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Interaktiv-Trends 2026/2027

Interaktiv-Trends 2026/2027: Social Media - Die von Bots beherrschte No-Go-Area

09.01.2026 Social Media wird 2026 endgültig zur No-Go-Area für Marken, die noch einen Wert auf Reputation legen.

 (Bild: ChatGPT/Sebastian Halm)
Bild: ChatGPT/Sebastian Halm
Das größte Problem von Social Media ist nicht KI. Es sind die Betreiber, die ihre eigenen Netzwerke auf der Suche nach möglichst großem Profit zum Teufel jagen. KI, zugegeben, dient dabei manchmal als Peitsche. Die vermutlich denkwürdigste Äußerung dabei stammt aus einem Interview   mit David Baszucki, dem Mitbegründer und CEO der sozialen Spieleplattform Roblox, die immer wieder Kritik aufzieht, wegen eines vermeintlich zu laxen Umgangs mit Sexualstraftätern und Cybergroomern, die sich auf Roblox an Kinder heranmachen sollen. Diese "Predators" (so der englische Begriff) sehe man nicht unbedingt als Problem, sondern als Gelegenheit(!), ("We think of it not necessarily as a problem, but as an opportunity as well") - um sich danach in Tagträumen zu verlieren, man könne Roblox zur Dating-Plattform für Ab-17-Jährige aufbohren (nur zur Erinnerung: Sowohl in Deutschland als auch den USA sind das Minderjährige).

Das ist eine Haltung, mit der man wahrlich nur in 2025 davonkommt, weil sie im Grundrauschen des Irrsinns untergeht. Marken indes, die in sozialen Medien werben wollen, sollten hellhörig werden, denn Baszuckis Äußerung ist extrem, aber eher stellvertretend für den Verfall der sozialen Medien, angetrieben von innen hohlen rechtsdrehenden Bossen, ausgestopft mit KI-Schrott.

Man muss nur auf die Führungsriege hinter den sozialen Medien schauen, um zu begreifen, dass von hier keine Besserung zu erwarten ist. Da ist der vom Buchstaben X besessene und das gleichnamige Netzwerk betreibende 'Menschenfreund' Elon Musk. Kaum zu etwas Macht gekommen, strich der mal eben vom Schreibtisch aus die US-Afrika-Hilfe zusammen - was nach Schätzungen von Hilfsorganisationen hunderttausende Menschen umbringen wird.

Oder Mark Zuckerberg, der in seiner cringen Marionettenhaftigkeit wirkt, wie das Destillat all der misogynen Möchtegern-Alpha-Männlichkeit auf Facebook  . Er hat per Chef-Order die Faktenchecks bei Facebook abgeschafft und so Lügen den Segen des Hausherren gegeben. Seine Surf-Einlage   vom 4. Juli 2024, als er im Smoking aus einer Büchse saufend über die Wellen schoss - das war genau jener haarsträubende Content, wie ihn KIs ausspucken - nur halt ohne KI. Denn The Zuck hat das Geld, die surreale Peinlichkeit der typischen KI-Männerphantasie im guten alten Real Life nachzubauen.

Doch es wäre vernachlässigenswert, wenn diese üblen Gestalten wenigstens Gutes in ihren Ökosystemen wirken würden - indes das tun sie nicht. Im Gegenteil.

Facebook-Mutter Meta soll eine Studie zu psychischen Schäden durch Facebook und Instagram erst in Auftrag gegeben und dann heimlich gestoppt haben, als sich die schockierenden Ergebnisse abzeichneten. Das wurde im Rahmen einer Klage von Schulbezirken in den USA gegen mehrere Social-Media-Anbieter bekannt, schreibt Deutschlandfunk Kultur  . Die Untersuchung befand, dass Jugendliche schon nach einer Woche Social-Media-Verzicht deutlich weniger depressiv waren, weniger Angst spürten und sich weniger einsam vorkamen. Australien hat als erste Nation der Welt daraus die Konsequenz gezogen, Social Media für unter 16-Jährige zu verbieten.

KI tut ein Übriges, um Social Media zur Hölle auf virtuellen Erden zu machen. Laut Spiegel Online fluten KI-Accounts ohne irgendeine Form von Bestrafung durch die Medien selbige mit sexualisierten KI-Bildern junger Frauen. Auch Fake-News-Accounts sind aktiv, die besonders Migranten und Juden auf übelste Weise ins Visier nehmen - dies scheine nicht gegen das Interesse der Netzbetreiber zu sein, deren "System Volumen und Schock belohnt." Mit anderen Worten: Nicht nur Volksverhetzung klickt - möglichst viel davon in kurzer Folge klickt sogar noch besser.

