Unsichtbare Marktpotenziale mit Kaufkraftdaten erschließen Jetzt zum Webinar anmelden
Eigene Daten zeigen oft nur einen Teil des Bildes. Erfahren Sie, wie Kaufkraft-, Markt- und Regionaldaten zusätzliche Perspektiven auf Kunden, Regionen und Standorte eröffnen. Anhand konkreter Praxisbeispiele lernen Sie, wie sich bislang verborgene Marktpotenziale erkennen und gezielter nutzen lassen.
Jetzt zum Webinar anmelden
Was ist Deine Digitalagentur wert? Agenturwert berechnen
Sechs Zahlen aus der BWA genügen, um herauszufinden, was aktuell Deine Agentur wert ist und welche Faktoren den Wert beeinflussen.
Agenturwert berechnen

November 2026 · Unser Geburtstagsgeschenk

35 Jahre iBusiness.
Im November alles frei lesen.

Zum Jubiläum öffnen wir alle iBusiness-Inhalte: vom 1. bis 30. November, für alle, ohne Anmeldung und ohne Bezahlschranke.

Alle Inhalte im November kostenlos
Heute frei lesen. Morgen nichts verpassen.

Registrieren Sie sich kostenlos und abonnieren Sie anschließend den iBusiness-Newsletter. So bleiben Sie bei den Themen auf dem Laufenden, die für Sie zählen.

Das Newsletter-Abo erhalten Sie im Rahmen der kostenlosen Registrierung.

Abruf exklusiv für Premium-Mitglieder
Interaktiv-Trends 2026/2027

Interaktiv-Trends 2026/2027: Siegeszug des KI-Scheißcontent

05.01.2026 KI treibt die Content-Produktion auf die Spitze, indem sie Reproduktion effizient macht wie nie. Die Folge ist eine Entwertung von Inhalt - quantitativ und qualitativ. Welche Rolle wird Content in Zukunft spielen?

 (Bild: grollmann / ChatGPT)
Bild: grollmann / ChatGPT
Scheißcontent ist kein neues Phänomen. Neu ist nur die Geschwindigkeit, mit der er sich ausbreitet.

Schon lange vor dem Siegeszug generativer KI begann sich digitales Wissen in immer engeren Kreisläufen zu bewegen. Eine der frühen und folgenreichsten Zäsuren war die Etablierung von Wikipedia   als universelle Wissensquelle. Was als kollektives Aufklärungsprojekt begann und versprach, Information zu demokratisieren, wurde zur faktischen Referenz für Wissen.

Wer jemals ein Schulreferat, einen SEO-Text oder einen Einführungsartikel zu einem beliebigen Thema geschrieben hat, kennt den Reflex, der sich im Wesentlichen in zwei Phasen einteilen lässt: 1. Wikipedia aufrufen. 2. Wikipedia umschreiben.

Wikipedia ist gut genug, umfassend genug, zitierfähig genug. Und vor allem: Es ist da. Allerdings gibt es einen Schönheitsfehler: Gemeinsam mit der brutalen Google-Suchlogik geriet die vermeintliche breite Wissensbasis schnell zu einer schmalen Wissenspyramide mit dünner Spitze und breiter Reproduktionsbasis. Unzählige Texte fluten das Internet, die formal neu sind, inhaltlich aber kaum mehr als Variationen derselben Quelle zu bieten haben. Eine relativ milde Form von Scheißcontent.

" ... und immer an den Algorithmus denken!"

Eine gefährliche Beschleunigung erfuhr der Prozess erst durch den Aufstieg von Media-Plattformen (wir können das Wort "Social" inzwischen getrost streichen) wie Instagram  , YouTube  , X  , LinkedIn    oder TikTok  . Sie veränderten den Content erneut, weil eine weitere Dimension hinzukam: Reichweite - und damit der Kampf um Aufmerksamkeit.

Das Ergebnis: Ein guter Teil des Contents wird gar nicht für den vermeintlichen Empfänger gemacht - sondern für den Algorithmus. Nur wer im Feed nach oben gespült wird, hat Sichtbarkeit. Deswegen gilt: Klicken, swipen, liken, teilen, kommentieren, abonnieren ist in den meisten Fällen wichtiger als die inhaltliche Auseinandersetzung. Manchmal ist der Algorithmus sogar der einzige Grund für den Upload, weil er Aktivität belohnt. Auf jeden Fall werden Inhalt und Frequenz aber angepasst. Der Empfänger ist nur noch Mittel zum Zweck - dessen Rolle im Zweifel sogar von Bots übernommen wird.

Auf diese Weise haben die großen Media-Plattformen nicht nur die Distribution von Inhalten auf den Kopf gestellt, sondern auch deren Entstehungslogik. Interessanterweise wird diese Algorithmus-Optimierung oft mit Relevanz verwechselt. Motto: Wer Sichtbarkeit hat, hat Relevanz. Dabei sind es oft die irrelevantesten Inhalte, die die größte Sichtbarkeit haben.

