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Wearable-Technik: Per Umweg in den Massenmarkt
10.02.2012 Bisher galten sie als futuristische Nerd-Objekte. Nun sollen Wearables ihr Dasein als kuriose Nischenprodukte hinter sich lassen. Die Gesundheits- und Fitness-Industrie hat Gefallen an ihnen gefunden. Sie will die Technik im Massenmarkt etablieren. Dazu benutzt sie einen massenattraktiven Umweg.
Noch müssen die meisten verfügbaren Wearable-Systeme auf Smartphones als unterstützendes Helferlein zurückgreifen. Denn es ist weit verbreitet und via Apps leicht in ein Tool zu verwandeln, mit dem Ambient-Intelligence-Funktionen bereitgestellt werden können. Doch die Krücke Smartphone will die Industrie überwinden. Auf lange Sicht soll das separate Endgerät verschwinden, damit sich der Nutzer auf das konzentrieren kann, was er tut - statt darauf, ein Gerät zu bedienen. Damit wäre dann auch die eigentliche Definition der Wearables erfüllt.
Der momentane Umweg über das Smartphone birgt jedoch auch zwei große Vorteile:
- Eine hohe Reichweite und
- eine Minimierung der Anschaffungskosten.
Diese Taktik der langsamen Heranführung könnte durchaus aufgehen, denn ein Markt ist da. Laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Juniper Research soll die Anzahl der Downloads von mobilen Gesundheitspflege-Apps und medizinischen Apps im Jahr 2012 auf 44 Millionen ansteigen. Bis zum Jahr 2016 soll sie weiter auf eine Anzahl von 142 Millionen Downloads steigen.
Generell zeigt sich der ehemalige Nerd-Sektor der Wearables eher bodenständig. So passt er sich etwa an gesellschaftliche Phänomene an: So werden etwa gegenwärtige Trends in der Technik wie schnellere Reaktionszeiten und intuitive Handhabung mit soziologischen Entwicklungen wie den steigenden Zahlen von Senioren und chronisch kranken Patienten verknüpft. Aus dieser immer größer werdenden Zielgruppe ergibt sich ein neuer Massenmarkt für die Wearable-Technik. Wohl einer der Gründe dafür, warum die Wearables-Industrie momentan stark mit dem EHealth- und MHealth-Sektor liebäugelt.
Weitere potenziell lohnenswerte Absatzmärkte, die die Wearable-Hersteller für sich ausgemacht haben, sind die Bereiche Fitness, Sport und die Unterstützung chronisch Kranker in deren Alltag. Die Idee dahinter: Wearables sollen das Leben mit der chronischen Krankheit der Patienten vereinfachen. Speziell Patienten mit Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Alzheimer sollen in Zukunft von der Wearable-Technik profitieren können.
Doch diese Zielgruppe ist anspruchsvoll. Um sie für sich zu gewinnen müssen Produkte wichtige Kriterien erfüllen, wie:
- einfache Bedienbarkeit. Die Produkte müssen noch einfacher in der Handhabung sein. Der Umgang mit der Technik soll nebensächlich zur eigentlich ausgeführten Tätigkeit des Nutzers geschehen.
- sehr schnelle Reaktionszeiten. Die Geräte müssen sehr schnell reagieren können, falls sich der Gesundheitszustand eines schwer kranken Patienten drastisch verschlechtert.
- Die technischen Geräte müssen unauffällig und praktisch in die Materialien mit eingearbeitet sein. Die Nutzer sollen keinerlei Abstriche in puncto Komfort machen müssen. Zudem sollen die Geräte auch nicht befremdlich auf ihre Nutzer wirken.
Smartphones: Der aktuelle Zwischenschritt der Wearables-Technik
Während sich ein Hersteller von Gesundheitsarmbändern seine technische Plattform komplett selbst schaffen muss, können App-Anbieter auf die bereits weit verbreitete Technologie der Smartphones zurückgreifen. Erst kürzlich hat der Hightech-Verband Bitkom aktuelle Zahlen zum Smartphone-Markt in Deutschland veröffentlicht:- Demnach wurden 2011 11,8 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft.
