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IFA-Trends 2016: TV. Tapete.Todesröcheln.
02.09.2016 Schon bevor die die IFA 2016 in Berlin ihre Pforten öffnet, steht fest, was der Mega-Trend des Jahres sein wird. Auf der Messe werden sich lange Schlangen vor den VR-Geräten bilden. Doch die wichtigsten Trends zeigen sich wo anders.
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Insgesamt ist die IFA somit deutlich gewachsen. Die rund 150.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche unterm Funkturm stehen nun vorrangig für die eigentliche Produktshow zur Verfügung. 240.000 Besucher haben sich im Vorjahr über die technische Entwicklung informiert. Auch in diesem Jahr werden nicht weniger erwartet.
Der meist beachtete Trend steht dabei jetzt schon fest: Zahlreiche VR-Brillen rangeln um die Gunst des Publikums. Der Überraschungserfolg des VR-Spiels Pokémon Go hat zudem den Fokus auf das Thema "Mixed-Reality" gelenkt, wie Augmented Reality auch genannt wird. Doch auch wenn die künstlichen Welten die meiste Aufmerksamkeit erhalten werden, ist für die UE-Branche ein anderer Trend am nachhaltigsten.
Trend 1: Smartphone ist der Schlüssel zu allem
Ohne Smartphone geht in der Unterhaltungselektronik gar nichts mehr.Dies zeigt sich schon an nackten Zahlen: Der deutsche Smartphone-Markt erzielt im laufenden Jahr mit einem Volumen von 10,4 Milliarden Euro voraussichtlich einen höheren Umsatz als die gesamte klassische Unterhaltungselektronik. Mit einem Absatzrekord von 4,2 Millionen verkauften Geräten (plus 6,4 Prozent) haben insbesondere Phablets, also Smartphones ab einer Display-Größe von 5,5-Zoll, einen großen Anteil an der Entwicklung. Den Prognosen zufolge wird ihr Absatz in diesem Jahr um 20 Prozent steigen. Die Geräte machen somit 15 Prozent des gesamten Smartphone-Marktes aus.
Die Konsequenz ist drastisch: Der Markt für klassische Unterhaltungselektronik ist im laufenden Jahr rückläufig. Der Gesamtumsatz mit Geräten wie Fernsehern, Digitalkameras, Audio-Anlagen oder Spielkonsolen sinkt 2016 in Deutschland voraussichtlich um 0,9 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro, wie der Digitalverband Bitkom auf Basis aktueller Prognosen der Marktforschungsunternehmen EITO und GfK bekannt gab.
"Wir beobachten gerade, wie der Markt für Consumer Electronics zunehmend vom Trend zum Smartphone plus X getrieben wird", sagte Martin Börner , Mitglied des Bitkom-Präsidiums. Als "Smartphone plus X" bezeichnet der Bitkom den Trend, Smartphones mit klassischer Unterhaltungselektronik zu vernetzen: TV oder Audio-Anlagen spielen die auf dem Smartphone ausgewählten Video- oder Musik-Streams ab. Aber auch Haushaltsgeräte lassen sich aus der Ferne mit dem Smartphone aktivieren und steuern. Hinzu kommen Virtual-Reality-Brillen, die zum Teil sogar völlig von der Rechenleistung des Smartphones abhängig sind.
Trend 2: Unterhaltungselektronik definiert High-End
Dieser Trend wirkt sich auf die gesamte Branche aus. Smartphones decken die meisten Anwendungen ab, UE-Hersteller müssen sich höherwertiger positionieren. Beispiel: Der Markt von Digitalkameras bricht den Prognosen zufolge für 2016 um 18 Prozent auf 2,8 Millionen Geräte ein. Der Umsatz sinkt dagegen lediglich um 13,6 Prozent auf 950 Millionen Euro. Der Trend geht also hin zu höherwertigen Geräten: Wer eine Kamera erwirbt, gibt dafür durchschnittlich 339 Euro aus, im Vorjahr waren es 322 Euro. Gefragt sind neben Systemkameras spezielle Lösungen wie etwa Action-Cams und 360-Grad-Kameras.
Ähnliche Auswirkungen haben die populären Musikstreaming-Angebote, die das Smartphones auch in den Mittelpunkt moderner Audiogeräte rücken. Vernetzte Multiroom-Systeme und kabellose Lautsprecher sind im Trend und führen zu einem Umsatzplus von 5,8 Prozent und Gesamterlösen von 1,5 Milliarden Euro durch mobile und stationäre Audiogeräte. Die Einnahmen mit klassischen Heimkino-Anlagen und traditionellen Audio-Systemen hingegen sinken dagegen erneut.
