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Öko-Siegel: Echte Nachhaltigkeit statt Greenwashing - aber wie?
29.07.2021 Glaubwürdig für Nachhaltigkeit einzutreten und nicht nur Greenwashing zu betreiben, ist eine Aufgabe, vor der alle Unternehmen stehen. Wer hilft, berät, begleitet und testiert? Öko-Siegel gibt es zuhauf. Der Versuch einer Orientierung.
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Zur Theorie auch die praktische Hilfe bieten dagegen externe Berater. Die Handelskammer Hamburg etwa behandelt das Thema mit Pragmatismus. Auf der Website Hamburg2040.de empfiehlt sie unter dem Titel 'Nachhaltig wirtschaften in der Zukunft' mehr Maßnahmen zur Kompensation - eine Dach- und Fassadenbegrünung, "Urban Gardening Spots", die naturnahe Gestaltung des Betriebsgeländes oder eine "Strauchpatenschaft" - als Stellschrauben in der Infrastruktur eines Unternehmens wie Elektro- und Wasserstoffautos für die Fahrzeugflotte oder den Umstieg auf Ökostrom.
Doch auf einzelne Anfrage, versichert Frank Tießen, Teamleiter Industrie, Energie, Umwelt, biete die Handelskammer ihren Mitgliedern "eine kostenlose individuelle 'Vor-Ort-Einstiegsberatung'. Inklusive einer Potenzialanalyse im Hinblick auf Maßnahmen zur Energieeffizienz, auf Nachhaltigkeitsaspekte und die Identifikation verfügbarer Fördermittel." Ganz generell aber ruft die Handelskammer dazu auf, sich der "UmweltPartnerschaft Hamburg" anzuschließen, einer gemeinsamen Initiative mit dem Senat der Hansestadt. Wer hier Mitglied werden will, muss "freiwillige Leistungen im Umweltschutz" erbringen und wird dafür zertifiziert mit dem Siegel "Grüne Hammaburg", dem Hamburger Wappen in Grün.
Der Weg: reduce, reuse, recycle
Während die freiwilligen Leistungen der Umweltpartnerschaft Hamburg ein wenig wie Nachhaltigkeit light klingen, geht der WWF Deutschland das Thema ganz grundsätzlich und gründlich an. Laura Griestop, Referentin für nachhaltige Wirtschaft und Märkte, stellt zur Einleitung schon mal klar, dass Greenwashing jedenfalls keine Option sei. Erstens, weil es kein Klima- oder Umweltproblem löse. Und zweitens, weil es in der Regel mehr Aufwand und Zeit brauche, die grüne Fake-Fassade zu errichten als sie zum Einsturz zu bringen. Shitstorm garantiert und inklusive. Als wirksame Alternative zählt Griestop auf, was nach Auffassung des WWF nötig ist, um nachhaltig nachhaltig zu wirtschaften, und demonstriert dabei, wie tief sie im Thema steckt.
"Wenn ein Unternehmen wirklich nachhaltiger wirtschaften will", empfiehlt Griestop, "sollte es als Allererstes sein Business Modell überprüfen und sämtliche Prozesse konsequent auf Kreislaufwirtschaft umstellen." Eine möglichst allumfassende Umstellung entwickele sich idealtypisch nach folgender inhaltlichen Priorisierung. "Erster Schritt: vermeiden", beginnt Griestop, "zweiter Schritt: weg vom Einweg, hin zum Mehrweg", fährt sie fort. "Dritter Schritt: wiederverwenden, etwa ein altes Produkt runderneuern und ein kaputtes reparieren. Oder auch zusammengefasst in dem merkfähigen Slogan", schließt sie neudeutsch: "Reduce, reuse, recycle, repair, remanufacture!"
Der Standard der Standards
Dieser Paradigmenwechsel, so Griestop weiter, sollte von der Unternehmensführung in eine Firmenphilosophie gegossen und aus der wiederum eine daten- und wissensbasierte Strategie abgeleitet werden. Mit definierten Zeitfenstern, was bis wann realistischerweise zu erreichen ist. So dass jeder, Management, MitarbeiterInnen, KundInnen, Konkurrenz und Öffentlichkeit, die Fort- bzw. Rückschritte überprüfen kann. Hilfreich beim Erarbeiten der daten- und wissensbasierten Strategie, rät Griestop, sei die Initiative Science Based Targets (SBTi) , ein international anerkannter Standard für die Reduktion von Emissionen.Mit dem Hinweis auf die SBTi bricht die WWF-Referentin allerdings das selbst auferlegte Tabu, keine Standards, Siegel oder Zertifikate zu empfehlen. Der Grund für dieses Tabu liegt nahe: Es gibt zu viele Siegel und Zertifikate, und es würde zu viel Zeit und Kapazität kosten, sie fortlaufend auf ihre Anpassung an aktuelle Entwicklungen, Erkenntnisse, Daten und Wissensfortschritte hin zu überprüfen. Die SBTi allerdings wird laufend überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Einen ähnlich untadeligen Ruf genießt ansonsten noch ISEAL (International Social and Environmental Accreditation and Labelling Alliance) , ein Verbund von Nachhaltigkeitsinitiativen aus Branchen wie u.a. Bergbau, Biokraftstoffe, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft, Öl, Textilwirtschaft, Tourismus und Wasser. Als übergeordneter Standard gilt Iseal als der Standard der Standards.