- Dies bedeutet ein Wachstum um knapp ein Drittel gegenüber dem Vorjahr.
- Bereits 43 Prozent aller verkauften Mobilfunktelefone sind mittlerweile Smartphones.
Diese Vorteile der Smartphones für den Wearable-Markt erkennt auch Christian Stammel , Geschäftsführer des Technologie Marketing Unternehmens Navispace . Er sieht momentan zwei deutliche Trends im Wearable-Markt: "Zum einen hat sich das Smartphone als ständiger Datengateway in die Cloud entwickelt, zum anderen verfolgen wir eine fortschreitende Miniaturisierung von energieeffizienten Sensoriksystemen, die nahezu unsichtbar getragen werden können."
Stammel ist sich weiterhin sicher: "Durch den anhaltenden Smartphone-Trend und den immer einfacher zu bedienenden Apps und Zubehörprodukten wird dieser Markt signifikant wachsen." Die Zahl der Bluetooth-fähigen Endgeräte, die sich im weltweiten Markt befinden soll sich von 3,5 Milliarden zu Anfang diesen Jahres bis Ende 2012 auf sieben Milliarden Geräte verdoppeln.
Auch der Goldmedia Mobile Monitor 2011 widmet sich der aktuellen Beliebtheit der Smartphones. Wichtiger als Bluetooth ist jedoch für die Mehrheit der deutschen Nutzer das mobile Internet. Der mobile Monitor zeigt hier, dass dieses immer mehr an Bedeutung gewinnt: Die browserbasierte Internetnutzung über Smartphones folgt bereits nach der SMS auf Platz zwei der am häufigsten genutzten Smartphone-Features. 64 Prozent der Befragten nutzen diese täglich oder zumindest wöchentlich.
Die Marktchancen der Wearable-Technik schätzt Stammel nicht zuletzt aufgrund dieser guten Smartphone-Infrastruktur als äußerst vielversprechend ein. "Prognosen von ABI research gehen davon aus, dass bis 2014 allein in den USA 400 Millionen Wearable-Endgeräte im Medizinmarkt eingesetzt werden. Ab 2015 sollen jährlich 100 Millionen Endgeräte neu in den weltweiten Healthcare-Markt kommen", führt er an. Eine optimistische Aussage - angesichts der von Juniper Research prognostizierten 142 Millionen Medizin-Apps im Jahr 2016.
Sechs Wearable-Märkte, die in Zukunft vielversprechend sind
1. Sport und Fitness: Quentiq und die Verbindung zu mobiler Gamification
Eine bereits verfügbare MHealth-App inklusive Plattform und Gamification Features hat Peter Ohnemus, , Gründer der Quentiq AG vorzuweisen. Er sieht großes Potenzial in diesem Markt: "MHealth ist heute ein zwei Milliarden US-Dollar schwerer Markt. Gemäß einer neuen Studie von McKinsey wird er bis 2020 sogar 50 Milliarden US-Dollar betragen. Wir sprechen hier also von einem sehr seriösen Wachstum. Er glaubt weiterhin daran, dass Chemie und Computing-Power nun endlich zusammenschmelzen werden. "Wir sehen das heute wo sich große Unternehmen wie Philips , Intel , Roche , Nike , Adidas alle in diesen Bereich reinbewegen", begründet er sein Interesse an dem Wearable-Markt weiter. Ohnemus ist überzeugt davon, dass die Geräte entweder über Bluetooth oder WIFI laufen werden. Er denkt schon einen Schritt weiter. Ohnemus sieht momentan Biosensoren als Hauptthemen: Für die Messung von Blutdruck, Körpertemperatur, Gewicht, Glukose oder auch als auch generelle Bewegungssensoren.