KI als Turbo der Entwertungs-Spirale

Und nun kommt Generative KI. Sie hat das Potenzial, diese Entwertungs-Dynamik auf die Spitze zu treiben. Zum ersten Mal in der Geschichte lassen sich Texte zu nahezu null Grenzkosten produzieren: Blogartikel, Whitepaper, LinkedIn-Posts, Newsletter, Zusammenfassungen. Formal sauber, sprachlich korrekt, thematisch anschlussfähig. Und vor allem: schnell.

Ein wachsender Teil dieses Contents wird erst recht nicht für Menschen geschrieben. Texte, Fotos, Videos werden von KI erzeugt, um von KI gelesen, zusammengefasst, neu kombiniert und erneut ausgespielt zu werden. Menschliche Wahrnehmung ist nur noch ein möglicher Zwischenschritt.

So entsteht ein geschlossener Kreislauf:
KI erzeugt Content -> KI bewertet Relevanz -> KI fasst zusammen -> KI generiert neuen Content.

Ökonomisch ist diese Entwicklung folgerichtig. Originärer Content ist teuer. Das Resultat ist aber eine Flut von Texten, die gut formulierte Rekombinationen dessen sind, was schon gesagt wurde. Sie fügen nichts Neues hinzu.

Die paradoxe Folge: Während die Menge an Content explodiert, sinkt der Anteil an Erkenntnis. Das Problem dabei: Die Erkenntnis wird zwar weniger, aber nicht unwichtiger. Denn KI kann nur reproduzieren, was zuvor entstanden ist. Sie ist auf Primärquellen angewiesen, auf Beobachtungen, auf Texte, die nicht aus anderen Texten abgeleitet sind.

Die Rolle des Content in der KI-Ökonomie

Welchen Anreiz könnten Autoren aber haben, mit großem Aufwand originären Content zu produzieren, wenn immer weniger Menschen diesen Content wahrnehmen? Wenn sich immer mehr Menschen auf KI-Zusammenfassungen verlassen? Die ehrliche Antwort lautet: Hier liegt die zentralen Zumutung der KI-Ära. Der klassische Anreiz - vermarktbare Reichweite - bricht weg. Die Distribution via KI-Zusammenfassung wird am Ende wieder die Entstehungslogik des Inhalts - und damit den Inhalt selbst - beeinflussen.

Die wichtigsten Eckpfeiler:

  • Content wird Rohstoff, nicht Endprodukt
  • KI-Zusammenfassungen können nur existieren, wenn es etwas gibt, das sich zusammenfassen lässt. Der ökonomische Wert verschiebt sich vom aufbereiteten Inhalt zur Ursprungsleistung. Wertvoll sind eigene Daten, exklusive Interviews, Primärrecherche, Beobachtung, belastbare Thesen.

    Am Ende wird Inhalt nicht mehr für einen Empfänger, sondern für ein System erzeugt, das entscheidet, was wahr, wichtig oder zitierfähig ist. Wer zur Quelle wird, bleibt in diesem System relevant - auch wenn der eigentliche Inhalt selbst kaum gesehen wird.

  • Reputation schlägt Reichweite
  • In einer Welt der Zusammenfassungen wird Aufmerksamkeit flüchtig, Vertrauen hingegen knapp. Autoren profitieren nicht davon, dass alle ihre Inhalte wahrnehmen, sondern dass die Richtigen wissen, wer sie geschrieben hat: Entscheider, Journalisten, Analysten und - ja! - andere KI-Systeme.

  • Orientierung, Haltung und Werte werden zentral
  • Autoren haben aber nicht nur die Aufgabe, den Rohstoff "Erkenntnis" zu liefern, den eine KI dann verdichten kann. Autoren bieten auch Orientierung, Haltung und Werte. Eine KI kann keine Verantwortung übernehmen. Sie könnte es gar nicht, denn sie hat keine echte Meinung, muss keinen Widerspruch dulden oder persönliche Konsequenzen ertragen.

    Autoren, die sich festlegen, bieten dagegen Angriffsfläche, Wiedererkennbarkeit, intellektuelles Profil. Das schafft Vertrauen und Bindung.

  • Erlösmodelle entscheiden über die Zukunft
  • Daraus ergibt sich aber auch die Notwendigkeit, neue Erlösmodelle zu etablieren. Oder besser: bewährte Modelle zu installieren. Die Rechnung ist einfach: Ohne originären Inhalt ist KI wertlos. Daraus lässt sich im Umkehrschluss der Wert von originärem Inhalt errechnen.

