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Experten befürchten Kostenlos-Mentalität auch bei mobilen Inhalten
07.02.2008 Branchenexperten fürchten, dass sich die Kostenlos-Mentalität der Internetnutzer auch im Mobilfunk durchsetzen wird. Bezahlinhalte dagegen werden nur unter ganz speziellen Voraussetzungen funktionieren.
Das Geschäft mit mobilen Diensten biete neue Ertragspotenziale und werde auch das Kräfteverhältnis zwischen Herstellern und Netzbetreibern verändern. "Nokia hat das erkannt und entwickelt auf der Plattform Ovi mobile Internetdienste für Musik, Fernsehen, Spiele und Navigation", sagt Sander. Die Bündelung verschiedener mobil verfügbarer Inhalte und Dienste auf einer Plattform ist auch nach Einschätzung von Renatus Zilles , Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdienste-Anbieters Next ID , vielversprechend: "Der Trend geht klar hin zu hybriden Geschäftsmodellen, die ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle über alle Medien hinweg integrieren und so die entscheidenden Verbundeffekte und Preisbündelungen, aber auch eine übergreifende Kundenbindung erlauben." Strategisches Ziel sei die Diversifikation der Erlösquellen, um sich langfristig im Markt behaupten zu können.
Ovi ist nach Meinung von Bernhard Steimel , Autor des Praxisleitfadens Mobile Marketing , auch eine strategische Antwort auf das iPhone von Apple: "Ich bin allerdings skeptisch, ob eine vergleichbare Erfolgsstory wie bei iTunes noch ein zweites Mal geschrieben werden kann." Mittelfristig würden sich weder Hersteller noch Netzbetreiber erfolgreich als Türsteher zum mobilen Internet behaupten können. Vielmehr werde sich eine ähnliche Entwicklung wie im stationären Internet vollziehen: von einer BTX-Welt über Dienste wie AOL zum World Wide Web, prognostiziert Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants und Sprecher der Voice Days .
Mit steigenden Werbeausgaben für das mobile Internet komme es zu einer Veränderung der Geschäftsmodelle. "Ich rechne im Mobilfunk mit einer Entwicklung wie beim klassischen Internet. Werbefinanzierte Inhalte führen zu einer stärkeren Nutzung des mobilen Internets - auch hier wird sich die 'Kostenlos-Mentalität' durchsetzen", ist sich Steimel sicher. Das iPhone belege eindeutig, dass ein neues vertikales Geschäftsmodell nur funktioniere, wenn ein attraktives Online-Portal kombiniert werde mit einem attraktiven Multimedia-Endgerät und einer nahtlosen Integration. "Die wahren Konkurrenten der Handyhersteller sind deshalb die Suchmaschinen-Giganten Google und Yahoo", erläutert Steimel.
Auch Carsten Szameitat , Geschäftsführer der 11 Prozent Communication und Herausgeber der Fachpublikation GfM Nachrichten sieht in der Werbefinanzierung von Content eine gute Möglichkeit, die Nutzung des mobilen Internets zu beschleunigen. Entscheidend sei aber die Qualität des produzierten Contents. "Durch die hohe persönliche Bindung zu mobilen Entgräten wird der Content vom Nutzer stark selektiert. Hier gilt es die richtige Mischung zwischen bezahlten und freien Content anzubieten. Für diese Überlegungen bieten sich auch alternative Abrechungsmodelle jenseits der Netzbetreiber an", skizziert Szameitat.
Die wirklich interessanten neuen Webseiten mit neuen Funktionalitäten, Features etc. werden nach Einschätzung von Medienberater Pascal Tilly eigentlich immer von "kleineren, kreativen, freakigen Teams" ins Leben gerufen. Diese zögen deutlich leichter große Nutzerzahlen an. Ob das am "Underdog-Faktor" liege oder nicht, könne Tilly auch nicht genau sagen. Auch Tilly glaubt, dass sich auch im Mobilfunk in weiten Bereichen eine Kostenlos-Mentalität verstärken werde: "Der Mobilfunknetzbetreiber wird sich immer mehr zum Bitpipeprovider entwickeln und damit die Kostenlos-Mentalität in weiten Bereichen ermöglichen und etablieren." Kostenlos sei der Inhalt aber nur auf den ersten Blick: Die Nutzer würden mit dem Ansehen zielgruppenspezifischer Werbung das Gesamtgeschäftsmodell (er-)tragen müssen. Auf der anderen Seite, quasi als Gegenbewegung, werde es richtig hochwertigen Content auch weiterhin gegen Extragebühren geben, also nicht kostenlos. "Die Aufteilung zwischen kostenlos und Paid-Content sehe ich bei 90/10 oder 95/5, das kommt natürlich sehr auf die Inhalte an", schätzt Tilly.
