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Gehaltsspiegel: Wieviel die digitale Wirtschaft verdient
21.09.2009 Die Gehälter in der Internet- und Multimedia-Branche steigen trotz Wirtschaftskrise. Der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfende Fachkräftemangel wird zusätzlich dafür sorgen, dass die Verhandlungsposition für Experten immer besser wird. Was marktgerechte Bezahlung ist, zeigt die detaillierte Auswertung des aktuellen 'Gehalts- und Karrierevergleich Digitale Wirtschaft 2010'.
Das ist das Ergebnis des Gehalts- und Karrierevergleich Digitale Wirtschaft 2010, den iBusiness jetzt vorgestellt hat. Er wurde in diesem Jahr erstmals vom HighText Verlag und der Personalberatung TGMC Dr. Thieme und Partner Management Consulting durchgeführt.
Die Branche ist jung und männlich
Laut Studie liegt das Durchschnittsalter in der Interaktiv- Branche bei 34,4 Jahren: Über drei Viertel sind jünger als 40 Jahre. Aber es sind auch zwei Drittel 30 Jahre oder älter. Mit zunehmendem Alter steigen die Gehälter, um ab 40 Jahren, wenn das Karriereziel erreicht ist, auf hohem Niveau zu stagnieren.
In der Altersklasse ab 50 Jahren befinden sich die Experten aus den höchsten Karrierepositionen. Drei Viertel dieser Umfrageteilnehmer verdienen deutlich über 100.000 Euro pro Jahr. Mit höherem Alter werden höhere und damit besser bezahlte Führungsebenen erreicht. Der Altersanstieg über die Führungsebenen ist jedoch vergleichsweise moderat, was für eine im Prinzip jung gebliebene Branche spricht. Denn schon 40- bis 44-Jährige verdienen im arithmetischen Mittel knapp 73.000 Euro pro Jahr.
| Jahresgesamtgehalt nach Altersklassen in Tausend Euro | |||
|---|---|---|---|
| Alter | 25% | Arithmetisches Mittel | 75% |
| Bis 24 | 23,5 | 31,3 | 41,6 |
| 25 bis 29 | 31,4 | 40,0 | 45,3 |
| 30 bis 34 | 36,0 | 49,1 | 59,6 |
| 35 bis 39 | 46,9 | 65,7 | 75,4 |
| 40 bis 44 | 48,2 | 72,7 | 87,0 |
| 45 bis 49 | 48,8 | 69,7 | 88,9 |
| Ab 50 | 47,4 | 93,7 | 116,9 |
Die Branche ist nicht nur vergleichsweise jung, sondern vor allem männlich: Knapp 68 Prozent der Befragungsteilnehmer waren Männer und nur 32 Prozent Frauen. Ausgehend von dieser Verteilung lässt sich der Männeranteil in Geschäftsführungen auf etwa 87 Prozent schätzen. Dementsprechend verdienen Männer auch mehr: im Durchschnitt rund ein Drittel mehr als ihre Kolleginnen, was im wesentlichen widerspiegelt, dass Männer in besser bezahlten Funktionen stärker vertreten sind.
Was die Ausbildung betrifft, zieht sich ein Trend durchweg durch alle Tätigkeitsbereiche der Branche: Das Qualifikationsniveau ist hoch, drei Viertel aller Beschäftigten haben einen Hochschulabschluss. Eine gute Ausbildung ist für die Branche offenbar nicht Karrierefaktor, sondern eine Karrierevoraussetzung. Zudem herrscht in der Branche ein hoher Spezialisierungs- und Professionalisierungsgrad. Die Studienautoren Dr. Jan Thieme und Dr. Ralph Kattenbach stellen fest: "Die Pionierzeit der Selfmade-Leute ist lange vorbei."
Wer sich für eine technische Ausbildung entscheidet, kann sicher sein, später zu den Spitzenverdienern der digitalen Wirtschaft zu gehören, während die Designer das untere Ende der Skala bilden.
| Jahresgesamtgehalt nach Ausbildungsrichtung in Tausend Euro | |||
|---|---|---|---|
| Ausbildung | 25% | Arithmetisches Mittel | 75% |
| Kfm./BWL | 37,1 | 57,9 | 72,2 |
| IT/Math. | 36,3 | 53,2 | 66,8 |
| Technisch | 44,2 | 66,7 | 75,0 |
| Marketing | 34,8 | 49,9 | 61,1 |
| Design | 28,4 | 38,5 | 48,7 |
| Geisteswiss. | 33,4 | 48,3 | 60,2 |
Jobhopping lohnt nicht
Karrieren werden innerhalb eines Unternehmens gemacht. Denn mit ansteigender Führungsebene nimmt auch die Beschäftigungsdauer beim derzeitigen Arbeitgeber zu. So lohnt sich der Studie zufolge Jobhopping nicht. Zudem bemühen sich Unternehmen, bei der angebotsseitig angespannten Marktlage für Fachkräfte, gute Kräfte zu halten. Mit steigender Berufserfahrung steigen auch die Gehälter. Ab fünf Jahren Berufserfahrung wirkt sich jedes zusätzliche Berufsjahr im Durchschnitt mit rund 3.000 Euro und im oberen Bereich mit rund 4.000 Euro zusätzlichem Jahreseinkommen aus.
