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Besser überleben im Sommerloch: Was Shopbetreiber jetzt tun können

29.07.2016 Das ECommerce-Sommerloch 2016 ist tiefer als im Vorjahr, zeigt eine iBusiness-Analyse. Unsere Checkliste gibt zwölf Tipps, wie man jetzt gegen sinkende Umsätze gegensteuert.

Ein Sommerloch zieht Umsatz an und gibt ihn nicht wieder her (Bild: NASA)
Bild: NASA
Bild: NASA unter Creative Commons Lizenz by
Ein Sommerloch zieht Umsatz an und gibt ihn nicht wieder her

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TL;DR
Das Sommerloch wandert. Deswegen sollten Sie antizyklisches Marketing betreiben.
Ab Montag ist das Sommerloch des Jahres 2016 am tiefsten: Heute endet das Schuljahr in Bayern, Mittwoch startet das neue Schuljahr in Bremen und Niedersachsen. Drei Tage lang sind in sämtlichen deutschen Bundesländern Sommerferien. Doch bis zum 11. August - dann enden die Ferien im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen - ist die Republik im Sommermodus.

Allerdings fallen zumindest für den Präsenzhandel "die Auswirkungen dieser Sommerferien erstaunlich gering aus", wie Ferdinand Fichtner , Konjunkturforscher am DIW Berlin   bereits 2015 festgestellt   hat.

Für den Onlinehandel gilt das hingegen nur eingeschränkt. Preisvergleicher Billiger.de   sieht nach Analyse seines eigenen Traffics für Juni, Juli und August ein tiefes Sommerloch. Die ECommerce-Verantwortlichen reagieren darauf: Sie machen weniger Onlinewerbung, wie aus unserer SEA-Analyse hervorgeht. Dafür haben wir die Zahl der auf Google mittels Adwords   beworbenen Domains ermittelt, deren Anzeigentext und/oder Domainname darauf schließen lässt, dass es sich um ein ECommerce-Angebot handelt. Das Ergebnis ist eindeutig:

Die Zahl der mit Adwords beworbenen Domains, deren Anzeigentext und/oder Domainname darauf schließen lässt, dass es sich um ein ECommerce-Angebot handelt
Die Zahl der mit Adwords beworbenen Domains, deren Anzeigentext und/oder Domainname darauf schließen lässt, dass es sich um ein ECommerce-Angebot handelt (Grafik: The OverSEA/Xamine - iBusiness.de)


Hier erkennt man, dass es im Jahr 2015 überhaupt kein Sommerloch gegeben hat: Von Mai bis September bewegte sich die Zahl der beworbenen Onlineshops kontinuierlich bei rund 35.000. Doch die Zahlen, die wir mittels dem Service The OverSEA   von Xamine    für das Jahr 2016 ermittelt haben, zeigen ein anderes Bild. Nach dem Absturz im März (der auf Googles Reduktion der Adwords-Plätze zurückzuführen ist), fällt die Zahl der beworbenen ECommerce-Domains seit Mai kontinuierlich.

Das 2016er ECommerce-Sommerloch, bestehend aus schlechterem Wetter, Shop-Konzentration und sinkenden Renditen endet spätestens mit dem August. Ab Mitte August zieht in der Republik das Leben ja schon wieder an - und die Dmexco   kündet dann endgültig das Ende der ruhigen Sommerzeit an. Was Sie in der Zwischenzeit tun können:

1. Keine Ferien für das EMail-Marketing

Einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom zufolge lesen und beantworten 48 Prozent der Berufstätigen ihre E-Mails auch im Urlaub. Und immerhin rund jeder Fünfte macht während der Sommerzeit überhaupt keinen Urlaub, ist daher also ohnehin erreichbar. Grund genug, nicht auf den Newsletter und andere Mailings zu verzichten. Hinzu kommt: Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Emnid hat ergeben, dass viele Entscheider sich ganz bewusst Projekte und Ideen mit in den Urlaub nehmen, für die ihnen im stressigen Alltagsgeschäft oft die Zeit fehlt. Wenn Sie Ihre Leads und deren Interessen kennen, können Sie mit dem richtigen Content also vielleicht gerade zu diesem Zeitpunkt einen wichtigen Impuls geben.

