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Banken-Disruptionsstudie: "Es ist noch nicht zu spät zu handeln"
07.12.2015 Die traditionelle Rolle der Banken als Finanzintermediär wird durch den tiefgreifenden Strukturwandel als Folge der Digitalisierung sowie den Eintritt neuer branchenfremder Wettbewerber zunehmend gefährdet. Welche Herausforderungen sich für Banken ergeben, wie die Banken reagieren und welche Strukturveränderungen im Wettbewerb es geben wird, hat die Sparda-Bank Hamburg mit dem Steinbeis CFin - Research Center for Financial Services untersucht.
- Neben den Auswirkungen des durch die Digitalisierung getriebenen Strukturwandels im Finanzdienstleistungssektor, stehen die Banken in den kommenden Jahren vor einer Reihe weiterer, bedeutender Herausforderungen.
- So sehen 99 Prozent der Studienteilnehmer den Kostendruck und die sinkenden Erträge als zukünftig größte Herausforderungen an, gefolgt von der Umsetzung regulatorischer Vorgaben (93 Prozent) sowie den Auswirkungen der anhaltenden Niedrigzinsphase (90 Prozent). Diese Themen werden aktuell sogar wichtiger als die Bedrohung durch neue Wettbewerber (80 Prozent) erachtet.
Reaktionen der Banken auf das veränderte Umfeld
- Als Reaktion auf diese Veränderungen rechnen 97 Prozent der Studienteilnehmer mit einem Cost Cutting in Form von Filialschließungen und Umstrukturierungen sowie einer Vielzahl an Fusionen (88 Prozent). Von diesen Entwicklungen werden vor allem die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen, die über ein flächendeckendes Filialnetz verfügen, betroffen sein.
- Als wesentlicher Schlüsseltrend wird vor allem die Digitalisierung der Vertriebswege, Bankprodukte und Geschäftsprozesse gesehen. Dabei steht vor allem das Thema Vernetzung im Vordergrund. 93 Prozent der Studienteilnehmer halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich bis zum Jahr 2025 mobile Endgeräte mit sozialen Medien vernetzen, wodurch sich neue Kundenkontaktpunkte sowie digitale Möglichkeiten zur individuellen Angebotsgestaltung ergeben.
- Trotz der fortschreitenden Digitalisierung geht die Mehrheit der Studienteilnehmer jedoch nicht davon aus, dass sich digitale Währungen, wie Bitcoin, etablieren werden, wobei Banken und Nichtbanken dabei eine unterschiedliche Meinung vertreten.
- Die befragten Banken-Vertreter glauben noch weit überwiegend (87 Prozent) an die Zukunft des Bargeldes. Etwa die Hälfte der Nichtbanken-Studienteilnehmer gibt aber schon digitalen Parallel-Währungen eine Chance.
Strukturveränderungen im Wettbewerb
- Daneben entstehen durch die hohe Marktdynamik deutliche Veränderungen in den Markt- und Wettbewerbsstrukturen. Profiteure dieser Entwicklungen sind vor allem IT-Konzerne und Start-ups, welche ihre Marktanteile zu Lasten der Banken in den kommenden Jahren stark ausbauen werden.
- Als größte Wettbewerber werden dabei von 92 Prozent der Studienteilnehmer vor allem große Internetkonzerne wie Google und Apple gesehen, welche Zugriff auf die Daten des Kunden haben möchten. Daneben werden Zahlungsverkehrsanbieter bzw. -provider (90 Prozent) sowie Start-ups (71 Prozent) als kommende Herausforderer gesehen.
- Um in diesem Umfeld bestehen zu können, ist es notwendig, dass sich die Banken ihrer Stärken in Form von Vertrauen und qualifiziertem Personal bewusst werden und diese in den Mittelpunkt ihrer Strategie stellen.
- Ein weiterer Aspekt, welcher für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Banken eine elementare Rolle spielt, ist das Innovationstempo. Die Banken müssen zwar nicht zum Innovationsführer werden (73 Prozent), jedoch sollten die Prozesse flexibler gestaltet werden, um zeitnah auf entsprechend neue Entwicklungen reagieren zu können. Hierzu kann es für Banken nützlich sein, die Impulse aus anderen Branchen bei der Angebotsgestaltung zu nutzen. Vor allem der Handel (86 Prozent) sowie Telekommunikationsunternehmen (63 Prozent) werden von den Studienteilnehmern als besonders geeignet erachtet.
- Zusätzlich ist eine Anpassung der Vertriebswege erforderlich. Zwar wird nach Meinung der Studienteilnehmer die Filiale weiterhin ihre Berechtigung haben, insbesondere bei komplexen Beratungsthemen, jedoch sind 71 Prozent der Meinung, dass die Bedeutung der Filiale bis 2025 in den Hintergrund geraten und durch den Vertrieb über Smartphones (97 Prozent) und das Internet (97 Prozent) verdrängt wird.
Für die Studie "Next Generation Banking" wurden 116 Vorstände und Führungskräfte aus dem Banken- und Nichtbanken-Sektor befragt.