Wesentlicher Einflussfaktor für die Einkommenshöhe ist die Branche. So wird in den Anwenderbranchen besser gezahlt als in den Dienstleistungsbranchen. Wobei die gezahlten Einkommen bei Dienstleistern umso höher liegen, je spezialisierter die Dienstleistung ist. So verdient beispielsweise ein Agentur-Mitarbeiter ohne Führungsfunktion im Durchschnitt 34.000 Euro, während ein SEM/SEO-Experte in gleicher Position schon 42.000 Euro erhält.
Variabel bezahlte Mitarbeiter verdienen besser
In einem Punkt weicht die digitale Wirtschaft von anderen Branchen ab: Der Standort hat keinen wesentlichen Einfluss auf die Gehaltshöhe. Rund 80 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass der Standort ihres Arbeitgebers in einer Großstadt oder einem Ballungsraum liegt. Jedoch unterscheiden sich die Gehälter zwischen Großstadt/Ballungsraum einserseits und ländlichem Raum andererseits im Durchschnitt nicht, wenngleich in den Großstädten vermehrt Ausreißer mit Spitzeneinkommen vorkommen. Eine Erklärung könnte sein, dass die Preise im urbanen Raum gemacht werden, die auch den ländlichen Raum prägen. Der Vorteil bei den Lebenshaltungskosten auf dem Land wird von den eher jungen, urban orientierten Bewerbern offenbar als Kompensation für Nachteile in der Lebensqualität gesehen. Insgesamt sind in den Hochburgen der digitalen Wirtschaft, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart, die Gehälter aber überdurchschnittlich hoch.
Gehaltsunterschiede in der digitalen Branche kommen nicht zuletzt durch variable Vergütungen zustande. Rund 62 Prozent der Interaktiven haben im vergangenen Jahr einen variablen Anteil an ihrer Gesamtvergütung erhalten. Nur rund 38 Prozent wurden ausschließlich fix bezahlt. Variable Vergütungsmodelle sind in Anwenderbranchen weiter verbreitet als in Dienstleistungsbranchen. Das gilt insbesondere für die kundenorientierten und die Managementfunktionen, die für variable Vergütungen prädestiniert sind. Im Vergleich zu anderen Branchen wird in der digitalen Wirtschaft jedoch seltener variabel bezahlt. Der Anteil liegt bei zehn bis 20 Prozent von der Gesamtvergütung. Insgesamt verdienen Multimediaschaffende, die variabel bezahlt werden, deutlich besser als diejenigen, die ausschließlich eine fixe Vergütung erhalten. So verdienen beispielsweise Geschäftsführer mit variablem Vergütungsanteil knapp ein Drittel mehr als Kollegen ohne Variable.
Die Branche ist gut vernetzt
Zusatzleistungen zum Gehalt sind in der digitalen Wirtschaft nicht sehr weit verbreitet. Bei Versorgungs- und Vermögensbildungsleistungen sowie betrieblicher Fortbildung sind die unteren Führungsebenen sogar bevorzugt. Firmenfahrzeuge sind selbst im oberen Management eher die Ausnahme: "Das Zeitalter des New-Economy-Hypes ist lange vorbei; Stock-Options und Unternehmensanteile haben Seltenheitswert", fassen die Studienautoren zusammen.
Mit Verknappung von Managern und Spezialisten der digitalen Wirtschaft verändert sich auch das Recruiting: Diese Zielgruppe braucht sich nicht unbedingt zu bewerben, sie wird angesprochen. Auffällig ist der hohe und mit der Führungsebene ansteigende Anteil der Ansprachen aus dem Netzwerk bzw. direkt durch den einstellenden Arbeitgeber. Die Branche ist offenbar gut vernetzt und kommunikativ: Man kennt sich und spricht miteinander - auch ein Kennzeichen einer jungen Branche. Erstaunlich ist allerdings, dass Social Networks wie Xing als Rekrutierungsweg eine untergeordnete Rolle spielen.
Der 'Gehalts- und Karrierevergleich Digitale Wirtschaft 2010' für Fach- und Führungskräfte in Agenturen und Wirtschaft, Online-Marketing, Multimedia, E-Commerce und anderen Medien-Konvergenz-Märkten ist voraussichtlich ab 1. Oktober bei iBuiness erhältlich und kostet 39,80 Euro. iBusiness Premium Mitglieder erhalten ihn zum Vorzugspreis von 31,84 Euro.
Die Ergebnisse beruhen auf 749 detailliert ausgefüllten Fragebögen, die anonym von Mitarbeitern der digitalen Wirtschaft aus unterschiedlichen Funktionen und Branchen beantwortet wurden. Drei Viertel der Teilnehmer arbeiten in Anwendungsunternehmen, ein Viertel arbeitet in Dienstleistungsunternehmen. Die digitale Wirtschaft umfasst Unternehmen, die sich mit E-Commerce und Onlinemarketing beschäftigen. Das sind im engeren Sinne Dienstleistungsunternehmen wie Interaktiv- und Multimedia-Agenturen, Spezialisten wie SEM/SEO- oder Onlinemedia-Agenturen sowie technische Dienstleister. Ebenfalls fallen unter diesen Branchenbegriff auch die Anwender von E-Commerce und Onlinemarketing, die die genannten Dienstleister in Anspruch nehmen.
