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Paypals geheime Wachstumsstrategie

12.03.2015 Paypal ist die unangefochtene Nummer eins im Online-Payment. Aber das reicht dem Bezahldienstleister nicht. Schritt für Schritt erobert er weitere Geschäftsfelder am Finanz- und Zahlungsmarkt und attackiert damit immer mehr Dienstleister. iBusiness hat sich die Geschäftsfelder von Paypal genauer angeschaut und analysiert, welche Strategie dahinter steckt und welche Geschäftsmodelle das Unternehmen angreifen will.

 (Bild: Paypal)
Bild: Paypal

HANDLUNGSRELEVANZ

 
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heute
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Die iBusiness-Handlungsmatrix zeigt, wie langfristig die vorgestellten Aufgaben angegangen werden müssen.
Was zu tun ist:
Heute: Paypal ist Pflicht in (fast) jedem Bezahlmix ...
Morgen: ... und das wird sich in mittlerer und ...
Übermorgen: ... fernerer Zukunft nicht ändern.
Im Monatsabstand bringt Paypal   neue Zahlungsdienstleistungen auf den Markt, kündigt Übernahmen oder andere Aktivitäten an. Kaum ein Internetunternehmen ist zurzeit so aktiv wie der Bezahldienstleister - was sicherlich auch mit der für Ende 2015 geplanten Trennung vom Mutterkonzern Ebay   zusammenhängt: Paypal macht sich fit für den angekündigten Börsengang und setzt alles auf Innovation, Wachstum und eine möglichst positive Börsenstory.

Dabei hat es Paypal - anders als zum Beispiel Zalando   - gar nicht nötig, seine Geschäftszahlen vor dem IPO mit Hängen und Würgen nach oben zu heben. Schließlich ist Paypal schon seit Jahren das Zugpferd des Ebay-Konzerns:
  • Paypal wächst stark: Der Umsatz erhöhte sich in 2014 um 19 Prozent auf 7,9 Milliarden Dollar.
  • Paypals Umsatzanteil an Ebay steigt konstant. 2014 betrug er bereits 44 Prozent.
  • Jeden Tag werden über Paypal Käufe im Gesamtwert von 624 Millionen Dollar abgewickelt. Das sind 228 Milliarden Dollar im Jahr 2014.
    Umsatzentwicklung von Ebay und Paypal
    Umsatzentwicklung von Ebay und Paypal (Grafik: Statista) Quelle: http://de.statista.com/infografik/1277/umsatz-der-ebay-segmente-marketplace-und-payments/
  • Ein Viertel der Paypal-Zahlungen wurden auf mobilen Endgeräten ausgeführt - das entspricht 20 Prozent des Bezahlvolumens im vergangenen Jahr.
  • Paypal kann auf 162 Millionen aktive Accounts aus über 200 Märkten verweisen und wickelt mehr als 100 Währungen ab.
Das ursprüngliche Kerngeschäft von Ebay, der Marktplatz, scheint sich immer mehr zum Klotz am Bein zu entwickeln. So titelt zum Beispiel die Welt  : "Ohne Paypal ist bei Ebay bald nichts mehr los". In der Tat ist zu erwarten, das Ebays Umsatzwachstum deutlich einbrechen wird, wenn Paypal nicht mehr an Bord ist. Aber: "Verwaltungsrat und Management glauben, dass Unabhängigkeit ab 2015 das Beste für die Unternehmen ist, um zusätzliche Werte für die Aktionäre zu schaffen." Das erklärt zumindest der Ebay-Chef John Donahoe nach der Bekanntgabe der IPO-Pläne.


Eine Neuerung nach der anderen

Paypals aktuelle und zukünftige Betätigungsfelder in der Interaktivbranche
Paypals aktuelle und zukünftige Betätigungsfelder in der Interaktivbranche (Grafik: HighText Verlag)
Seitdem verkündet Paypal eine Neuerung nach der anderen, wenn das Unternehmen dem Bereich Payment auch weitestgehend treu bleibt, wie die iBusiness-Interaktivlandkarte zeigt. Neu sind zum Beispiel das QR-Code-Plugin für Rechnungen, weitere Mobile-Payment-Varianten, die Übernahme des MPayment-Unternehmens Paydiant   oder das Bezahlarten-Bundel Paypal Plus für kleine und mittlere Händler. Paypal läuft nicht nur den deutschen Bezahlanbietern immer weiter den Rang ab. Auch der Vorsprung gegenüber den deutschen Banken im Bereich Bezahlen wird immer größer. Ein Beispiel dafür ist die Sparte E-Government, die Paypal still und leise versucht, an sich zu reißen: Immer mehr deutsche Kommunen, Städte und Länder bieten den Bürgern inzwischen Paypal als Zahlungsmittel, etwa für Knöllchen, Geldstrafen oder die Kfz-Anmeldung. Auch hier gehen die deutschen Banken leer aus - und das, obwohl man dabei die lokal normalerweise gut verankerten Volks- und Raiffeisenbanken   und Sparkassen   im Vorrecht sehen könnte. Schließlich sind die Städte, Gemeinden und Kreise in der Regel Träger oder Miteigner der genossenschaftlichen Regionalbanken.