Ein Report der Mediamessungs-Plattform Integral Ad Science (IAS) kann kaum das Misstrauen verbergen, mit dem Advertiser zunehmend den sozialen Medien und der Werbung dort gegenübertreten. Die Lektüre macht deutlich, dass sich die Euphorie über digitale Videos, soziale Plattformen und KI-getriebene Inhalte zunehmend mit Skepsis mischt. Zwar bleiben Social Media und Digital Video zentrale Säulen der Mediapläne für 2026, doch ihr Wachstum geht mit einem spürbaren Vertrauensverlust einher. Vor allem die rapide Zunahme KI-generierter Inhalte stellt die Werbebranche vor neue Kontrollprobleme.

Auffällig ist, wie stark soziale Plattformen inzwischen als unsichere Werbeumfelder wahrgenommen werden. Ein Großteil der Marktteilnehmer rechnet damit, dass KI-Inhalte in Social Feeds deutlich intensiver überwacht werden müssen. Hintergrund sind Sorgen vor irreführenden, fehlerhaften oder bewusst manipulierten Formaten - von Halluzinationen bis hin zu Deepfakes. Social Media verlieren damit ihren Status als weitgehend kalkulierbare Reichweitenkanäle und werden zunehmend als Adjacency-Risiko diskutiert.

Auch Influencer- und Creator-Content wird kritischer bewertet als noch vor wenigen Jahren. Zwar wächst seine strategische Bedeutung weiter, doch die Diskussion hat sich verschoben: weg von Reichweite und Authentizität, hin zu Eignung, Kontrolle und Markenverträglichkeit. Die hohe Relevanz von Creator Suitability deutet darauf hin, dass Werbetreibende Social Media nicht mehr automatisch als markensicher ansehen, sondern jede Platzierung stärker prüfen müssen.

Die Konsequenz dieser Entwicklung ist ein deutlich steigender Bedarf an externer Verifizierung und Regulierung. Dass eine überwältigende Mehrheit unabhängige Drittanbieter als notwendig erachtet, um KI-Inhalte überhaupt identifizieren zu können, ist ein bemerkenswertes Signal. Es zeigt, wie begrenzt das Vertrauen in die Selbstkontrolle der Plattformen inzwischen ist.

Keine Marke kann ernsthaft daran interessiert sein, dieses Umfeld auf sie abfärben zu lassen. Media-Urgestein Thomas Koch, der auf iBusiness bereits darlegte, dass kein Mediaplan auf Social angewiesen sei, stellt vor dem KI-Hintergrund erneut die Sinnfrage: "Social Media war bislang fast nie in der Lage, eine erfolgreiche Marke aufzubauen. Durch die Zunahme der unfassbaren Brand Safety Issues - der Mord an Trump-Unterstützer Charlie Kirk war bei Social Media jedem Jugendlichen zugänglich - gegen die jetzt endlich auch der OWM   vorgeht, sind die sogenannten 'sozialen' Medien zu einer No-go-Area für Marken geworden."

Das ewige Totschlagargument, dass man in Social Media aber die Menschen finde, vor allem die Jugend (die sich vermutlich einfach nur wünscht, in Ruhe gelassen zu werden), sticht mittlerweile auch nicht mehr. Freunde der Verschwörungstheorie kennen die seit Jahren kursierende Dead Internet Theory, nach der das Web vor Jahren menschenleer auf Autopilot läuft: Die Posts und die Lektüre selbiger wird danach komplett von Bots übernommen. Das war lange Science-Fiction, verschiebt sich aber jährlich mehr ins Jahr der belegbaren Faktenlage:
  • Erstmals seit einem Jahrzehnt hat 2024 der automatisierte Datenverkehr die menschliche Aktivität im Internet offiziell überholt (Quelle  ).
  • 51 Prozent des gesamten Web-Traffics wurden im Jahr 2024/2025 von Bots verursacht.
  • 37 Prozent des Traffics entfallen auf sogenannte Bad Bots (schädliche automatisierte Programme) - ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
  • In bestimmten Branchen ist das Verhältnis noch extremer: Auf Reise-Websites machen Bad Bots rund 48 Prozent des Traffics aus.
Falls Sie es überlesen haben: Die Auswirkungen auf die SMM-Budgets liegen bisher bei Null. Es wird weiter Geld in jene Plattformen gepumpt, die dem kindesverführenden, holocaustleugnenden, rassistischen, frauenhassenden Bodensatz der sozial-medialen Welt nicht nur Heimat bieten, sondern um sie werben. Denn Hass klickt. 2026 sollte das Jahr sein, in dem die Marken den Netzwerken den Auftrag geben, ihre Läden in den Griff zu bekommen - oder sich ins Knie zu klicken.
Thema: Interaktiv-Trends 2026/2027: Social Media - Die von Bots beherrschte No-Go-Area

Kommentar von Sebastian Halm

Vier Szenarien für die Socialkalypse

Die Marketer, die sich duselig freuen, wie einfach Inhalte mit KI entstehen, beklatschen die eigene Beerdigung.

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Sebastian Halm (Timo Bierbaum)
Bild: Timo Bierbaum
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