Für Unternehmen, die nicht so hoch und so international hinaus wollen, hat der WWF aber auch ein eigenes Angebot, eine sogenannte transformative Partnerschaft. Dabei geht es darum, durch gezielte Verhaltensänderungen auf Seiten der Unternehmen Best Practice-Beispiele zu schaffen, innovative Lösungen zu entwickeln und diese gemeinsame Arbeit zu kommunizieren. Lizenzgebühren der Partnerunternehmen für das Führen des WWF-Signets investiert der WWF in Naturschutzprojekte.
Die helfen durch den Dschungel
Hilfreich beim Entschlüsseln des Buches mit gefühlt 7.000 Öko-Siegeln sind überdies das Umweltbundesamt (UBA) und der TÜV . Das UBA mit dem Vorschlag einer Reihe von Top-Siegeln und weiteren empfehlenswerten Siegeln, die regelmäßig auf Qualität und Nachhaltigkeit überprüft werden. Darunter bekannte wie "Blauer Engel", das Bio-Siegel und FSC (Holz) sowie weniger bekannte wie GOTS (Textilien), EU Ecolabel und TourCert (Tourismus). Der TÜV seinerseits mit einer breiten Palette an Zertifikaten, darunter diverse für Nachhaltigkeit sowie weitere zu klima- und umweltrelevanten Bereichen.
Die TÜV Nord AG etwa führt in ihrem Portfolio die Zertifikate und Zertifizierung von "Carbon Footprint" (CO2-Bilanz), "Klimaneutrales Produkt", ISCC PLUS (nachhaltige Rohstoffe) und Aluminium Stewardship Initiative (nachhaltige Aluminiumproduktion) über FSC, PEFC (beide Holz), Ökostrom und ISO 14040 (ökologische Optimierung) bis hin zu sozialen Standards wie BSCI (soziale Verantwortung, nachhaltige Lieferkette) und SMETA (soziale Verantwortung, ethisches Verhalten). "All diese Zertifizierungen machen den Beitrag zur Nachhaltigkeit sichtbar", erklärt Annika Burchard aus der Konzern-Kommunikation des TÜV Nord. "Unsere Auditoren begleiten und unterstützen die Entwicklung von Unternehmen und geben ein objektives Feedback." Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist diese Begleitung und Unterstützung wichtig, weil die meist keine eigenen ExpertInnen in ihre Reihen haben.
Die helfen und kommunizieren
Wer die Umstellung auf nachhaltiges Wirtschaften schon vom Start weg transparent kommunizieren will, findet auch für dieses Anliegen hilfreiche Hände und Köpfe. Zum Beispiel bei Flad & Flad , Kommunikationsagentur für Zukunftsthemen, die Unternehmen hilft, ihren Weg zur Nachhaltigkeit zu finden und auch zu kommunizieren. Als ein Highlight der Nachhaltigkeitsprojekte für ihre KundInnen nennt Geschäftsführerin Simone Schiebold die Erlebnisausstellung in der 'Klima Arena' Sinsheim, die nicht nur ihre Besucher und Besucherinnen an die Themen Klimaschutz, Ressourcenschonung und erneuerbare Energien heranführt, sondern obendrein gemäß nachhaltigen Kriterien realisiert wurde. Aktuell ist F&F dabei, sein Portfolio um die Durchführung von Nachhaltigkeitszertifizierungen für Agenturen zu erweitern. Dieses Angebot soll im Herbst stehen.Fazit
Es gibt jede Menge Optionen, die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu zertifizieren, und es kommen immer wieder neue Standards hinzu. Mit dem Resultat, dass einerseits für jedes Unternehmen die passenden Siegel dabei sein sollten, es andererseits aber wegen ihrer verwirrenden Vielfalt nicht ganz leicht fällt, die richtigen zu identifizieren. Welche das sind, kann jedes Unternehmen ńur selbst für sich entscheiden. Die Entscheider sind also gut beraten, sich dabei von guten ExpertInnen beraten und begleiten zu lassen. Bei der Auswahl dieser ExpertInnen dürfte volles Vertrauen der maßgebliche Standard ein.Ausgewählte Öko-Siegel |