Um das Potenzial des Wearabl- Marktes wirklich ausschöpfen zu können, bedarf es jedoch noch einiger Veränderungen. "Die Wearables müssen noch günstiger und tragbarer werden", erklärt Ohnemus seine Zukunftserwartungen. Er ist der festen Überzeugung, dass die Wearables in "baumwollähnlicher Tragequalität" kommen werden. Diese sollen sich dann künftig auf den Körper aufkleben und nach Benutzung - nach einem oder mehreren Tagen - wieder entfernen lassen. Weiterhin glaubt er, dass künftig Wearables existieren werden, die nicht nur Bewegung und Körperdaten messen, sondern auch Stress, Schlaf und Essgewohnheiten dokumentieren und vergleichen können. Sein Plan: "Diese ganzen Daten werden wir in die Quentiq Health-Score-Plattform integrieren, die dann - basierend auf den verschiedenen Körpersignalen und Informationen - Ihre Gesundheit in Echtzeit berechnet."
Entwickelt hat Quentiq seinen Health Score gemeinsam mit Professoren des MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston und dem Universitätsspital Zürich .
Die Nutzung kostet knapp acht Euro im Monat für Personen über 20 Jahren. Der Quentiq Health Score bietet eine Zusammenfassung des Gesundheitszustands eines Einzelnen. Er hat einen Wert von eins bis 1000, der aus bestimmten sportlichen Aktivitäten und Lebensweisen sowie physiologischen- und Selbstbeurteilungseingaben errechnet wird. Er spiegelt den Gesundheitszustand in Echtzeit wider.
Dabei kommen auch Motivation und Features, wie sie aus der Gaming-Industrie bekannt sind zum Einsatz: Herausforderungen, Anerkennungen oder Medaillen. So kann der Nutzer etwa seinen Wert mit dem von Freunden, Familie, seiner Altersgruppe, oder Arbeitskollegen auf der Quentiq-Plattform vergleichen.
Diese Verknüpfung von Gesundheitsanwendungen mit der Gaming-Industrie findet Ohnemus besonders lohnenswert: "Es wird spannend, wenn Sie die vier Trilliarden Dollar schwere Gesundheitsindustrie mit den drei Trilliarden Dollar der Telekommunikations-Industrie mischen und dabei noch die 69 Milliarden Dollar der Gaming-Industrie involvieren", rechnet er vor.
2. Healthcare und Wellness: Blutdruck und Glukosemessung mit Bodytel
Ebenso wie Peter Ohnemus findet auch Michaela Klinger Wearables spannend. Sie ist Marketingverantwortliche bei dem Hersteller für Medizingeräte Bodytel . Besonders interessant findet sie Armbänder oder Shirts wie die von Nike, Philips oder Jawbone . Diese tracken die Aktivität, die Herzrate und Bewegung des Nutzers.
Die Bodytel-Geräte messen unter anderem Blutzucker, Blutdruck und Gewicht der Patienten und übertragen sie automatisch via Bluetooth an ein Smartphone. Anschließend werden sie in einer elektronischen Gesundheitsakte (EGA) oder im persönlichen Patienten-Tagebuch gespeichert.
Das Selbstmanagement-System für Patienten mit chronischen Krankheiten sei allerdings "kein Wearable im eigentlichen Sinne, sondern externer Sensor", räumt Klinger ein. Ziel der Entwicklung sei es aber, den Sensor zu integrieren oder die Patientenaktivitäten direkt über das Smartphone zu tracken. "Diese verfügen bereits über die notwendigen Sensoren. So muss man nur einen guten Algorithmus implementieren, um daraus Bewegungsprofile zu machen."
Den künftigen Markt für Wearables schätzt Klinger als lohnend ein. "Ein Shirt, das Herzrate und Bewegung trackt, müsste endlich mal wirklich im Laden liegen. Und das zu einem vernünftigen Preis", fordert sie. Sie selbst, als ambitionierte Freizeitsportlerin, würde sich beispielsweise lieber so etwas anziehen, als einen einengenden Pulsgurt tragen zu müssen. Klinger ist sich sicher, dass in den nächsten Jahren in dieser Hinsicht viel auf dem Markt passieren wird. "Es wäre schön, wenn die Wearables endlich über den Prototypenstatus hinaus in die Massenfertigung gehen könnten. Der Markt an sich ist dafür sicher da." Medizinprodukte benötigen in Deutschland - anders als beispielsweise Drogerieprodukte - Zertifizierungen, um überhaupt als Medizingerät zu gelten. "Immer dann, wenn ein Arzt therapierelevante Entscheidungen auf Grundlage der gemessenen, angezeigten und übermittelten Werte trifft, müssen sich Hersteller auch um die Zertifizierung der Produkte kümmern."
