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25 Methoden, Mitarbeiter in den Burnout zu treiben

25.06.2019 Mitarbeiter sind eine rare Ressource in der Digitalen Wirtschaft. Gleichzeitig steigt gerade bei diesen die Zahl der Burnout-Erkrankungen. Der 'Millennial-Burnout' wird auch von Arbeitgebern befeuert, wie unsere Umfrage zeigt.

 (Bild: typographyimages/pixabay)
Bild: typographyimages/Pixabay

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TL;DR
Entschleunigung hilft
Burnout in der Digitalbranche ist nicht erst ein Thema, seitdem Marissa Mayer in einem Interview mit Bloomberg   stolz erzählt hat, 130-Wochenstunden seien zu ihrer Zeit bei Google   normal gewesen. Yahoo   ist als eigenständiges Unternehmen genau so Geschichte wie Marissa Mayer als Yahoo-Chefin. Was zumindest belegt, dass übermäßiges Arbeiten kein Erfolgsgarant ist.

Seit Buzzfeed in seinem Essay "How Millennials Became The Burnout Generation"   das Thema global auf die Agenda gesetzt hat, wird 'Millennial-Burnout' auch in Deutschland in einer breiten Öffentlichkeit diskutiert. Für die Angestellten und Führungskräfte in der Digitalen Wirtschaft ist das Thema schon älter. Bereits 2013 hatte iBusiness vor der Gefahr in der Interaktiv-Branche gewarnt ('Arbeit am Limit: Warum die Burnout-Gefahr bei Interaktiven besonders hoch ist'. Denn zahlreiche klassische Auslöser für das Burnout-Syndrom sind typisch für den Alltag in der Interaktivbranche:

Burnout-Risikofaktor Bezug zur Interaktivbranche
Übertriebener Ehrgeiz Gerade Interaktive stecken oft besonders viel Engagement und Ehrgeiz in ihren Job, weil sie sich persönlich damit identifizieren.
Langanhaltende Überforderung/hoher Druck Zum Beispiel durch Projektarbeit entsteht hoher Leistungs- und Zeitdruck. Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals mehrere Projekte parallel bearbeitet werden müssen.
Selbstbewusstsein wird über den Job definiert: "Arbeit ist mein Leben". Viele Interaktive leben für ihren Job und haben sich darüber ein soziales Umfeld aufgebaut, vor allem Freiberufler und Selbstständige.
Perfektionismus/hoher Selbstanspruch Wer viel Engagement in seine Arbeit steckt, wird fast automatisch zum Perfektionisten. Dadurch kann es immer schwerer werden, den eigenen Ansprüchen zu genügen.
Eigenbrötlerische Arbeit Vor allem Freelancer und 1-Mann-Unternehmer sowie IT-ler arbeiten oft allein bzw. eigenbrötlerisch.
Großes Risiko und hohe Verantwortung Insbesondere die vielen Freiberufler und Selbstständigen in der Branche tragen viel Verantwortung gepaart mit einem hohen existenziellen Risiko.
Regelmäßige starke Veränderungen am Arbeitsplatz Die Internet- und IT-Branche unterliegt einem außergewöhnlich schnellen Fortschritt und damit starken Änderungen, die sich auf den Arbeitsalltag übertragen.
Angst, den Anschluss zu verlieren Durch die hohe Taktung an technischen Neuerungen und Marktveränderungen entsteht ständig der Druck, auf dem Laufenden zu bleiben und sich fortzubilden.
Ständige Erreichbarkeit Gerade Interaktive sind durch soziale Netzwerke aber auch durch Smartphones ständig auf allen Kanälen erreichbar und aus diesem Grund mit der Arbeit konfrontiert. Somit vermischt sich bei ihnen Privates mit Geschäftlichem, wodurch sich die Entspannungsphasen verkürzen.
Schnelle Arbeitstaktung Durch die digitalen Medien und den rasanten Fortschritt in der Internetbranche wird auch die Arbeitstaktung beschleunigt.
Hohes Beliebtheitsstreben Durch die gute Vernetzung der Interaktivbranche und die ständige Präsenz in Social Media wird das Streben nach Anerkennung und Beliebtheit verstärkt. Wie in jeder anderen durch Kommunikation geprägten Branche ist Beliebtheit von Natur aus besonders wichtig.
Besonders lange Arbeitszeiten Bei vielen Interaktiven verschwimmen Privat- und Geschäftsleben durch Social Media und regelmäßige Veranstaltungen, deshalb verkürzen sich die Erholungsphasen vom Job. Außerdem sind die Arbeitszeiten von Selbstständigen oft besonders lang.