2. Schaffen Sie besondere Kaufanreize

Tägliche Sonderaktionen mit Preisen abhängig von der Außentemperatur schaffen Platz im Lager. Auch Special Events wie die Suche nach dem Sommerloch mit Zehn-Prozent-Rabatt-Coupon lassen Kunden durch den eigenen Shop klicken. Dreingaben zur Bestellung, die thematisch zum Sommer oder zum Shop passen, beispielsweise USB-Ventilatoren, Strandtücher oder Kühltaschen können ebenfalls zum finalen Klick auf den Kauf-Button motivieren.

3. Trimmen Sie Ihr Sortiment auf Hochsommer

Nehmen Sie passend zu Saison und Wetterlage ergänzende Produkte in ihr Sortiment auf, die den spontanen Bedarf der daheim gebliebenen Shopper decken und begleiten sie diesen Schritt mit entsprechenden Online-Kampagnen. Schließlich sind Online-Werbeplätze in den Sommermonaten auch günstiger zu bekommen als in der restlichen Saison. Durch Aktualität, Kreativität und Service lassen sich Kunden vom Wettbewerb weglocken und an die eigene Marke binden. Auch der Rest des Sortiments ist in der weniger arbeitsintensiven Sommerzeit einen genaueren Blick wert: Identifizieren Sie wenig rentable Artikel und ersetzen Sie sie durch attraktivere.

4. Zeigen Sie mit Ihrer Marke stationäre Präsenz

Marken müssen im Sommer dorthin, wo die Kunden sind: an den Strand, die Beachclubs, Bahnhöfe oder Flughäfen. Mittel zum Zweck sind beispielsweise QR-Code-Walls oder Pop-up-Stores, die neben dem Sortiment auch noch eine sommerliche Überraschung wie Eis, kühle Getränke oder einen Pool bieten.

5. Die ganz wichtigen Themen und heißen News müssen warten

Sie haben das ultimative Produkt entwickelt oder ein einzigartiges neues Service-Angebot, auf das die Branche gewartet hat? Solange Sie die Sommerzeit nicht bewusst als Beta-Phase nutzen wollen, warten Sie mit Ihrer großen Kampagne, bis die Urlaubszeit vorbei ist.

Und dann vielleicht noch ein bis zwei Wochen länger, bis die aufgetürmten Arbeitsstapel annähernd abgearbeitet sind. Nutzen sollten Sie die Zeit davor allerdings, um die große Neuigkeit schon einmal anzuteasern und Ihre Kontakte neugierig zu machen. Damit haben Sie eine gute Chance, dass Ihre Nachricht zumindest bereits im Hinterkopf Ihrer Interessenten verankert ist.

5. Setzen Sie auf den mobilen Kanal

Wenn Ihre Kunden im Sommer nicht zuhause anzutreffen sind, müssen Sie ihnen wenigstens mobil beste Voraussetzungen bieten, bei Ihnen einzukaufen. Wie wäre es mit Spezialangeboten für Biergarten, Kleingarten oder Beachstrand?

 (Bild: hightext)
Bild: hightext

Sommerloch  : Wir belegen seine Existenz.



6. Jetzt planen, testen und optimieren: Weihnachtsgeschäft und Jahresbudget-Verhandlungen stehen schon vor der Tür

Sollten Sie so etwas wie ein innerbetriebliches Sommerloch ausmachen können, nutzen Sie dieses produktiv, etwa für umfassende Analysen, AB-Tests und Optimierungen. Das sollten Sie natürlich ohnehin kontinuierlich tun, aber falls Ihnen im Alltagsgeschäft dafür die Zeit fehlt, ist jetzt die passende Gelegenheit. Außerdem können Sie - je nach Branche - jetzt schon Ihre Content-Planung für das Weihnachtsgeschäft in Angriff nehmen, bzw. überlegen, mit welchen Angeboten Sie bei Ihren potenziellen und bestehenden Kunden punkten können, wenn dort in Q4 die Planung fürs kommende Jahr ansteht.