Für die Zukunft der medizinischen Wearable-Geräte wünscht sich Michaela Klinger vor allem ein standardisiertes Abrechnungsmodell für Ärzte, für Telemedizin- und Telemonitoring-Leistungen im Bereich Diabetes oder Bluthochdruck. So eine Abrechnungsfunktion würde Bodytel einen weiten Schritt nach vorn bringen, ist sie sich sicher. "Vor allem Hausärzte scheuen noch davor zurück, solche Systeme einzusetzen, weil hier die Abrechnungsmöglichkeit nicht gegeben ist." So komme es immer wieder zu Unsicherheiten in Bezug auf Haftung oder Ähnliches. Es herrsche in dieser Hinsicht allgemein noch zu viel Unsicherheit. "Unser System selbst ist vor allem auch für den Arzt kinderleicht zu bedienen und erleichtert eigentlich seinen Alltag." Die Ärzte, die das System bisher einsetzen, würden dies bestätigen: Es spare Zeit und helfe, sich effektiver auf die Patienten zu konzentrieren, die die Hilfe auch wirklich benötigen.
Krankenkassen und Ärzte sehen wenig Patientenakzeptanz bei Wearables
Allerdings äußert Ruth Sharp vom Bayerischen Hausärzteverband Bedenken in Bezug auf den Einsatz von Wearable-Medizinprodukten und Selbstmanagement-Systemen. Zwar könnten sie bei der Einstellung des Blutdrucks durch die fortlaufende Ermittlung der Daten gute Dienste leisten. "Andererseits zeigen Untersuchungen, dass es riskant ist, dem medizinischen Laien derartige Kontrollinstrumente in die Hand zu geben", gibt Sharp zu bedenken. Oft führe das dazu, dass der Patient ständig nach den Werten sehe. Dies schüre Ängste, die wiederum die Messergebnisse verfälschen könnten. "Deshalb sollten derartige Instrumente, wenn überhaupt, nur in enger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zum Einsatz kommen", sorgt sie sich um ihre Lobby.
Die Bayerische Ärztekammer stößt in Verbindung mit medizinischen Wearable-Produkten eher auf eine fehlende Akzeptanz seitens der Patienten. Speziell bei Blutdruckmessgeräten würden viele Patienten wegen der unbequemen Manschette das Tragen nach einiger Zeit wieder abbrechen. Zudem müsse der Patient für die Messung jedesmal komplett still stehen, was auch nicht jedem Patienten jederzeit möglich ist. Die Ärzte hingegen würden etwa Wearable-Geräte zur Überwachung von Bluthochdruck mittlerweile als normale Dienstleistung betrachten. Sowohl das Gerät als auch die Software würden meist dem Arzt gehören und seien für diesen eine überschaubare Anschaffung.
Beim bayerischen Verband der Betriebskrankenkassen BKK Landesverband Bayern steht das Thema Wearables noch nicht auf der Tagesordnung. BKK-Sprecherin Manuela Osterloh erzählt, dass auch keine Projekte in Planung sind. Eine verkehrte Welt: Schließlich hätten die Betriebskrankenkassen im Gegensatz zu den Ärzten ein berechtigtes Interesse daran, dass sich die Kosten für ihre Aktivitäten durch den Einsatz von Wearables minimieren. Bisher nutzt der BKK jedoch nach eigenen Angaben lediglich Patientenwaagen und Blutdruckmessgeräte für ein spezielles Versorgungsprogramm, das sich an Patienten richtet, die an Herzinsuffizienz erkrankt sind.
3. Sicherheit und Prävention: Boomslang Instruments
Neben der Sparte EHealth eignet sich der Markt für Sicherheit und Prävention sehr gut für Wearables. Das schwedische Unternehmen Boomslang Instruments bietet ein speziell an Frauen gerichtetes Produkt in Form eines Armbandes. Das knapp 200 Euro teure PFO (Protective Fashion Object) soll die Sicherheit seiner Käuferin garantieren: Drückt die Besitzerin im Notfall unauffällig das Armband, verschließt sich dieses und sendet ein Signal. Versucht der Angreifer das Armband zu entfernen, sendet es einen weiteren Alarm. Das akkubetriebene Armband enthält einen GPS- und einen GSM-Chip und wird per Micro-USB-Adapters geladen.