Wie Arbeitgeber und Vorgesetzte beim Burnout tatkräftig mithelfen können

Wir haben mit Interaktiven gesprochen, die in Festanstellung tätig sind - oder das früher waren. Mit Digitalprofis, die das Ohr am Puls der Interaktivbranche haben. Ihre Erkenntnisse über die 25 wichtigsten Methoden, Mitarbeiter in den Burnout zu treiben:
  1. Ununterbrochen über die Schulter gucken. Das treibt jeden in den Wahnsinn.
  2. Projektziele ständig verändern und dabei den Termindruck erhöhen.
  3. Nicht erreichbare Ziele ausrufen.
  4. Den Leistungsdruck ständig erhöhen und diesen Stress auch in die Freizeit tragen.
  5. Immer darauf achten, dass Mitarbeiter dauerhaft Existenzängste haben.
  6. Das Selbstbewusstsein möglichst gering halten, das verhindert auch höhere Gehaltsforderungen.
  7. Erfolge immer auf Zufall, Glück und persönliche Merkmale (z.B. Geschlecht, Aussehen oder Vitamin-B) zurückführen.
  8. Monotone Arbeiten sind besonders für kreative Menschen und echte Leistungsträger ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit.
  9. Völlig unberechenbare Vorgesetzte etablieren, die alles über Druck steuern, dabei sollten diese Vorgesetzte möglichst keine Fachkompetenz mitbringen und Bedenken von Mitarbeitern immer kleinreden.
  10. Jeden Mitarbeiter stets hinterfragen, ob dieser wirklich die volle Leistung bringt. Wer lacht, hat schließlich noch Reserven. Das sollte so am besten öffentlich geäußert werden, denn Mobbing bzw. Bossing können die zuvor genannten Punkte noch effektiver machen.
  11. Mitarbeiter gegeneinander ausspielen.
  12. Mangelnde Wertschätzung bei zu hohem Workload, zu wenig Vertrauen bei zu viel Kontrolle, zu wenig Transparenz und mangelnde Kommunikation.
    * Ich brauche mehr Details, um diese Frage zu beantworten.... bitte erstellen Sie mir eine Liste, in der alle Details aufgelistet sind, inklusive warum, wieso, weshalb. ....die ich im Anschluss aber dann eh nicht lesen werde... :-)
  13. In Endlosschleife: "Hmm, gefällt mir nicht. Versuchs noch mal irgendwie anders." "Wie denn anders, Chef?" "Keine Ahnung - irgendwie anders."
  14. Möglichst viele sinnfreie, repetitive Konferenzen mit versteckten Schuldzuweisungen und gleichzeitigem Verteilen von Sisyphos-Arbeiten, die keiner in der gegebenen Zeit erledigen kann - geschweige denn will.
  15. Ohne klare Kommunikation und Aufgabenteilung heimlich die Projektleitung inoffiziell vom Chef auf den Mitarbeitenden übertragen (natürlich aber nicht, wenn es um die Darstellung nach außen geht).
  16. Einzelne Mitarbeiter als Sündenböcke etablieren und als Mobbingmethode die Mitarbeiter so gegeneinander ausspielen.
  17. Die Meinung des Mitarbeiters einholen, sie als falsch deklarieren und anschließend als eigene Erkenntnis verkaufen.
  18. Konsequent auf "Das haben wir immer schon so gemacht" bestehen.
  19. Mikromanagement gepaart mit nicht vorhandener Fachexpertise. Dabei den Workload der einzelnen Mitarbeiter aus den Augen verlieren, sich aber vehement gegen Ressourcenmanagment wehren. Hinterher fragen, wieso Dinge nicht funktionieren. Schuld sind ausnahmslos die Anderen.
  20. Jungen Mitarbeitern Changeprojekte übertragen, um eigentlich das unliebsame Management verändern zu wollen.
  21. Projekte starten und dann unvermittelt und ohne Begründung beenden.
  22. Während der Mitarbeiter/ die Mitarbeiterin bei der (angekündigten) Magenspiegelung ist, 16 Mal auf die Mailbox sprechen und kreischen: "Wo BIST du?? Ich erreich dich niiiiicht!!!!"
  23. Eine realitätsferne Steuerung aus der Führung heraus, gepaart mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen. Dazu das Ignorieren aller Rückmeldungen aus der praktischen Arbeit.
  24. Niemals loben.
  25. Mitarbeiter anschreien.
Doch nicht nur die Arbeitgeber können für den Burnout ihrer Mitarbeiter sorgen. Hin und wieder schaffen die das sogar alleine:

Sieben Tipps, wie Digital-Arbeiter schnell selber für den eigenen Burnout sorgen können

Frank Berndt von der Burnout-Fachberatung   gibt sieben exklusive Tipps für den schnellen Kollaps:

1. Setzen Sie sich ehrgeizige Ziele!

Der Zweitbeste ist erster Verlierer! Darum: Überflügeln Sie alle! Machen Sie es allen (!) recht und machen Sie alles (!) perfekt. Geben Sie sich nicht mit 100 Prozent und schon gar nicht mit weniger zufrieden. Setzen Sie Ihre Tages-, Wochen- und Lebensziele qualitativ und quantitativ so, dass das Scheitern bereits in der Planung vorprogrammiert ist.


2. Üben Sie exzessiv Selbstkritik!

Das Gefühl, unfähig zu sein, kennen Sie sicher. Spätestens, wenn Sie an Ihren hohen Zielen scheitern. Pflegen Sie es! Je öfter, umso besser! Verzeihen Sie sich keine Fehler! Konzentrieren Sie sich auf Ihr Versagen! Und glauben Sie nicht den Nieten, die Ihnen zu mehr Selbstbarmherzigkeit und Gelassenheit raten.


Drei Tipps, um den Burnout noch abzuwenden
Start-up-Berater und Coach Marcel Kaffenberger von Gründerpilot   gibt drei Tipps, wie Gründer kurz vor dem Burnout kurzfristig gegensteuern und den Totalausfall vermeiden können:
  1. Bevor Stress zum dauerhaften Leid wird und bevor man bei sich etwas wie Verhaltensänderung, innere Leere, Ängste, Depressionen, Demotivation, Rückzugsverhalten etc. bemerkt: Teilt Euch mit, vertraut Euch jemandem an und steht offen zur momentanen Situation. Dies ist eine der wichtigsten Gründer-Eigenschaften überhaupt: Erkenne und akzeptiere die Lage, wie sie ist. Und dann suche gezielt nach Lösungsmöglichkeiten.
  2. Ziehe Grenzen und gönn Dir regelmäßig Auszeiten. So sehr Homeoffice ("ich gucke fern und arbeite nebenher") auch beflügeln mag, so gefährlich ist genau das auf mittelfristige Sicht. Setze einen Punkt am Tag, ab dem Feierabend ist. Mache Sport, treffe Freunde oder lies ein gutes Buch. Wenn eine Woche Urlaub finanziell oder zeitlich einfach nicht drin ist, fahre wenigstens ein Wochenende weg - per Auto oder Fahrrad. Genau dieser Abstand beflügelt Dich dann am nächsten Tag wieder zur Höchstleistung. Wusstest Du, dass in Studien nachgewiesen wurde, dass unser vegetatives Nervensystem immer in Alarmbereitschaft ist, sobald unser Handy eingeschaltet ist? Ein Hochleistungssportler kann auch nicht pausenlos trainieren...
  3. Wer am Wochenende abschalten möchte, muss seine Woche gut organisieren: jeden Abend 15 bis 30 Minuten vor dem Feierabend den Tag Revue passieren lassen, ordnen, strukturieren und den nächsten Tag planen. Am Sonntagabend können die nächste Woche, wichtige Ziele, To Dos und Termine geplant werden. Und dabei können auch bewusste Auszeiten und Pausen fest eingeplant werden. Das schafft Struktur, Klarheit, Ordnung und inneres Aufgeräumtsein. Und genau daraus kann auch das Gefühl von Kontrolle erwachsen und weniger Stress entstehen.