7. Den Content im Onlineshop überarbeiten

In einer hektischen Zeit sind Produktbeschreibungen und -bilder im Shop oft die letzten Punkte, die einer gründlichen Überarbeitung unterzogen werden. Dennoch ist die Produktpräsentation essenziell, um gegenüber der Konkurrenz im Netz die Nase vorn zu haben. Die ruhigeren Sommermonate sind deshalb ideal, um sich alle Inhalte noch einmal genau anzuschauen. So sind bei Onlineshoppern beispielsweise Videos gern gesehen. Seien es Filme zur Funktionsweise, zum Aufbau und Setup oder auch nur das "Unboxing" - Verbraucher schätzen solche Zusatzinformationen.

8. "Look und Feel" des Onlineshops prüfen

Aufgesetzt ist ein Onlineshop schnell - was Kunden mögen und was nicht, ergibt sich hingegen erst nach einiger Zeit. Während das "Look und Feel" nicht in Zeiten hoher Besucherzahlen geändert werden sollte, um Nutzer nicht zu verwirren, so bieten die Sommermonate genügend Zeit, Anpassungen vorzunehmen. Neue Farben, ein übersichtlicheres und moderneres Design und eine stets logische Navigation sind hier die ersten Ansatzpunkte.

Sind diese Änderungen umgesetzt, machen Sie doch einen Beta-Test: Bitten Sie die daheim gebliebenen Kunden (mit einem Eisgutschein?), einen incentivierten Blick auf die renovierte Seite zu werfen und Feedback zu geben. Formular dafür nicht vergessen.

9. Überprüfen Sie Ihre eigene Strategie

Nutzen Sie die hochsommerliche Pause, um die eigene Positionierung zu überprüfen. Wo stehe ich als Anbieter im Markt? Welche Maßnahmen haben meine Wettbewerber durchgeführt und welche planen sie? Stimmen Sortiment, Preis und Image? Welche Kanäle und Plattformen müssen noch erschlossen werden, um neue Kundengruppen zu erreichen? Wie müssen Marketingbudgets verteilt werden? Was denken meine Kunden und die Medien über mich? Das Sortiment kann durch eine Analyse des Vorjahres-Weihnachtsgeschäfts optimiert werden. So können Sie beispielsweise Ladenhüter weniger prominent positionieren und die Renner des Jahres mit neuen Videos noch interessanter machen.

10. Social-Media-Strategie optimieren

Der Sommer ist die richtige Zeit für umfassende Planungen und Tests auf verschiedenen Plattformen. Warum nicht kurze Facebook- oder Twitter-Umfragen nutzen, um herauszubekommen, was Nutzer gerne als nächstes in Ihrem Shop sehen würden? Oder vielleicht lohnt es sich auf der Bilder-Sharing-Plattform Pinterest   aktiv zu werden und dort je nach Saison und Anlass kreative Bilderstrecken aus Ihrem Sortiment zusammenzustellen?

11. Gehen Sie auf Newsletter-Abonnenten-Jagd

Schaffen Sie sich schon jetzt eine Basis für die kommende Weihnachtszeit. Jeder Newsletter-Abonnent, den Sie jetzt gewinnen können, ist ein potenzieller Kunde für das Weihnachtsgeschäft. Sommerliche Gewinnspiele, bei denen unter allen Neuanmeldungen ein entsprechend dotierter Einkaufsgutschein oder gar eine Reise verlost wird, sorgen für die entsprechende Motivation der Nutzer.

12. Arbeiten Sie gegen den Burnout

Nutzen Sie die ruhigere Zeit im Webshop, um auch an sich selbst und Ihre Familie zu denken, zu entspannen oder in den Urlaub zu fahren. Wann denn sonst, wenn nicht jetzt? Die letzten Monate des Jahres 2016 werden hektisch genug.
Thema: Besser überleben im Sommerloch: Was Shopbetreiber jetzt tun können

Kommentar von Joachim Graf

Weil alle tun, was alle tun

Alle tun, was alle tun. Und das zur selben Zeit. Selber schuld.

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 (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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