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E-Commerce

Ranking: Die wichtigsten Shopsysteme im Detailvergleich

15.04.2024 Die Wahl des richtigen Shopsystems ist keine einfache Entscheidung. iBusiness hat die sechs wichtigsten Shopsysteme im Detail betrachtet und zerlegt den Markt in verschiedene Segmente (Umsatz, Traffic, Reifegrad). Auf diese Weise zeigen sich die spezifischen Stärken und Schwächen der einzelnen Anbieter.

 (Bild: Unsplash/Pixabay)
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TL;DR
Shopsystem-Ranking unter den deutschen Top-1.000-Shops: Diese Shopsysteme werden von Deutschlands größten Händlern eingesetzt.

Jährlich ermittelt das Einzelhandelsinstitut EHI   gemeinsam mit dem Analytic-Unternehmen ecommerceDB   in seiner Studie E-Commerce-Markt Deutschland 2023   die Top-1.000-Onlineshops in Deutschland und untersucht sie unter anderem danach, welche ECommerce-Systeme bei den verschiedenen Händlern eingesetzt werden. iBusiness hat die Studie ausgewertet und die wichtigsten Shopsysteme für Deutschland ermittelt.

Zur Erfassung der Shopsysteme bedienen sich EHI/ecommerceDB der Browser-Add-ons Wappalyzer   und Builtwith  . Auf diese Weise konnte den Top-1.000-Händlern in 55,2 Prozent der Fälle ein Shopsystem zugeordnet werden, für die restlichen 44,8 Prozent (plus 3,7 Prozentpunkte gegenüber Vorjahr) war kein Shopsystem erkennbar. Diese Händler setzen entweder auf eine selbst entwickelte Lösung oder verwenden eine so stark modifizierte Software, dass das Ursprungssystem nicht mehr erkennbar ist.

Shopsysteme im Detail

 Marktanteil der Top-10-Shopsysteme unter den 1.000 umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland.
Marktanteil der Top-10-Shopsysteme unter den 1.000 umsatzstärksten Onlineshops in Deutschland. (Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)
Aus den erhobenen Daten lassen sich noch weitere Schlüsse ziehen. Deswegen betrachten wir in dieser Marktanalyse die sechs wichtigsten Shopsysteme aus den Top-Ten noch einmal einzeln und zerlegen den Markt in verschiedene Segmente (Umsatz, Traffic, Reifegrad). Auf diese Weise zeigen sich die spezifischen Stärken und Schwächen der einzelnen Anbieter.

Shopware

In den aktuellen Auswertungen verteidigt der nordrhein-westfälische System-Anbieter Shopware    erfolgreich die Spitzenposition mit einem Marktanteil von 12,2 Prozent, die es im vergangenen Studienjahr nur knapp von Magento erobert hatte. Über die vorangegangenen Auswertungen betrachtet, ist Shopware ganz klar der Aufsteiger der vergangenen Jahre.

Zum zweiten mal in Folge ist Shopware Marktführer in Deutschland unter den Shopsystemen. Der nordrhein-westfälische Anbieter konnte in den vergangenen Jahren besonders stark zulegen und stetig Marktanteile für sich verbuchen. 2017 zählte das Unternehmen noch 64 Installationen unter den Top-1.000-Shops, nun sind es konstant im zweiten Jahr 122.

Noch immer ist das System auf den hinteren Rängen stark vertreten, im Vergleich zum Vorjahr hat sich der "Buckel" jedoch weiter leicht nach vorne verschoben. Die TOP-Positionierung hat sich im Ranking von Rang 35 auf Platz 28 nach vorne verschoben. Vorteil: Die weniger hecklastige Ausrichtung sorgt offenbar für eine höhere Stabilität bei den Marktanteilen.

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:
  • Shopware baut seine Allrounder-Position aus: Bei Shops mit mehr als 60 Millionen Euro Umsatz kommt Shopware auf einen Marktanteil von 6,0 Prozent und belegt Rang drei in dieser Liga. Nur Salesforce und SAP schaffen höhere Marktanteile bei den Top-Shops.
  • Eine Limitierung scheint im Traffic aufzutreten. Mit einem Marktanteil von 2,4 Prozent in der Spitzengruppe muss Shopware Konkurrenz ziehen lassen. Entweder sprechen betriebswirtschaftliche oder technische Restriktionen gegen den Einsatz in dieser Liga.
  • Äußerst ausgewogen sind die Marktanteile hingegen über die Altersgruppen verteilt. Sowohl junge als auch erfahrene Händler greifen gleichermaßen gerne zum System.

