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OpenAI: Die fünf Geschichten des Sam Altman
23.11.2023 ChatGPT als Game-of-Thrones-Version: Die letzten Tage haben gezeigt, wie irdisch-menschlich es in den Gefilden der künstlichen Intelligenz zugeht. Das zeigt die zwei großen Probleme der Branche auf.
Die Nerd-Version: Das ist die kürzeste und lustigste und beantwortet die Frage, wie man eine KI-Firma neu startet. Nämlich genau so, wie man jeden anderen PC resettet. OpenAI hat danach einfach den CEO Sam Altman kurzfristig ausgesteckt, zehn Sekunden gewartet und ihn dann wieder angeschlossen. Diese universelle technische Lösung scheint zumindest kurzfristig funktioniert zu haben.
Die Apple-Version: Wer es gerne etwas kryptischer haben will, der weist darauf hin, dass der ikonische frühere Apple-CEO ebenfalls rausgeschmissen wurde - bevor er zehn Jahre später im Siegeszug zurückgekehrt ist. Die Aktion rund um Sam Altman wäre dann eine modernisierte Apple-Erzählung - nur eben im Turbotempo für die Tiktok-Generation. Interessant ist nur, dass in beiden Geschichten Microsoft eine nicht unerhebliche Rolle gespielt hat - wobei unklar ist, ob als weißer Ritter oder als Bösewicht.
Die Game of Thrones Version: Die Akteure rund um OpenAI werden in der Szene längst passend portraitiert. So kursiert auf Reddit eine Game of Thrones-Fanart (ironischerweise hat der Autor von Games of Thrones, George R.R. Martin im September OpenAI wegen Urheberrechtsverletzung verklagt).
Nun verzieht sich der Qualm über die Entlassung und Wiedereinstellung des OpenAI-Superboys, sein An- und wieder Abheuern beim OpenAI-Investor Microsoft und siehe da: Sam Altman geht als einer der Profiteure aus dem Thronkrieg hervor. Sein Kurs, Produkte eher schneller als mit Rücksicht auf Sicherheit zu veröffentlichen, wurde gestärkt. Der alte Vorstand wurde geschasst, als Neubesatzung fungieren jetzt der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers und Salesforce-Co-Chef Bret Taylor , der den Vorstandsvorsitz übernimmt. Adam D'Angelo, Mitgründer und CEO von Quora, bleibt im Vorstand. Microsoft ist (obwohl großer Anteilseigner) spannenderweise nicht im neuen Verwaltungsrat vertreten.
Die Palast-Version: Der Krieg um aktuell eines der interessantesten KI-Unternehmen der Welt ist beendet, die Palastintrige ist beendet. Daraus folgt die Kernerkenntnis: Es gibt einen Palast, um den mächtige Menschen kämpfen konnten. Was die Schlussfolgerung erlaubt: Die großen Unternehmen der KI werden offensichtlich von einer sehr kleinen Gruppe von Menschen kontrolliert.
Die Bürger- und Bauern-Version: Genau in die andere Richtung als die Palast-Version zeigt die fünfte und letzte Version: In einem offenen Brief hatten nach dem Altman-Rauswurf über 500 Angestellte den sofortigen Rücktritt des gesamten Vorstands und die Rückkehr von Altman gefordert. Mit der offenen Drohung, dass man sonst kündigen und zu Microsoft wechseln würde (da ist er wieder der Weiße Ritter/Bösewicht).
Dass diese Erklärung so schnell zu dieser KI-Reconquista geführt hat, zeigt vor allem, dass die ganze entwickelte Software wenig bis gar nichts wert ist, ohne die Menschen, die sie (weiter)entwickeln und pflegen. Und dass diese Menschen viel Macht haben, wenn Sie sich einig sind.
Ihr
Joachim Graf
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