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Was es bedeutet, wenn eine Firma aus China die billigste KI anbietet
21.03.2025 Deutschland hat keine KI, aber eine chinesische Suchmaschine: Wie müssen Agenturen mit dem zunehmend unkontrollierbaren AI-Markt umgehen? Ein Leitfaden anhand Baidus Ernie 4.5.
Denn dann würde auch ein Datenschutz-Evangelist wie Bennefeld "nicht zurückschrecken, Ernie mal auszuprobieren. Wenn man es lokal laufen lässt, gehen keine Daten raus. Läuft es über einen Dienstleister wie AWS , dann könnten natürlich AWS Informationen abgreifen, doch das sind die gleichen Sorgen wie bei allen anderen Cloudsystemen." Derart integriert, könnte Ernie für Retrieval-Augmented Generation eingesetzt werden, eine Technik, die neue Informationen abgreift und verwendet, so ließe sich etwa "der verborgene >Infoschatz in Unternehmen heben."
Für den Markt bedeutet Ernie, dass KI bis auf weiteres noch als Erfolgsfaktor eingeschätzt wird: Während nahezu alle Bewertungen dank Trumps Kamikaze-Politik sanken, verzeichnete Baidu ein Plus , sicher wegen Ernie und dem Hype, den neue, hochleistungsfähige KIs noch immer auszulösen imstande sind. Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Börse (noch) ebenso hysterisch schnell Abwertungen verteilt: Wird ein arriviertes Modell von einem Newcomer angegriffen, bricht der eben noch gepushte Kurs auch schnell wieder ein. In der Konsequenz wird mittelfristig kein Unternehmen ohne KI-Expertise solide agieren können - ein Betätigungsfeld für die beratende Agentur.
Eine KI mit einer Suchmaschine zu verwechseln, kann das Business töten
Die sollte vor allem auf dem Schirm haben, wie voreingenommen KIs agieren: So zeigt sich bei Ernie, dass er alle Suchanfragen, die auch nur peripher ins Regimekritische wandern, sabotiert: So findet das Tian'anmen-Massaker in Ernies Antwort-Repertoire nicht statt. Auch DeepSeek operiert ähnlich, allerdings mit einer Note ebenso unfreiwilliger wie makabrer Komik: ""DeepSeek generiert zwar eine Antwort, aber dann wird der Text gelöscht und durch den Hinweis, eine Antwort sei nicht möglich, ersetzt", sagt Bennefeld, der darauf hinweist, dass dieser Bias nicht nur für chinesische Modelle gilt. "Auch in US-KIs wird in einem Wertesystem operiert, das von unserem abweicht: Elon Musks KI Grok verschweigt kritische Infos zu seiner Person und zu Donald Trump." Und es ließe sich nicht sagen, inwiefern in Falcon , eine KI aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Agenda der Ursprungsländer einfließt: "Es macht mir Angst, wie unreflektiert Agenten hier benutzt werden. Sie sind keine Suchmaschinen, werden aber zunehmend so genutzt."
Der Handlungsbedarf für Agenturen und Firmen
Die Zukunft der Agenten-Nutzung dürfte deswegen so aussehen wie die Zukunft des Video-Streamings: Wer das ganze Bild sehen will, muss mehrere Anbieter nutzen. "Firmen und Agenturen werden mit mehreren Modellen arbeiten, sie werden die Infos prüfen und vergleichen müssen", denkt Bennefeld: "Vielleicht sehen wir bald eine KI-Metasuchmaschine, die via Metamodellgeneration mehrere Ergebnisse liefert."Als Fazit kann man bei Ernie 4.5 noch nicht von akutem Handlungsbedarf sprechen, aber von einem akuten Beobachtungsbedarf für Agenturen und Firmen, sagt Bennefeld: "Man muss die chinesische Industrie verfolgen, sie besitzt extrem viel Geld und extrem viele Wissenschaftler. Daher sollte man Ernie zum Ercheinungstermin Ende Juli mal installieren und testen." Denn wirklichen Aufschluss über die Qualität eines Modells gebe "immer nur der Selbsttest im eigenen Umfeld, im echten Betrieb."