Nicht zuletzt steht immer noch die Frage im Raum, ob Paypal in Zukunft zu einer eigenen Bank mit allen Drum und Dran wird. Eine europäische Banklizenz für Luxemburg hat das Unternehmen schließlich längst. Zumindest das Handelsblatt zitiert einen Verbandsfunktionär der Sparkassen, der befürchtet, dass Paypal "in Kürze auch Girokonten und Kredite anbieten" würde.

Um die Konkurrenzsituation von Paypal gegenüber anderen Playern der deutschen Wirtschaft - darunter Banken, Bezahlanbieter oder Payment Service Provider, einschätzen zu können, hat sich iBusiness die Geschäftsfelder von Paypal einmal genauer angeschaut. Die folgende Übersicht zeigt, in welchen Bereichen der Finanzwirtschaft Paypal tätig ist, was das Unternehmen dort unternimmt und welche Geschäftsmodelle es attackiert.


Paypals Geschäftsfelder in der Finanzwirtschaft

In fünf Bereichen der Finanzwirtschaft haben wir die Geschäftsaktivitäten von Paypal analysiert. Nicht überraschend ist, dass Paypal in sämtlichen Bereichen des Zahlungsverkehrs aktiv ist. Darüber hinaus hat es in der Kreditwirtschaft und im B2B-Sektor den Fuß in der Tür. Abgesehen von der Finanzwirtschaft gehen einige Aktivitäten des Zahlungsdienstleisters sogar in Richtung Affiliate/Couponing und E-Commerce - diese listen wir als sechsten Bereich auf.


 (Bild: Ondrej Supitar/stocksnap.io)
Bild: Ondrej Supitar/stocksnap.io
Bild: Ondrej Supitar/stocksnap.io unter Creative Commons Lizenz by

1. Zahlungsverkehr

Paypal hat für jede Online-Bezahl-Situation eine Lösung. In den Bereich liegt auch der Ursprung des Unternehmens. Aber vor allem beim Bezahlen am POS - sei es mobil oder nicht - hat Paypal noch viel Nachholbedarf.