Boomslang-Geschäftsführer Johan Carlsson will mit dieser Art der Wearable-Technik in den Massenmarkt einsteigen. Nach dem Vorbild der Mobiltelefone sollen die Besitzerinnen künftig je nach Belieben verschiedene Schalen verwenden können. Außerdem will er sein Produktportfolio um Halsketten und Uhren erweitern.
Derzeit testet Boomslang eine Social-Media-Funktion des Armbandes in Verbindung mit Facebook . "Ich denke, dass in Zukunft niemand in der westlichen Welt ohne Wearable unterwegs sein wird. Sie werden den Stand von Mobiltelefonen haben und in sämtliche Bereiche wie Sport, Gesundheit und Sicherheit mit eingebunden sein", prognostiziert Carlsson.
4. Gaming und Lifestyle: Fraunhofer hilft dem Fußball
Auf den Bereich Sport und Gaming zielt auch das neue Produkt der Fraunhofer Gesellschaft ab. RedFIR heißt es und wird dieses Jahr auf der CeBit als neues Wearable präsentiert.
RedFir ist eine funkbasierte Ortungstechnologie, die Personen und Objekte in Echtzeit mit hoher Genauigkeit lokalisiert.
Etwa beim Fußballtraining können damit Auswertungen und Analysen in Echtzeit erhalten werden. RedFir funktioniert durch an Personen oder Objekten angebrachte Miniatursender. Diese senden Funksignale aus, welche von den Empfangsantennen, die das zu beobachtende Areal umgeben, erfasst werden. In der Empfangseinheit werden die ankommenden Signale weiterverarbeitet und deren Eintreffzeitpunkte ermittelt. Die eingesetzten Sender sind miniaturisiert und können in Schuhen oder Spielerkleidung untergebracht oder im Ball integriert werden. Die funkbasierte Technologie bietet einen wesentlichen Vorteil gegenüber videobasierten Trackingsystemen: sie kann optisch verdeckte Objekte problemlos orten.
5. Wearable-Kleidung im Sport: Therm-ic
Tatsächlich in die Sportkleidung eingearbeitete Wearable-Systeme präsentierte Sports Body Systems (SBS) auf der diesjährigen Sportmesse ISPO. SBS ist ein Kompetenzzentrum, basierend auf den Marken BODY+TECH , SwissLine , Therm-ic und X-Action . Das Sortiment der Hersteller umfasst unter anderem beheizbare Mützen, Jacken und Schuhe, sowie Funktionswäsche und Sohlenkonstruktionen. Das Kompetenzzentrum arbeitet dafür eng mit Forschungseinrichtungen, Ärzten sowie Fachleuten aus der Orthopädie und Elektronik zusammen.
Im Falle von Therm-ic etwa bietet das Unternehmen Lösungen, um den ganzen Körper warm zu halten: Akkupacks mit beheizbaren Mützen, Handschuhe, Socken oder Einlegesohlen. Damit soll die Leistungsfähigkeit der Muskulatur erhöht und das Verletzungsrisiko verringert werden.
6. New Dynamics of Ageing: Wearables für Senioren
Die Studie Mobile Monitor zeigt, dass Unterschiede in der Smartphone-Nutzung je nach Altersgruppe existieren. So stößt die mobile Internetnutzung bei den älteren Semestern noch auf deutlich weniger Interesse als bei den Jüngeren. Von den über 50-Jährigen nutzen nur 43 Prozent das mobile Internet mindestens einmal wöchentlich.
