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I-D Media meldet Insolvenz an

04.05.2009 Die I-D Media AG, eine der wenigen noch verbliebenen börsennotierten Internetagenturen und derzeit auf Platz 17 der größten deutschen Anbieter, muss Insolvenz anmelden. Die Schuld gibt das Unternehmen der Wirtschaftskrise. Dabei sind die Probleme des Unternehmens viel älter und hausgemacht.

 (Bild: I-D Media)
Bild: I-D Media
Die 1988 gegründete I-D Media AG gehört zum Urgestein der deutschen Multimedia- und Internet-Agenturen. Das Unternehmen ist seit 14.06.1999 an der Börse notiert und eines der wenigen verblieben Unternehmen aus der im Jahr 2000 geplatzen Internetblase.

Doch seit zwei Jahren ist I-D Media ohne Gewinn und hat seinen Umsatz seit 2006 mehr als halbiert: Im Jahr 2006 wies das Unternehmen 20 Mio. Euro Umsatz und rund 3 Mio. Euro Gewinn aus. Für 2008 meldete es im New Media Service Ranking gerade noch 8,7 Mio. Euro Honorarumsatz. Der Jahresabschluss 2008 steht noch aus, in einer Vorabmeldung nennt das Unternehmen ca. 10 Mio. Euro Gesamtumsatz bei 2,9 Mio Euro Verlust. Im Jahr 2007 musste man bereits 5,19 Mio Euro Miese verkraften - das ist weit mehr, als in den paar guten Jahren davor verdient wurde.

Dass I-D Media in Insolvenzgefahr schwebt, sollte spätestens mit dem Ausscheiden von Regine Haschka-Helmer als Vorstandvorsitzende im Dezember 2008 klar geworden sein: Bei diesem Geschäftsverlauf würden die liquiden Mittel nur noch für einige Monate reichen. Im Februar versuchte Vorstand Franz Klose , sich mit einer Kapitalerhöhung noch etwas Luft zu verschaffen, doch das Vorhaben scheiterte: "Die I-D Media AG prüft derzeit Alternativen zur Deckung des bestehenden Finanzbedarfs im Rahmen der laufenden Restrukturierung." ließ er einen Monat später verlauten.

Dass jetzt die Wirtschaftskrise an der Misere von I-D Media Schuld sein soll, muss für Aktionäre und Mitarbeiter wie Hohn klingen. Die Jahre 2006 bis 2008 waren für die New Media Branche Hochkonjunktur, der Honorarumsatz der Unternehmen wuchs allein im Jahr 2008 im Durchschnitt um rund 20 Prozent. Die anderen im New Media Service Ranking gelisteten Internet-Agenturen der Top-20-Gruppe weisen ausnahmslos Wachstum aus, die direkten Nachbarn Namics   (Platz 16, 8,9 Mio) mit 22%, Mediaworks   (Platz 18, 8,1 Mio) immer noch 7,4%. Mit -17,4% ist I-D Media der einzige Verlierer in diesem Segment. Sogar die Pixelpark AG   , Nr. 2 in Deutschland und auch seit Jahren immer auf dem Sprung von der Schippe, weist beim Honorarumsatz ein Wachstum von 1,7 Prozent aus. Hier allerdings hat man etwas schneller gehandelt und sich bereits im Herbst von Vorstand Riese samt seinen überdimensionierten Holding-Strukturen getrennt - gerade noch rechtzeitig, wie man hört. Im Gegensatz zu I-D Media hat Pixelpark immerhin ein funktionierendes Kerngeschäft und die neuen Vorstände kommen aus genau diesem Segment. Ohne Größenwahn und Marktführerschaftsphantasien hat das Unternehmen damit immerhin eine echte Chance auf Gesundung. Das niedrige Wachstum der Honorarumsätze ist zudem auch eine Folge der Restrukturierung. Umsatz abzugeben, der mehr kostet, als er bringt, ist in dieser Lage jedoch kein Schaden.

Das Management von I-D Media allerdings hat es weder geschafft, am Boom der letzen Jahre teilzuhaben - der Umsatz ist vielmehr gehen den Trend geschrumpft. Noch hat man rechtzeitig dafür gesorgt, die Kostenstrukturen dem Auftragsvolumen anzupassen. Die Notbremse wurde viel zu spät gezogen. Die Wirtschaftskrise hat vielleicht bewirkt, dass die Kapialerhöhung im Februar so kläglich scheiterte. Das ist aber nur der Auslöser und nicht der Hintergrund der Misere.
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