Geschäftsfeld Aktivitäten von Paypal und Konkurrenz
Kreditkarte Aktivitäten: In den USA bietet Paypal Kreditkarten   von Mastercard an, die mit dem Paypal-Konto verknüpft sind. Es gibt eine Prepaid und eine normale Variante. In Deutschland kann man sie allerdings bisher nicht beantragen.
Konkurrenz für: Alle Kreditkarten-Anbieter, von denen es in Deutschland neben den Banken selbst eine ganze Menge gibt. Die Frage ist aber, ob Paypal hier in Deutschland das Vertrauen ner Nutzer in Sachen Kreditkarte gewinnen könnte, um eine hohe Reichweite aufzubauen. Lohnen könnte es sich, denn die Kreditkarte ist ein vergleichsweise margenträchtiges Geschäft und die Verbreitung bei uns noch niedrig.
Mobile Payment am POS Aktivitäten:
  • "Einchecken mit Paypal" heißt die MPayment-Lösung des Zahlungsanbieters. Sie setzt nicht auf NFC, sondern der Kunde wird mit seinem Foto - oder neuerdings einer PIN - identifiziert. Inzwischen ist aus dem Pilotprojekt ein Netz mit gut 100 Gastronomen in Deutschland geworden. Der Einzelhandel steht bisher nicht im Fokus. Dafür aber Snackautomaten, für die es seit wenigen Monaten ebenfalls eine Einchecken-Lösung gibt.
  • Darüber hinaus hat das Unternehmen die Beacon- bzw. BLE-Technik getestet - ist aber skeptisch, ob die Nutzer sie akzeptieren, weshalb es vorerst kein konkretes Projekt gibt.
  • Auch beim Wearable-Payment ins Paypal von mit dabei. Auf den Samsung-Gear-2-Smartwatches ist die MPayment-Applikation von Paypal vorinstalliert, mit der Nutzer das "Einchecken" verwenden können.
  • Anfang März übernahm Paypal   das Unternehmen Paydiant, das Whitelabel-MPayment-Lösungen für Handelsunternehmen auf Basis von NFC und QR-Codes anbietet. Das bietet dem Unternehmen nun die Möglichkeit, NFC und andere Technologien auf kurzem Wege im M-Payment zu implementieren.
Konkurrenz für: Paypal ist einer der Anbieter, der im MPayment noch die besseren Chancen in Deutschland hat. Denn die Verbreitung und die Akzeptanz ist groß. Aber Paypal müsste sich auf eine Technik festlegen. Dann hätte es die Chance, alle anderen MPayment-Lösungen abzuhängen.
Online-Payment
Bezahlarten der Top-100-Onlineshops 2014
Bezahlarten der Top-100-Onlineshops 2014 (Grafik: HighText Verlag)
Aktivitäten: Paypal ist die unangefochtete Nummer eins der Online-Bezahlverfahren in Deutschland. Bei den Kunden ist es das zweitbeliebteste Zahlverfahren (79,1 Prozent) nach der Rechnung (88,8 Prozent). Wie eine iBusiness-Auswertung zeigt, setzten unter den Top-100-Onlineshops 75 Prozent Paypal ein - Platz zwei. Nun geht die Noch-Ebay-Tochter einen Schritt weiter und will mit Paypal Plus zusätzlich Lastschrift, Kreditkarte und Rechnung anbieten. Damit hat Paypal die wichtigsten Bezahlverfahren im Portfolio, was vielen mittleren und kleineren Onlineshops bereits ausreichen dürfte. Und das Risikomanagement - das gerade für den Rechnungskauf wichtig ist - gibt es obendrauf. Damit greift Paypal direkt die Payment Service Provider (PSP) an, die somit für viele Shops überflüssig werden dürften.
Konkurrenz für: Andere Online-Bezahlverfahren und PSP. Andere Zahlverfahren existieren neben dem Platzhirschen ohnehin nur in der Nische. In Zukunft werden auch die PSP einen Teil ihrer kleinen und mittleren Kunden an Paypal abtreten. In Zukunft könnten außerdem die großen deutschen Banken eine Konkurrenz zu Paypal anbieten, weil sie für Ende 2016 eine eigene Bezahllösung planen. Aber eine wirklich Konkurrenz dürften sie aufgrund des jahrelangen Vorsprungs nicht sein.
P2P-Überweisungen Aktivitäten: Paypal bietet es an, Geld an andere registrierte EMail-Adressen zu schicken. Sei es zwischen Freunden oder an den Besitzer des gemieteten Ferienhauses in Spanien.
Konkurrenz für: Anbieter von Auslandsüberweisungen. Innerhalb Deutschlands wird sich dieser Dienst nicht so schnell etablieren. Dafür ist die Gebühr von 1,9 Prozent plus 0,35 Euro zu hoch. Für Überweisungen ins EU-Ausland dürften sich die Kosten eher lohnen, da diese im Normalfall teuer sowie umständlich sind und viel länger dauern. Diese Geschäftsfeld greift Paypal definitiv an.
EC-Karte Aktivitäten: In Deutschland bietet Paypal nichts dergleichen an, aber in den USA können Nutzer eine Debit-Mastercard beantragen, mit der sie am Geldautomaten Geld abheben können.
Konkurrenz für: Da in Deutschland EC-Karten normalerweise nur in Kombination mit einem Girokonto herausgegeben werden, ist die Paypal-EC-Karte kein lohnenswertes Geschäftsmodell für Deutschland. Und damit auch keine Konkurrenz.
POS-Zahlterminals Aktivitäten: In Kooperation mit Orderbird   bietet Paypal iPad-Kassensysteme für den Point of Sale an und hat so auch die Hardware für die MPayment-Lösung "Einchecken" in petto. Darüber hinaus gehört zum Portfolio ein Bezahl-Dongle namens Paypal Here, der das Smartphone in ein Kartenlesegerät mit PIN-Eingabe verwandelt, aber in Deutschland nicht verfügbar ist.
Konkurrenz für: iPad-Kassensysteme und Bezahl-Dongles. Der Markt für iPad-Kassensysteme ist beschränkt auf kleine Einzelhändler, die auch den MPayment-Dienst nutzen möchten. Der Erfolg der iPad-Kassen steht und fällt also mit Mobile Payment und die Konkurrenz ist bisher überschaubar. Der Markt der Kartenlesegeräte fürs Smartphone ist ebenfalls eine Nische - hier ist Paypal aber einer der Anbieter mit den besten Zukunftschancen.
E-Government Aktivitäten: Diesen Markt mischt Paypal zurzeit auf, indem es immer mehr Kommunen und Städte als Kunden im Zahlverkehr gewinnt. Zum Beispiel können die Bürger aus Kaiserslautern ihre Strafzettel jetzt per QR-Code-Scan und PayPal zahlen. Bürger der Stadt können ihren Geldverkehr mit den Behörden über Paypal abwickeln. Der Bewohnerparkausweis, die Anmeldung zur Hundesteuer oder die Beantragung der Meldebescheinigung können damit seit einem Jahr im Dürener Online-Bürgerportal bezahlt werden. Und die Bewohner Hessens können bereits seit 2013 Gerichtskosten und Geldstrafen per Paypal begleichen.
Konkurrenz für: Banken. Hier hat Paypal einen neuen Markt erschlossen, den die Banken verschlafen haben. Denn seit Anfang 2015 sagt ein Gesetz, dass Bürger bestimmte Behördengänge inklusive Zahlung digital abwickeln können müssen. Die Sparkassen ziehen nun nach und bieten die Bezahllösung Girocheckout   an. Sie vereint Lastschrift, Kreditkarte, Giropay und Girocode. Mit Girocode können Nutzer der Banken-Apps einen QR-Code auf einer Rechnung scannen und mobil bezahlen. Diese Lösung dürfte aufgrund der Nähe der Sparkassen zu den Behörden in Zukunft ebenfalls gute Chancen haben. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Behörden mehrere Bezahldienstleister parallel anbieten - wie jeder Onlineshop. Dann entscheidet der Bürger, wie er zahlen möchte.


