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Analyse: Warum Accenture die Übernahme von SinnerSchrader plant
20.02.2017 Die IT-Beratungsagentur Accenture übernimmt eine 62-Prozent-Mehrheit der Aktien der börsennotierten Digitalagentur SinnerSchrader AG von Gründer Matthias Schrader sowie weiteren Großaktionären und will noch mehr Anteile zukaufen.
Accenture hatte erst im Herbst 2015 angefangen, seinen Bereich Digital Commerce in Deutschland auszubauen. Accenture Interactive ist das weltweit größte und schnellstwachsende Digitalagentur-Netzwerk.
Accenture erwirbt eine Mehrheit von rund 62 Prozent der Aktien von Mitgründer und CEO Matthias Schrader, CFO Thomas Dyckhoff und weiteren Aktionären für 9,00 Euro pro Aktie. Darüber hinaus plant Accenture, den übrigen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot zum selben Preis vorzulegen.
Accenture und SinnerSchrader unterzeichneten außerdem eine Vereinbarung über die zukünftige Zusammenarbeit zwischen SinnerSchrader und Accenture Interactive. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Lösungen für digitale Transformation aus der Kombination von Beratung, Design und Technologie. Der Vereinbarung zufolge bleibt Matthias Schrader CEO von SinnerSchrader und übernimmt nach einer Übergangsperiode die Führung des kombinierten Agenturgeschäfts von Accenture Interactive in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Was das bedeutet: Vor genau einem Jahr, im Februar 2016, hatte IBM binnen weniger Tage die Digitalagenturen Resource/Ammirati, Aperto, Plantage, und ECX.io gekauft und in die IBM-eigene Digitalagentur IBM Interactive Experience integriert. Sowohl IBM als auch Accenture sind Partner von Adobe wie auch von SAP Hybris .
Beide Unternehmen sind seit vielen Jahren schon im IT-Systemgeschäft geborene Konkurrenten. IBM Interactive als größte Einzel-Digitalagentur der Welt und Accenture als größtes Netzwerk wollen von dem Geschäft der digitalen Transformation profitieren. Dabei stehen vor allem die Themen Marketing (Fokus: Adobe) als auch das Thema Commerce (Focus: SAP Hybris) im Mittelpunkt.
Nachdem 2016 Salesforce die ECommerce-Plattform Demandware und die Data Management Platform (DMP) Krux gekauft hat (iBusiness: 'Warum Salesforce Demandware kauft') standen mit Salesforce und IBM zwei globale Player auf dem deutschen Markt bereit - Accenture musste handeln, um in diesem wichtigen Markt nicht abgeschlagen zu sein.
Was jetzt kommt: Der erfahrene Matthias Schrader soll das DACH-Geschäft von Accenture übernehmen und den beiden Dickschiffen IBM und Salesforce (Partner: Microsoft ) Paroli bieten. Zudem bringt SinnerSchrader lukrative Kunden mit in die Ehe ein.
Die logische langfristige Folge: Im Markt der Digitalen-Transformationsprojekte werden die Großen den verbliebenen mittelständischen Agenturen noch mehr Projekte wegschnappen - Man darf nicht vergessen, dass abseits der auf dem Internetagentur-Ranking gelisteten Agenturen mit T-Systems /T-Systems MMS , den Systemhäusern und globalen Werbenetzwerkern noch weitere Dickschiffe um die wirklich lukrativen Interaktiv-Projekte buhlen werden.
Um in den Markt hineinzukommen, um in Wunschunternehmen hineinzukommen - oder um schlicht dem Konkurrenten das Geschäft zu verderben und selber Umsatz zu schreiben - werden hier die Rabatte höher werden und der Preiskampf steigen. Die kleineren Digitalagenturen werden sich in Pitches vor allem bei global aufgestellten Mittelständlern einer wachsenden Konkurrenz durch ganz große Namen ausgesetzt sehen.
Schiere Größe, Internationalisierung und eine starke Agenturmarke werden hier in den kommenden Jahren deutlich wichtiger. Das bedeutet auch, dass in den kommenden Jahren Konkurrenzdruck und Konsolidierung nach unten durchgereicht werden. Große Agenturen werden kleinere Spezialisten schlucken. Zudem werden sie in dem Maß nach unten auf Projektjagd gehen, wie sie nach oben Business an die Global Player verlieren.
