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Burdas Google-Bashing ist ein Hilferuf

02.07.2009 Der Verleger Dr. Hubert Burda hat mit seiner Forderung nach Staatsschutz für Verlage im Internet eine Debatte angeheizt. Vordergründig geht es um mehr Leistungsschutzrechte und rechtliche Vorgaben durch den Staat. Tatsächlich fürchten Alt-Verlage um ihre bisherigen Online-Geschäftsmodelle.

Eigentlich kann es nicht überraschen, dass der frisch wiedergewählte Präsident des Zeitschriftenverlegerverbandes   ein markiges Statement zur Diskussion um die Leistungsschutzrechte von Verlagen abgibt. Bemerkenswert daran ist aber, dass Dr. Hubert Burda dies in Gestalt eines Verlegers tut.

In einem Gastbeitrag für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung   hatte er unter der barmenden Schlagzeile "Wir werden enteignet!" insbesondere das Suchportal Google   ins Visier genommen. Tenor seiner Klage: Der Löwenanteil der durch die journalistischen Angebote generierten Online-Werbung lande nicht bei den Herstellern - also bei Medienunternehmen wie Burda - sondern bei den Suchmaschinen. Dies sei, ahnt Burda, "kein tragfähiges Geschäftsmodell für journalistische Qualität im Internet".

Diese Klage ist nicht neu. Neu ist aber, dass Verleger Burda seine "Pennies" nun erneut anstimmt. Schließlich war gerade er es in den vergangenen Jahren, der viel Geld ins neue Medium (Focus Online  , Playboy.de  , Bunte.de  , u.a.) investierte und immer bereit war, ein Hohelied auf die Geschäftserfolge des Online-Mediums anzustimmen. Diese Zeiten sind wie die Euphorie der Vergangenheit wohl vorbei.

Die Diskussion um tragfägige Business-Modelle für Tageszeitungen und Verlage im und durch das Internet wird international geführt. Während gedruckte Tageszeitungen vor allem in den USA dahinsiechen oder (wie zuletzt Boston Globe) ganz verschwinden unter dem Druck wegbrechender Leserschichten und schmelzender Anzeigenerlöse, wollen die Auftritte im Netz nur selten zur Geldkuh mutieren.

In den USA haben Verleger immer mal wieder überlegt, ihre Angebote in einer konzertierten Aktion nur noch gegen Gebühr zugänglich zu machen. Allein das strenge Kartellrecht ließ die Paid-Content-Rebellen immer wieder vor der Tat zurückzucken. Auch aus deutschsprachigen Ländern werden immer wieder Überlegungen laut, einen Teil des Angebots kostenpflichtig zu machen. Von der Ankündigung bis zur Verwirklichung fehlt meist - noch - der Mut.

In diesen dunklen Teich schwacher Geschäftsgrundlage hat Burda nun weitere Steine geworfen. Denn sein flammender Appell enthält auch Vorschläge zur Lösung: Die Leistungsschutzrechte für Verwerter (bisher nur Filmproduzenten und Musikverlage) sollen auf die Verlage ausgeweitet werden. Über diesen juristischen Hebel hofft er, "an den Erlösen der Suchmaschinen fair und zu überprüfbaren Konditionen zu partizipieren. "Zur Erreichung dieses Ziels wird nicht nur auf Dialog gesetzt, sondern auch auf "die Unterstützung des Gesetzgebers."
Dass mit den Suchmaschinen vor allem eine gemeint ist, nämlich der Marktführer Google, schrieb Burda selbst. Und er hat damit offensichtlich einen Nerv getroffen, wie die zustimmenden Reaktionen von Online-Chefredakteuren zeigen. Google scheint dort nicht nur unverzichtbares Recherchetool zu sein, sondern firmiert zugleich unter Synonymen wie "Monopolist" oder "digitaler Parasit".

Zustimmung kommt beispielsweise von Peter Würtenberger , Chief Marketing Officer bei Axel Springer  , der die Kritik von Hubert Burda an Google "verständlich" findet. Würtenberger wies deutlich darauf hin, dass Google den Content der Verlage als kostenloses Vermarktungsasset nutze, berichtet Horizont  . Mit Blick auf Paid-Content-Modelle befeuert der Springer-Manager die Diskussion um die Kultur-Flatrate mit einem Hinweis auf GEMA-ähnliche Lösungen. Denkbar sei, dass beispielweise beim Kauf eines Computers eine Internet-Abgabe eingepreist sei. Davon könnten dann auch journalistische Angebote profitieren.

Doch es gibt auch Abweichler: Der Chefredakteur der Online-TAZ  , Matthias Urbach, sieht die Verlage auf der Gewinnerseite - schließlich würde die Suchmaschine den Verlagen Milliarden von Klicks zuführen. Gleichlautend hat Google-Vizepräsident David C. Drummond argumentiert. Überdies äußerte sich Drummond "frustriert, ständig für die schwierige Situation der Zeitungen verantwortlich gemacht zu werden".

Medienbloggerin Ulrike Langer setzte auf Medial Digital   mit "Dann boykottiert doch Google" noch einen drauf. Sie sieht die Verlinkung als Dienstleistung, für die ja auch Geld verlangt werden könnte. Wer im übrigen eine solche Dienstleistung nicht wolle, könne dies bereits heute mit einem Klick verhindern.

Andere Verlage sind bereits weiter: Die Axel Springer AG   positioniert sich mittelfristig als Multichannel-Medienunternehmen. Denn in zehn Jahren, so die Pläne des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner , sollen 50 Prozent der Umsätze aus dem Onlinegeschäft generiert werden. Der Schlüssel dazu heißt Paid Content. Derzeit erzielt das Unternehmen bereits 17 Prozent des Umsatzes und acht Prozent der operativen Ergebnisses aus dem Onlinegeschäft. Damit ist Springer das dritte große deutschsprachige Verlagshaus, das sich für Bezahl-Inhalte ausspricht. Wie iBusiness berichtete, hat die Neue Züricher Zeitung   angekündigt, ihre Einbrüche im Werbeumfeld durch Paid Content auffangen zu wollen. Auch das Handelsblatt   bietet Inhalte auf seiner Webseite gegen Geld an.

Wie die Gescholtenen heraufziehenden Gebühren begegnen, hat Google bereits bei den Videoclips vorexerziert: Nach ultimativen Zahlungsaufforderungen der Rechteverwerter, ließ Google die Links und Clips aus ihrem Angebot nehmen. Das wiederum war den Initiatoren aus der Musikindustrie gar nicht recht. Ganz ähnlich könnte es Forderungen nach höherer Erlösbeteiligung von Verlagen durch Suchportale ergehen.

Vor diesem Hintergrund wären Verleger und ihr Präsident gut beraten, zunächst ihre eigenen Business-Modelle im Internet zu überdenken und gegebenenfalls auf eine neue Grundlage zu stellen. Bevor sie nach Zwangsabgaben durch staatliche Hilfe rufen. Denn das würde genau jene Abhängigkeiten befördern, gegen die in Sonntagsreden so gerne Barrikaden bestiegen werden.

Thema: Burdas Google-Bashing ist ein Hilferuf

Kommentar von Frederik Birghan

Digitaler Parasit

Das Geschäftsmodell vieler Printverlage, die Online-Angebote betreiben, funktioniert nicht. Die einsickernde Erkenntnis befördert manch seltsame Idee. Zum Beispiel zur Rolle von Google.

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 (Privat)
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