 (Bild: Franco Folini)
Bild: Franco Folini
Bild: Franco Folini unter Creative Commons Lizenz by-sa

2. Kontoführung

Im Bereich Kontoführung, einem klassischen Sektor der Banken, bietet Paypal bisher keine Aktivitäten an. Theoretisch ist ein Paypal-Girokonto zwar denkbar - wahrscheinlicher ist aber eine Wallet, mit der man neben dem Paypal-Konto auch Kredit-, EC- und Kundenkarten verwalten kann.

Geschäftsfeld Aktivitäten von Paypal und Konkurrenz
Girokonto, Tagesgeld Aktivitäten: Keine. Jedoch besteht theoretisch Potenzial, dass Paypal etwa Girokonten anbietet, schließlich verfügt es über eine Banklizenz in Luxemburg.
Konkurrenz für: Konkret ist das Szenario aber aus drei Gründen nicht. Erstens besteht die Banklizenz schon seit 2007, es halt sich also in fast acht Jahren nichts getan. Zweitens ist der Markt hierzulande mehr als gesättigt, angesichts der mehr als 2.000 Kreditinstitute in Deutschland. Und drittens sind die Margen beim Girokonto klein und lohnen sich für Paypal kaum.
Onlinebanking Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
Filialgeschäft Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
Wallet-Lösungen Aktivitäten: Keine. Es ist denkbar, dass Paypal in Zukunft eine vollwertige Wallet anbietet.
Konkurrenz für: Wallet-Anbieter. Aber der Markt ist noch am Anfang seiner Entwicklungen und die Rollen sind noch nicht verteilt.


3. Sparen und Anlegen

In diesem Markt hat Paypal nicht zu melden, das Feld überlässt er anderen FinTech-Start-ups und den Banken selbst. Zu groß ist die Konkurrenz, zu hoch die Einstiegshürde.

Geschäftsfeld Aktivitäten von Paypal und Konkurrenz
Anlageberatung Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
Private Banking,
Vermögensverwaltung
Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
Spareinlagen Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -


 (Bild: Michal Jarmoluk Pixabay)
Bild: Michal Jarmoluk Pixabay

4. Kreditgeschäft

Echte Kredite bietet Paypal zwar nicht an, geht aber mit seinem Käuferkredit bereits in die Richtung, Geld für kleine Anschaffungen an Kunden zu verleihen.

