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Web2.0 ist für Wagniskapitalgeber tot
19.05.2009 Düstere Aussichten für Start-ups. Die Prognosen aus dem vergangenen Jahr scheinen sich zu bewahrheiten. Die ersten Wagniskapital-Gesellschaften erklären das Web2.0 als Investitionsgegenstand für uninteressant. iBusiness wollte wissen, was wirklich daran ist am Tod des Web2.0.
Eine Entwicklung, die iBusiness und das Gründerportal Deutsche Start-ups in ihrer gemeinsamen Venture-Capital-Analyse nicht bestätigen können. Denn die Wagniskapitalisten machen weiterhin unbeirrt Geld locker. Die Analyse des deutschen VC-Marktes für das Jahr 2009 zeigt, dass die Beteiligungen sogar zunehmen. Im Vergleich zum vergangenen Geschäftsjahr konnte mit knapp 460 Beteiligungen rund ein Viertel mehr Investments gelistet werden. Jedes vierte Investment (25 Prozent) in Online-Start-ups fließt immer noch in Communities.
Einigkeit herrscht dagegen bei den Zukunftsaussichten für E-Commerce-Gründungen. Zwar ließen die etablierten webzwonulligen E-Commerce-Konzepte wie Shopping Clubs oder Live-Shopping kaum noch neue Player auf dem Markt zu, aber das Segment sei durch die ständig wachsende Anzahl von Onlinekäufern investitionswürdig. "Im E-Commerce-Umfeld haben sich die 'Private-Shopping'-Portale als neues Modell etabliert. Diese Unternehmen haben schon relativ viel Geld aufgenommen, so dass es wenig Sinn macht, weitere Unternehmen an den Start zu bringen. Das Umfeld ist aber gut." Diese Einschätzung bestätigt auch iBusiness. 22 Prozent der befragten VC-Gesellschaften lassen finanzielle Mittel in Onlineshop-Gründungen fließen.
Natürlich konstatiert auch Alexander Hüsing , Herausgeber und Gründer von Deutsche Start-ups, dass das Klima für Unternehmensgründer in Deutschland rauer geworden sei. Wie er gegenüber iBusiness erklärte, seien die Zeiten vorbei, in denen sich Start-ups nur als Ideenschmieden und Innovations-Tanks am Markt platzieren konnten. Gefordert seien vor allem nachhaltige und erfolgsversprechende Refinanzierungsstrategien. Wichtiger seien den VC-Gesellschaften mittlerweile Umsatz, Ergebnis und Rendite. "Es gibt eigentlich nur noch zwei Themen, die für viele VCs interessant sind: E-Commerce und Online-Spiele. Beide Konzepte haben ein klares Monetarisierungsmodell, welches unabhängig von Werbung ist", prognostiziert Hüsing.
Auf ein allgemein schwierigeres Marktumfeld hatte schon BVDW-Präsident Arndt Groth im Oktober vergangenen Jahres hingewiesen. Die Unternehmen aus der Interaktivwirtschaft sollten "in den nächsten Monaten erst einmal deutlich zurückhaltender und vorsichtiger agieren". Vor allem Start-ups müssten ihre Kostenstrukturen prüfen und optimieren und für einen positiven CashFlow sorgen. Dabei befänden sich Unternehmen, die schon Umsätze erwirtschaften und die zweite oder dritte Finanzierungsrunde anstreben, laut Groth im Vorteil. Die könnten auch in Krisenzeiten noch an neues Kapital kommen. Für Start-ups hingegen werde das Klima frostiger: "Ganz neue Konzepte werden größere Schwierigkeiten haben, Geldgeber zu finden", so der BVDW-Präsident.