Speziell für diese ältere Zielgruppe sollten Wearables also ohne Smartphone auskommen und lieber direkt und bequem in die gewohnte Kleidung eingearbeitet werden. In diese Richtung gehen die Forschungen der Waliserin Dr. Jane McCann . Zusammen mit dem Designer David Taylor und ihrem Team arbeitet sie an Wearable- und IT-Lösungen speziell für ältere Leute. Sie erforschen die New Dynamics of Ageing . Beispielsweise werden aktuelle Kleidergrößen der Senioren heute durch erhobene Daten an die veränderten Maße heutzutage angepasst. Wo am Körper die Geräte für ihre jeweilige Aufgabe sinnvoll und so wenig störend wie möglich untergebracht werden können ist ein weiteres Gebiet der Forscher.
Die momentanen Herausforderungen der Wearable-Industrie
Vor fünf Jahren berichtete iBusiness über ein T-Shirt, welches mit seinem textilen Display aktive WLAN-Netze aufspüren kann. Geändert hat sich hauptsächlich der Preis, der von damals 39 US-Dollar auf nun knapp 20 gesunken ist. Die damaligen Probleme der Wearables wie die Notwendigkeit von Batterien, deren Unterbringung, Aufladung sowie eine trägerfreundliche Handhabung im Sinne von Maschinenwaschtauglichkeit sind allerdings noch die gleichen.Im restlichen Wearable-Markt sieht es ähnlich aus. Zwar gibt es mittlerweile erste Vorstöße einzelner motivierter Anbieter in den Massenmarkt, doch angekommen ist diese Technik dort noch nicht. Unter anderem deswegen, weil zunächst noch einige Stolpersteine für Hersteller und Kunden aus dem Weg geräumt werden müssen:
- Energieversorgung:
Die Unterbringung und die Leistung der derzeitigen Batterien ist wohl die größte Sorge der Wearable-Industrie. An alternativen Energiequellen wird geforscht, jedoch sind die Ergebnisse bisher nicht über den Prototypenstatus hinaus fortgeschritten. Ein Beispiel hierfür ist etwa das sogenannte Energy Harvvesting des Forschungsunternehmens Imec . Das Unternehmen experimentiert damit, die menschliche Körperwärme in nutzbare Energie umzuwandeln.
- Standardlösungen:
Speziell im Bereich der Medizinprodukte ist die Einführung allgemeiner Standards nötig.
- Niedrigere Preise:
Kleine Chips und Sensoren existieren zwar bereits, sind aber meist noch zu teuer.
- Eigenständigkeit der Geräte:
Noch immer benötigen die meisten Wearables eine Aktion, einen Impuls oder Input seitens des Nutzers, um ihre Funktion starten zu können.
- Tatsächliche Verknüpfung von Technik und Kleidung:
Künftig sollte der Zwischenschritt über die Smartphones wegfallen und die Wearable-Technik tatsächlich in der Kleidung der Nutzer verarbeitet sein.
| Vier Szenarien für die Zukunft der Wearable-Technik | ||
|---|---|---|
| Aktiv-Szenario | Mainstream innerhalb der nächsten Jahre Die Wearables erreichen den Mainstream innerhalb der nächsten ein bis vier Jahre. Der Massenmarkt wird erfolgreich erobert. Kinderkrankheiten wie die Batterieversorgung, Komfort und der Preis werden zunehmend kundenfreundlicher. | Mainstream innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre Die Wearables erreichen den Mainstream frühestens innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre. Der Massenmarkt wird erfolgreich erobert. Batterieversorgung, Komfort und Preis sind den neuen Entwicklungen und Gegebenheiten angepasst und zunehmend kundenfreundlicher gestaltet. |
| Passiv-Szenario | Vorbild-Szenario Immer mehr bekannte erfolgreiche Sportler, Early Adopter und ehemalige Apple-Fans auf der Suche nach einer neuen Nischentechnologie nutzen die Wearables. Sie beeinflussen den Rest der Massen. Nach und nach erreichen die Wearables so den Massenmarkt. Fälschungen aus China überschwemmen den Markt und sorgen für rapide Preissenkungen. | Misserfolg Die Wearable-Technik setzt sich nicht durch. Die Nutzer sehen keine Notwendigkeit, neben ihren Smartphones weiteres Equipment anzuschaffen. |
| | Best-Case-Szenario | Worst-Case-Szenario |
