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Wie sich die E-Commerce-Umsätze in Deutschland entwickeln
06.04.2009 Können die deutschen Onlinehändler in den kommenden Jahren überhaupt noch mit einem Wachstum in der Branche rechnen und wenn ja, wie hoch wird es sein? Diese Frage hat Forrester Research in einer aktuellen Marktprognose beantwortet.
Das Wachstum im Onlinehandel werde bis 2014 stetig Jahr für Jahr sieben Prozent betragen. Damit liegt Deutschland vor Großbritannien, wo die Experten nur von einem jährlichen Wachstum in Höhe von sechs Prozent ausgehen. Für den französischen Markt rechnet Forrester dagegen mit einem Wachstum von zehn Prozent. Bis zum Jahr 2014 steigt die Anzahl der Onlinekäufer auf 44 Millionen Deutsche an. Die gegen dann rund 44 Milliarden Euro aus. Aktuell sogen 36 Millionen Konsumenten für einen Branchenumsatz von etwas weniger als 31 Milliarden Euro. Die Deutschen kaufen online für durchschnittlich 869 Euro pro Jahr, damit liegen sie weit hinter Großbritannien (1.341 Euro jährlich), aber noch vor Frankreich (781 Euro pro Jahr).
Im Vergleich zu den Erhebungen des Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) ist der aktuelle Branchenumsatz im E-Commerce von Forrester ein wenig hoch angesetzt. Laut dem BVH haben die Deutschen 2008 nur rund 20 Milliarden Euro mit Waren und Dienstleistungen im Netz umgesetzt. Die Differenz zu Forrester ergibt sich daher, dass die Marktforscher zusätzlich auch Online-Reisebuchungen in die Erhebung mit einbeziehen.
Als Treiber im E-Commerce hat iBusiness in einer aktuellen Trendanalyse Bewegtbild (Video-Commerce) und Web-2.0-Commerce identifiziert. Onlinehändler benötigen zunehmend emotionalere Verkaufskonzepte, um ihre Umsätze auch langfristig weiter zu steigern. Gerade im boomenden Online-Modehandel verschenken viele Shops nach wie vor Potenzial, da sie ihren Kunden kein haptisches Einkaufserlebnis bieten können.
Ein erster Schritt hin zu neuen Shopping-Anwendungen sind Produktvideos im Onlineshop. Ein neues Shopping-Erlebnis schaffen Händler damit aber kaum, da Videoclips lediglich ein weiteres Feature im Standard-Shop sind. Im kommenden Jahr werden daher erste Videoanwendungen mit dem Shop-Frontend verschmelzen und das traditionelle Onlineangebot um neue Rich-Media-Einkaufswelten ergänzen. Vorbilder gibt es schon: In den USA können Nutzer bereits im neuen Windowshop von Amazon dreidimensionale Bücherregale durchstöbern und sich wie im klassischen Ladengeschäft zum Einkauf inspirieren lassen. YouTube wiederum lässt Onlinehändler direkt im Videoplayer passende Produkte verkaufen. Wer etwa ein Musikvideo sieht, kann über so genannte Click-to-Buy-Links gleich die passende MP3-Datei ordern.
Zudem beginnen die Anbieter professioneller Shopsoftware Funktionen für Web-2.0-Commerce-Strategien in ihre Lösungen zu integrieren. Die First-Mover haben sich entweder ihre Marktanteile gesichert oder sind bereits wieder in der Versenkung verschwunden. Die großen Multichannel-Versender haben - gleichsam als Vorreiter für die Branche - die neuen Vertriebskonzepte getestet und bei Erfolg in ihre Onlineshop-Strategien eingebunden. Die Erwartung, dass der Markt von einer Welle neuer Händler 2.0 überschwemmt wird, hat sich nicht bestätigt. Dafür haben die solitär aufgestellten Dienste wie Brand4Friends , Vente Priveé oder BuyVIP immer noch ein Reichweitenproblem, wie voneinander unabhängige Studien gezeigt haben.
Es sind immer noch Angebote für eine vergleichsweise geringe Anzahl von Heavy-Usern. Hinzu kommen Defizite beim Versenderhandwerk, was sich unter anderem in immens langen Lieferzeiten oder einer immer weniger exklusiven Sortimentsgestaltung niederschlägt. Durch die Konkurrenz aus dem Versenderlager wird der Druck auf die Shops steigen. Dieses Problem haben die klassischen Multichannel- und Onlineversender nicht. Sie verfügen über eine breite Kundenbasis, die sie nun zusätzlich über Shopping-Clubs, Life-Shopping-Dienste oder Social-Commerce-Plattformen bedienen werden. Hinzu kommt, dass sie sich gegenüber den First-Movern durch einen hohen Servicegrad und schnelle Lieferzeiten einen entscheidenden Marktvorteil sichern können.
