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Der KI-Weltuntergang kommt. Jetzt aber wirklich. Oder?
28.11.2023 So lasst uns doch bitte endlich Hoimar von Dithfurths Apfelbäumchen pflanzen. Lange genug hat es ja gedauert, aber jetzt ist es soweit. Das Ende der Menschheit steht vor der Tür. OpenAI, Erfinder von ChatGPT, hat eine neue Algorithmus-Methodik entfesselt: Q*. Mitarbeiter des Unternehmens warnen eindrücklich davor.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete darüber , dass es sich ungenannten Quellen aus dem Unternehmen zufolge, dabei um den "entscheidenden Durchbruch" auf dem Weg zu AGI handle - ausgeschrieben "Artificial General Intelligence", das Schreckgespenst also, das irgendwann mehr können soll als jeder Mensch und uns deswegen alle ins Verderben führen wird. Nach der OpenAI-eigenen Definition sind AGI-Systeme in der Lage, die meisten wirtschaftlich wertvollen Aufgaben nicht nur zu erfüllen, sondern die Menschheit darin auch zu übertreffen.
Aktuell ist Q* (ausgesprochen: "Q-Star") zwar erst in der Lage, Matheaufgaben auf Grundschulniveau zu lösen, doch der Grundstein für die weitere Entwicklung zum, siehe Bildunterschrift, Supercomputerwesen sei damit gelegt, so die Reuters-Quellen.
Die unausgesprochene Warnung: die Menschheit, respektive OpenAI , hat mit Q* etwas Übermächtiges geschaffen. Oder um mit Goethes altem "Zauberlehrling" zu sprechen: "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los."
Ist also alles vorbei? Werden wir von KI-Systemen übernommen und führen demnächst nur noch Wünsche und Befehle von Computern aus? Oder lassen wir uns gerade wieder einmal von apokalyptischen Visionen überwältigen? Schließlich hat es daran noch nie gemangelt. Bildmächtig einst vom Christentum eingeführt, finden sie sich seither in unzähligen Abwandlungen immer wieder, nicht nur bei Goethe. Vom Club of Rome ("Die Grenzen des Wachstums") über Hoimar von Ditfurth ("So lasst uns denn ein Äpfelbäumchen pflanzen"), über Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" und die Y2K-Warnungen bis eben hin zu der heutigen KI-Schwarzmalerei.
Dazu vier Meldungen zu neuen Forschungen im Bereich Künstliche Intelligenz von gestern, alle als hoffnungsvolle Entwicklungen lanciert, die dazu dienen sollen, dem Menschen zu helfen.
Urteilen Sie also selbst: Gut oder böse?
Universität Greifswald: Das neuentwickelte, dreimonatige Programm iCAN (intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge) soll 13- bis 25-jährigen Menschen mit Depressionen helfen, nach einer Klinikbehandlung gut in den Alltag zurückzukehren. iCAN besteht aus einer Chatbot-App und Telefongesprächen mit Psychologinnen und Psychologen . Die Wirksamkeit des iCAN-Programms wird seit Oktober 2023 in einer deutschlandweiten Studie überprüft, und es werden weiterhin Studienteilnehmende gesucht.
Hochschule Karlsruhe (HKA): Gemeinsam möchten die HKA und der Energieversorger EnBW im Projekt "AutoDiagCM" mit maschinellem Lernen KI dazu einsetzen, ein System zur intelligenten Überwachung von Windenergieanlagen zu entwickeln, um folgende Ziele zu erreichen:
- eine hohe Überwachungsbreite und -tiefe
- eine Automatisierung des Diagnoseprozesses
- eine kontinuierliche Weiterentwicklung auf Basis historischer und bereits erkannter
Schäden - eine Übertragbarkeit von Erkenntnissen und Fehlern auf Anlagen des gleichen Typs
- eine flexible Erweiterbarkeit, indem zusätzliche Datenquellen und Analysemethoden
integriert werden können
LinkedIn: Die neue Ausgabe des Reports "Future of Work: AI at Work" dokumentiert, dass sich die Anzahl der "Head of AI"-Stellen auf LinkedIn in den letzten fünf Jahren weltweit verdreifacht hat. In Deutschland wuchs die Zahl der Stellenanzeigen, in denen KI erwähnt wird, in den vergangenen zwei Jahren um mehr als das Doppelte (2,6x).
Was also den Weltuntergang angeht:
Schon nach dem offenen Brief, initiiert vom Future of Life Instititute , in dem KI-Forschende ein sechsmonatiges KI-Moratorium gefordert hatten, kursierte die Diskussion um die Allmacht der Algorithmen. Andere Forschende hatten allerdings eine viel naheliegendere Vermutung: Wenn KI-Machende von ihrer eigenen Schöpfung warnen, lenken sie die Augen der Öffentlichkeit vom eigentlichen Problem ab: Dass KI ohne Zweifel ein mächtiges Tool ist, mit dem sich die Welt noch besser mit Fake News und Propaganda fluten lassen. Der KI-Alarmismus verbirgt, dass wir mehr über Verantwortung der Tech-Branche reden sollten, dem endlich einen Riegel vorzuschieben.
Wir haben es also in der Hand. Wie immer. Kommt er also, der Weltuntergang? Nein. Zumindest nicht durch die Maschinen.
Ihr Christian Gehl,
iBusiness-Analyst
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