Adobe Commerce / Magento

In den vergangenen Jahren war Adobe Commerce/ Magento der unangefochtene Platzhirsch unter den Shopsystemen unter den Top-1.000-Onlineshops. In der Vorjahres-Auswertung musste der Branchenprimus seinen Titel erstmal an Shopware abgeben und konnte ihn in der aktuellen Erhebung nicht zurückerobern. Schlimmer noch: Adobe Commerce/ Magento lässt erneut Federn und verliert weitere Marktanteile. Heißt konkret, ganze 24 Installationen wurden weniger gemessen. Dabei nähern sich die Profile von Adobe Commerce und Shopware weiter: Beide Systeme sind echte Allrounder, die es bis in die Spitze schaffen, ihren Schwerpunkt jedoch auf den mittleren und hinteren Rängen finden. Das wichtigste Entscheidungskriterium bleibt weiterhin in der Traffic-Last des Shops liegen.

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:
  • In der näheren Betrachtung hat Adobe über sämtliche Shop-Umsatzcluster verloren. Bei den umsatzstärksten Shops der Top-Liga ist Adobes Anteil von 6,1 Prozent auf 2,7 Prozent geschrumpft. Ein noch stärkerer Anteilrückgang ist bei den kleineren Shops bis 10 Millionen Euro Umsatz zu beobachten: Hier fällt der Anteil im Vergleich zum Vorjahr von 15,6 Prozent auf 10,6 Prozent zurück.
  • Gegenüber der Vorjahresauswertung konnte Adobe wieder bei den Neueinsteigern und jungen Onlineshops Anteile gewinnen. Der Marktanteil bei den reiferen Shops hingegen hat stark abgenommen.
  • Wie bei Shopware scheint die deutlichste Limitierung der ECommerce-Lösung im Traffic zu liegen. In der Spitzengruppe (ab 1,5 Millionen Visits pro Monat) ist Adobe unterdurchschnittlich vertreten.

Salesforce Commerce Cloud

Die Salesforce Commerce Cloud   kommt gemeinsam mit Demandware (Demandware wird nach wie vor separat in der EHI-Erhebung ausgewertet) auf 69 Installationen. Das sind zwar sechs Installationen weniger gegenüber dem Vorjahr, dennoch gehört Salesforce im Langzeitvergleich zu den Gewinnern: 2018 kam die Software erst auf 39 Systeme.

Über die Jahre betrachtet konnte Salesforce vor allem in der Spitze und dem oberen Mittelfeld wachsen und damit Marktanteile gewinnen. Vorteil: Wechselwilligkeit und Fluktuation der Händler in diesen Segmenten ist eher gering. Zugleich gelingt Salesforce aber das Kunststück, im hinteren Mittelfeld nicht allzu steil abzufallen. Dies zeigt, dass das ECommerce-System auch für ambitionierte, mittelkleine Anbieter wirtschaftlich zu betreiben ist.

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:
  • Leistungsfähiges Shopsystem für Ansprüche der Oberklasse und gehobenen Mitte.
  • Beeindruckend bleibt der Marktanteil bei trafficstarken Shops mit mehr als 1,5 Millionen monatlichen Visits. Salesforce bleibt in diesem Segment mit großem Abstand Marktführer.
  • Beliebt ist das System gleichermaßen bei jungen Shops und ambitionierten Neueinsteigern sowie langjährigen und sehr erfahrenen Marktteilnehmern.
  • Demgegenüber scheint der Umsatz des Shops einen geringeren Einfluss auf die Kaufentscheidung zu haben.
  • Lediglich für Händler mit geringem Umsatz und geringem technischen Anspruch scheint das System wenig geeignet.

Oxid eShop

Ähnlich einer Achterbahnfahrt verhält es sich mit den Marktanteilen des Freiburger System-Anbieters Oxid eSales   . Es ist ein stetes Auf und Ab. Zwar liegen die Schwarzwälder aktuell stabil auf der vierten Position, aber es geht mit den Marktanteilen doch seit mehreren Jahren tendenziell bergab. Immerhin konnte das System sein Profil als Anbieter für die obere Mittelklasse beibehalten, aber auch weniger umsatzstarke Shopbetreiber greifen auf die Lösung zurück: Der "beste" Oxid-Shop befindet sich auf Position 113 (Vorjahr: 140).

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:
  • Nach wie vor spricht Oxid Shopbetreiber ab der gehobenen Mittelklasse an.
  • Im Gegensatz zu den Vorjahren ist Oxid nicht mehr in allen Traffic-Regionen gleichermaßen gut vertreten - die höchsten Marktanteile hat Oxid in den aktuell weniger starken Traffic-Clustern.
  • Beim Umsatz ist Oxid - abgesehen von der Topliga - in allen Segmenten relativ ausgewogen vertreten.
  • Ein klarer Schwerpunkt liegt aktuell bei den jüngeren Händlern.