    In den gängigen Geschäftsmodellen spiegelt sich der Wert von Content wieder. Der Creator bekommt einen Anteil an den Vermarktungserlösen, die sich mit seinen Inhalten erzielen lassen. Diese Logik wird von den AI-Anbietern auf den Kopf gestellt: Sie vermarkten den Inhalt (zugegebenerweise sehr attraktiv), ohne aber den Creator zu beteiligen. Man kann das Diebstahl nennen oder nicht - in jedem Fall zerstört es aber die Geschäftsgrundlage des Creators.


In der Vor-AI-Ära wurden der Suchmaschine Google   nicht ganz zu Unrecht ähnliche Vorwürfe gemacht. Allerdings gibt es einen Unterschied: Google gab den Creators etwas durchaus Wertvolles zurück: Traffic - den diese selbst vermarkten konnten. In der AI-Ära ist es auch damit vorbei. Die Zero-Click-Search wird zur Normalität.

Daraus ergeben sich im Wesentlichen zwei mögliche Entwicklungen:

  1. Content wird interessengeleitete Ramschware

  2. Content wird von Personen bereitgestellt, die eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen und nicht auf eine direkte Monetarisierung angewiesen sind. Letztlich dient der Content als (mehr oder weniger subtile) Werbung. Reichweite ist der Schlüssel. Deswegen ist dieser Content laut, emotional und - vor allem - kostenlos. Immerhin: In einer KI-Welt wird dieser Content weniger schrill daherkommen. Er muss nicht Emotionen ansprechen, sondern Algorithmen. Weniger nervig wird es dadurch aber vermutlich nicht.

Im Prinzip lebt das Internet derzeit mit diesem Szenario. Gut möglich, dass sich die Entwicklung linear fortsetzen wird. Dafür spricht, dass Content durch KI-Zusammenfassungen noch schwerer vermarktbar wird. Das Feld der Content-Erzeugung wird daher noch mehr Akteuren überlassen, die von einer indirekten Monetarisierung leben können.

Immerhin denkbar ist aber auch, dass die Ausbreitung von KI-Shit-Content diese Entwicklung endgültig überzieht. Die Wertlosigkeit der massenhaft KI-generierten Podcasts, Videoclips, Bücher und Social-Media-Posts wird so offensichtlich, dass sie zu einer Rückbesinnung auf Qualität führt.

  1. Inhalt wird wertvolles Premium-Produkt

  2. Man darf nicht vergessen, dass Content und KI nicht untrennbar verbunden sind. Die KI könnte daher ein - bezahltes oder vermarktbares - Werkzeug sein, das einen definierten - und bezahlten - Content-Pool zugänglich macht. In diesem Szenario würde Content aufgewertet, weil er ein eigenständig zubuchbarer Bestandteil ist. Werkzeug und Inhalt sind getrennt, die Qualität des Outputs wird vom Nutzer selbst bestimmt.

Letzteres Szenario mag arg kulturoptimistisch klingen. Aber haben in den vergangenen Jahren Bezahl-Internet und Paid-Content nicht einen regelrechten Aufschwung erlebt? Vor 20 Jahren kam es den meisten Nutzern noch völlig absurd vor, für irgendetwas im Internet zu bezahlen - nicht einmal für Musik, Software oder Filme. Vor 15 Jahren kämpften App-Anbieter noch darum, winzige Einmal-Beträge in Höhe von 2,99 Euro zu erheben - von wiederkehrenden Zahlungen ganz zu schweigen. Vor zehn Jahren erschienen Bezahlschranken und Paid-Content-Angebote für journalistische Angebote noch als ein Ding der Unmöglichkeit. Und erst in allerjüngster Zeit haben sich Nutzer daran gewöhnt, für digitale Dienstleistungen wie Übersetzungen, Outdoor-Navigation, Sprachkurse oder eben KI-Angebote zu bezahlen.
Thema: Interaktiv-Trends 2026/2027: Siegeszug des KI-Scheißcontent

Kommentar von Dominik Grollmann

Viel Content, wenig Bedeutung

Eine AI-optimierte Welt ist vor allem eine für AI optimierte Welt.

Weiterlesen
Dominik Grollmann, Analyst iBusiness (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
Neuer Kommentar  Kommentare:
Schreiben Sie Ihre Meinung, Erfahrungen, Anregungen mit oder zu diesem Thema. Ihr Beitrag erscheint an dieser Stelle.
Dienstleister-Verzeichnis Agenturen/Dienstleister zu diesem Thema:

AIMAX Business Solutions - eine Division der tripuls media innovations gmbh

Die KI-Infrastruktur-Lösung AIMAX® bildet die zentrale Plattform zur KI-Adoption in Unternehmen. Mit AIMAX® steht die Power von Künstlicher Intelligenz sofort allen Mitarbeitern und in Ihren Prozessen zur Verfügung. AIMAX® steht dabei für 100% Datenschutz, Datensicherheit, Effiziente Automatisierung, Enterprise-readyness, Digitale Souveränität und Zukunftssicherheit durch höchste Flexibilität.

Unternehmensprofil ansehen