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| Blauer Engel | Die RAL gGmbH, Herausgeberin des Blauen Engel, bietet Online-Händlern und Marktplätzen einen kostenfreien Datenservice zu Produkten beziehungsweise Artikeln, die mit dem Blauen Engel zertifiziert sind. Über eine ECommerce-Schnittstelle können interessierte Online-Händler und Marktplätze auf tagesaktuelle Listen mit Warencodes (GTIN/EAN/UPC) und weiterführenden Informationen zu über 20.000 Blauer Engel-Produkten automatisiert zugreifen und diese in ihre eigenen Shop- und Produktinformationssysteme (PIM) integrieren. | ||
| Fairtrade/TransFair - für Produzenten und Händler | Fairtrade ist das weltweit bedeutendste nachhaltige Sozialzertifizierungssystem, bei dem die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern im Mittelpunkt stehen. | ||
| Retourensiegel - nachhaltiges Retourenhandling im E-Commerce | Mit dem Retourensiegel des Retourenregister kann der Onlinehandel nachhaltiges Retourenhandling einfach kommunizieren, Müll vermeiden und Kosten senken. | ||
| CDR Building Bloxx - Framework Corporate Digital Responsibility des BVDW | Die CDR Building Bloxx sind ein Framework, die Verantwortung von digitalem Handeln für eine positive Entwicklung von Unternehmen, Gesellschaft und Umwelt adressiert. Sie geht über regulatorische Anforderungen hinaus und wird als proaktive Selbstverpflichtung verstanden. | ||
| Digital Trust Label - CR-Siegel der Swiss Digital Initiative | Das Digital Trust Label versteht sich als eine Kombination aus Bio-Label und Nährwerttabelle für die digitale Welt. Das Label zeigt, dass obligatorische Kriterien von einem digitalen Dienst erfüllt werden, während es den Nutzern gleichzeitig mehr Informationen und Transparenz über vier Dimensionen des digitalen Dienstes bietet. | ||
| EU Ecolabel | Die RAL gGmbH ist ebenfalls Herausgeberin des EU Ecolabels. War zunächst nur die Kennzeichnung von Produkten vorgesehen, so besteht seit dem Jahr 2000 auch die Möglichkeit, Dienstleistungen mit dem EU Ecolabel zu kennzeichnen. Die Vergabe erfolgt an Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen haben als Vergleichbare. Das Spektrum reicht von Wasch- und Reinigungsmittel über Textilien und Schuhe, Schmierstoffe, Farben und Lacke bis zu Beherbergungsbetrieben und Campingplätzen. Ausgeschlossen von der Vergabe sind zum jetzigen Zeitpunkt Nahrungsmittel, Getränke, Arzneimittel und medizinische Geräte. | ||
| TCO-Label - Büro-Elektronik | TCO Certified ist eine weltweite Nachhaltigkeitszertifizierung für IT-Produkte und für 11 Produktkategorien verfügbar. | ||
| Ecovadis - global für nachhaltige Beschaffung, Lieferketten, CSR | Weltweiter Anbieter von Nachhaltigkeitsbewertungen für Unternehmen mit mehr als 75.000 bewerteten Unternehmen. Die Methodik basiert auf internationalen Nachhaltigkeitsstandards, einschließlich der Global Reporting Initiative, des United Nations Global Compact und der ISO 26000, die 200 Ausgabenkategorien und über 160 Länder abdeckt. | ||
| WWF Signet - für Unternehmen in transformativer Partnerschaft mit WWF | Basierend auf internationalen Vereinbarungen wie den Sustainable Development Goals (SDGs), dem Pariser Klimaabkommen und der Biodiversitätskonvention soll der ökologische Fußabdruck der Wirtschaft verringert werden. Der WWF unterstützt Unternehmen dabei, Lieferketten, Wertschöpfungsprozesse und Finanzströme grundlegend zu transformieren. | ||
| Myclimate - Zertifikat klimaneutrales Unternehmen | Lösungen für Unternehmen jeder Größe für ein Engagement in Nachhaltigkeit und Klimaschutz: von der bedarfsorientierten Beratung bis hin zu konkreten Maßnahmen wie Bildungsprogrammen und Produkten im Bereich Reporting und IT. |