SAP Commerce Cloud

Die SAP Commerce Cloud  , in der Vergangenheit unter dem Namen Hybris vermarktet, ist ein etabliertes Enterprise-Shopsystem. Es wird seinem Ruf insofern gerecht, als es sich an der absoluten Spitze etabliert hat. In der Gruppe der umsatzstärksten Shops hat SAP den höchsten Marktanteil und ist zugleich sehr klar auf diese Gruppe fokussiert. Dafür spricht unter anderem die Top-Position auf Rang 13. Mit 42 Installationen (plus 9) unter den Top-1.000-Onlineshops konnte SAP gegenüber dem Vorjahr wieder etwas zulegen.

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:

  • Das Shopsystem von SAP wird ganz klar von Händlern der höchsten Umsatzregion bevorzugt. Der Fokus ist scharf auf diese Gruppe ausgerichtet. Insgesamt erreicht jedoch Salesforce weiter einen leicht höheren Marktanteil in dieser Händlergruppe, was auf die höhere Zahl der gemessenen Installationen liegt.
  • Mühelos kann SAP auch mit hohem Traffic umgehen. Überall, wo Leistung gefordert ist, wird das System überproportional häufig eingesetzt.
  • Weniger entscheidend scheint das Alter der Shops zu sein. Naturgemäß suchen ganz junge Shops allerdings schlankere Lösungen.

Shopify

Der Aufsteiger unter den Shopsystemen ist Shopify  . Die Positionierung ist dabei eindeutig: Ein einfaches und erstaunlich leistungsfähiges Shopsystem, das sich an ambitionierte Einsteiger richtet. Man sieht dem Shopify-Profil an, dass das System organisch in die Top-1.000 hineingewachsen ist: Die Kanadier mussten nicht anderen Anbietern die KundInnen abspenstig machen, sondern profitierten von den wachsenden Umsätzen ihrer Shops.

(Grafik: EHI, ecommerceDB, iBusiness; Grafik: HighText Verlag)


Stärken und Schwächen:
  • Shopify kann mittlerweile auch hohe Systemanforderungen bedienen. Im Vergleich zum Vorjahr spielt das System auch bei Shops in höheren Traffic-Regionen mit und kann dort Marktanteil abgreifen.
  • Erstaunlich groß ist ebenfalls die Bandbreite nach Umsatz. Selbst in der Gruppe der Händler, die jährlich zwischen 20 und 60 Millionen Euro machen, bleibt sich Shopify treu. Erst in der Liga darüber brechen die Marktanteile ein.

Schaut man auf die hinteren Ränge der Top-10-Shopsysteme (HCL Commerce  , Plentymarkets  , Websale  , JTL-Shop3  ), sind die Abstände unter den Letztplatzierten mit 0,1 Prozentpunkten hauchdünn und Schwankungen sind jederzeit möglich.

In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass Marktveränderungen im Promillebereich wenig aussagekräftig sind, insbesondere, wenn sich der Anbieter eher an kleine Shops richtet. Denn: Die Basis der Top-1.000-Shops ändert sich ebenfalls von Jahr zu Jahr. Gerade auf den hinteren Rängen herrscht naturgemäß eine höhere Fluktuation. Daher unterliegen kleine Schwankungen der Marktanteile einer gewissen Zufälligkeit. Nicht immer liegt es an der Performance der Shopsoftware, wenn es ein Händler nicht mehr in die Top-1.000 schafft.

Tendenz wieder zu Eigenlösungen

Noch vor einigen Jahren war ein stetiger Trend zu Standard-Software erkennbar. Heißt: Sowohl der Anteil der restlichen, unter "Sonstige" subsummierten Lösungen als auch der Anteil der "nicht erkennbaren" Lösungen sank kontinuierlich. In den vergangenen beiden Jahren hat sich das Bild verändert: Der Longtail der Shopsysteme schrumpft zwar immer noch (in diesem Jahr um 1,7 Prozent), aber es ist ein Trend zu stark individualisierten oder selbst programmierten Systemen erkennbar. Schon das zweite Jahr in Folge ist ihr Anteil gewachsen, in diesem Jahr sogar um 3,7 Punkte auf nun 44,8 Prozent. Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass die nicht erkennbaren Systeme von ihrem historischen Höhepunkt noch einigermaßen weit entfernt sind: 2016 konnten 48,3 Prozent nicht klassifiziert werden.
Thema: Ranking: Die wichtigsten Shopsysteme im Detailvergleich

Kommentar von Susan Rönisch

Eigenentwicklungen wieder im Kommen

Für eine genaue Evaluierung eines Shopsystems ist letztlich eine genaue Prüfung der einzelnen Anbieter unabdingbar. Zur ersten Orientierung kann vorerst auch ein viel einfacheres Mittel helfen: Ein Blick auf den Markt.

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Susan Rönisch, Redakteurin iBusiness (HighText Verlag OHG)
Bild: HighText Verlag OHG
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