Geschäftsfeld Aktivitäten von Paypal und Konkurrenz
Finanzkauf Aktivitäten: Seinen Kunden bietet Paypal seit wenigen Monaten den Käuferkredit an. Onlinekäufe, die über das Bezahlverfahren abgewickelt werden, können in Raten abbezahlt werden; den Kredit dafür stellt Paypal selbst zur Verfügung.
Konkurrenz für: Banken, die Mikrokredite für den Onlinekauf anbieten. Ihnen macht Paypal die Kunden streitig. Denn für diese ist es naheliegender und einfacher, einen Kredit direkt über den bevorzugten Zahlungsdiensleister abzuwickeln.
Privatkredite Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
Peer-to-Peer-Kredite Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz: -
Crowdfunding Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -


 (Bild: ECC-Handel, Hybris)
Bild: ECC-Handel, Hybris

5. B2B-Dienstleistungen

Abgesehen davon, dass Paypal natürlich die eigenen Geschäftskunden in Bezug auf ihr Onlinepayment betreut, wird Paypal auch im B2B-ECommerce immer wichtiger - wenn auch noch auf sehr niedrigem Level.

Geschäftsfeld Aktivtäten von Paypal und Konkurrenz
Firmenkunden- Betreuung Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -
B2B-Payment Aktivitäten: Zwar ist im B2B-ECommerce die Rechnung mit Abstand das wichtigste Zahlungsmittel. Paypal wird aber auch hier wichtiger. Unter anderem weil B2B-Einkäufer immer häufiger die Procurement-Abteilung umgehen, weil sie sie als Hindernisse für die Beschaffung betrachten. Und sie wünschen sich, wie sie es von Amazon und Co. kennen, dieselben Services wie im B2C-Handel. Dazu gehört die schnelle Zahlung per Paypal.
Konkurrenz für: Hier erschließt Paypal einen neuen Markt, der riesig ist, wie eine iBusiness-Analyse zeigt. Aber es wird noch eine Weile dauern, bis sich Online-Bezahlmethoden hier etablieren. So lang haben auch noch andere große Player Zeit, sich darauf vorzubereiten - selbst die Banken haben hier noch eine Chance, in Zukunft Bedeutung zu erlangen. Doch Paypal hat durch die Bekanntheit und die Internationalität die besten Marktchancen.
B2B-Kredite Aktivitäten: Keine.
Konkurrenz für: -


 (Bild: PublicDomainPictures/Pixabay)
Bild: PublicDomainPictures/Pixabay

6. Affiliate und E-Commerce

Heimlich, still und leiste betreibt Paypal ein Couponing-Portal und eine Geschenkgutschein-Börse. Im Fokus des Unternehmens scheinen sie aber nicht zu stehen.

Geschäftsfeld Aktivtäten von Paypal und Konkurrenz
E-Commerce Aktivitäten: Mit Digital Gifts betreibt Paypal in den USA einen größeren Shop für Geschenkgutscheine; mehr als 150 Anbieter sind dort gelistet. Im deutschen Pendant   gibt es bisher nur mickrige sechs Gutscheinanbieter.
Konkurrenz für: Keinen.
Affiliate/Couponing Aktivitäten: Selbst für Shopping-Coupons hat Paypal in den USA ein umfangreiches Portal  . Wesentlich überschaubarer ist die deutsche Variante  . Kein Wunder, schließlich funktionieren Coupons in den USA wesentlich besser als in Deutschland.
Konkurrenz für: Gutscheinportale. Wenn Paypal sein Portal ausbauen wollte, wäre das ein Leichtes - schließlich ist der Großteil der deutschen Shops ohnehin Paypal-Kunde. In dem Fall würde den gängigen Gutscheinportalen sicher ein wichtiger Teil der Kunden wegbrechen.


