäft sehen, stimmen 54,2 Prozent der Aussage zu, dass die mangelnde Durchsetzung von EU-Recht gegenüber Anbietern aus Drittstaaten ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.
Markplätze dominieren den Onlinehandel
Auffällig ist, dass aktuell die gesamte Erholung im E-Commerce von Marktplätzen getragen wird: Der Versendertyp konnte als einziger im 2. Quartal zulegen (plus 2,3 Prozent) und kommt im gesamten bisherigen Jahresverlauf auf einen Marktanteil von 55,0 Prozent. "Wir erleben eine Plattformisierung des E-Commerce: Onlineshops öffnen sich zunehmend für Hersteller oder andere Händler als Verkaufspartner und bilden sich zu Marktplätzen aus, deren Zahl und Vielfalt weiterwächst", erklärt Groß-Albenhausen.Diesen Zuwächsen stehen derzeit Rückgänge bei den Herstellerversendern (D2C-Handel) gegenüber, die im 2. Quartal 11,7 Prozent weniger über den eigenen Verkaufskanal absetzten. Multichannel-Händler generierten 1,6 Prozent weniger Umsätze über ihre eigenen Onlineshops. Hier wie auch bei den Herstellerversendern ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Anbieter vielfach auch über Plattformen verkaufen, so dass aus Unternehmensperspektive eine positivere Bilanz der ECommerce-Entwicklung gezogen werden könnte. Die Umsätze von klassischen Onlineshops (minus 0,6 Prozent) blieben nahezu unverändert.
Buch und Bürohandel verlieren, Lebensmittel, Haushalts- und Tierbedarf wachsen
Zu den Verlierern gehören die Cluster Bücher (-8,7 Prozent), Elektronikartikel und Computer (-4,7 bzw. 2,7 Prozent) sowie Spielwaren (-3,9 Prozent und Bürobedarf (-6,8 Prozent).Alle anderen Segmente wachsen, selbst der Schuh-/Modehandel (2,9 Prozent). Am stärksten ging es bei Lebensmittel (6,2 Prozent), Haushaltswaren (3,4 Prozent) und Tierbedarf (3,3 Prozent) gegenüber dem Vorjahr nach oben.