Trend 3: Nicht totzukriegen: Der Fernseher
Aller gewandelten Mediennutzung zum Trotz haben TV-Geräte aber eine stabile Rolle neben Smartphone und Tablet gefunden. Zwar geht auch der Trend zu "Smartphone + X", weil der anzusehende Film eben oft über das Handy ausgewählt wird. Trotzdem bleiben Fernsehgeräte mit einem Marktanteil von 43 Prozent der traditionell größte Umsatzbringer in der UE.Die GfK schätzt, dass im laufenden Jahr fast 7 Millionen Geräte verkauft werden (plus 0,2 Prozent). Der Umsatz steigt noch kräftiger. Auch hier geht der Trend ungebrochen weiter zu höherwertigen Geräten mit größeren Bildschirmen und besserer Bildqualität. Im Durchschnitt geben die Käufer 593 Euro und damit 15 Euro mehr als im Vorjahr für einen Flachbildfernseher aus.
Die Trends sind hier schnell aufgezählt. Sie heißen wie schon in den vergangenen Jahrzehnten: Größer, flacher, schöner, bunter. Oder um in technischen Termini zu sprechen: Curved-TV, HDR, UHD, SUHD, Super UHD, Nano Crystals, Quantum Dots, 4K und 8K. Außerdem wird DVB-T2 HD eingeführt.
Für viele Anwender greifbarer sind da schon Verbesserungen in der Bedienung, die - Stichwort Smartphone - immer häufiger auf Touchscreen und Spracheingabe setzen.
Trend 4: Fernsehen wird Streaming
Sowenig man ein Todesröcheln des Fernsehgeräts als wichtigstes Gerät der Unterhaltungselektronik zu hören bekommt, so sehr hat sich seine Rolle verändert. In Familien verkrümeln sich immer mehr Mitglieder abends vor's eigene Gerät, statt vor den gemeinsamen Fernseher. Streaming wird wichtiger und Stars werden längst in Youtube geboren. 44 Millionen Deutsche schauen Videos im Internet per Streaming an, hat der Bitkom ermittelt. Dieser Trend spiegelt sich auch auf der IFA wider: Wo früher das Unterhaltungsprogamm von ARD und ZDF in den Sommergarten lockten, sind die Bühnen inzwischen an Youtuber wie MrHelferSyndrom, HandofBlood oder Felixba übergeben. Auf der YoungIFA locken sie zum Youtube-Lunch, diskutieren die neuesten Gadgets und Innovationen und gewähren Autogramm-Stunden.Trend 5: VR und Games sind elementarer UE-Bestandteil
Die IFA hat sich in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich entwickelt. Trotzdem muss sie sich eine strategische Schwäche vorhalten lassen: Obwohl Computerspiele zum wichtigsten Standbein der Unterhaltungsbranche werden, (wie die gerade zu Ende gegangene Gamescom mit 345.000 Besucher wieder bewiesen hat), bedient die IFA die Gamer-Szene nur halbherzig. Und das, obwohl Spielekonsolen und VR-Brillen als wichtiges Asset betrachtet werden.Gerade Virtual Reality (VR) wird zum "Next Big Thing" in der Unterhaltungselektronik, wie das Beratungsunternehmen Deloitte meint. Laut der Trendstudie "Consumer Technology 2016 " die im Auftrag des Bitkom erstellt wurde, werden in Deutschland in diesem Jahr noch 158 Millionen Euro Umsatz mit Virtual Reality gemacht. Im Jahr 2020 weist die Studie eine Prognose für Virtual-Reality-Umsätze im deutschen Markt in Höhe von einer Milliarde Euro aus.
Optimistisch macht vor allem die Stimmung in der Bevölkerung: Weit mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Deutschen ab 14 Jahren hat schon von Virtual-Reality-Brillen gehört. Je nach Studie kann sich fast jeder Dritte vorstellen, eine VR-Brille zu nutzen (31 Prozent; Deloitte) oder anzuschaffen (19 Prozent; GFU). Fast jeder Zehnte (9 Prozent) hat bereits eine VR-Brille ausprobiert - und auf der IFA werden es wieder mehr sein.
Zugleich legt die Studie auch den Finger in eine Wunde: Während die Hardware weit fortgeschritten ist, gibt es softwareseitig bislang noch keine Killeranwendung. Der Löwenanteil der 2016er-Umsätze soll entsprechend auch auf Hardware-Anschaffungen entfallen (129 Millionen Euro), lediglich 29 Millionen Euro trauen die Autoren den Inhalten zu. Zwar experimentieren fast alle namhaften Inhalte-Anbieter mit VR-Content, etwa Verlagshäuser, Filmproduzenten oder Sport- und Konzertveranstalter. Aber selbst in der Gaming-Branche ist der Durchbruch bislang ausgeblieben. Fast jeder findet das VR-Erlebnis zwar einerseits sensationell, keine Anwendung reizt bislang zur dauerhaften Nutzung. Mancher Beobachter fühlt sich an die Einführung von 3D-Fernsehern erinnert (siehe iBusiness: Von Porno bis E-Learning - Wo die Zukunftsmärkte für VR-Content liegen)
Trend 6: Smart Home bleibt träge
Smart Home und vernetze Haushaltsgeräte sind ein Dauerbrenner der Funkausstellung. Der Markt ist noch klein, Experten erwarten aber ein rasantes Wachstum. Im Jahr 2030 werde jedes dritte neu gebaute oder renovierte Haus über automatisierte und vernetzte Elektronik, Heizung oder Lüftung verfügen, prognostiziert die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC .
In diesem Jahr erhält die Messe erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich zu diesem Thema in Halle 6.2. Mehr als 40 Aussteller aus 15 Ländern stellen aus. Thematisch hat sich nicht viel geändert: Licht, Heizung und Luftqualität, Energie-Management, Sicherheitssysteme, drahtlose Übertragungstechniken und die Einbindung von Haushaltsgeräten und -Robotern stehen auf der Trendliste.
In entscheidenden Frage ist die Branche dagegen kaum vorangekommen. Obwohl der Markt klein ist, konkurrieren ein Wirrwarr an Systemen und Standards um die Käufergunst. Probleme bei der Interoparabilität und ungelöste Privatsphäre- und Sicherheitsfragen bremsen die Nachfrage zusätzlich. Immerhin so viel zeichnet sich ab: Zentrales Steuergerät bleibt auch beim Smart Home das Handy. "Die Nachfrage nach Geräten, die sich per Smartphone steuern oder überwachen lassen, nimmt zu", hat Reinhard Zinkann vom ZVEI beobachtet.
Trend 7: Roboter erobern den Alltag
Eng verwandt mit dem Thema Smart Home sind die zahlreichen Haushaltshelfer, die inzwischen völlig automatisiert durch Wohnung und Garten rollen, Fenster putzen und Essen kochen. Der Markt wächst kontinuierlich: Bis 2018 soll der kumulierte Absatz privat genutzter Serviceroboter auf 35 Millionen steigen, prognostiziert die "International Federation of Robotics " (IFR). Die Haushaltsroboter haben mit 25 Millionen Einheiten daran den größten Anteil, hinzu kommen rund neun Millionen Unterhaltungs- und Freizeitroboter. Ein großer Zukunftsmarkt im privaten Segment zeichnet sich auch für Assistenzroboter in der Unterstützung von Senioren ab.
Auf der IFA gibt es auch in dieser Kategorie vor allem Produktverbesserungen hinsichtlich (Saug)-Leistung, Navigation, Vernetzung und Multifunktionalität zu sehen. Der Unibot von Ecovacs Robotics kann etwa nicht nur in einem Arbeitsgang saugen, kehren und wischen. Mit seinen eingebauten Sensoren und einer Kamera kann er zugleich auch noch das Haus überwachen.
Das wahre Potenzial der Roboterisierung ist allerdings wohl erst in Zukunft zu sehen - weshalb auch Visionäre auf der IFA Platz finden. Unter dem Motto "Exploring the Digital Society" erklären Experten auf der IFA+Summit (5. und 6. September) die neuesten Entwicklungen zu künstlicher Intelligenz, Robotern, virtuellen Realitäten, autonomen Fahrzeugen. In je drei Sessions werden an beiden Tagen nicht nur technische Entwicklungen vorgestellt, sondern auch soziale und gesellschaftliche Auswirkungen diskutiert.
Trend 8: Wearables, Smart Watches, Gesundheit
Zu einem wichtigen Segment der Unterhaltungselektronik haben sich Wearables entwickelt. Den Prognosen des Bitkom zufolge steuert 2016 auf einen Absatzrekord von 2,9 Millionen Geräten sowie einen Umsatzrekord von rund 400 Millionen Euro zu. Davon werden alleine Smartwatches mit voraussichtlich rund 1,6 Millionen verkauften Geräten (plus 147 Prozent) einen Umsatz von 297 Millionen Euro erzielen. Das entspricht einem Anstieg von 76 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der durchschnittliche Preis für eine intelligente Uhr liegt bei 187 Euro, für Fitness-Tracker zahlen Verbraucher im Schnitt 80 Euro.Um von diesem Kuchen möglichst viel abzubekommen, stellt Samsung auf der IFA zwei Versionen seiner im Detail verbesserten Smartwatch vor. Die Gear S3 setzt weiterhin auf das hauseigene Betriebssystem Tizen, verfügt über ein rundes 1,3-Zoll-Display mit 360 x 360 Pixeln und wird von einem Dualcore-Prozessor befeuert. Ähnlich wie die Apple Watch muss die wasserdichte Gear S3 mit einem Samsung-Smartphone gekoppelt sein, um online zu gehen oder telefonieren zu können. Geräte anderer Hersteller funktionieren nicht. TomTom wird auf der IFA den Fitnesstracker Touch zeigen, das als einziges Gerät auf dem Markt auch Fett- und Muskelanteil des Körpers misst.