So sieht die Konkurrenz für Banken wirklich aus

Die Übersicht zeigt, dass Paypal den Banken bisher nicht deshalb das Leben schwer macht, weil es ihnen Geschäftsbereiche wegschnappt, sondern aus zwei anderen Gründen:
  1. ... weil Paypal neue Geschäftsbereiche erschließt, bei denen die Banken mal wieder zu langsam waren (erst kürzlich im E-Government) und die sehr lukrativ sind. Hier wird Paypal auch in Zukunft immer mindestens einen Schritt voraus sein. Unter anderem, weil Paypal den Vorteil hat, weit weniger reguliert zu sein als die Banken. Aber auch weil Paypal innovativer handelt und weniger bürokratisch agiert.
  2. ... weil Paypal den Kunden zeigt, wie digital, einfach und schnell Banking im 21. Jahrhundert sein kann. An diesem Anspruch messen die Kunden seitdem auch ihre Banken - und werden zurecht immer unzufriedener. Während Paypal stets den Nutzer in den Mittelpunkt stellt, pochen die Banken noch immer auf ihr Hoheitsrecht - und verlieren das Vertrauen der Anleger. Diese wenden sich Reihenweise anderen Finanzdienstleistern zu.
Dass sich Paypal langfristig zu einer Bank entwickelt, ist unwahrscheinlich. Schließlich sind viele der klassischen Bankprodukte eher unlukrativ, etwa das Girokonto. Außerdem ist der Markt mehr als gesättigt und Paypal würde sich - auch mit seiner immerhin inzwischen acht Jahre alten Banklizenz - in dieses Haifischbecken vermutlich nicht vorwagen. Warum auch? Das Onlinepayment ist ein äußerst lukratives und margenträchtiges Geschäft, in dem Paypal mit Abstand der größte Hai ist und sich vor niemandem fürchten muss. Die Usability für den Nutzer und damit die Marktanteile wird Paypal aber weiter verbessern.


Paypal will bei allen, wirklich allen Zahltransaktionen dabei sein

Für den Marktausbau hat das Unternehmen im Herbst einige interessante Tools gelauncht: Zum Beispiel Paypal Plus, das mehrere Bezahlverfahren für kleinere Onlinehändler vereint. Damit greift es direkt die Payment Service Provider an, die somit für viele Shops überflüssig werden dürften.

Die wichtigsten Payment-Player der Zukunft: Paypal hat in dieser deutschen Umfrage ganz klar die Nase vor Apple, den Banken oder anderen Bezahldienstleistern.
Die wichtigsten Payment-Player der Zukunft: Paypal hat in dieser deutschen Umfrage ganz klar die Nase vor Apple, den Banken oder anderen Bezahldienstleistern. (Grafik: ECC Köln) Quelle: http://www.ifhkoeln.de/News-Presse/Konsolidierung-im-Payment-Markt--Online-Haendler-bieten-im-S
Ebenfalls interessant ist Login mit Paypal. In Onlineshops, die Login mit Paypal anbieten, benötigen Käufer nur noch ihre Paypal-Zugangsdaten und müssen nicht mehr für jeden einzelnen Onlineshop ein eigenes Nutzerkonto erstellen und sich zusätzliche Passwörter merken. Bereits hinterlegte Angaben nicht-finanzieller Natur wie Name, EMail-Adresse und Anschrift werden an den Händler übermittelt. Diese Lösung dürfte gerade für kleine Onlinehändler interessant sein, um die Kaufhürde für neue Kunden zu reduzieren. Gleichzeitig befeuert es den M-Commerce, denn hier spielt die einfache Usability besonders viele Vorteile aus.

Online und Mobile sind weitere Bausteine in Paypals Strategie, die immer wichtiger werden; denn die Strategie ist klar auf Crosschannel-Payment ausgerichtet. Das zeigen die zahlreichen Tests im stationären Handel, wie das QR-Code-Shopping, die verschiedenen "Einchecken"-Varianten für den POS, das Beacon-Testprojekt oder die Zahllösung für Snackautomaten. Übergeordnetes Ziel von Paypal ist es, für den Nutzer überall, wo der bezahlen muss, verfügbar zu sein - und diesen Bezahlvorgang möglichst einfach und mit wenigen Schritten abzuwickeln.

Selbst wenn im Offline-Payment noch keine klare Linie erkennbar ist und sich Paypal noch zwischen den zahlreichen getesteten Varianten entscheiden muss, wird auch das mobile Bezahlen am POS in Zukunft Teil von Paypals Crosschannel-Lösung sein. Da wir aber in unserem speziellen Fall im Anti-MPayment-Land Deutschland leben, wird das Offline-Payment in den nächsten Jahren wohl erst mal in der Nische bleiben.
Thema: Paypals geheime Wachstumsstrategie

Kommentar von Verena Gründel

Von Paypal lernen, heißt Beacon lernen.

Paypal zieht sich in Deutschland erst mal vom Bezahlen über Beacons zurück - ein Indiz für die Zukunftsunfähigkeit der Technik.

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