3. Sagen Sie stets und bereitwillig "Ja"!

Dass andere mit ihren Bitten an Sie herantreten, zeigt, wie wichtig Sie sind! Sie werden gebraucht! Lassen Sie niemanden hängen! Selbst dann nicht, wenn Sie andere Dinge dafür liegen lassen müssen. Denken Sie daran: Mit einem "Nein" - und sei es noch so freundlich - setzen Sie jede Beziehung auf Spiel.


4. Achten Sie immer auf eine gute Erreichbarkeit!

Lassen Sie sich von Ihrer Neugier oder Ihrem schlechten Gewissen leiten! Ihr Mobiltelefon ist hierbei ebenso hilfreich wie das Abrufen geschäftlicher Mails vom heimischen PC aus! Achten Sie darauf, dass Sie rund um die Uhr - spät abends, am Wochenende und im Urlaub - greifbar sind! Ohne Sie geht's nicht! Abschalten können Sie im Jenseits!


5. Opfern Sie Ihr Privatleben für die Karriere!

In Ihrer Zeit- und Lebensplanung sollte der Job oberste Priorität genießen. Investieren Sie alles für Ihr Weiterkommen! Verausgaben Sie sich beruflich so stark, dass Sie nach Feierabend und am Wochenende keine Kraft mehr für Familie, Freunde und Hobbys haben! Die so wachsende Unzufriedenheit (z.B. in Ihrer Familie) wird den Kollaps beschleunigen.

6. Konzentrieren Sie sich aufs Geldverdienen!

Nicht qualitativ hochwertige Zeit wünscht sich Ihre Frau von Ihnen, sondern ein schönes Auto! Auch Ihre Kinder werden angesichts eines voll finanzierten Studiums eines Tages verstehen, weshalb Sie so gut wie nie für sie da waren. Also: Klotzen Sie ran! Gerade in Finanzkrisen zeigt sich, dass die "hohe Kante" nie hoch genug sein kann.

7. Verzichten Sie auf Sport und gesunde Ernährung!

Um gesund alt zu werden, müssen Sie nicht zwingend auf Ihre Gesundheit - weder körperlich, noch seelisch - Rücksicht nehmen! Achten Sie nur darauf, dass Sie sich für einen Job mit gutem Einkommen aufreiben. So können Sie sich in ein paar Jahren jede Reha-Maßnahme leisten.

* Vielen Dank für die Antworten und die Diskussion unter anderem an Willms Buhse   ,Niels Dahnke (SEO-Head Suxeedo   ), Sonja Greye (Marketing-Head Netmedianer   ), Wolfgang Gruener (Senior Director CompTIA  ), Harry Henke (Senior Produkt- & Projektmanager, Cover Softwarelösungen  ), Britta Janzen (CEO Wolle und Wunder  ), Joachim Jürschick (IT-Finanzmagazin  ), Arno Karrasch (Senior Information Architect, Visual Concept  ), Anatol Locker (CEO All3p  , Blandina Mangelkramer (Marketingleiterin FAU  ), Alexander Nemet (Co-Inhaber Getraction   , Ben Rund [/person_link] (GM Dach, Riversand  ), Jörg Schönenstein (Infuniq Systems  ), Peter Seybold (VP Sales, Paysafe Group  ), Prof. Eku Wand (HBK-BS  ), Jürgen Walleneit (CEO, Sowespoke AG  ), Karin Weiß (CEO Sahnehäubchen Kreativwerkstatt  
Thema: 25 Methoden, Mitarbeiter in den Burnout zu treiben

Kommentar von Joachim Graf

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Die Freiheit, überall und jederzeit arbeiten zu können, ist ein zweischneidiges Schwert. Denn Work 2.0 funktioniert nicht mit Vorgesetzten 0.2.

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 (Michael Poganiatz)
Bild: Michael Poganiatz
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